10 Eigenschaften von Juristen!

Bist du ein solcher "Oberjurist" und erkennst dich wieder ;)?


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 15.10.2018

 

1. Wir können lernen

Belastungsfähigkeit ist ein gern gesehenes Attribut bei Arbeitgebern und Chefs. Wer sein Jurastudium fertig bekommen hat und am Ende ein bestandenes Examen vorweisen kann, der hat es spätestens jetzt bewiesen:

 

Er kann lange, hart und zielstrebig arbeiten.

 

Denn der Satz „Jura ist ein Marathon und kein Sprint“, den Professoren, Dozenten und Repititoren gerne von sich geben, ist einfach wahr. Wer Jura durchzieht, der hat auf jeden Fall einen langen Atem und versteht es, lange und akribisch an etwas zu arbeiten.

 

2. Wir können alles machen

Nun gut, das mag übertrieben sein, soll ja aber auch nach etwas klingen. In der Tat ist der Volljurist, wie der Name bereits andeutet, voll und breit ausgebildet.

 

VolljuristIn - Wann ist man das eigentlich?

Jobs für Volljuristen im Überblick

 

Egal ob Strafrecht, Zivilrecht oder Öffentliches Recht, dem Volljuristen stehen all diese Türen offen. Doch nicht nur diese! Aufgrund der unter ​1. vorgestellten Fähigkeit zum akribischen Arbeiten, steht auch dem Eintritt in viele andere Branchen nichts mehr im Weg. Wer noch nicht genau weiß, was er später machen möchte, sich aber viele Türen offen halten will, der ist mit Jura gut beraten.

 

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3. Wir können schleppen

Wer denkt, Juristen wären nur Sesselhocker mit Hemd, der kennt das Jurastudium nicht. Verschiedene Gesetze, Laptoptaschen, Schönfelder und Sartorius Nachlieferungen, Lehrbücher und am besten noch ein paar Skripte klingen für viele nach mehreren Gängen.

 

Ein richtiger Jurastudent fragt sich hingegen was er noch mitnehmen könnte, damit sich der Weg auch lohnt.

 

Wer Jura studiert, braucht weniger Hanteln zu stemmen.

 

4. Wir ertragen Hohn, Spott und Unverständnis

Was sagt man eigentlich heute so über das Studieren? Viel zu gute Noten? Zu viele Studienabsolventen? Ein lockeres Leben und Abgabefristen die mit dem Professor per du besprochen werden und außerdem ist heute ja bereits jeder mit Anfang zwanzig schon fertig mit seinem Studium und steht voll im Leben?

Das stimmt wohl für einige Studiengänge – wir Juristen haben von diesen modernen Anpassungen leider sehr wenig abbekommen. Während sich andere Studierende bei Noten jenseits der 1,x geächtet und völlig missverstanden fühlen, stehen bei uns spätestens bei 9 Punkten die Freudentränen im Gesicht. 9 von 18 „möglichen“ Punkten versteht sich. Dafür gucken einen Kommilitonen aus anderen Studienrichtungen gerne mal schief an. Den Professor zu duzen und individuelle Abgabefristen zu bekommen ist ähnlich wahrscheinlich wie die 18 Punkte im Examen. Bleibt also nur noch die Frage wann wir mit dem Studium fertig sind. Richtig, seit der Verkürzung des Abiturs haben einige Studenten das Privileg mit Anfang zwanzig das Studium zu beenden. Voll im Leben stehen? Definitionssache, bei rund 1000 Euro monatlicher Unterstützung durch den Staat für zwei Jahre Referendariat...

 

Alles Infos rund um das Jura Referendariat je Bundesland hier im Überblick

 

5. Wir können ganz schön nerven

Juristen und Beliebtheit, das ist so eine Sache. Klar ist vieles Klischee, doch manchmal stimmt es wohl, was uns vorgeworfen wird. Es soll schon Eltern gegeben haben, die nach Studienbeginn der eigenen Kinder keinen Tatort mehr mit diesen gucken wollten, weil das doch alles gar kein Mord sei und der Richter dieses und jenes angeblich gar nicht dürfe. Obwohl man all das ja nur von anderen hört und man selbst so etwas niemals machen würde,

 

manchmal erwischt jeder Jurastudent dann doch den kleinen Oberjuristen in sich, der einfach gerne anderen das Gesetz erklären möchte.

 

6. Wir lernen früh uns zu rechtfertigen

Gar nicht schlecht für den Beruf, gerade, wenn man eine Zukunft als Anwalt plant. Das Jurastudium ist da sehr geschickt ausgelegt, denn es bringt seine Studierenden immer wieder in die Bredouille. Wer schon einmal seinen nicht-juristischen Freunden erklärt hat, warum man ein Repetitorium besucht, bei dem, das verrät ja bereits das Wort, der Stoff des Studiums nur noch einmal „wiederholt“ wird, weiß was ich meine. Das gilt erst recht dann, wenn man seinen Eltern erklärt hat, warum sie dafür noch einmal einen vierstelligen Betrag überweisen dürfen.

