Werk-Projekt-Student?!

Sinnvolle Arbeitserfahrung bereits als Jurastudent sammeln - Interview mit Tom Sänger, Werkstudent bei PERCONEX...

 

Tom Sänger - Interview TalentRocket

Hallo Tom, der Nebenverdienst ist doch auch eine Chance, einmal etwas anderes als Jura zu machen. Warum kam ein Job als Kellner, Chauffeur oder Umzugshelfer für dich nicht in Frage?

Das stimmt. Einige meiner Kommilitonen entscheiden sich ganz bewusst für einen Job in einem dieser Bereiche. Auch ich habe vorher schon im Einzelhandel gearbeitet. Doch irgendwann kam in mir der Wunsch hoch, schon neben dem Studium erste Praxiserfahrung zu sammeln. Das bietet sich in Frankfurt ja auch an. Fast jede große Kanzlei ist hier vertreten. Die Arbeit bei Perconex ist außerdem nicht der klassische "Jura-Nebenjob". Zwar arbeiten hier fast ausschließlich Juristen, der Großteil der Arbeit findet aber ohne Gesetzestexte und Kommentare statt. Perconex vermittelt als juristischer Personaldienstleister deutschlandweit Juristen an Kanzleien und Unternehmen, stellt diese aber auch selbst ein und überlässt sie projektweise an Kunden.  

 

Je nach Kanzlei, werden Werkstudenten zum Kaffeekochen, für Botengänge oder als vollwertiger Arbeitskraftersatz eingestellt. Wie sieht dies bei dir aus?

Mein Tätigkeitsbereich hat sich stetig erweitert. Während ich am Anfang vor allem die Datenbank gepflegt und Bewerbungen gesichtet habe, begleite ich heute den gesamten Bewerbungsprozess bis hin zur Vermittlung bzw. Einstellung eines Projektjuristen. Dabei führe ich selbstständig Kandidateninterviews und stelle den Bewerbern unsere Projekte vor. Natürlich steht aber weiterhin der Support der Kollegen im Vordergrund. Dazu gehört mitunter auch mal das Vorbereiten des Konferenzraumes oder ein Gang zum Briefkasten.  

 

Arbeitest du dabei auch tatsächlich juristisch, also mit Verträgen, AGBs und Gesetzen?

Zu meinen Tätigkeiten gehört unter anderem auch das Erstellen von Arbeitsverträgen und Zusatzvereinbarungen. Außerdem erklären wir den Kandidaten, die als Projektjuristen für unsere Kunden tätig werden sollen, im Vorfeld ausführlich die Arbeitnehmerüberlassung, über welche die Projekteinsätze bei Perconex abgebildet werden. Dafür sind Kenntnisse im Arbeitnehmerüberlassungsrecht natürlich Grundvoraussetzung. Es erleichtert das Gespräch auf Augenhöhe mit den Kandidaten. Da es sich dabei ja um Juristen handelt, kommt es häufig vor, dass diesbezüglich sehr präzise nachgefragt wird.

 

Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit liegt allerdings in der Kandidatensuche und Kontaktpflege.

 

Die Frage liegt nahe: Wirst auch du – von Zeit zu Zeit – zusätzlich als Projekt-Werkstudent tätig (bist du dabei auch oft bei den Kunden vor Ort)?

Das kam bis jetzt noch nicht vor. Und ist aktuell auch nicht geplant, da mein Fokus gerade auf der Vorbereitung für das 1. Staatsexamen liegt.

 

Sicherlich gewinnst du sehr individuelle Einblicke auf dem juristischen Arbeitsmarkt. Welche Entwicklungen fallen dir auf oder welchen Eindruck hast du gewonnen?

Mir ist inzwischen klar, dass die Veränderungen in der gesamten Arbeitswelt auch den juristischen Arbeitsmarkt betreffen. Als ich angefangen habe zu studieren, stand für mich das Interesse an der Rechtswissenschaft mit der Vielzahl an unterschiedlichen Rechtsgebieten im Vordergrund.

 

Durch meine Arbeit bei Perconex wird mir bewusst, dass es für Juristen längst nicht mehr selbstverständlich ist, direkt nach dem 2. Examen eine unbefristete Festanstellung zu erhalten.

