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"Dieses Semester wird alles besser!"

So setzt du Vorsätze nachhaltig um...


verfasst von Julian Wagner und veröffentlicht am 11.04.2018

Nicht jedes Semester kann perfekt verlaufen, was auch völlig normal und menschlich ist – gerade, wenn man Jura studiert. Trotzdem bleibt der ein oder andere Student nach einem mehr oder weniger erfolgreichen Semester mit dem Gefühl zurück, sich vielleicht nicht so sehr für den Studienerfolg engagiert zu haben, wie es möglich und vielleicht auch nötig gewesen wäre.

 

Im nächsten Semester soll deshalb alles besser werden, vom Schlafrhythmus, über die Arbeitszeit in der Bibliothek, das regelmäßige Besuchen der universitären Veranstaltungen bis hin zum gemäßigteren Feiern am Wochenende. Die anschließend folgenden Implementierungsversuche verlaufen jedoch häufig ernüchternd: Ähnlich wie die berühmt-berüchtigten Neujahrs-Vorsätze verflüchtigen sich auch die guten Vorsätze für das neue Semester schnell. Schließlich kehren alte Verhaltensmuster in den Studienalltag zurück und damit setzt sich abschließend ein deprimierender Kreislauf fort, den es nun endlich zu durchbrechen gilt. Mit Methode!

 

Nicht so voreilig! 

Bevor man vorschnell die Zukunft plant, lohnt es sich, einen Blick zurück zu werfen – nämlich auf das vergangene Semester und die entsprechenden Klausuren. Konkret heißt das, all diejenigen Klausuren nachzuarbeiten, mit deren Ergebnis man nicht zufrieden war. Entscheidend ist es dabei, vor allem nach essentiellen Fehlern Ausschau zu halten, die zum Punkte-Abzug geführt haben (Korrektur-Anmerkungen lesen und nachvollziehen!) und daher in Zukunft bei der Klausurenbearbeitung keinesfalls wiederholt werden sollten. Was in Zukunft besser werden muss, sollte man sich schriftlich festhalten und unbedingt aufheben – eigene Erfahrungswerte sind oft die wertvollsten! Beispielsweise kann man sich eine Liste mit denjenigen Fehlern erstellen, die man in Zukunft zwingend vermeiden möchte – das können natürlich neben Fehlern in Klausuren auch beispielsweise schädliche Verhaltensmuster sein, wie ständiges Ablenken mit dem Smartphone oder ein zerrütteter Tag-Nacht-Rhythmus. Vernünftig ist es also durchaus, zunächst über das vergangene Semester ehrlich und intensiv zu reflektieren – erst dann kann der Blick auch wieder nach vorne gerichtet werden.


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Ziele richtig setzen

Wer etwas erreichen will, muss – noch bevor er seinen Plan schmiedet – sein Ziel kennen und klar definieren. Innerhalb dieses Prozesses passiert vielen bereits ein entscheidender Fehler: Ein Ziel ist nämlich nur dann klar definiert, wenn zuvor ein Erfolgsmaß festgelegt wurde. Deshalb macht es auch nur wenig Sinn, sich lediglich vorzunehmen, nächstes Semester „mehr für die Uni zu tun“ oder „bessere Noten zu schreiben“. Hier fehlt ein objektiver Maßstab an dem sich der eigene Fortschritt gegenüber dem vergangenen Semester und schließlich auch der Erfolg messen lassen. Statt also lediglich vage Aussagen über individuelle Ziele zu treffen, sollte das Ziel klar und konkret definiert werden. Beispielsweise so: „In meiner Strafrecht-Klausur im kommenden Semester werde ich mindestens 2 Punkte mehr als im letzten Semester, also auf jeden Fall 8 Punkte erreichen.“

