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Fakten, Fakten, Fakten

So verlief das juristische Ausbildungsjahr 2017


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 09.10.2019

Wie jedes Jahr hat das Bundesamt für Justiz die Zahlen zur Juristenausbildung veröffentlicht. Gemein haben diese Veröffentlichungen stets, dass sie verzögert kommen. Daher sind die aktuellsten Zahlen eben jene des Jahres 2017. Doch welche Trends lassen sich erkennen und in welchem Bundesland ist die Wahrscheinlichkeit auf das Prädikat im ersten Examen am Höchsten?

 

Die wichtigsten Zahlen zuerst

Für die staatliche Pflichtfachprüfung, also den umgangssprachlich als staatlichen Teil bezeichneten Abschnitt des ersten Staatsexamens, sind insgesamt 14.232 Kandidaten angetreten. Davon waren übrigens 59,3 Prozent Frauen, die damit ihre Überzahl den männlichen Kommilitonen gegenüber noch weiter ausbauen konnten, als bereits im Vorjahr mit knapp 57 Prozent. Insgesamt haben 10.144 Kandidaten bestanden, was eine Durchfallquote von 28,7 Prozent bedeutet. Von insgesamt allen Kandidaten haben insgesamt leider 5,2 Prozent endgültig nicht bestanden. Insgesamt hält damit der seit dem Jahr 2007 bestehende Trend an, dass es wieder mehr Absolventen an den juristischen Fakultäten gibt.

Die zweite juristische Staatsprüfung sind hingegen insgesamt 8.716 Kandidaten angegangen, von denen 86,6 Prozent, also 7.536 Kandidaten, bestanden haben. Die Frauenquote lag sowohl beim Anteil der Kandidaten als auch beim Anteil der erfolgreichen Absolventen bei ziemlich genau 57 Prozent.

 


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Rund ein Drittel aller Absolventen nutzt den Freischuss: Der Erfolg gibt ihnen Recht!

Nun kann man sicherlich darüber streiten, ob gute Noten bzw. gute Quoten des Bestehens für den Freischuss sprechen oder aber darin begründet sind, dass überdurchschnittlich schnelle Stunden auch überdurchschnittlich gute Leistungen abliefern. Doch Fakt ist, dass rund jeder Dritte Kandidat im ersten Staatsexamen den Freischuss gewagt hat und dieser mit 78,4 Prozent überdurchschnittlich häufig bestanden wurde. Zudem haben rund 58 Prozent der Kandidaten im Freischuss bereits ein Examen erreicht, das besser als „Ausreichend“ bewertet wurde. Unter Ausblendung der zu Anfangs gemachten Überlegung stellt sich also die Fragen, ob der Freischuss nicht eigentlich häufiger genutzt und auch mehr beworben werden sollte. Dennoch lässt sich feststellen, dass die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr leicht rückgängig sind.

 

Das Bundesländer-Ranking: And the Winner is…?

… Das kommt sehr darauf an, aus welcher Perspektive man die Ergebnisse betrachtet und welche Ergebnisse als besonders erstrebenswert erachtet werden. Gerade unter Juristen ist es schließlich nicht unüblich, dass ein vermeintlich besonders hartes Examen eine Auszeichnung ist. Große Teile des juristischen Landes schielen bei solchen Worten wenig überraschend nach Bayern, doch im Jahr 2017 haben mit gerade einmal 60,3 Prozent
erfolgreicher Kandidaten die Bremer Jurastudenten das vermeintlich härteste Los im ersten Staatsexamen gezogen. Mit 81,1 Prozent bestehender Kandidaten ist Sachsen-Anhalt auf der anderen Seite dieser Tabelle zu finden und hat somit zumindest prozentual am meisten erfolgreiche Kandidaten hervorbringen können. Zumindest aus unserer Sicht ist der Gewinner für das erste Examen daher ganz klar Sachsen-Anhalt! Wer es übrigens auf ein Vollbefriedigend oder besser abgesehen hat, der hatte im Jahr 2017 in Berlin die „besten Chancen“. Mit 25,6 Prozent der erfolgreichen Absolventen konnten dort die meisten Kandidaten ein „Vollbefriedigend“, „Gut“ oder gar „Sehr gut“ erhaschen. Besonders restriktiv ist man mit dem Prädikat in Brandenburg umgegangen. Kein „Sehr gut“ und insgesamt nur 7 Prozent „Vollbefriedigend“ oder „Gut“ war man dort bereit zu vergeben.
 

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Auch im zweiten Staatsexamen konnten sich die Kandidaten in Sachsen-Anhalt entweder besonders gut behaupten oder aber von freundlich gesinnten Korrektoren profitieren. Insgesamt 92,4 Prozent der angetretenen Kandidaten haben dort ihr zweites Staatsexamen erhalten. Auch hier fallen Brandenburg und Bremen mit Quoten von 75 und 76,2 Prozent negativ aus und haben sich somit als besonders harte Pflaster erwiesen. Wer ein „Vollbefriedigend“ oder besser anstrebt, sollte sich zudem möglicherweise nach einer Referendariatsstelle in Hamburg umsehen, denn über 30 Prozent der Kandidaten der Hansestadt ist dieses Kunststück gelungen. Die niedrigen Durchfallquoten in Sachsen-Anhalt
musste man anscheinend mit einer besonders restriktiven Vergabe von Bestnoten bezahlen, denn mit gerade einmal 10,1 Prozent „Vollbefriedigend“ oder besser, liegt der bisherige Überflieger unter den Bundesländern in dieser Wertung abgeschlagen auf dem letzten Platz.

 


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Der universitäre Schwerpunkt: Nach wie vor ein Punktelieferant

Da Juristen bekanntlich die Sklaven ihrer eigenen Noten sind, können ein paar überdurchschnittlich gute Ergebnisse in der Gesamtwertung nicht schaden. Diesen Part übernehmen nach wie vor die juristischen Fakultäten des Landes. Mit einer Quote von 96,1 Prozent haben in der Tat fast alle angetretenen Kandidaten ihren Schwerpunkt erfolgreich absolvieren können. Über die Hälfte dieser erfolgreichen Kandidaten konnten darüber hinaus ein Prädikat erlangen. Besonders wohlwollend waren die Juroren offensichtlich im Saarland und in Sachsen-Anhalt, die als einzige Bundesländer zweistellige Prozentzahlen für die Note „Sehr gut“ vorweisen können.

 

Die Gesamtnotenverteilung im ersten Examen

Diese guten Noten aus den Universitäten wirken sich natürlich positiv auf die Gesamtnote der ersten juristischen Prüfung aus. Insgesamt wurde das „Erste Staatsexamen“, bestehend aus staatlicher Pflichtfachprüfung und universitären Schwerpunkt, im Jahr 2017 9.721 Mal ausgestellt. Auch hier trägt der Frauenanteil mit rund 56 Prozent deutlich mehr als die Hälfte der Absolventen!
Insgesamt konnten 24 Kandidaten ein „Sehr gut“ und 549 ein „Gut“ erreichen. Das macht insgesamt 5,8 Prozent der vergebenen Examen aus. Das VB, also 9 bis 11,5 Punkte, konnten 26,8 Prozent der erfolgreichen Absolventen erreichen und 47,1 Prozent konnten ein befriedigend erlangen. Für 20,3 Prozent der Absolventen blieb demnach ein „Ausreichend“ auf dem Zeugnis übrig. Die Noten liegen damit im Mittel der letzten Jahre und verdeutlichen einmal mehr, dass das juristische Examen alles andere als verschenkt wird aber gleichzeitig auch durchaus realistisch erfolgreich abgeschlossen werden kann!

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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