„Jura kann viel spannender sein, als es das Studium erwarten lässt“

Rechtsanwalt , Partner und Jura-Comedian Dr. Dominik Herzog gibt Tipps an Nachwuchsjuristen


veröffentlicht am 11.05.2015

Als Jura-Comedian schafft es Dr. Dominik Herzog in seiner Kabarett-Show das Juristenleben mit viel Humor zu verbinden. Ideen für seine Show liefert ihm seine Arbeit als Rechtsanwalt und Partner. Heute verrät er uns seine Tipps für das Jurastudium und die spätere Jura Karriere.

 

1. Wie und warum haben Sie sich zum Jura-Studium entschlossen?

Medizin kam nicht in Frage, da ich ungern Blut sehe. BWL erschien mir nicht spezifisch genug, also habe ich mich für die Mutter der Geisteswissenschaften entschieden.

 

2. Was könnte Ihrer Meinung nach am klassischen Jura-Studium in Deutschland verbessert werden?

Ich fände es gut, wenn sich nicht alles um die beiden Examina drehen würde, sondern auch die Leistungen aus dem Studium Berücksichtigung fänden. Einen wirklichen Grund für diese Konzentration auf das Ende und den damit verbundenen, extremen Stress gibt es meiner Ansicht nach nicht.

 

3. Welchen Tipp würden Sie gerne jedem Jurastudenten bezüglich des Jura-Studiums mit auf den Weg geben?

Kontakte knüpfen, Praktika und Studentenjobs absolvieren, frühzeitig die Referendariatsstationen planen. Das schafft ein Netzwerk, das einem später bei der Suche nach einem Job hilft, auch wenn die Examensnoten nicht so ausgefallen sind, wie erträumt.

 

4. Gibt es spezielle Lerntipps, die Sie befolgt haben?

Ein Notar hat mir früh im Studium einen Tipp gegeben, den ich erst später einordnen konnte, aber er stimmt einfach: Lies das Gesetz!

 

5. Wo haben Sie Ihre Wahlstation während Ihres Referendariats verbracht?

Ich war in einer kleinen Kanzlei in Los Angeles, das war super: Ich konnte die Sprache trainieren, in die amerikanische Kultur eintauchen und hatte im Januar 20 Grad Celsius. Absolut empfehlenswert!

 

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6. Welche Tipps können Sie Referendaren bezüglich des Referendariats geben?

Versucht so viele Kanzleien und Unternehmensrechtsabteilungen wie möglich von innen zu sehen: Man kann sich als Außenstehender kaum vorstellen, was es da für Unterschiede gibt. So leicht wie im Referendariat kriegt man den Fuß nicht wieder in die Tür. Haltet Kontakt, auch nach der Station. Nutzt die Wahlstation für einen Auslandsbesuch: der Lernstress ist vorbei und das Referendariatsgehalt fließt ja auch noch weiter.  Dann hat man auch ein Ziel, auf das man in der Hochlernphase hinarbeiten kann.

 

7. Welche allgemeinen Tipps können Sie jungen Nachwuchsjuristen bezüglich der Jobsuche geben?

Natürlichkeit und Authentizität gewinnen. Wer zu hoch pokert und dabei flunkert, verrät sich meist selbst. Zumindest am Anfang würde ich auf einen zu lässigen Umgangston verzichten, auch wenn man schon jemanden aus der Kanzlei kennt und scheinbar gute Karten hat. Juristen sind nun mal etwas steifer.

 

8. Was haben Sie von Ihrem ersten Arbeitstag als Rechtsanwalt noch genauestens in Erinnerung?

Ich habe in einer Konzernrechtsabteilung angefangen und konnte mir keinen einzigen Namen und kein einziges Gesicht merken – und das bei 65 neuen Kollegen.

 

9. Was ist das Spannende und Besondere an Ihrem Beruf?

Jura kann viel spannender sein, als es das Studium erwarten lässt. Und Gott sei Dank dreht es sich im realen Arbeitsleben nur selten um die Drittschadensliquidation oder die verschiedenen Theorien des Verbotsirrtums.

 

10. Erzählen Sie uns von dem Außergewöhnlichsten, das  Ihnen während Ihres Berufsalltags passiert ist!

Ich beriet einmal einen TV-Produzenten bei der Umsetzung seiner TV-Sendung. Dabei erwähnte der Produzent, dass ihm für die Comedy-Sketch-Show „Fat for Fun“(Comedy Central) noch Ideen fehlten. Also rief ich einen sehr guten Freund an, sammelte mit ihm einige Ideen und meldete mich eine Woche später mit 20 neu geschriebenen Sketchen zurück. Einige davon fanden tatsächlich den Weg auf die Mattscheibe – so wurde aus dem Anwalt plötzlich auch ein Comedy-Autor.

 

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