Die Blase aller Blasen? - Der Bitcoin

Die Zukunft? Wie ist der Bitcoin rechtlich einzuordnen?


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 05.02.2018

Kryptowährungen erfahren in den letzten Monaten einen absoluten Hype und allen voran das Zugpferd Bitcoin. Innerhalb gerade einmal eines Jahres stieg der Wert der digitalen Währung von rund 1.000 Euro auf zwischenzeitlich über 15.000 Euro. Nach einigen Unruhen um das alternative Geld erlebte der Bitcoin letzte Woche einen Crash: sein Wert fiel unter 7.000€. Was genau aber ist der Bitcoin und wie ist er rechtlich einzuordnen?
 

Bitcoin basiert auf der Blockchain-Technologie

Die Technik, die hinter adem Bitcoin steht, nennt sich Blockchain und ist nicht gerade unkompliziert. Vereinfacht erklärt ist diese Technologie eine technische Dezentralisierung von Prozessen. Vergleicht man zum Beispiel den Bitcoin und den Euro, so lässt sich feststellen, dass es beim Euro eine zentrale Einrichtung gibt, die Geld ausgibt, die Geldmenge reguliert und den Zins festlegt. Dies macht die europäische Zentralbank. Der Bitcoin hingegen kennt keine Zentralbanken. Transaktionen im Bitcoin Netzwerk werden nicht von Banken durchgeführt und bestätigt, sondern von allen Teilnehmern im Bitcoin Netzwerk - natürlich geschieht dies technisch automatisiert durch Rechenprozesse, aber im Ergebnis ist jeder teilnehmende Rechner ein Teil der Buchführung von Bitcoins. Daher funktionieren Bitcoins auch nicht mit herkömmlichen Konten oder Depots, sondern man benötigt eine sogenannte Wallet, ein digitales Portemonnaie.

 

Schürfen wie im Goldrausch

Ein weiterer Unterschied von Bitcoin zum herkömmlichen Geld, ist dessen begrenzte Menge. Während unsere üblichen Währungen alle unendlich nachgedruckt werden können und dies auch geschieht, ist die Menge von Bitcoins von Beginn an auf 21 Millionen Stück limitiert. Bis heute sind davon ungefähr 16 Millionen Bitcoins freigesetzt worden, die letzten 5 Millionen werden bis zum Jahr 2130 in den Umlauf kommen. Die Entstehung von Bitcoins ist dabei recht überraschend, denn ähnlich wie beispielsweise Gold, muss auch der Bitcoin geschürft werden. In Fachkreisen spricht man vom sogenannten Mining. In einem digitalen Prozess werden durch das Aufbringen von Rechnerleistung immer neue Bitcoin freigesetzt. Wiederum vereinfacht ausgedrückt, müssen durch Rechenleistung Matheaufgaben gelöst werden und als Belohnung erhält der Besitzer des Rechners Bitcoins. Dabei sinkt die Menge der freigesetzten Bitcoins stetig, weshalb sich das Schürfen von Bitcoins heute nur noch für große Rechnerfabriken lohnt, die es zum Beispiel in Asien oder auf Island gibt, wo die riesigen benötigten Mengen von Strom durch Thermalkraftwerke günstig zu haben sind.
 

Wer legt das alles fest?

Wer sich mit dem Bitcoin auseinandersetzt, der kommt nicht um die Frage herum, woher all dies eigentlich kommt. Denn anders als zum Beispiel Gold, dass immer häufiger mit dem Bitcoin verglichen wird, liegen Bitcoins schließlich nicht unter der Erde und warten darauf ausgegraben zu werden. In der Tat ist die Entstehung des Bitcoins bis heute ein Rätsel. Fest steht, dass die Idee des Bitcoins erstmals im Jahr 2008 in einem Whitepaper aufgetaucht ist und von dem Protagonisten „Satoshi Nakamoto“ vorgeschlagen wurde. Am 3. Januar 2009 wurden sodann die ersten 50 Bitcoins geschöpft und „Satoshi Nakamoto“ veröffentlichte die zugrunde liegende Software „Bitcoin Core“. Wofür „Satoshi Nakamoto“ steht, ist indes bis heute unklar. Ob es sich dabei um eine einzelne reale Person, ein Pseudonym für eine Person oder eine Personengruppe handelt, ist weiterhin unbekannt.

 

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Am Bitcoin scheiden sich die Geister

Der Bitcoin erfreut sich zumindest aus Anlegersicht in den letzten Monaten großer Beliebtheit. Immer mehr Leute sprangen auf den Zug auf und kauften Bitcoins oder investierten über die Börse, die sich dem Handel mit Bitcoins mittlerweile immer mehr öffnet, in die digitale Währung. Doch es gibt mindestens genauso viele Kritiker. Lange Zeit war das Hauptargument der Skeptiker des Bitcoins, dass die digitalen Münzen für illegale Tätigkeiten genutzt werden. In der Tat gab es einige Vorfälle, bei denen Erpresser Bitcoins aufgrund von deren Anonymität forderten oder der Handel illegaler Güter im sogenannten Darknet mit Hilfe von Bitcoins abgerechnet wurde.

