Interview Partner

Dr. Jochen Markgraf, Corporate

Corporate

Das steht auf meiner Visitenkarte:

Partner


Seit wann sind Sie bei GLADE MICHEL WIRTZ und wie sind Sie zu der Kanzlei gekommen?

Seit der Gründung im Juni 2007 gehören Silke Möller und ich neben den Namenspartnern dem Team von GLADE MICHEL WIRTZ an und können uns damit als "Urgestein" von GLADE MICHEL WIRTZ bezeichnen.
Der Weg zu GLADE MICHEL WIRTZ ist recht kurz beschrieben: Eigentlich hatte ich nach Fertigstellung meiner Dissertation meinen Berufseinstieg in der ehemaligen Kanzlei unserer Gründungspartner geplant. Kurz bevor ich dort anfangen konnte, wurde mir dann mitgeteilt, dass Arndt Michel, in dessen Dezernat ich beginnen wollte, zusammen mit Achim Glade und Markus Wirtz eine eigene Spezial-Kanzlei gründen würde. Das Konzept einer kleineren, auf die Rechtsgebiete Gesellschafts- und Kartellrecht spezialisierten Einheit hat mich sofort überzeugt und fasziniert. Dennoch – um ganz ehrlich zu sein – folgten dem ersten Gespräch ein paar schlaflose Nächte um die Frage, ob ich diesen spannenden Weg mitgehen sollte bzw. welche Chancen und Risiken ein Einstieg bei GLADE MICHEL WIRTZ bedeuten würde. Heute kann ich sagen, dass es für mich die beste Entscheidung war, bei GLADE MICHEL WIRTZ zu beginnen.


Was ist das Besondere an GLADE MICHEL WIRTZ?

GLADE MICHEL WIRTZ zeichnet sich vor allem durch das Team, unseren Teamgeist und das absolut kollegiale Miteinander aus, welches es uns ermöglicht, unseren nationalen und internationalen Mandanten eine juristische Beratung auf allerhöchstem Niveau bieten zu können. Eine entscheidende Rolle spielt auch, dass wir alle sehr unterschiedliche Typen sind und sich bei uns jeder so geben kann, wie er wirklich ist. Nach meiner Einschätzung ist dies auch der entscheidende Unterschied, den wir auch von Referendaren und unseren jungen Anwaltskollegen immer widergespiegelt bekommen.
Aus Sicht eines Berufseinsteigers – so habe ich es seinerzeit jedenfalls empfunden – sind die unmittelbare Mandatsanbindung ab dem ersten Tag sowie die sehr individuell gestaltete Fort- und Ausbildung etwas Besonderes ebenso wie der Umstand, dass den Associates und Counsel keinerlei Stundenvorgaben gemacht werden.


Wie sieht die tägliche Arbeit im Bereich Corporate für einen Partner aus?

Grundsätzlich gestaltet sich die tägliche Arbeit sehr bunt und vielfältig.
Sobald ich persönlich die erste Herausforderung des Tages, nämlich die Kinder für den Kindergarten und die Schule pünktlich fertig zu machen, gemeinsam mit meiner Frau erfolgreich erledigt habe, erfolgt im Büro zunächst eine kleine Durchsicht und Abstimmung der Arbeiten und Aufgaben, die für den Tag anstehen. Im Fokus steht dabei natürlich immer die Arbeit am Mandat, die – je nach Projekt und inhaltlichem Schwerpunkt des Corporate-Mandats – sehr unterschiedlich ausfallen kann. Beispielsweise unterscheidet sich die Bearbeitung eines M&A-Mandats (u.a. Konzeptionierung und Gestaltung von Verträgen, Durchführung von Verhandlungsrunden, Telefonkonferenzen) sehr von der Arbeit im Rahmen einer gerichtlichen Auseinandersetzung, die neben der Erstellung von Schriftsätzen auch die Teilnahme an Gerichtsverfahren beinhaltet. Auch die Bearbeitung von Mandaten im Kapitalmarktrecht ist wieder zu unterscheiden von einer Beratung im Bereich Restrukturierung.
Neben der Mandatsarbeit ergeben sich täglich auch verschiedene interne Aufgaben. Höchst interessant und fester Bestandteil des Tages ist nicht zuletzt immer auch der Austausch mit den Kollegen und Mitarbeitern, sei es morgens bei einer Tasse Kaffee, beim Mittagessen oder – freitagsabends – bei unserem Feierabendbier.


