Moot Court für Juristen - Welche gibt es?

Verfasst von Finn Holzky. 

Der Moot Court

Was genau hat es damit auf sich und inwiefern spielt er für Jurastudierende eine Rolle?

In der Serie Suits gehört er zum internen Ausbildungsprogramm der Kanzlei "Pearson Hardman" und in der Vergangenheit von Publikumsliebling Harvey Specter wird er gleich mehrmals als zentrales Ereignis während dessen Studienzeit an der Harvard Universität erwähnt: Der Moot Court. Doch was genau hat es damit eigentlich auf sich?

Die Idee des Moot Courts

Moot Court bedeutet so viel wie „fiktives Gericht“ und das ist auch der Kern der Sache. Ein Moot Court ist ein Schauprozess, bei dem fiktive oder auch reale Fälle verhandelt werden und Jurastudierende oder (im Falle der Serie Suits auch junge Associates) die Rollen der verschiedenen Prozessparteien einnehmen und den Fall vor Gericht austragen. Kernelement des Moot Courts ist dabei, dass der Fall für beide Seiten gewinnbar sein muss und es auf die Argumentation und die Bewertung einer Rechtslage ankommen wird.

Ursprünglich kommt die Idee des Moot Courts aus den USA, wo sie genutzt wurde, um Studenten, die nur theoretisches Wissen hatten, auf ihren zukünftigen Beruf vorzubereiten und sie darüber hinaus, bereits während der Ausbildung rhetorisch zu schulen. Schließlich wurde aus dem ursprünglich nur zur Schulung gedachten Schauprozess ein richtiger Wettbewerb, der zunächst zwischen Studenten einer Universität, später aber auch zwischen Studenten verschiedener Universitäten stattfand.
 

Große Moot Courts in Deutschland

Moot Courts erfreuen sich auch hierzulande mittlerweile großer Beliebtheit und so überrascht es wenig, dass es mittlerweile nach amerikanischem Vorbild auch hier größere Wettbewerbe gibt.

Zu nennen ist hier beispielsweise der ELSA Deutschland Moot Court, bei dem es auf drei Ebenen um den Titel geht. Zunächst gibt es eine Lokalentscheidung innerhalb der Universität, dann einen Entscheid zwischen den Siegern der verschiedenen Universitäten aufgeteilt nach Süd und Nord und schließlich wird der Sieger vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe ermittelt.

Ähnlich aufgebaut ist der ebenfalls sehr renommierte Soldan Moot Court, der unter anderem von der Bundesrechtsanwaltskammer und dem Deutschen Anwaltsverein veranstaltet wird. Beim Soldan Moot Court gibt es, neben dem Preis für den Gewinner, auch Preise für unter anderem den besten Kläger- oder Beklagtenschriftsatz.

Schließlich gibt es noch verschiedene spezielle Moot Courts, die auf ein bestimmtes Rechtsgebiet ausgelegt sind. Exemplarisch kann hier der steuerrechtliche Mootcourt des Bundesfinanzhofes genannt werden. Bei dem geht es – wenig überraschend – stets um steuerrechtlich relevante Fallkonstellationen, die wiederum auf verschiedenen Ebenen ausgefochten werden, bevor es am Bundesfinanzhof in München zum Finale kommt.

Internationale Moot Courts

Moot Courts gibt es längst nicht mehr nur noch auf nationaler Ebene. Auch international, vor allem auf europarechtlicher Ebene, gibt es Moot Courts, bei denen die Teams verschiedener Länder gegeneinander antreten.

Der älteste europäische länderübergreifende Moot Court ist der European Law Moot Court, kurz ELMC. Hier treten nach universitätsinternen Wettbewerben zunächst die jeweiligen Sieger eines Landes untereinander an, um den Vertreter des eigenen Landes zu ermitteln. Daraufhin treffen die Teams verschiedener Länder aufeinander, zunächst in Regionalen Zwischenfinals und zum Schluss zum All European Final vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg.

Der weltweit anerkannteste und somit wohl auch prestigeträchtigste Moot Court ist der Willem C. Vis Moot Court mit seinem Finale in Wien. Im Vorfeld des Finales gibt es ein großes Programm, das Schulungen bei Großkanzleien wie FreshfieldsHengeler Mueller oder Taylor Wessing, eine Sommerakademie an einer anderen inländischen Universität und Besuche verschiedener Premoots, wie die Vorrunden genannt werden, vorsieht. Zudem kommen in der Regel alle, auch die ausgeschiedenen Teams, zu allen späteren Runden und zu dem Finale.

Allein die Teilnahme am Willem C. Vis Moot Court ist daher ein Booster für die eigene Karriere und bietet die optimale Plattform für das Networken mit Kanzleien sowie mit anderen Studenten auf nationaler und internationaler Ebene.

Was bringen die Moot Courts konkret im Studium?

Je nach Größe, Umfang und natürlich auch dem eigenen Abschneiden bei einem Moot Court variiert der Aufwand und natürlich auch die Bewertung der Leistung seitens der Universität. Bei größeren Moot Courts ist daher ein Freisemester üblich, sodass das Semester, während dem der Moot Court absolviert wurde, nicht auf die Studienzeit angerechnet wird.

Darüber hinaus wird die Teilnahme am Moot Court in der Regel als Teilnahme an einer Schlüsselkompetenz-Veranstaltung honoriert. Wenn die Verhandlungssprache darüber hinaus nicht Deutsch ist, kann in der Regel noch der Fremdsprachenschein erworben werden.

Neben diesen formellen Vorteilen bieten Moot Courts in der Tat die fast einmalige Chance, bereits während des Studiums echte Verhandlungserfahrung zu sammeln. So werden Softskills wie die freie Rede, Argumentieren aber auch das Einsetzen von Körpersprache gelernt.

Schließlich ist die Möglichkeit des bereits erwähnten Netzwerkens nicht zu unterschätzen. Hier treffen ganz überwiegend motivierte und talentierte Studenten aufeinander und gerade größere Kanzleien strecken bereits hier ihre Fühler nach interessanten Kandidaten aus.

Neben diesen formellen Vorteilen bieten Moot Courts in der Tat die fast einmalige Chance, bereits während des Studiums echte Verhandlungserfahrung zu sammeln.

Wann teilnehmen?

Die Frage, ob ein Moot Court sinnvoll ist, stellt sich also eigentlich nur denjenigen, die unbedingt sehr schnell studieren möchten. Für alle anderen bieten Moot Courts und ihre verschiedenen Ausprägungen fast nur Vorteile und diese Chance sollte man, soweit sie sich einem bietet, auch nutzen. Lediglich für diejenigen, die bereits ein Auslandssemester hinter sich haben, kann es unter Umständen schwieriger sein, ein zweites Freisemester annerkannt zu bekommen. Doch auch diese Hürde ist in der Regel mit etwas Aufwand zu meistern. Die Teilnahme an einem Moot Court empfiehlt sich meistens für den Zeitraum nach der Zwischenprüfung und vor den großen Scheinen, jedenfalls aber vor der Examensvorbereitung.
 

Manche Moot Courts haben darüber hinaus bereits feste Kriterien, was den Studienfortschritt der Teilnehmer angeht. Es sollte bereits genügend Grundwissen bestehen, um die teils doch komplexen Fälle bearbeiten zu können, gleichzeitig aber auch der gesamte Fokus auf den Moot Court gelegt werden. Von einer Kombination aus Examensvorbereitung und Moot Court ist daher dringend abzuraten.

POSSER SPIETH WOLFERS & PARTNERS - Kanzlei für Öffentliches Wirtschaftsrecht
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