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Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei...

Und das Examen keins?


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 23.10.2017

 

Wie es ist, auf seine Examensergebnisse zu warten bzw. wenn man als Jurist auf sein Studium zurückblickt...?!

 

Rückblick...

Mein Studium, das muss ich offen zugeben, war nicht besonders hart. Ich habe in Niedersachsen studiert, was zur Folge hat, dass man vier Semester Zeit für die Zwischenprüfung und danach theoretisch unendlich viel Zeit für die großen Scheine hat.Darüber hinaus muss man drei Praktika absolvieren, eines in der Verwaltung, eines bei Gericht und eines in einer Kanzlei oder in einer Rechtsabteilung. Neben einigen kleinen zusätzlichen Scheinen, wie einem wirtschaftswissenschaftlichen oder einem Fremdsprachenschein, gibt es nur noch den Schwerpunkt. Der besteht aus Seminar- und Studienarbeit und kann alternativ vor oder nach dem 1. Staatsexamen abgelegt werden.

Die Zwischenprüfung machte einem natürlich zunächst große Sorgen, schließlich wurde stets von der großen Hürde im Studium gesprochen, doch ohne despektierlich denen gegenüber zu sein, die sich gerade in diesem Stadium befinden – wie gesagt, auch ich hatte damals so meine Sorgen 

rückblickend war die Zwischenprüfung eher ein leichter Sommerregen statt dem befürchteten Gewitter.

 

Auch die Noten waren am Ende ganz gut, dem Bulimielernen sei Dank. Jeder weiß, dass die Professoren am Anfang jedes Semesters davor warnen, jeder nimmt es sich vor die Ratschläge dieses eine Mal wenigstens zu beherzigen und kontinuierlich das Semester durchzulernen, doch schaffen tut es kaum einer. So war es bei mir ebenfalls.

Die rund sechs Wochen Lern- und Klausurenphase waren Redbull und Kaffee geprägt, das restliche Semester eher durch andere Kaltgetränke.

 

Nach der Zwischenprüfung dachte ich, nun würde es wohl ziemlich happig werden und tatsächlich, las man sich die Inhalte der großen Scheine durch, so konnte einem Angst und Bange werden. Schließlich hatte die Zwischenprüfung tatsächlich eher Grundwissen vermittelt und plötzlich kam Gesellschaftsrecht, Mobiliar- und Immobiliarsachenrecht auf mich zu.

Lange Rede kurzer Sinn: Am Ende waren auch die Scheine keine große Hürde. Natürlich war die Lernzeit dieses Mal noch ein wenig intensiver und zumindest die ersten Noten der Klausuren fielen nicht mehr ganz so üppig aus und dennoch:

Durchfallen war im ganzen Semester bei all meinen Kommilitonen eher die Seltenheit und auch der Aufwand hielt sich rückblickend wieder in Grenzen.

 

Zwischen die einzelnen Scheine hatte ich meine Praktika geschoben. Bei Gericht war ich sehr gerne - in der Verwaltung eher nicht. Mein Anwaltspraktikum konnte ich dank recht guter Noten bei einer großen Kanzlei in Frankfurt am Main absolvieren, das hat mir sogar richtig Spaß gemacht.

Aus diesen praktischen Erfahrungen und dem angenehmen Studentenleben zog ich auch immer dann meine Motivation, wenn das Studium mich mal wieder mit einer Lernphase nervte oder ich in einer das Leben überdenkenden Phase war und mich fragte ob dieses Bücher Gewälze wirklich das Wahre sei.

So kam es, dass ich nach rund drei Jahren, während derer ich bereits ein Jahr hier bei TalentRocket als Autor arbeitete, mit dem Hauptstudium fertig war und für das Examen fit werden musste und auch wollte. Ich musste mich nur noch entscheiden, wann ich meinen Schwerpunkt machen möchte. Ich entschied mich damals für nach dem Examen und rückblickend muss ich leider sagen:

Das war ein Fehler.

 

Wenn jemand einen Rat von mir möchte, so gebe ich gerne ungefragt heraus. Mir hätte in der letzten Phase vor und während des Examens die Gewissheit, bereits etwas „sicher“ zu haben, gut getan. Nicht selten unterhielt ich mich mit anderen Studenten, die sich selber zu Ruhe bringen konnten, indem sie sich vorrechneten, was sie alleine jetzt schon an Punkten fürs Examen gesammelt hatten.

Ja mir ist bewusst, dass der staatliche Teil wichtiger ist und ja mir ist auch bewusst, dass der universitäre Teil nichts ohne den staatlichen Wert ist und dennoch hätte ich mir so etwas wie Vornoten gewünscht. Natürlich wird nicht jeder so empfinden, ich tat es aber.

 

Nach dem Staatsexamen...

Viel wichtiger als das Gefühl, mit einer Vorleistung in das Examen zu gehen, ist allerdings die Phase nach dem Examen. In der befinde ich mich aktuell. Ich habe mein Examen geschrieben, habe das ausgiebig mit meinen Freunden gefeiert, war danach einige Tage im Urlaub und dann...

ja dann nimmt das Übel wieder seinen Lauf und daher auch der Titel.

