Arbeit ist kein Ponyhof?

Tipps und Tricks zur Bewältigung des Arbeitsalltags als Jurist


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 05.03.2018

Der Arbeitsalltag kann hart, ernüchternd und auch überfordernd sein. Er bringt viele unbequeme Situationen mit sich, und auch das menschliche Zwischeneinander ist während des Jobs ein Anderes als in der ersehnten Freizeit. Dieser Artikel ist keiner, der über die richtige Form der Organisation oder des Selbstmanagements philosophiert und die Wichtigkeit von viel Sport und guter Ernährung hervorhebt. Vielmehr soll denjenigen, denen bestimmte Situationen immer wieder unangenehm sind oder die oft nicht wissen, was sie tun sollten, ein kleiner aber feiner Ratgeber mit an die Hand gegeben werden, der Tipps gibt, was du konkret wann tun kannst.

 

Bewerbungsgespräch & Gehalt

Der erste Schritt für einen gesunden Berufsalltag beginnt bereits sehr früh, nämlich beim Bewerbungsgespräch. Was hat das Bewerbungsgespräch mit dem Berufsalltag zu tun, willst du wissen? Nun spätestens wenn das Wort Gehaltsverhandlung fällt, sollte ebendies auch der sprichwörtliche Groschen bei dir tun. Denn seien wir alle ehrlich, das Gehalt spielt immer eine Rolle. Für den einen eine größere Rolle, für den anderen eine kleinere - aber eine Rolle spielt es immer. Leider ist die Gehaltsverhandlung etwas, dass den meisten Bewerbern und Mitarbeiter grundsätzlich schwer fällt. Einerseits möchte man niemanden verschrecken oder gar überrumpeln, andererseits möchte man auch nicht für zu wenig Geld arbeiten gehen.

Daher informiere dich vorher möglichst gut. Bringe in Erfahrung, was in der Branche durchschnittlich an vergleichbar qualifizierte Bewerber wie dich bezahlt wird - und am Besten findest du sogar etwas über die Gehaltsstruktur in dem Unternehmen, bei dem du die Gehaltsverhandlung hast, heraus. Lege dir dann eine Taktik zurecht, sammle Argumente für dich und grenze einen Betrag ein, den du mindestens haben „musst“ und was dein realistisches Ziel ist.

Das wichtigste für das Gespräch selbst ist aber das Mindset

Du bist weder ein Bittsteller, noch leierst du deinem Chef persönlich das Geld aus der Tasche. Du bist eine qualifizierte Arbeitskraft, denn sonst hätte man dich gar nicht eingeladen bzw. angestellt  - und dein Chef verdient überdies selber deutlich mehr als du und verfügt hier auch nicht über sein Privatvermögen. Es gibt keinen Grund, unnötige Scham zu haben!

Wer die Gehaltsverhandlungen positiv abschließt, der ist mit Sicherheit motiviert, da er sich für zumindest vernünftig bezahlt hält. Gleichzeitig hat man ein erstes erfolgreiches Gespräch mit dem Chef oder Vorgesetzten gehabt.

 

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Die Neue/ der Neue im Büro

Dieser/ Diese hat es meistens zu Beginn nicht ganz einfach. Es gibt bereits Grüppchen und Freundschaften. Gesprächsthemen über den belanglosen Smalltalk hinaus sind am Anfang auch noch Mangelware. Alles gar kein Problem, wenn man einige Regeln beachtet.

Sei nett und offen, stelle dich persönlich vor und interessiere dich ernsthaft für zukünftigen Kollegen. So findest du schnell heraus, mit wem du auf einer Wellenlänge bist und mit wem eher nicht. Zweiteres ist auch gar nicht weiter schlimm. Schließlich bist du zum Arbeiten dort - und alles über ein professionelles Verhältnis hinaus ist ein „Kann“ aber niemals ein „Muss“. Versuche dich von Anfang an nicht als Eigenbrötler zu geben und suche, wenn auch nicht aufdringlich, Anschluss. Am Besten eignet sich hierfür zu Beginn die gemeinsame Mittagspause. In der Regel findet man bereits nach kurzer Zeit Anschluss zu Leuten, mit denen man sich gut versteht und zu denen man passt!

