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Gangster-Rap im Gerichtssaal

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Gangster-Rap im Gerichtssaal

Können sich Songtexte auf ein Urteil auswirken?

 

In den USA hat Gangster-Rap seinen Weg in die Gerichtssäle des Landes geschafft. Nicht etwa in Person der Rapper selbst – das wäre nichts Neues. Es sind die Texte, die es ins Rampenlicht geschafft haben.

Sie entscheiden mittlerweile sogar über Gefängnis und Freiheit.

 

Der Fall von Rapper Vonte Skinner brachte die Thematik erstmals groß in die Medien. Ein Gericht verurteilte Skinner 2008 zu 30 Jahren Haft. Das Urteil lautete Mord aus Habgier. Der Rapper und Drogendealer soll 2005 einen konkurrierenden Dealer erschossen haben.

Vonte Skinner mag vielen zunächst kein Begriff sein. Er ist tatsächlich kein Bekannter seiner Szene. Er ist eher Einer der Kategorie Amateur- oder Hobbykünstler. Seine Texte aber ähneln denen seiner prominenten Kollegen. Es geht um Drogen, Gewalt und Kriminalität. Er selber sagt in einem seiner eigenen Texte, dass er ein Typ sei, „der anderen in den Nacken schießt“.

 

Raptexte als Beweismittel?

Doch eben hier liegt der Hund begraben. Seine Raptexte wurden vor Gericht als Beweismittel eingesetzt. Dass die Texte teilweise zeitlich weit vor der angeklagten Straftat geschrieben waren, interessierte genauso wenig, wie der fehlende Bezug zu eben dieser Straftat. Das in den USA angewandte Jury-System birgt in so einem Fall besonders dessen immanente Gefahr.

Menschen die selbst keinerlei Bezug zu solch extremer Musik haben, werden angesichts der teils menschenverachtenden Texte schwer zwischen dem Künstler und dem ihnen gegenübersitzenden Angeklagten differenzieren können.

Dabei sind die Texte zum Großteil offensichtliche Fiktion. Nicht selten stellen sich selbsternannte Ghettokinder und Straßenrapper wenig später als unter guten Voraussetzungen aufgewachsene Jugendliche heraus.

Wenig überraschend wächst daher die Kritik an der Verwendung von Raptexten vor Gericht. Erik Nielson, Forscher an der Universität von Richmond fürchtet ebenfalls einen überdimensionierten Einfluss solcher als Beweismittel genutzter Texte auf eine Jury.

Die Annahme, solche Texte wären künstlerisch aufgearbeitete Geständnisse, läge für Rap-unerfahrene Mitglieder von Jurys einfach viel zu nahe, gibt Nielson zu bedenken.

Auch die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union – ACLU – forderte deswegen solche Songtexte wieder unter die künstlerische Freiheit zu subsumieren und damit dem Schutz der Verfassung zu unterstellen.

 

 

Die Praxis aber sieht anders aus

Entgegen dieser Bedenken und Forderungen steigt die Zahl von verwendeten Texten kontinuierlich. Wenig überraschend, bedenkt man, dass Youtube und Co. heute Plattformen für allerlei Hobbykünstler geworden sind.

Laut einem Artikel der New York Times spielt die Analyse von Raptexten gerade in Bezug auf die Verflechtungen von Rappern und Straßengangs eine immer wichtigere Rolle.

Nicht selten werden hier unbewusst Hierarchien preisgegeben oder aktuelle Gewalttaten finden Einzug in die Texte. Insbesondere Rivalitäten zwischen Gangs beginnen nicht selten als sogenannter „Rapbeef“ bei dem sich Künstler untereinander „battlen“. Häufig bleibt es nicht nur bei Beleidigungen und Drohungen.

 

Die Situation bei uns

In Deutschland sind solche Vorgehensweisen nicht gängig. Noch, könnte man meinen, bedenkt man den damaligen Streit zwischen den Deutschrappern Kay One und Bushido. Morddrohungen inklusive.

Kay One hatte danach längere Zeit Polizeischutz. Noch näher an amerikanische Verhältnisse kam der Bonner Rapper Xatar. Er wurde 2011 für acht Jahre aufgrund eines Überfalls auf einen Goldtransporter verurteilt.

 

Die Verwendung von Raptexten vor Gericht ist äußerst spannend und dementsprechend umstritten. Beide Seiten haben berechtigte Argumente, eine Prognose über die zukünftige Handhabung ist daher kaum möglich. Sollte sich dieses Vorgehen allerdings durchsetzen, könnte dies nicht nur die Strafverfolgung, sondern auch die Rapmusik nachhaltig verändern.

 

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21. August 2017


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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