Wie fördern Sie junge Berufsanfänger bei GLADE MICHEL WIRTZ?

Die beste Förderung zu einer echten Anwaltspersönlichkeit erfolgt aus meiner Sicht durch die intensive und unmittelbare Arbeit am Mandat. Dies schließt natürlich mit ein, dass wir sämtliche Arbeiten intensiv mit unseren jungen Kollegen besprechen und ihnen erklären und erläutern, was aus unserer Sicht gut war und an welchen Stellen ggf. noch einmal etwas nachgebessert werden sollte.
Daneben haben wir im Laufe der Jahre ein sehr umfangreiches Ausbildungsprogramm erstellt, welches – und das ist der eigentliche Vorteil – immer individuell auf unsere jungen Kollegen zugeschnitten wird. Dies betrifft sowohl die Fortbildung im materiellen Gesellschafts- oder Kartellrecht als auch die Weiterbildung in den Softskills. Wer beispielsweise gerade von einem Auslandsjahr in einem englischsprachigen Land zurückkehrt, der muss nicht (kann aber natürlich) an unserem wöchentlich stattfindenden Englischunterricht teilnehmen. Wer Interesse am Kapitalmarktrecht hat, seine Kenntnisse noch einmal auffrischen oder vertiefen möchte, der kann in Abstimmung mit meinen Partnern Marco Sustmann und Andreas Merkner gerne an entsprechenden Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen.
Auch die Teilnahme an einem Fachanwaltslehrgang im Gesellschaftsrecht wird von uns sehr gerne gefördert. Dabei geht es weniger um die Erlangung des Titels des Fachanwalts als um den Vorteil eines solchen Kurses, die wesentlichen Bereiche des Handels- und Gesellschaftsrechts noch einmal kompakt und praxisnah vermittelt zu bekommen. Zuletzt fördern wir die jungen Berufsanfänger bei GLADE MCIHEL WIRTZ auch dadurch, dass ihnen vom ersten Tag an die Möglichkeit geboten wird, ein eigenes Netzwerk aufzubauen. Sei es der Aufbau von Kontakten mit unseren JURDAY-Kanzleien, anderen Teilnehmern von Konferenzen oder auch der Ausbau von Kontakten zu Lehrstühlen. Dies verstehen wir bei GLADE MICHEL WIRTZ primär nicht nur als Aufgabe der Partner, sondern wir fördern es vielmehr, dass auch unsere Associates diese Kontakte pflegen, aufbauen bzw. weiter ausbauen.


Welche Qualifikationen bzw. Vorkenntnisse sollte ein Berufsanfänger im Bereich Gesellschaftsrecht mitbringen?

Ein Berufsanfänger sollte aus unserer Sicht neben zwei Prädikatsexamina insbesondere aufgeschlossen sein, gemeinsam in einem kleinen Team spannende Mandate zu bearbeiten. Sie oder er sollte Lust haben, sich in komplexe Themen einzuarbeiten und nach den besten Lösungen für unsere Mandanten zu suchen. Daneben haben alle unsere Anwälte eine Promotion; die jungen Bewerber, die noch kein Promotionsvorhaben begonnen haben, unterstützen wir gerne bei diesem Vorhaben.
Besondere Kenntnisse im Bereich Gesellschaftsrecht sind nicht erforderlich. Unsere Erfahrung zeigt, dass unsere Berufseinsteiger durchaus in der Lage sind, sich schnell in die Themen einzuarbeiten. Das materielle Recht können sie durch den Besuch von Fortbildungsveranstaltungen erlernen bzw. festigen, sofern dies erforderlich ist.


Was ist das Spannendste, Unvergesslichste, Witzigste, Aufregendste, was Ihnen bisher in ihrem Berufsalltag passiert ist?