 

Ähnlich schwierig fällt vielen Arbeitnehmern der Umgang mit dem Chef oder in Kanzleien mit hochrangigen Partnern. Dabei sind gerade in der Beziehung Vorgesetzter zu Mitarbeiter die Regeln denkbar einfach:

Im Zweifel immer professionell und höflich sein!

 

Potentielle Situationen in Beruf und Freizeit

Der Chef hat auf der Betriebsfeier dass „Du“ angeboten und am ersten Arbeitstag ist es unklar, wie man ihn jetzt ansprechen soll?
Benutze das „Sie“. Damit kann nichts schief gehen, denn im besten Fall erinnert er dich noch einmal freundlich an das „Du“, das du ab jetzt verwenden kannst - oder es bleibt alles beim Alten.

Du bist unterwegs auf Geschäftsreise mit deinem Chef? 
Führe Smalltalk, spreche über Geschäftliches und wenn überhaupt nur über unsensibles Persönliches. Von einer Reise kannst du, wenn es passt, gerne erzählen. Fragen nach dem Privatleben des Chefs, ohne dass er damit selbst herausrückt, sind aber tabu. Im Zweifel wird ein Chef, der selbst kein persönliches Gespräch sucht, dir auch immer einen Rückzugsort, bspw. durch das Lesen eines Buches, gewähren.

Der Vorgesetzte hat dir eine Aufgabe/ einen Fall erteilt und du weißt nicht recht, wie du damit umgehen sollst?
Ebenfalls kein Problem. Gehe die Aufgabe zunächst offen und von allen erdenklichen Sichtpunkten an, überlege dir Lösungswege. Bei Problemen oder Fragen arbeitest du am besten zunächst selbst daran. Wenn es für dich aber keine eindeutige Lösung gibt, gehe damit zum Chef. Zeig ihm, dass du nicht sofort zu ihm gerannt bist, sondern selbst Lösungswege gesucht hast. Dann kann er dir auch keinen Vorwurf machen, schließlich ist er nicht zuletzt deshalb dein Chef und wird auch besser bezahlt.

Auch ein zufälliges Treffen mit dem Vorgesetzten in der Freizeit ist häufig ein unerwünschter Zwischenfall. 
Doch auch das ist in der Regel nicht schlimm. Spreche 3 bis 4 Sätze mit deinem Vorgesetzten, stelle wenn vorhanden deine Begleitung vor und halte dann professionellen Abstand zueinander, wenn du nicht zu etwas eingeladen wirst oder ähnliches. So hast du jetzt ganz nebenbei übrigens Stoff für den nächsten Smalltalk im Büroflur bekommen, deine Kollegen werden dich beneiden.

Eine weitere Situation, die für viele unangenehm ist, ist das unbeabsichtigte Treffen auf dem stillen Örtchen.
Klingt lustig, ist es aber für viele eben nicht. Hier gelten aber ebenso einfache Regeln. Händeschütteln ist hier verboten, Rücksichtsnahme geboten. Ein einfaches Kopfnicken oder ein schneller Gruß reichen jedenfalls aus. Wenn sich ein Gespräch entwickelt, ist die Situation offensichtlich sowieso nicht so prekär, wie du dir einredest. Zumindest unter Männern gilt darüber hinaus die Regel, sich wenn möglich nicht direkt neben jemanden zu stellen, aber auch nicht soweit entfernt wie irgendwie nur möglich ;). Das demonstriert sowohl professionellen Abstand aber auch keine unnötige Distanz.

 

Zwischenmenschliche Probleme

Eine der ganz großen Problematiken am Arbeitsplatz und die größte Belastung können zwischenmenschliche Probleme/ Unklarheiten werden. Nun wäre der erste Tipp: Lasse es gar nicht erst soweit kommen. Halte dein Verhältnis zu deinen Kollegen, gerade zu denen, die du nicht magst, stets professionell und gehe im Zweifel, wenn es möglich ist, Ärger aus dem Weg, oder spreche ihn offen an damit es erst gar nicht soweit kommt.