 

Da ist eine flexiblere Herangehensweise gefordert, was ja nicht nur Nachteile hat. Man hört überall, dass das Jurastudium einen nicht auf das vorbereitet, was danach folgt. Wenn das stimmt, dann ist es nur naheliegend, dass man in mehreren Bereichen Erfahrungen sammelt. Ein großes Thema unter Studenten ist die Ausrichtung auf Bestnoten. Das erhöht den Druck während des Studiums immens. Tatsächlich sind die Abschlussnoten von großer Bedeutung. Auch Perconex ist bei der Kandidatenauswahl ab und zu auf auf die Examenszeugnisse fokussiert. Allerdings wird gerade im Inhouse-Bereich sehr viel mehr auf die Persönlichkeit der Bewerber geachtet. Wir sind dann dazu angehalten, nach Kandidaten mit dem geeigneten Charakter und möglicherweise schon einschlägiger Berufserfahrung zu suchen. An erster Stelle steht, dass der- oder diejenige sich gut in bestehende Verhältnisse integrieren kann. Oft entscheidet diese Eigenschaft am Ende über den Erfolg einer Besetzung.

 

Wie gibst du dies an deine Kommilitonen weiter und wie erläuterst du ihnen dabei die Tätigkeit von Projektjuristen?

Die meisten Studierenden in meinem Umfeld wussten mit dem Begriff "Projektjuristen" noch gar nichts anzufangen, bevor ich ihnen davon erzählt habe.

 

Als Projektjurist arbeitet man für ein Projekt im Rahmen einer zuvor festgelegten Zeitspanne in einer Kanzlei oder einem Unternehmen. Nach Abschluss des Einsatzes besteht die Möglichkeit, in ein anderes Projekt zu wechseln.

 

Hierbei werden die Kandidaten bei der Suche nach passenden Stellen von Perconex unterstützt. Man hat also die Möglichkeit, sich in unterschiedlichen Bereichen auszuprobieren. Ich habe auch schon häufig den Fall erlebt, dass ein Projektjurist während oder nach dem Ende des Einsatzes vom Kunden übernommen wurde, obwohl dies eigentlich zu Beginn des Projektes gar nicht vorgesehen war. Ich glaube, dass wir Studenten uns bereits während des Studiums viele Gedanken über unsere berufliche Zukunft machen. Das zeigt sich in Gesprächen, aber auch bei den Karrieremessen bei uns am Uni-Campus. Diese Veranstaltungen sind regelmäßig gut besucht. Dort gewinnt man aber auch den Eindruck, dass einem viele Möglichkeiten nur offenstehen, wenn man das Studium mit 2 Prädikatsexamina abschließt. Vor diesem Hintergrund kann es nicht schaden, eine Alternative zum klassischen Berufseinstieg aufgezeigt zu bekommen, bei der man erste Erfahrungen bei Spitzenunternehmen und -Kanzleien sammeln kann, auch wenn die Examensnote vielleicht nicht im Prädikatsbereich liegt.

 

Informiere dich näher im Artikel: "Dr. Olaf Schmitt berichtet über die Arbeit als Projektjurist"

 

Wahrscheinlich wirst du auch nach Nachteilen einer solchen Tätigkeit gefragt. Worin liegen diese aus deiner Perspektive?

Projektjuristen sind Zeitarbeitnehmer. Die Zeitarbeit hat generell keinen besonders guten Ruf in Deutschland. Meiner Meinung nach ist die Kritik an der Zeitarbeit in vielen Punkten in Bezug auf das Modell des Projektjuristen aber nicht angebracht. Das betrifft vor allem die Bezahlung. Diese ist für einen Berufseinsteiger sehr anständig. Allerdings muss man sehen, dass es sich bei den Arbeitsangeboten um befristete Projekte und somit auch um befristete Arbeitsverträge handelt. Diese führen natürlich zu weniger Planungssicherheit als in einem klassischen Anstellungsverhältnis. Die Flexibilität gilt für beide Seiten. Sollte ein Projekt früher als erwartet enden, ist auch eine vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht ausgeschlossen. Es kommt auch vor, dass am Ende des Einsatzes ein Projektjurist in ein festes Arbeitsverhältnis vom Kunden übernommen wird. Seltener ist der Fall, dass die Übernahme bereits zu Beginn des Einsatzes geplant ist. Vor diesem Hintergrund kann es durchaus enttäuschend sein, wenn man sich bis zu 18 Monate lang erfolgreich engagiert hat und dann seinen Platz beim Kunden, den man faktisch als Arbeitgeber wahrgenommen hat, räumen muss.

