Interview Partner

Dr. Dirk Janssen

Gesellschaftsrecht/M&A

Das steht auf meiner Visitenkarte:

Rechtsanwalt Partner Watson Farley & Williams


Seit wann sind Sie bei der Kanzlei Watson Farley & Williams und wie sind Sie zu der Kanzlei gekommen?

Ich bin seit 2010 Partner bei WFW. Vorher habe ich bei einer amerikanischen und einer britischen Kanzlei gearbeitet. In der Zeit ist mir WFW bei Verhandlungen auf der Gegenseite mehrfach über den Weg gelaufen. Es war immer eine sehr angenehme und zugleich höchst professionelle Zusammenarbeit. Als ich dann angesprochen worden bin, ob ich mir einen Wechsel vorstellen könne, musste ich nicht lange nachdenken. Die vielen folgenden Gespräche mit WFW Partnern aus München, Hamburg und London haben mein Bild bestätigt, so dass ich mich dazu entschlossen habe, in die Partnerschaft von WFW zu wechseln. Es war die richtige Entscheidung.


Was ist das Besondere an Watson Farley & Williams?

Watson Farley & Williams unterscheidet sich von anderen Kanzleien schon dadurch, dass wir uns nicht als „one stop shop“ verstehen, also nicht alle Gebiete der Rechtsberatung abdecken. Strafrecht gehört z.B. nicht zu unserem Beratungsumfang. Wir verstehen uns als Spezialisten für komplexe internationale Transaktionen. So haben wir z.B. bei Milliarden-Projekten im Bereich Offshore-Wind beraten oder Investoren begleitet, die die HafenCity in Hamburg entwickeln wollen. Im Gegensatz zu unseren Mitbewerbern setzen wir dabei nicht auf Masse, sondern auf schlanke Strukturen. Wir sind weltweit ca. 400 Anwälte und damit nicht zu vergleichen mit Kanzleien von mehreren tausend Anwälten. Uns ist es wichtig, dass man nicht in einer anonymen Einheit arbeitet, sondern sich noch persönlich kennt. Nur so lernt man die „Laufwege“ des anderen kennen und kann das Optimale aus der Beratung für den Mandanten herausholen. Für Berufseinsteiger bedeuten diese Strukturen, dass sie von Anfang an mit in der ersten Linie arbeiten, und zwar visibel für den Mandanten. Das ist aus meiner Sicht der entscheidende Vorteil. Wir geben unseren jungen Kollegen die Chance, sich zu Anwaltspersönlichkeiten zu entwickeln.


Wie sieht die tägliche Arbeit im Bereich Gesellschaftsrecht/M&A für einen Partner aus?

Als Partner im Transaktionsbereich ist man verantwortlich für die Gesamtleitung des jeweiligen Projektes. Regelmäßig arbeiten Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen an der Transaktion (z.B. aus den Bereichen Steuern, Arbeitsrecht, Finance). Es ist Aufgabe des federführenden Partners, das gesamte Team zu koordinieren, z.B. alle wesentlichen Informationen an die Kollegen weiterzugeben und sicherzustellen, dass sich deren Input dann in den Transaktionsdokumenten widerspiegelt. Der Partner muss immer die Übersicht über alle Einzelbereiche haben und die jeweiligen Puzzlestücke zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Mit diesem Wissen ist er dann auch regelmäßig der Verhandlungsführer.
Schließlich ist er verantwortlich für die Schnittstelle zum Mandanten. Diese Aufgabe ist gerade in sehr zeitkritischen Phasen der Transaktion nicht immer leicht, da es hier auch schon mal emotional werden kann. Die Aufgabe des Partners ist daher nicht nur rechtlicher Natur. Er muss es verstehen, dem Mandanten ein gutes Gefühl zu geben. Das ist vielfach eine Erfahrungssache.
Unter dem Strich kann man die Rolle des Partners daher vergleichen mit der eines Dirigenten. Er muss nicht alle Instrumente spielen können, ist aber dafür verantwortlich, dass man dem Orchester im Ganzen gerne zuhört.


Wie fördern Sie junge Berufsanfänger bei Watson Farley & Williams?