Doch manchmal kann Ärger nicht vermieden werden oder der Gegenüber sucht ihn regelrecht. Dann kochen schnell die Emotionen hoch und das Verhältnis ist nachhaltig belastet. Dieser Zustand ist gefährlich, schließlich schlägt er auf die Arbeitsmotivation, die Laune und nicht selten auch auf die Produktivität.

Untersuchungen von der Unternehmensberatung der KPMG haben ergeben, dass jährlich statistisch gesehen in jedem zweiten Unternehmen ein Schaden in Höhe von 50.000 Euro und in jedem zehnten Unternehmen sogar von 500.000 Euro durch Störungen im Verhältnis der Mitarbeiter untereinander entstehen.

Dies ist auch in den Chefetagen mittlerweile bekannt und somit sind Vorgesetzte besonders hellhörig, wenn es zu Ärger unter ihren Mitarbeitern kommt.

Mediatoren und Psychologen sehen die Lösung übereinstimmend darin, die Probleme offen zu legen und darüber zu sprechen. Nicht selten wird der sprichwörtliche Elefant aus der Mücke gemacht, wobei ein klärendes Gespräch wahre Wunder tun kann. Darüber hinaus ist auch das Vergeben und Vergessen von Fehlern anderer höchst wichtig. Die Erkenntnis, dass fast jeder Fehler macht, sollte dazu führen, dass wir auch bereit sind, Fehlverhalten von anderen zu akzeptieren und auch zu vergessen. Insbesonders dann, wenn dadurch ein zuvor intaktes und vor allem professionelles Verhältnis wieder hergestellt werden kann.

 

Der allgemeine Arbeitsstress & Ängste

Gegen den alltäglichen Arbeitsstress gibt es, wie bereits erwähnt, klassische Herangehensweisen und tonnenweise Bücher über Selbstmanagement, Zeitmanangement, die richtige Lebensweise, Powernapping und Co. Doch was häufig vergessen wird, ist, dass nicht selten

eine gute Portion Gelassenheit der beste Helfer ist.

Und nein, auch wenn manchmal Gelassenheit mit Faulheit gleichgesetzt wird, ist das nicht richtig. Gelassenheit meint vielmehr Ausgeglichenheit. Mache dir klar, dass Stress aus Ängsten resultiert. Machen dir deine Ängste also klar und überdenke sie sorgfältig.

Hast du Versagensängste? 
Dann überprüfe empirisch deine vergangen Projekte. Im Zweifel wird dort mehr Positives als Negatives zu verzeichnen sein.

Hast du Angst vor einer Kündigung?
Dann überlege ernsthaft, ob eine solche überhaupt realistisch droht! Nicht selten haben Angestellte Kündigungsangst in Phasen, in denen sie und alle anderen Mitarbeiter absolut überlastet sind. Diese Angst resultiert aus der Erkenntnis, dass sie aktuell überfordert werden. Nur ist genau in so einer Phase eine Kündigung offensichtlich höchst unwahrscheinlich, da die Ressourcen des Unternehmens bereits jetzt nicht mehr oder gerade noch so für die Bearbeitung aller Aufgaben ausreichen.

In der Regel sind die Ängste von Mitarbeitern unnötig und insbesondere die Jobs sicher. Doch selbst wenn hieran nach gründlichem Überlegen Zweifel bestehen, mache dir klar, dass du in Deutschland nicht verhungern wirst. Was würde dir wohl im schlimmsten Fall passieren?

Schalte nur die Tagesschau abends an und dir wird klar werden, dass selbst das von dir prognostizierte und noch längst nicht eingetretene worst case Szenario im Vergleich zu vielen anderen Menschen auf der Welt ein doch recht dankbares Schicksal wäre.

 

Löse dich vom Arbeitsstress. Natürlich nicht durch Faulheit, sondern durch Ausgeglichenheit. Setze dich mit Problemen, wie sie beispielhaft hier aufgelistet sind, vorher auseinander und mache dir einen Plan für Situationen, die du vermeiden möchtest. Der Arbeitsalltag wird schnell einfacher werden und die Arbeit von Tag zu Tag mehr Spaß machen und auch du selbst wirst erfolgreicher sein!

 

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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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