An dieser Stelle sollte man darauf achten, die Balance zwischen einem hohen, anspornenden Ziel auf der einen Seite - und realistischer Selbsteinschätzung auf der anderen Seite zu bewahren. Bei einem mittelfristigen Ziel, wie beispielsweise einer Notenverbesserung, lohnt es sich auch, es schriftlich zu manifestieren, also auf einem Whiteboard oder einem Blatt Papier niederzuschreiben, damit es in Sichtweite und somit auch präsent bleibt. Auch wenn die folgende Praktik vielleicht etwas infantil zu sein scheint, so kann es auch förderlich sein, einen handschriftlichen Vertrag mit sich selbst abzuschließen, indem man seine persönlichen Ziele auflistet und anschließend auch „verbindlich“ unterzeichnet. Man kann auch mit Freunden oder Kommilitonen eine Absprache treffen oder eine Wette abschließen, um sich gegenseitig anzuspornen, die gesetzten Ziele im Blick zu behalten. Wichtig bleibt aber auch in diesem Zusammenhang, dass man sich selbst gegenüber ehrlich bleibt und hohe Ziele nur dann setzt, wenn man im Gegenzug auch bereit ist, den erforderlichen Arbeitsaufwand zu erbringen und zu erwartende Hürden auf dem Weg dorthin zu überwinden.

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Eine Erfolgs-Grundlage schaffen

Ein architektonisches Meisterwerk kann nur auf einem stabilen Fundament lange währen. Gleiches gilt auch, wenn man eine neue Lernroutine etablieren möchte, die zu einem zuvor festgelegten Ziel führen soll. Ohne einen geordneten Tagesablauf und geregelten Tag-Nacht-Rhythmus wird dies zweifellos mühsamer. Niemand verlangt, jeden morgen um 6 Uhr aufzustehen und um 22 Uhr im Bett zu liegen – als Student sollte und darf man seine zeitliche Flexibilität durchaus nutzen – aber lieber in einem angemessenen Rahmen. Wer sich damit bisher schwergetan hat, kann zum Einstieg versuchen, konsequent an 6 von 7 Wochentagen nicht nach 9 Uhr aufzustehen und nicht nach 0 Uhr ins Bett zu gehen. Eine kleine Herausforderung, um sich den Übergang in einen geregelten Schlaf- und Arbeitsrhythmus zu erleichtern. Mehr als einen Tag pro Woche sollte diese Routine jedoch keinesfalls ausgesetzt werden, da man sonst Gefahr läuft, das durch den bisherigen Fortschritt generierte Momentum zu zerstören.

Auch ein guter Start in den Tag in Verbindung mit einer kleinen Morgenroutine kann nützlich sein. Der ehemalige Admiral der U.S. Navy, William H. McRaven, empfiehlt zum Beispiel, jeden Morgen sein Bett zu machen, um gleich eine erste kleine Aufgabe am Tagesbeginn zu bewältigen. Hintergrund: Wer großes vollbringen will, sollte die kleine Dinge bereits im Griff haben.

Selbstverständlich ist die Tagesplanung eine individuelle Angelegenheit und sollte auch dementsprechend gestaltet werden. Eine gewisse Grundstruktur muss jedoch vorhanden sein und sollte besonders diejenigen Tageszeiten, an denen man erfahrungsgemäß besonders effizient (oder ineffizient) arbeitet, berücksichtigen.

Wichtig bleibt natürlich auch die Auswahl eines adäquaten Ortes zum Lernen. Zu beachten gilt es dabei vor allem, dass wenige Ablenkungsmöglichkeiten vorhanden sind. Ob das eher in der „Bib“ oder doch zuhause der Fall ist, gilt es für jeden selbst herauszufinden. Allerdings sollte man sich besonders vor dem Konzentrations-Killer Nummer 1, dem Smartphone, in Acht nehmen. Das sollte sich am besten gar nicht am Arbeitsplatz befinden. Auch sollte sichergestellt werden, dass nicht jede Lerneinheit von kommunikativen Mitbewohnern oder Kommilitonen unterbrochen wird – auch auf ein aufgeräumtes Arbeitsumfeld und Ruhe sollte natürlich Wert gelegt werden.