Die aus meiner Sicht wichtigste Säule der Förderung ist das „learning by doing“. Junge Kollegen werden bei uns sofort mit auf Transaktionen eingesetzt. Ein „back office“ gibt es nicht. Uns ist dabei klar, dass wir keine besonderen praktischen Vorkenntnisse erwarten können. Der interessierte Kollege wird aber schnell die Besonderheiten des Transaktionsgeschäfts lernen. Er wird mit verschiedenen Partnern und Associates zusammen arbeiten und so verschiedene Arbeitsstile kennen lernen. Daneben sind die Türen unserer Partner immer offen und wir ermuntern unsere Kollegen, Fragen zu stellen. Wir haben schließlich alle einmal angefangen und wissen, wie hilflos man sich manchmal fühlt.
Daneben fördern wir die Entwicklung unserer Kollegen durch die WFW-Academy, einem Programm, das auf die Seniorität und den Fachbereich der jeweiligen Teilnehmer zugeschnitten ist und die praktische Ausbildung theoretisch begleitet. Hier wird z.B. die grundlegende Systematik eines Unternehmenskaufvertrages vorgestellt oder erläutert, was man unter einer Due Diligence versteht.


Welche Qualifikationen bzw. Vorkenntnisse sollte ein Berufsanfänger im Bereich Corporate/M&A mitbringen?

Neben einer fundierten juristischen Ausbildung ist für mich persönlich das Interesse und die Euphorie eines Kollegen das Wichtigste. Wer Transaktionserfahrung sammeln will und Spaß an diesem Bereich hat, der wird sich schnell entwickeln können. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit basiert auf Erfahrung. Die muss man sammeln.
Da wir viel international arbeiten, sind sehr gute Englischkenntnisse von großer Bedeutung. Auch sollte man keine Berührungsängste haben, wenn auf dem Display des Telefons eine ausländische Vorwahl erscheint. Im Anwaltsberuf ist Kommunikationsfreude wichtig.


Was ist das Spannendste, Unvergesslichste, Witzigste, Aufregendste, was Ihnen bisher in ihrem Berufsalltag passiert ist?

Eher das Peinlichste… Meine erste Due Diligence als Berufseinsteiger. Mittags wurde Essen in dem Besprechungsraum bereitgestellt. Lasagne. Als ich grade ein Stück auf dem Löffel hatte, rutschte der Deckel des Behältnisses auf mich zu. Ein Reflex meinerseits und die Lasagne klebte an der weißen Wand…


Was ist das Beste an der Arbeit bei Watson Farley & Williams?

Zum Einen das sehr angenehme, vertrauensvolle und ehrliche Miteinander. Ich denke, es macht Spaß, bei uns zu arbeiten. Wir sind ein junges, dynamisches Team. Zum Anderen haben bei uns unternehmerisch denkende Persönlichkeiten die Freiheit, Ideen umzusetzen und sich so einen eigenen Business-Case aufzubauen. Wir zwängen niemanden in ein Korsett sondern sind offen für neue Ideen.


Welche Einschränkungen bringt der Beruf mit sich?

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass wir Dienstleister sind. D.h., der Mandant ist König. Wie oben schon beschrieben, kommt es darauf an, dass er sich gut aufgehoben fühlt. Es kann daher vorkommen, dass man auch mal am Wochenende arbeiten oder seinen Urlaub verschieben muss. Das ist aber die Ausnahme. Ich habe es auch sehr selten erlebt, dass man Kollegen motivieren musste, diese Extra-Meile zu gehen. Wenn man in einer Transaktion arbeitet, möchte man sie erfolgreich zu Ende bringen, sie über die Ziellinie tragen. Man ist motiviert bis über die Haarspitzen. Die Belastung spürt man in dem Moment nicht.


Was ist Ihr Ausgleich zum Büroalltag?

Sport, Bergwandern, Reisen.


Welche drei Begriffe assoziieren Sie mit dem Wort Jura?

Eigentlich gar keine. Das Transaktionsgeschäft würde ich jedenfalls nicht mit Jura assoziieren.


Sie planen ein jura-freies Wochenende auf einer einsamen Insel und dürften nur drei Dinge mitnehmen. Welche wären das?

Eine einsame Insel wäre nichts für mich. Schrecklich langweilig.


Welchen Tipp würden Sie gerne jedem Nachwuchsjuristen mitgeben:

So früh wie möglich mit Praktika beginnen, um festzustellen, was einem Spaß macht und was nicht.