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Gegenüberstellung der Jura Gehälter 2018 - Groß-, mittelständische und Boutiquekanzleien


verfasst von Julian Wagner und veröffentlicht am 08.08.2018

 

Unabhängig davon, ob man dieser Aussage des US-amerikanischen Entertainers zustimmt, so bleibt doch unbestrittenen, dass Bezahlung und Gehalt für Juristen – auch unter Beachtung der Relativität, insbesondere zum Zeitaufwand – eine bedeutungsvolle Rolle bei der Auswahl des eigenen Arbeitsplatzes spielen. Gerade für Berufseinsteiger, die mit überdurchschnittlichen oder sogar hervorragenden Examensergebnissen glänzen können, bieten sich am juristischen Arbeitsmarkt in finanzieller Hinsicht diverse attraktive Einstiegsoptionen. Gehaltstabelle gibt`s unten.

Das Einzige, was einem Geld bringt, ist die Freiheit, sich keine Sorgen um Geld machen zu müssen. – Johnny Carson

Besonders, wenn es um das Thema Geld geht, sind zumeist diverse Großkanzleien an der Spitze der Ranglisten vertreten. Einige mittelständische Kanzleien und Kanzleiboutiquen haben inzwischen aufgeschlossen und können Associates exzellente Konditionen zum Berufseinstieg bieten, dies auf einem finanziellen Niveau, wie es sonst in kaum einer anderen Branche vorzufinden ist. Letztlich müssen jedoch stets auch Zusatzleistungen, Boni und Arbeitszeiten mit in die Analyse einer Vergütungsleistung aufgenommen werden, um ein wirklich objektives Bild von dem finanziellen Angebot eines Arbeitgebers erhalten zu können. Damit möchte sich dieser Artikel auseinandersetzen und verschiedene Arbeitgeberprofile beleuchten.

 

Immer vorne mit dabei: Großkanzleien

Was die Vergütung von Berufseinsteigern angeht, sind einige Großkanzleien am Arbeitsmarkt noch absolute Vorreiter. Aktuell bietet Kirkland & Ellis 131.000 Euro Einstiegsgehalt, Clearly Gottlieb, Skadden, Gibson Dunn und Sidley legen jeweils 125.000 Euro pro Jahr auf den Tisch. Dazu können am Ende des Geschäftsjahres – abhängig von der persönlichen Leistung und dem wirtschaftlichen Gesamterfolg der Kanzlei – noch Bonuszahlungen hinzukommen. Nicht immer ist die Höhe dieser möglichen Zusatzverdienste bekannt, bei Skadden jedoch lag der Betrag für Boni von Associates im ersten Berufsjahr beispielsweise bei 14.000 Euro (Geschäftsjahr 2016). Viele weitere Großkanzleien können ebenfalls exzellente Einstiegsgehälter bieten, die sich zumeist jedoch etwas unter dem genannten Preisspiegel befinden. Am häufigsten sind Beträge zwischen 100.000 Euro und 120.000 Euro.

Stets zu beachten gilt, dass bei einer derart hohen Bezahlung natürlich auch eine entsprechende Gegenleistung erwartet wird.

Der azur-Associate-Umfrage zufolge arbeiteten Associates im ersten Berufsjahr nämlich circa 54 Stunden pro Woche, also fast 11 Stunden am Tag (Jahr 2017).

Hinzu kommt, dass die vergleichsweise sehr hohen Summen, die Großkanzleien ihren neuen Associates bieten, einem relativ kleinen Kreis an Bewerbern vorbehalten ist. Dies sind all diejenigen, die auch den grundsätzlichen Anforderungen eines Associates in einer international agierenden Sozietät entsprechen. Dazu gehören häufig ein oder sogar zwei Prädikatsexamina (mindestens aber 8 Punkte), wobei vor allem die Note aus dem staatlichen Examensteil zählt und nicht die aus dem Schwerpunktbereich.

Je nach dem, wie viel der Berufseinsteiger in seine Ausbildung investiert hat und welche relevanten zusätzlichen Qualifikationen er mitbringt, können die Einstiegsgehälter in ein und derselben Kanzlei erheblich variieren. Jedenfalls Voraussetzung sind heute exzellente Englischkenntnisse, die sich besonders durch einen postgradualen Abschluss, wie den LL.M., nachweisen lassen. Deswegen wird bei Großkanzleien ein Master of Laws auch regelmäßig nur dann als Mehrwert und echte Zusatzqualifikation angesehen, wenn er auch im englischsprachigen Ausland erworben wurde. 