Die Seminararbeit stand an. Was ich zuvor gefeiert hatte, dass alles so nahtlos ineinander übergeht und ich dadurch so „schnell“ fertig werden könnte, geht mir heute ziemlich auf die Nerven. Ich bin doch ausgebrannter vom Examen als ich es gedacht hätte und ich weiß schon jetzt, wenn ich mit der Seminararbeit fertig bin, dann rückt (hoffentlich) die mündliche Prüfung näher und der Stress geht weiter.

Was ich also sagen will, so wie ich es gemacht habe, war es jedenfalls nicht perfekt. Es ist aber auch kein Weltuntergang und für den ein oder anderen ist es vielleicht sogar genau richtig. Nun bin ich aber von meinem roten Faden abgekommen und habe die Examensvorbereitung samt Examen glatt übersprungen, Entschuldigung dafür.

 

Die eigentliche Examensvorbereitung...

Zur Examensvorbereitung fällt es mir schwer etwas zu sagen oder einen Rat zu erteilen. Ich persönlich habe einen kommerziellen Repetitor gewählt und war und bin auch weitestgehend zufrieden. Allerdings muss ich rückblickend sagen, wer das Geld nicht hat oder es sich sparen will, zwingend notwendig sind kommerzielle Repetitoren auch nicht und Geheimtipps oder examensentscheidende Hinweise habe ich dort nicht bekommen.

Auch interessant zum Thema Repetitorium. 

Wie man seine Examensvorbereitung angeht, hängt glaube ich sehr von der eigenen Persönlichkeit ab, ähnlich wie die Wahl des Zeitpunkts für den Schwerpunkt oder die Entscheidung, ob man den Freischuss wahrnehmen möchte. Ich habe das übrigens nicht getan und habe das bis heute auch noch nicht bereut.

Ich habe bei Kommilitonen beobachten können, dass diese ohne lange Vorbereitung und mit recht geringen Ansprüchen, dadurch aber auch recht befreit in den Freischuss gingen und überraschend gut abschnitten, während andere nach über einem Jahr akribischer Vorbereitung sehr überraschend scheiterten.

Ich selbst habe mich auch länger als ein Jahr vorbereitet, zweifle aber daran, ob das im Nachhinein nötig gewesen ist. Nicht, dass es so gut lief, dass ich auf das Lernen hätte verzichten können, im Gegenteil – ich bin eher unzufrieden.

Allerdings kamen erstens teilweise Themen ran, die ich auch bei deutlich längerer Vorbereitung nicht mehr genauer bearbeitet hätte und zudem verdrängte bei mir irgendwann alles Neuerlernte wieder altes Wissen und das Wiederholen wurde immer mehr und schwieriger.

Zudem kamen durch das Erlernen neuer Materie immer mehr Spezialprobleme hinzu, die ich versuchte zu lernen, obwohl mir stets bewusst war, dass ich sie niemals alle wirklich können würde. Wenn ich einen Rat für die Examensvorbereitung geben müsste, dann wäre es der, sich auf das Wichtigste, die Grundlagen zu fokussieren und Spezialprobleme nur am Rand wahrzunehmen und zu lernen.

Mit gut erlernten Grundlagen und einer funktionierenden Klausurtaktik und Routine halte ich die Chancen, das Examen zu bestehen und das möglichst auch noch gut, für sehr realistisch. Das war es aber auch.

Eine Garantie gibt es sowieso nicht und eine endlos lange Vorbereitung, die dann in einem katastrophalen Examensdurchgang oder einfach einer persönlich schlechte Woche zu Nichte gemacht wird, die lohnt sich einfach zu häufig nicht.

 

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Ich würde daher empfehlen, mit einem soliden Grundwissen, für das es ja bereits einige Zeit der Vorbereitung braucht, möglichst früh zu schreiben und dann eventuell einen Verbesserungsversuch mit etwas mehr Examenserfahrung und hoffentlich der Sicherheit zumindest bestanden zu haben, nachzuschieben.

Die Phase nach dem Examen ist übrigens soweit ich das beobachten kann sowieso hart. Andere, die nicht mehr ihren Schwerpunkt machen müssen, fallen nicht selten ebenfalls in ein Motivationsloch und kommen dann zur mündlichen Prüfung nur schwer in die Gänge. Andere lernen fast direkt nach dem schriftlichen weiter für die Mündliche, was auch übertrieben erscheint und das Risiko birgt, zur Prüfung noch ausgelaugter zu sein.

Wie man es richtig macht, weiß ich natürlich auch nicht 100%.

Ich empfehle aber aus der ex-post Sicht, sich etwas mehr Zeit nach dem Examen zum Ausspannen, Reisen oder einfach mal zum gar nichts tun, einzuplanen, als ich es getan habe!

 

Daneben kann ich es nur empfehlen in der Phase zwischen den Examensklausuren und den  Ergebnissen viel Zeit mit Leuten zu verbringen, die nicht über das Examen reden wollen oder müssen. Die Diskussionen führen zu nichts, es kann fast nur ein schlechtes Gefühl entstehen oder bekräftigt werden und ändern lässt sich nun eh nichts mehr.

 

Wie dem auch sei, haltet durch, besteht eure Examen und wenn doch etwas schief geht, macht euch immer klar, Jura ist nicht alles und es gibt deutliche schlimmere Schicksale auf dieser Welt als einen Rückschlag im Jurastudium!


Liebe Grüße und viel Erfolg euch allen! :)

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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