Doch auch andere Argumente haben sich gegen den Bitcoin etabliert. So warnen viele Experten davor, dass der Bitcoin ähnlich einem Schneeballsystem aufgebaut sei, bei dem vor allem diejenigen profitierten, die sehr früh Bitcoins besäßen und diese teuer an neue Besitzer weiterverkaufen könnten. Das Schneeballsystem entstünde daher, dass der reale Wert eines Bitcoins eigentlich null sei. Ein Argument, dass schnell Anklang findet, bei genauerer Überlegung aber für Geld und viele andere Austauschmittel im Allgemeinen genauso gilt. So ist das Geld das wir besitzen auch nur den Betrag wert, den andere ihm Zumessen. Gleiches gilt mit Abstrichen sogar für Gold, dessen Nutzen in der realen Welt ebenfalls überschaubar ist.

Gerade in der Finanzwelt gibt es viele Kritiker, die dem Bitcoin seinen Wert als Währung absprechen und vor unkalkulierbaren Risiken bei der Investition in Bitcoins warnen. So warnte unlängst Bundesbank Chef Jens Weidmann vor einem Totalverlust beim Bitcoin. Und Weidmann hat prominente Mitstreiter, denn auch Investmentlegende Warren Buffet hält den Bitcoin für völlig überbewertet, wobei der als Mr. Dax bekannt gewordene deutsche Börsenexperte Dirk Müller ihm beipflichtet. Auch viele Großbanken waren lange Zeit nicht minder Kritisch.

Doch es gibt auch andere Stimmen. So ist der deutsche Silicon Valley Experte und Starinvestor Peter Thiel der festen Überzeugung, dass der Bitcoin selbst in seiner absoluten Hochphase noch völlig unterbewertet ist. Selbst die Generalsekretärin des europäischen Währungsfonds Christine Lagarde sieht die Kritik am Bitcoin kritisch und sieht in ihnen zumindest eine Option für die Zukunft. Auch Schauspieler Ashton Kutcher, der mittlerweile eine eigene Investmentfirma betreibt und sich durch das Investieren in Startups einen Namen abseits des Showgeschäfts gemacht hat, sieht im Bitcoin die Zukunft.

 

Rechtlich keine Gewährung, Gewinne müssen aber versteuert werden

Die verhältnismäßig jungen Entwicklungen im Bitcoinmarkt haben eine Menge rechtlicher Fragen aufgeworfen, die größtenteils noch nicht geklärt sind. Was genau ein Bitcoin rechtlich darstellt, ist genauso wenig abschließend geklärt wie die Frage, was für eine Tätigkeit das Schürfen in rechtlicher Hinsicht darstellt.

Fest steht, dass der Bitcoin in Deutschland aktuell kein anerkanntes gesetzliches Zahlungsmittel ist und auch nicht als Devise anerkannt wird. Allerdings hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, festgestellt, dass es sich beim Bitcoin um eine sogenannte Rechnungseinheit handelt, die in multilateralen Verrechnungskreisen anklang findet und somit zumindest als währungsähnlich einzuordnen ist. Die steuerrechtliche Beurteilung von Bitcoingewinnen scheint aktuell ebenfalls halbwegs geklärt zu sein. Der Verkauf von Bitcoins gilt als ein privates Veräußerungsgeschäft und somit unterliegen die Gewinne der Einkommenssteuer. In Österreich, dessen Regelungen vergleichbar mit den Deutschen sind, sollen Gewinne aus Bitcointransaktionen nach einer Haltezeit von mindestens einem Jahr hingegen steuerfrei sein.

Einen steuerrechtlichen Meilenstein setzte der Europäische Gerichtshof im Jahr 2015, als dieser entschied, dass der Bitcoin als Währung einzustufen sei und somit in jedem Fall von der Mehrwertsteuer befreit ist.

Darüber hinaus haben verschiedene Börsen sich dem Bitcoin geöffnet. In den USA kann man an mehreren Börsenplätzen sogenannte Futures auf den Bitcoin handeln, womit sowohl Wetten auf den Anstieg, als auch auf den Verfall des Bitcoinpreises möglich werden. Die Auswirkungen von solchen Futures werden von Börsenexperten und Banken als hoch eingeschätzt. Ein Schweizer Unternehmen bietet ein börsengehandeltes Zertifikat auf den Handel mit Bitcoins an und lässt somit zu, dass Investoren niedrige Hürden haben, um an der Entwicklung des Bitcoins teilzuhaben.

Die derzeit interessantesten Entwicklungen gibt es in Asien und den USA. Während mehrere asiatische Länder, in denen der Bitcoin bereits extrem populär und etabliert ist, über Regulationen und sogar Verbote debattieren, ist die SEC, die amerikanische Börsenaufsicht, dabei, die Zulassung eines Fonds nur für Kryptowährungen zu prüfen. Eine solche Zulassung würde vielen Experten zufolge einen Zufluss von großen Geldmengen von Großinvestoren in den Bitcoinmarkt mit sich bringen und könnte somit wieder zu großen Kursanstiegen führen.


Keiner - und ich schon gar nicht - weiß, wie sich der Bitcoin entwickeln wird. Ob es sich um eine Blase handelt, die viele Leute enttäuschen und vielleicht sogar arm machen wird, oder ob es sich um die Zukunft der Finanzwelt handelt, die viele Leute reich machen wird, weiß man ebenso wenig. Fakt ist aber, dass der Bitcoin unglaublich innovativ und interessant ist. Bereits die bisherigen Kursanstiege haben dafür gesorgt, dass unglaubliche Summen den Besitzer gewechselt haben und eine alternative Geldanlage entstanden ist. Auch die rechtliche Betrachtung erscheint, äußerst spannend zu werden und könnte ein Vorreiter dessen sein, was uns im Bereich der digitalen Zukunft und entsprechender rechtlicher Veränderungen erwartet!

 

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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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