 

Viele Projektjuristen sehen ihre Tätigkeit als Übergangslösung an. Warum denkst du, ist das so?

Es liegt ja in der Natur der Sache, dass die Arbeit an einem bestimmten Projekt keine langfristige Beschäftigung darstellt. Selbst wenn nach Beendigung des Auftrags die Möglichkeit der Weiterbeschäftigung in einem anderen Projekt besteht, so wünscht sich doch der Großteil der Projektjuristen auf Dauer eine unbefristete Festanstellung. Wir sind, was das angeht, auch absolut realistisch, so dass einem Mitarbeiter, der Aussicht auf einen unbefristeten Job hat, von unserer Seite aus keine Steine in den Weg gelegt werden. Sicher befürchten auch einige Projektjuristen, nach einer gewissen Zeit in der Projektarbeit abgestempelt zu werden und dadurch Schwierigkeiten zu haben, später eine Festanstellung zu finden.

 

Würdest du nun sagen, dass man als Werkstudent etwas machen sollte, was später eine Zukunfts-Option sein könnte oder kommt – es wie so oft – darauf an, dass...

Es kann zumindest nicht schaden, als Werkstudent in einem Job zu arbeiten, der zumindest Berührungspunkte mit dem eigenen Studium hat. Gerade als Jurastudent hat man ja eine große Auswahl, weil Kanzleien und Rechtsabteilungen von Firmen immer auf der Suche nach Praktikanten und Werkstudenten sind. Andere Studenten haben sehr viel größere Schwierigkeiten, eine Stelle zu finden, die etwas mit ihrer späteren Tätigkeit zu tun hat. Man sollte jedoch bedenken, dass 20 Wochenarbeitsstunden maximal noch während des Grundstudiums realisierbar sind. Wenn es dann in die Examensvorbereitung geht, lässt sich der Lernaufwand mit dieser Arbeitszeit nicht mehr vereinbaren. Daher sollte mit dem Arbeitgeber frühzeitig über eine Reduzierung der Arbeitszeit ab Beginn eines Repetitoriums gesprochen werden. Meistens kommen beim Arbeitgeber dann Erinnerungen an die eigene Examensvorbereitung hoch und in meinem Fall war die Reduzierung dann problemlos möglich.     

 

Vor dir liegen ja noch das 1. und 2. Staatsexamen. Planst du trotzdem danach die Tätigkeit als Projektjurist oder ist es zumindest eine Option für dich?

Für mich stellt das definitiv eine Option dar. Gerade für den Berufseinstieg, unabhängig von der erreichten Punktzahl im Examen, finde ich die Arbeit in einem Projekt sehr reizvoll. Da gezielt nach motivierten Berufseinsteigern gesucht wird, kann man damit rechnen, innerhalb kürzester Zeit in den Beruf zu starten. Das finde ich eine schönere Aussicht, als monatelang nach der passenden Anstellung zu suchen. Auch während der Bewerbungsphase für ein LL.M.-Studium im Ausland könnte ich mir vorstellen, als Projektjurist zu arbeiten.   

 

Gibt es etwas, was du uns noch unbedingt über deine Tätigkeit mitteilen/erzählen möchtest? 

Mich freut, dass ich über die eigentliche Tätigkeit hinaus auch ein wenig Öffentlichkeitsarbeit für das Unternehmen betreibe. So bin ich unter anderem für die Inhalte auf unserer Facebook-Seite verantwortlich und sorge gemeinsam mit den anderen Kollegen dafür, dass auch schon Studenten während ihrer Ausbildung auf uns aufmerksam werden. So ist beispielsweise eine Vortragsreihe an Universitäten in Kooperation mit ELSA e.V. geplant, an der ich teilnehmen werde. Damit hätte ich bei meiner Bewerbung auf die Stelle nicht gerechnet.    

 

Ich hoffe, ich konnte meine Tätigkeit, aber auch die eines Projektjuristen näherbringen und aufzeigen, welche Vor- und Nachteile eine solche Beschäftigung hat. Anderen Studenten kann ich nur empfehlen, sich diese Option einmal genauer anzuschauen und selbst zu entscheiden, ob dies etwas für sie sein könnte.

Informiere dich auf der Website von Perconex.

 

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