JavaScript ist nicht aktiviert!

Arbeitgeber im Gespräch

"Was macht die Arbeit im Transaktionsbereich so spannend?"

Private Equity und M&A - Herr Dr. Kamyar Abrar von Weil, Gotshal & Manges LLP gibt Einblicke in den Arbeitsalltag des Kartellrechts und der Fusionskontrolle...

 

Was steht auf Ihrer Visitenkarte?

Auf der deutschsprachigen Vorderseite meiner steht Visitenkarte "Dr. Kamyar Abrar" nebst der Berufsbezeichnung "Rechtsanwalt". Auf der englischsprachigen Rückseite steht schlicht "Kamyar Abrar" ohne Berufsbezeichnung und Titel. Denn unsere Mandanten aus dem englischsprachigen Ausland wissen, dass ich rechtlicher Berater bin und legen keinen Wert auf einen Titel.

 

Wie würden Sie Ihren Fachbereich – Private Equity and M&A Transactions – in zwei Sätzen beschreiben?

Private Equity und Merger&Acquisition ist ein Teilbereich unserer Corporate-Praxis bei Weil, im Rahmen derer wir Mandanten beim Erwerb und der Veräußerung  von Unternehmensbeteiligungen beraten. PE/MA ist abwechslungsreich (mitunter, weil jedes Unternehmen seine eigene "DNA" hat), juristisch vielfältig (weil neben klassischem Gesellschaftsrecht auch viele andere Rechtgebiete Anwendung finden) und spannend (vor allem, weil neben Jura auch strategisches Denken und wirtschaftliche Aspekte eine besondere Rolle spielen).  

 

 

Welche Rolle spielt gerade das Kartellrecht in der Transaktionspraxis? Welche kartellrechtlichen Aufgaben & Risiken bestehen?

Soweit eine Transaktion eine gewisse Größe erreicht (was in unserer Praxis regelmäßig der Fall ist), findet grundsätzlich die sog. Fusionskontrolle Anwendung. Die Fusionskontrolle sorgt dafür, dass externes Unternehmenswachstum nicht zu wettbewerblichen Problemen auf bestimmten Märkten führt. Wir müssen Transaktionen vor ihrem Vollzug daher in der Regel beim deutschen Bundeskartellamt oder der Europäischen Kommission anmelden und häufig noch bei Behörden in vielen anderen Jurisdiktionen. Verstößt man gegen die Anmeldepflicht und vollzieht eine Transaktion vor einer "Freigabe" durch die zuständigen Behörden, dann drohen neben empfindlichen Geldbußen vor allem auch die Unwirksamkeit der gesamten Transaktion. Das zeigt, dass die Fusionskontrolle in einigen Fällen durchaus auch im Zentrum unserer Transaktionspraxis stehen kann.

Da Kartellrecht aber vielschichtig und weit mehr ist als die Fusionskontrolle, gibt es auch in der Transaktionspraxis weitere Anwendungsfelder. So gilt es etwa, schon im Rahmen der sog. Legal Due Diligence auf kartellrechtliche Risiken zu achten, und zwar auf Verkäufer- als auch auf Käuferseite. So sollte man etwa als Verkäufer (nicht nur aus kaufmännischer Sicht) keine wettbewerbssensiblen Daten offenlegen, insbesondere wenn Wettbewerber sich für das Zielunternehmen interessieren. Als Käufer wiederum sollte man bestimmte Verträge (etwa Vertriebs- und Kooperationsvereinbarungen) genauestens daraufhin untersuchen, ob sie kartellrechtlich bedenkliche Abreden enthalten. Übersieht man solche, drohen ebenfalls empfindliche Geldbußen und sogar Schadensersatzansprüche etwa seitens der von solchen Abreden betroffenen Zulieferer und Kunden. Mitunter können solche Risiken auch zu einer Haftung des Erwerbers selbst führen.

 

 

Welche Rolle als Anwalt spielen Sie dabei? Arbeiten Sie in bestimmten Teams, die immer wieder bestimmte Teilbereiche in der Beratung übernehmen, oder werden diese für jedes Mandat individuell neu zusammengestellt? 