Wer dann noch auf der Familienfeier gefragt wird, ob man nicht auch langsam mal arbeiten wolle, weil der Cousin seinen BWL Bachelor ja auch in 3 Jahren gemacht hat, der ist langsam aber sicher auf dem Weg zum erfahrenen Verteidiger, noch lange bevor es eine Zulassung gibt.

 

7. Wir wissen noch, wie eine Bibliothek funktioniert, können scannen und kopieren wie die Weltmeister

Einfach kurz online was eingeben und fertig? Die neueste Ausgabe des „Science Magazine“ online lesen und für die Hausarbeit benutzen?

Nicht mit den Juristen und Prüfungsämtern unserer Zeit. Wer online Quellen benutzt, geht bei manchen alteingesessenen Prüfern schon fast all in. Wer sie richtig zitieren möchte, muss dafür fast ein Zweitstudium beginnen. Das gute alte Buch ist des Juristen bester Freund und wer das nicht glaubt, der kann gerne ein paar Stunden schlecht eingescannte Bücher bei Google Books lesen. Wer kostenlosen Zugang zu vielen Online Kommentaren hat, der ist gesegnet. Der Großteil von uns ist es allerdings nicht, sondern hängt in der Bibliothek rum, was auch mittelfristig so zu bleiben scheint.

 

8. Taxifahrer, Blutsauger und „Einfach-nur-auswendig-Lerner“ - Der Jurist als Aufklärer

Rechtfertigen haben wir, wie bereits erwähnt, schon früh gelernt. Doch wir müssen uns ja nicht nur rechtfertigen, wir dürfen uns auch sehr oft erklären oder eher unser Gegenüber "aufklären". Es gibt wohl kaum eine Fachrichtung, die so viele Klischees und Vorurteile hat wie Jura. Nicht falsch verstehen, vieles hat seine Berechtigung, siehe zum Beispiel Nummer 5. Doch egal wie man es hält, der Satz „Ich studiere Jura“ führt selten zu einem einfachen „Oh cool.“ oder ähnlichem.

 

"Typisch Jurist!" - Eine Welt voller Klischees

 

Eigentlich folgt entweder ein „Boah, das wäre mir aber zu langweilig, ihr müsst doch sogar die Gesetze auswendig lernen oder?“, ein „Das wäre mir ja zu trocken.“ oder eine Bemerkung bezüglich Berufsaussichten oder Gehalt. Da ist witzigerweise auch alles möglich. Von „Ohje, für euch gibt es ja gar keine Jobs mehr, meinst du, du wirst etwas anderes als Taxifahrer?“ bis hin zu

 

„Noch so ein Blutsauger, du wirst ja ordentlich Kohle machen, was?“

 

kann wirklich alles kommen. Wer Jura studiert, der wird nicht nur Advokat, Richter oder ähnliches, er wird eigentlich auch Aufklärer oder sogar Missionar.

 

9. Wir können helfen

Doch es kommt ja nicht nur Negatives. Je länger studiert wird desto länger wird auch die Liste derer, die einem einen Gefallen schulden. Probleme mit der Kündigung der Wohnung hier, ein unzulässiger Mietvertrag da und Probleme beim Verkauf über Ebay dort. Wer Jura studiert, wird für die meisten seiner Freunde automatisch zum Rechtsberater in allen Lagen.

 

Rechtsberater bei der Bundeswehr

 

Was oft schmeichelnd ist, wird genauso schnell auch zum Problem. Scheinen Freunde und Verwandte den Unterschied zwischen einem wenige Semester alten Jurastudenten und einem ausgekochten Fachanwalt oft nicht zu verstehen. So werden nicht nur Fragen bezüglich der Kündigung von Handyverträgen gestellt, sondern gerne auch mal nach einer spontanen Beurteilung der Rechtslage bezüglich der Erbschaft einer halben Großfamilie gefragt.

 

10. Was wir alles nicht können

So etwas gilt natürlich nie für alle. Doch es lässt sich dennoch nicht leugnen, dass die Kunst des über sich selbst und die eigene Fachrichtung lachen, vielen unserer juristisch geprägten Freunde schwer fällt. Auch die eigene Argumentation zu hinterfragen, Fehler zuzugeben oder zu korrigieren gehört nicht zu den Aushängeschildern unserer Zunft. Auch mit der Lockerheit ist das manchmal so eine Sache. Wer nicht gerade in der „Mir-ist-langsam-alles-egal-Phase“ ist, tut sich oft schwer in Hinblick auf das alles entscheidende Examen und die Abhängigkeit von guten Noten einen Schritt zurück zu machen und zu erkennen, dass es durchaus schlimmere Schicksale gibt, als mitten in Europa Jura zu studieren.

 

Zu guter Letzt sind es natürlich auch noch die Klischees, die manchmal einfach stimmen und die wir mit unseren merkwürdigen Neurosen am Leben erhalten. Doch solange wir das hin und wieder erkennen oder im Verlauf unseres Studiums merken, dass die Bootsschuhe langfristig und ohne Boot gar nicht die einzige Möglichkeit der Fußbekleidung sind, ist das wahrscheinlich auch alles so in Ordnung.

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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