 

Die Überwindung

Um sich nun zu überwinden, endlich loszulegen, kann man sich zum Beispiel bereits am Abend zuvor genau darüber Gedanken machen, was am nächsten Tag ansteht, damit man am folgenden Morgen nicht lange darüber grübeln muss, mit was man zuerst anfängt. An dieser Stelle kann beispielsweise eine klassische To-Do-Liste helfen, auf der man die wichtigsten Lernziele und Aufgabe für den nächsten Tag festlegt und in viele kleine Schritte, z. B. in 25-minütigen Lerneinheiten, unterteilt. Zusätzlich sollte für jeden Tag ein relativ geringes Mindestziel gesetzt werden, dass zwingend erfüllt werden muss und gleichzeitig aber auch leicht erreichbar ist (beispielsweise die Absolvierung von wenigstens zwei Lerneinheiten). So bleibt man auch an zähen Arbeitstagen einigermaßen auf Kurs.

Letztlich lässt sich feststellen, dass ein gelungener Start in den Lerntag entscheidend ist. Deshalb sollte die Überwindungs-Schwelle zum Beginn des Tages niedrig gehalten werden. Am besten man fängt daher mit einer etwas angenehmeren, weniger anstrengenden Aufgabe an, die man ebenfalls am Abend zuvor ausgewählt hat. Wichtig ist es dann auch wieder, am darauffolgenden Abend zumindest für zwei oder drei Minuten über den vergangenen Tag zu reflektieren: Habe ich meine Ziele erreicht? Habe ich mich an meinen Zeitplan eingehalten? Habe ich mich im Vergleich zum vorherigen Tag gesteigert oder zumindest mein Arbeits-Niveau gehalten?

Wem das noch nicht genügt, der kann sich über den gesamten Zeitraum seiner Prüfungsvorbereitung hinweg nach jedem Lerntag selbst benoten, die Resultate in einer Liste schriftlich festhalten und dann die langfristigen Entwicklungen und Fortschritte beobachten.

 

Nicht vergessen: Loslegen ... und durchhalten!
 

„Motivation bringt Dich in Gang. Gewohnheit hält Dich in Schwung.“

 Jim Rohn


Über Selbstoptimierung, Fortschritt und Ziele nur zur reden oder zu lesen, kann bestenfalls ein Anstoß für eine Veränderung sein. Mit der Umsetzung tatsächlich zu beginnen – und das so schnell wie möglich – kostet stets Überwindung und liegt immer in der der Verantwortung eines jeden einzelnen. Eine neue Lern-Routine zu etablieren, also letztlich eine neue Gewohnheit vollständig zu verinnerlichen und zu automatisieren, dauert durchschnittlich ca. 66 Tage – daher sollte auch nicht erst kurz vor den Klausuren damit begonnen werden. Um sich gleichzeitig auch nicht zu überfordern, macht es durchaus Sinn, sich zunächst auch nur auf die Einübung einer einzigen Gewohnheit zu konzentrieren und nicht zu versuchen, in einem Monat sein gesamtes Leben umzukrempeln, um dann nach wenigen Tagen wegen Überforderung das Handtuch zu werfen.

Sinn von Lern-Routinen ist es nicht nur, Lernstoff strukturierter zu erarbeiten und disziplinierter zu studieren, sondern mithilfe von Gewohnheiten auch an denjenigen Tagen, an denen die Lern-Motivation am Boden ist, durchzuhalten. Denn:
 

Motivation ist und bleibt eine Emotion, die kommt und geht.


Den Lernfortschritt oder gar den Gesamterfolg eines Studiums von ihr abhängig zu machen, wäre somit – besonders in Hinsicht auf das Erreichen eines langfristigen Zieles – fahrlässig.

Natürlich spielt auch bei der Erreichung von Langzeit-Zielen die eigene mentale Ausrichtung eine Rolle: Denn nur wer auch wirklich daran glaubt, dass er in der Lage ist, ein bestimmtes Ziel zu erreichen und gleichzeitig bereit ist, alles Erforderliche (und Mögliche) zu investieren, hat eine realistische Chance, seine Ziele eines Tages zu verwirklichen. Dass dann wirklich alles möglich ist, wusste auch schon Friedrich Schiller:

„Nichts ist so hoch, wonach der Starke nicht Befugnis hat, die Leiter anzusetzen.“
Friedrich von Schiller

 


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Über den Autor

Julian Wagner

studiert im 7. Semester Jura in Würzburg und ist seit Dezember 2017 als Autor für TalentRocket tätig. Nebenbei schreibt er auch für seinen Blog „Studi-Tipps: Jura“

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