Ob im Bereich PE/MA oder in anderen Bereichen (etwa Litigation oder Restrukturierung), wir arbeiten aufgrund der Größe unserer Mandate stets in Teams zusammen. PE/MA-Transaktionen werden von einem Anwalt mit gesellschaftsrechtlicher Schwerpunktsetzung (d.h. aus dem Corporate-Department) geleitet. Daneben kommen für die Detailprüfung des Unternehmens (also vor allem der Legal Due Diligence) auch Spezialisten für einzelne Rechtsgebiete (beispielsweise Immobilien- oder Steuerrecht) zum Einsatz. Wir stellen die Teams entsprechend individuell zusammen.

Ich habe mich im Laufe meines Berufslebens von einem im Kartellrecht spezialisierten Anwalt zu einem PE/MA-Anwalt entwickelt, der eine Transaktion leitet, d.h. den Mandanten während des gesamten Transaktionsprozesses in allen vertraglichen und strategischen Fragen berät und begleitet. Das Kartellrecht ist dabei aber immer meine Passion geblieben und daher habe ich das Privileg, dieser Spezialisierung weiter nachzugehen.

 

Wo treten Sie für Ihre Mandanten auf (Bundeskartellamt etc.)?

Neben den Vertragsverhandlungen, die sicherlich zu den spannendsten und herausforderndsten Aspekten des Transaktionsgeschehens zählen, trete ich für meine Mandantschaft auch vor Behörden (etwa Bundeskartellamt, Europäische Kommission, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht(BaFin)auf und nehme hin und wieder auch Termine bei Gerichten (meist sind dies bei Unternehmenstransaktionen Schiedsgerichte) wahr, sollte es mal zu streitigen Auseinandersetzungen kommen.

 

In welchen Rechtsgebieten verlangen Sie deshalb vertiefte Kenntnisse? 

Wir verlangen von Berufsanfängern in erster Linie fundiertes juristisches Handwerkszeug. Wir denken, dass Volljuristen eine hervorragende Ausbildung erhalten haben, die zeitlich intensiv und qualitativ anspruchsvoll ist. Wer diese Ausbildung mit überdurchschnittlichen Noten abgeschlossen hat, hat aus unserer Sicht unter Beweis gestellt, das nötige Handwerkszeug erworben zu haben, um juristische Fragen auch im Zusammenhang mit Transaktionen bearbeiten zu können. Da man bei PE/MA-Transaktionen überwiegend mit zivil- und gesellschaftsrechtlichen Fragen betraut wird, sollten einem diese Rechtsgebiete allerdings besonders liegen. Wir müssen als PE/MA-Anwälte rechtlich breit aufgestellt sein.

 

Gibt es spezielle Kammern bei Gericht, die sich für die Zivilrechtsstation (oder Verwaltungs- oder Wahlstation) ggf. besonders anbieten würden?

Spezialkenntnisse eignet man sich schnell an, wenn man fundierte juristische Kenntnisse erlangt hat. Durch unser Training "on the job" erwerben Berufsanfänger auch sehr zügig Transaktionskenntnisse. Es ist sicherlich nicht schädlich, wenn man schon während eines Praktikums, in der Wahlstation oder der Rechtsanwaltsstation durch Mitarbeit in einer auf Transaktionen spezialisierten Kanzlei Gelegenheit hatte, den Bereich PE/MA kennenzulernen. Dies aus meiner Sicht aber weniger, um eine Vorbildung zu erhalten, sondern vielmehr um feststellen zu können, ob einem die Arbeit in diesem Bereich Spaß macht.

 

Welche sonstigen Fähigkeiten, wie Sprachkenntnisse oder Auslandserfahrung, fordern Sie für eine Anstellung in diesem Bereich?

Da wir international arbeiten und mit unseren Mandanten meist in englischer Sprache kommunizieren, sollte man eine hohe Affinität zur englischen Sprache haben. Wir erwarten nicht, dass unsere jungen Kolleginnen und Kollegen das juristische Fachvokabular unmittelbar beherrschen, denn das kann man sich "on the job" überraschend zügig aneignen.

 

Müssen Bewerber über bestimmte Fähigkeiten verfügen, die besonders sind für diesen Tätigkeitsbereich?

Im Bereich PE/MA - als einem Teilbereich des Unternehmens- bzw. Wirtschaftsrechts - sollte man natürlich auch grundlegende ökonomische Zusammenhänge verstehen (wollen). Denn wir müssen auch inhaltlich die Sprache unserer Mandanten sprechen, um das wirtschaftlich Gewollte juristisch umzusetzen. Das lässt sich durch Seminare relativ rasch in den ersten Berufsjahren erlenen. Vor Mathematik sollte man sich allerdings nicht fürchten.

