Externe Berater - Die Helfer der Kanzleien

Diese Dienstleistungen nutzen Kanzleien


verfasst von Annika Lintz und veröffentlicht am 18.12.2019

 

Auf der juristischen Ebene decken die meisten Kanzleien inzwischen viele verschiedene Bereiche ab. An manchen Stellen sind sie jedoch darauf angewiesen, externe Berater als Experten hinzuzuziehen. Dabei geht es um Fragen des Kanzleimanagements, der Strategie oder der Mitarbeitergewinnung. Diese Themen haben nicht unbedingt viel mit Jura zu tun, sind aber mitentscheidend für den Erfolg.

 

1. Strategie

Kanzleien sind auf eine klare Strategie angewiesen, um die eigenen Ziele zu definieren und sich von anderen zu unterscheiden. Die Konkurrenz ist groß, jede Kanzlei möchte herausstechen und sich am Markt behaupten. Eine passende Strategie zu finden und in die Praxis umzusetzen ist jedoch gar nicht so einfach. Partner müssen sich einig werden und gemeinsame Pläne entwerfen. Je nach Größe der Kanzlei kann das ein umfangreicher und schwieriger Prozess sein. Oft fehlt zudem die nötige Erfahrung für eine strukturierte und zielorientierte Strategieplanung.

In kleinen Kanzleien, die nur Juristen beschäftigen, gibt es für solche Themen gar keine Mitarbeiter. Auch viele größere Kanzleien haben für diesen Bereich keine eigene Abteilung oder nur eine sehr kleine. Deshalb greifen einige zur Unterstützung auf externe Beratung zurück. Beratungsunternehmen bieten Hilfe bei der Strategieplanung an.

 

Besonders relevant ist die Frage, wie sich eine Kanzlei für die Zukunft aufstellen möchte.

 

Die Entscheidung für bestimmte Themen und Schwerpunkte ist der erste wesentliche Schritt in einer Strategieberatung. Dann wird diese Zielvorstellung mit der aktuellen Position der Kanzlei verglichen. So ist erkennbar, in welchen Bereichen Reformen und Umstrukturierungen nötig sind, damit die gewünschten Ziele erreicht werden. Berater können diese Prozesse unterstützen und helfen, konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Strategie zu erarbeiten.

 


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2. Öffentlichkeitsarbeit

Um die eigene Arbeit bekannt zu machen, braucht jede Kanzlei eine gute Öffentlichkeitsarbeit. Dabei geht es vor allem um die Vermarktung der angebotenen Leistungen und Besonderheiten. Diese findet in ganz unterschiedlichen Bereichen statt. Wichtig ist in jedem Fall ein ansprechender Internetauftritt. Die eigenen Seiten müssen möglichst einfach zu finden sein und idealerweise schon auf den ersten Blick überzeugen.

Im Rahmen der Strategieplanung sollte sich auch entscheiden, wie und über welche Kanäle eine Kanzlei über ihre Arbeit informiert und für sich wirbt. Welche Formen der Öffentlichkeitsarbeit sinnvoll sind, hängt von den Schwerpunkten der Kanzlei oder von möglichen Zielgruppen ab. Auch die Pressearbeit ist bedeutend für die Bekanntheit und Präsenz. Insbesondere bei der Gründung einer Kanzlei sollte von Anfang an Kontakt zur Presse gesucht werden.

 

Nur wenn die Existenz der Kanzlei potenziellen Mandanten bekannt ist, kann es überhaupt zu Aufträgen kommen.

 

Berichte über die eigene Arbeit oder Interviews sind bei der Etablierung auf dem Markt sehr hilfreich. Es gibt PR-Agenturen, die Kanzleien speziell in diesem Bereich bei ihrer Vermarktung unterstützen. Auf diese Weise kann die Öffentlichkeitsarbeit professionalisiert werden. Darüber hinaus existieren Angebote für Seminare, in denen Anwälte einen professionellen Umgang mit Medien und Journalisten lernen können.

 


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3. Finanzen

Ein zentraler Aspekt des Kanzleimanagements ist das Thema Finanzen. Jede Kanzlei muss auch als Unternehmen funktionieren und ihre finanziellen Mittel sinnvoll einsetzen, um wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen. Dabei müssen die Verantwortlichen entscheiden, welche Bereiche in naher Zukunft wachsen sollen und in welchen Bereichen das Engagement möglicherweise zurückgefahren wird. So kann die Umsetzung der strategischen Ziele der Kanzlei gesteuert werden. Nach diesen richtet sich, viele Mitarbeiter in welchen Abteilungen eingestellt werden.

Auch die Höhe der Investitionen hängt von der jeweiligen Strategie ab. Welche Gehälter die Kanzlei ihren Mitarbeitern anbieten kann und will, bestimmt sich ebenfalls nach der finanziellen Aufstellung. Beratungsunternehmen bieten im Bereich Finanzen und Controlling professionelle Unterstützung. Manche Kanzleien haben selbst eine entsprechende Abteilung, viele kleinere und mittelständische sind auf externe Beratung angewiesen.