Unvergesslich: Am Abend des Signings eines größeren M&A Deals fehlte nur noch eine Unterschrift des Geschäftsführers einer kleineren Tochtergesellschaft der zu verkaufenden Gesellschaft. Nach zahlreichen ergebnislosen Versuchen (der Blutdruck aller Beteiligten stieg ins Unermessliche) erreichten wir ihn dann doch noch zu sehr später Stunde auf seinem Handy. Er war gerade auf Kneipentour in Köln unterwegs und hatte auch seinen Laptop nicht dabei. Damit wir doch noch seine Unterschrift bekamen, ging er in ein Hotel am Zülpicher Platz, ließ sich dorthin die Genehmigungserklärung faxen, unterzeichnete, faxte zurück, und begab sich wieder in das Nachtleben von Köln. Als wenn nichts gewesen wäre.
Am Witzigsten: Arndt Michel und ich haben vor mehreren Jahren ein größeres Mandat in Brandenburg bearbeitet. Eines Abends waren wir mit dem Mandanten Essen und ich fuhr dann weit nach Mitternacht zurück ins Hotel. Leider kamen und kamen wir nicht an, da uns das Navigationssystem immer im Kreis herumführte, was wir allerdings erst – zugegebenermaßen – nach ca. einer halben Stunde bemerkten. Wir haben es einfach auf die Dunkelheit geschoben. Mittlerweile können wir beide Navigationsgeräte bedienen.
Am Aufregendsten: Meine erste Verhandlung, die ich alleinverantwortlich in Mailand geführt habe. Dem Geschäftsführer unserer Mandantin und mir saß das ganze Team der Rechtsabteilung des italienischen Unternehmens mitsamt externen Anwälten gegenüber. Summa summarum weit mehr als 14 Personen, die ununterbrochen auf uns einredeten, wobei sie sich einen Großteil der Zeit auch damit beschäftigten, sich untereinander sehr harsch anzugehen. Letztlich verlief die Verhandlungsrunde aber doch sehr erfolgreich, da wir eine Vielzahl der noch offenen Punkte mit sehr guten Ergebnissen für unsere Mandantin klären konnten.


Was ist das Beste an der Arbeit bei GLADE MICHEL WIRTZ?

Das Team, der Kaffee, das offene und ehrliche Miteinander!


Welche Einschränkungen bringt der Beruf mit sich?

Selbstverständlich bringt auch der Beruf des Anwalts gewisse Einschränkungen mit sich, was aber auch für alle anderen Berufe gilt. Beim Anwaltsberuf sehe ich jedoch noch den entscheidenden Vorteil, dass der teilweise recht hohen Arbeitsbelastung auch genügend Freiräume gegenüberstehen. Dies schließt insbesondere mit ein, dass man sich in etwas ruhigeren Phasen auch durchaus gewisse Freiheiten nehmen kann.


Was ist Ihr Ausgleich zum Büroalltag?

Ganz klar meine Familie; obwohl: wer schon einmal einen intensiven Tobsuchtsanfall eines dreijährigen Mädchens miterlebt hat, weil es im tiefsten Winter nicht im dünnen Sommerkleid in den Kindergarten gehen durfte, der erkennt zwangsläufig, dass der Büroalltag dagegen nicht wirklich stressig ist.
Daneben kann ich beim Fußballspielen und Fußballschauen (demnächst wieder in der 1. Liga...) besonders gut abschalten.


Welche drei Begriffe assoziieren Sie mit dem Wort Jura?

Semesterabschlussparties, Herausforderungen, Traumberuf
 

Sie planen ein jura-freies Wochenende auf einer einsamen Insel und dürften nur drei Dinge mitnehmen. Welche wären das?

Sky-Go, ein gutes Buch und meinen Bruder, sofern er als Ding durchgeht.
Anmerkung: Meine Frau und meine beiden Töchter kann ich leider nicht mitnehmen, da letztere nicht ohne unsere Hündin Frieda mitfahren würde und dann wären es ja schon vier.


Welchen Tipp würden Sie gerne jedem Nachwuchsjuristen mitgeben:

Genießen Sie das Studium (zumindest vor der heißen Examenszeit), schauen Sie sich im Referendariat unterschiedliche Kanzleimodelle an und verfassen Sie eine Dissertation, sofern sich Ihnen diese Möglichkeit bietet.
Ganz wichtig: Lassen Sie am Ende Ihr Bauchgefühl entscheiden, für welchen Arbeitgeber Sie sich entscheiden.