 

Was macht die Arbeit im Transaktionsbereich so spannend? 

Bei den Transaktionen, an denen wir mitwirken und die wir betreuen, arbeiten unglaublich viele Menschen und Teams aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen. Dies sind neben Verkäufer und Käufer und den Anwälten der Gegenseite häufig auch Investmentbanker, Unternehmensberater, Steuerexperten, M&A-Versicherer und -Broker.

Die Kommunikation mit einer Vielzahl von Menschen, die Entwicklung der eigenen Strategie und Prozessteuerung machen mir unheimlich viel Spaß.

 

Haben Fusionen und Kooperation (noch immer) Hochkonjunktur aufgrund der Weltwirtschaftslage? 

Wie andere Lebensbereiche wird auch PE/MA von der Weltwirtschaft beeinflusst. Die PE/MA-Aktivität in den vergangenen Jahren bis zur Finanzkrise im Jahr 2007 und nach ihrer Überwindung war sicherlich sehr gut und das ist sie auch heute noch, wobei wir derzeit die beginnende Nervosität im Markt aufgrund der niedrigen Zinsen, der massiven Liquidität und dadurch gestiegenen Preise für potenzielle Zielunternehmen und Übernahmekandidaten deutlich spüren.

 

Warum sollte man sich dazu entscheiden, in diesem Bereich Karriere zu machen?

Wer sich in diesem Bereich spezialisiert, muss daher sicherlich mit einer höheren Volatilität rechnen, die sich auch auf die Arbeitsbelastung niederschlägt, geht aber aus meiner Sicht kein unkalkulierbares Risiko ein. Schließlich darf man nicht vergessen, dass man als Anwalt in diesem Segment auch in Zeiten niedriger PE/MA-Aktivität immer etwas zu tun hat, zum Beispiel mit der Gestaltung konzerninterner Umstrukturierungen oder allgemeinen gesellschaftsrechtlichen Themen.

 

Warum haben Sie sich für Weil entschieden?

Für mich stand aufgrund meiner rechtlichen Schwerpunktsetzung (Kartellrecht und PE/MA) früh fest, dass ich für eine größere internationale Kanzlei tätig sein möchte. Weil ist eine weltweit führende internationale Kanzlei und verfügt über einen erstklassigen fachlichen Ruf unter Kollegen sowie Mandanten. In meinem Bewerbungsgespräch habe ich sofort gemerkt, dass auch die Chemie zwischen mir und den Anwälten der Kanzlei stimmt. Das war letztlich ausschlaggebend für meine Wahl.

 

Welche Möglichkeiten der Fort- bzw. Weiterbildung gibt es? Wie kann man sich qualifizieren um aufzusteigen?

Wir bei Weil glauben in verschiedenen Facetten unseres unternehmerischen Handelns an Individualität und leben diesen Grundsatz auch im Bereich Training & Development gegenüber unseren Associates. Konkret bedeutet das, dass jedem Associate – losgelöst von der jeweiligen  Seniorität, denn man lernt bekanntlich nie aus – jährlich ein attraktives Budget für die individuelle Aus- und Weiterbildung zur Verfügung gestellt wird. Wir möchten unsere Kolleginnen und Kollegen dahingehend „empowern“, individuelle Stärken durch zielgerichtete Trainingsmaßnahmen weiter auszubauen bzw. Schwächen zu relativieren.

Letztere Frage lässt sich tatsächlich recht leicht beantworten: Durch juristische Leidenschaft und der Freude daran, Projekte gemeinsam mit seinem Team zum Erfolg zu führen.

 

 

Welche Karrierewege gibt es bei Weil?