 

4. Employer Branding

Kanzleien konkurrieren zunehmend um qualifizierte Absolventen. Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, betreiben einige von ihnen sogenanntes Employer Branding. Das bedeutet, dass Kanzleien Konzepte entwickeln, um sich von anderen potenziellen Arbeitgebern abzuheben. Durch diese „Markenbildung“ soll die Zahl der qualifizierten Bewerber erhöht werden, außerdem sollen Mitarbeiter dauerhaft an die Kanzlei gebunden werden.

 

Es ist nicht einfach, sich von der großen Zahl anderer Kanzleien abzugrenzen und herauszustellen, wofür genau eine Kanzlei steht und was sie so besonders macht.

 

Insbesondere kleine und mittelständische Kanzleien haben häufig Schwierigkeiten, eine konkrete Arbeitgeberidentität zu entwickeln und diese authentisch zu vermarkten.

 

Viele setzen für das Recruiting inzwischen auch auf soziale Medien und Online-Plattformen oder werben mit Familienfreundlichkeit, einer kollegialen Arbeitsatmosphäre und flachen Hierarchien. Diese Punkte tauchen jedoch in fast jedem Kanzleiprofil auf.

Um die eigene Marke zu verfeinern und Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten, nehmen einige Kanzleien Unterstützung durch Beratungsunternehmen in Anspruch. Die Berater helfen dabei, das Profil der Kanzlei zu schärfen und Schnittpunkte zu den Wünschen und Bedürfnissen der jungen Juristen zu finden. Dafür ist eine umfassende Analyse des Unternehmens erforderlich. Danach werden anhand der Besonderheiten der Kanzlei Marketingmaßnahmen konzipiert, die auf die Zielgruppe abgestimmt sind. Beratungsfirmen bringen auf diesem Gebiet eine Expertise mit, die viele Kanzleien selbst (noch) nicht haben.

 


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5. IT und Kommunikation

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Bereich der IT-Beratung. Die digitale Aufstellung ist eine zentrale Komponente für den Erfolg einer Kanzlei. Dabei gibt es so viele Möglichkeiten und Programme, dass Kanzleien oft nicht wissen, was für sie der beste Weg ist. Beratungsunternehmen helfen bei der Auswahl passender Software und IT-Systeme.

 

Die interne und externe Kommunikation muss schnell und zuverlässig funktionieren, aber auch sicher sein.

 

Es darf nicht zu Ausfällen oder Störungen kommen. Datenschutz ist dabei ein sehr wichtiges Thema. Regelungen wie die Datenschutzgrundverordnung verpflichten auch Kanzleien, bestimmte Regelungen und Standards einzuhalten.

Auf IT-Beratung spezialisierte Unternehmen kennen die aktuellsten Entwicklungen und können bei der Umsetzung neuer Vorgaben helfen. Darüber hinaus unterstützen sie Kanzleien bei der Überarbeitung veralteter Strukturen. Die Digitalisierung bietet viele neue Möglichkeiten. Um herauszufinden, welche Investitionen sich auf diesem Gebiet lohnen, lassen sich manche Kanzleien beraten. Dabei geht es um Fragen der strategischen Ausrichtung, aber auch darum, welche Investitionen im IT-Bereich sinnvoll und kostentechnisch angemessen sind.

 


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6. Mentoring

Viele Berufseinsteiger wünschen sich insbesondere in ihrer ersten Zeit Unterstützung und Begleitung durch einen Mentor. In Großkanzleien gibt es deshalb häufig Mentoring-Programme. Manche haben jedoch personell nicht die Möglichkeit, umfangreiche Strukturen zu entwickeln und greifen auf externe Angebote zurück. Es gibt Unternehmen, die entsprechende Programme anbieten. Ein möglicher Vorteil eines externen Mentors im Vergleich zu einem kanzleiinternen ist ein unbefangeneres Verhältnis.

 

Junge Juristen trauen sich möglicherweise eher, mit einer unabhängigen Person über Probleme und Unsicherheiten am Arbeitsplatz zu sprechen als mit einem Kollegen, der womöglich auf einer höheren Stufe steht.

 

Auch auf diesem Gebiet kann die Arbeit externer Unternehmen also notwendig und wichtig sein.

 

Juristische Kompetenz alleine reicht nicht aus, um den Erfolg einer Kanzlei zu garantieren. Viele andere Faktoren leisten ebenfalls einen Beitrag, sie sind ebenso notwendig. Die Bereiche überschneiden sich an einigen Punkten auch. Die Strategie der Kanzlei ist ausschlaggebend für die Ausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit und aller weiteren Maßnahmen. Für Kanzleien, die für diese Themen keine eigene Abteilung haben, kann die Unterstützung durch externe Beratungsfirmen sehr sinnvoll sein.

Großkanzlei
Linklaters LLP

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Über den Autor

Annika Lintz - Autorin TalentRocket

Annika Lintz

Studiert Jura im 7. Semester in Frankfurt am Main und arbeitet nebenbei als Aushilfe in einer Kanzlei mit dem Schwerpunkt Mietrecht.

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