Weil, Gotshal & Manges LLP befindet sich seit Jahren auf einem konstanten Wachstumskurs, den wir auch weiterhin beschreiten möchten. Die logische Konsequenz hieraus ist, dass klare Karriereperspektiven bei Weil bestehen. Ein gutes Beispiel hierfür bin ich selbst, da ich, nach guten sechs Jahren als Associate im Team meines Partners Christian Tappeiner, seit Januar 2017 Teil der deutschen Partnerschaft geworden bin. Die Karrierewege in Richtung Partnerschaft sind in der Art institutionalisiert, dass wir unsere Associates systematisch weiterentwickeln und sie durch direkten Mandantenkontakt,  die Integration in das globale Weil-Netzwerk, die Nähe zu den Partnern und konkreten Transaktionen sowie ersten Führungsaufgaben bereit machen für kommende, größere Aufgaben und die nächsten Karriereschritte.

 

Beschreiben Sie Ihren Weg zur Partnerschaft. Welche Schlüsselmomente gab es?

Ich wurde auf meinem Weg in die Partnerschaft von der Kanzlei und den Partnern sehr unterstützt, indem ich hervorragend an Mandate herangeführt und sehr gut ausgebildet wurde und mir dann  sukzessive anspruchsvollere Aufgaben übertragen wurden. Ich habe außerdem sehr früh die Möglichkeit bekommen, Verantwortung für Juristen in der Ausbildung und andere Associates zu übernehmen. Diese Chancen habe ich genutzt und hatte schon in relativ kurzer Zeit ein recht großes Team, das ich führen durfte.

Ich denke nicht, dass es auf Schlüsselsituationen ankommt, um sich als geeigneter Kandidat zu profilieren. Ich glaube, es waren eher Kriterien wie Beständigkeit, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, früh Verantwortung zu übernehmen, die die anderen Partner dazu bewogen haben, mich in die Partnerschaft aufzunehmen.

 

 

Wie bekommt man die Arbeit bei Weil und Familie unter einen Hut?

Meines Erachtens steht und fällt die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit eines Transaktionsanwalts mit einem ausgeglichenen Privatleben. In meinem Fall sieht dieses so aus, dass meine Frau und ich vier wunderbare Kinder haben und wir gerne Zeit in der Familie verbringen. Überhaupt haben viele Partner und Associates bei Weil Familie und Kinder und bekommen beides sehr gut unter "einen Hut".

 

Wie erholen Sie sich? Was ist Ihr Ausgleich?

Ich gehe regelmäßig (meist vor der Arbeit) ins Fitness-Studio oder laufe im Freien. Wenn ich die Zeit finde, spiele ich Tennis oder schaue mir ein Fußball-Match live im Stadion an. Ansonsten betätige ich mich am Wochenende auch gerne im Garten.

 

Gibt es noch einen Rat, den Sie Berufseinsteigern zum Schluss mit auf den Weg geben möchten?

Reisen, verschiedene Sprachen und unterschiedliche Menschen kennenlernen. Dabei lernt man Dinge, die in keinem Lehrbuch stehen… 

 

*sponsored

 

Auch interessant:

 

10. Oktober 2017

Ähnliche Themen


Einblicke Handels- und Vertriebsrecht - Dr. Thilo von Bodungen, Partner bei DLA im Interview

"Es macht einen Unterschied ob man eine Gummiente oder ein Auto verkauft!"

Einblicke in den Arbeitsalltag des Handels- und Vertriebsrechts von Dr. Thilo von Bodungen, Partner bei DLA Piper...

weiterlesen
Über den Dächern mit White & Case - Skyline Drinks auf der Dachterasse

Was ein Ausblick! - Die Skyline Drinks bei White & Case

So netzwerkt der Nachwuchs der Kanzlei in Frankfurt...

weiterlesen
Beim Staat als Jurist arbeiten - Staatsnote sinkt - beste Chancen

Beste Chancen beim Staat!

Jobchancen als Jurist im öffentlichen Sektor - Staatsnoten sinken...

weiterlesen
Steuerspürnasen - Arbeiten am Finanzgericht

Richter/-in am Finanzgericht

Ein spannender Beruf für steuerliche Spürnasen - Erfahrungen von Andrea Gold*

weiterlesen
Erfahrungsbericht -Jurist Heiner Pippig  - 100 Tage als Sachgebietsleiter - Finanzamt München

"Meine ersten 100 Tage als Chef"

Erfahrungsbericht von Jurist Heiner Pippig über seine ersten Tage als Sachgebietsleiter am Finanzamt München...

weiterlesen
Jura studieren und in der IT arbeiten

Jura und IT – passt das zusammen?

Für viele wohl eher vergleichbar mit „iudex non calculat“

weiterlesen