→ Informiere dich hier über einen LL.M. und passende Law Schools

Auch eine Promotion wird in den meisten Kanzleien geschätzt und kann somit auch zu einem etwas höheren Einstiegsgehalt führen.

 

Hier geht es zur Übersicht Großkanzleien Deutschland

 

Längst relevant: Mittelständische Kanzleien

Mittelständische Kanzleien können heutzutage fast ebenso attraktive Gehaltskonditionen bieten. Selbstverständlich muss dies in Relation gesehen werden zur Größe der Kanzlei. Wer es als Berufseinsteiger darauf abgesehen hat, die 100.000 Euro - Marke bereits im ersten Berufsjahr zu knacken, wird bei mittelständischen Kanzleien allerdings nur selten fündig werden. Wer unter den mittelständischen Kanzleien heraussticht ist die Wirtschaftskanzlei P+P Pöllath + Partners, die in München, Frankfurt und Berlin vertreten ist und ihren Anwälten im ersten Berufsjahr, je nach Qualifikation, zwischen 105.000 Euro und 125.000 Euro zahlt. Eine Summe, die keine andere mittelständische Kanzlei im Moment bietet. Auf Platz 2 rangiert die Kanzlei Oppenländer, die ihren neuen Associates eine fixe Vergütung von 100.000 Euro im ersten Berufsjahr bietet. Die ebenfalls mittelständische Wirtschaftskanzlei Loschelder bietet ihren Neueinsteigern zwischen 95.000 Euro bis 100.000 Euro Einstiegsgehalt. Die größte Zahl der mittelständischen Kanzleien bieten Einstiegskonditionen im Bereich von 65.000 Euro und 80.000 Euro pro Jahr.

Es gilt stets zu beachten, welche sonstigen Vergütungskonditionen von Arbeitgebern geboten werden. Es lohnt sich dahingehend zu differenzieren, wo mit der meisten Arbeitsbelastung zu rechnen ist. Es macht also durchaus Sinn, nicht nur stur auf das Gehalt zu blicken, sondern auch branchen- und fachbereichsabhängige Arbeitszeiten beachten, welche die eigene Bezahlung schnell relativieren können. Berufseinsteiger, die bei M&A-Transaktionen beraten, arbeiteten einer Umfrage von azur zufolge im Jahr 2017 nämlich durchschnittlich fast fünf Wochenstunden mehr als beispielsweise ihre Kollegen aus den IT-Fachbereichen.

Ein Associate verdiente in Deutschland im Jahr 2017 durchschnittlich übrigens 42,57 Euro pro Stunde,

wobei sich (erwartungsgemäß) große Unterschiede zwischen Großstädten und Umland sowie Ost und West abgezeichnet haben.

Auch die Anzahl der Urlaubstage und Zusatzleistungen, wie die Übernahme von Kosten bei der Rechtsanwaltskammer, Firmenhandys, kostenlose Verpflegung am Arbeitsplatz oder mögliche Bonuszahlungen am Ende des Jahres sollte man beachten.

 

Alle mittelständischen Kanzlein mit aktuellen Jobs im Überblick 

 

Kompakte Alternative: Kanzleiboutiquen

Auch kleine, hoch spezialisierte Kanzleien, die sich meistens auf die Beratung in einem oder wenigen Rechtsbereichen konzentrieren, können Berufseinsteigern bereits attraktive Gehälter bieten. So zahlt beispielsweise die Kanzlei Wach+Meckes ihren Nachwuchsjuristen im ersten Berufsjahr zwischen 110.000 Euro und 120.000 Euro. Glade Michel Wirtz bietet 110.000 Euro fix und die auf öffentliches Wirtschaftsrecht spezialisierte Kanzleiboutique pswp 100.000 Euro bis 110.000 Euro. Aber auch bei den Kanzleien Gütt Olk Feldhaus in München sowie Broich und Greenfort, die in Frankfurt am Main ansässig sind, stehen sechsstellige Einstiegsgehälter auf dem jährlichen Gehaltscheck. Grundsätzlich können zahlreiche Kanzleiboutiquen denjenigen Associates, die in ihr hoch spezialisiertes Kanzleiprofil passen, sehr gute Einstiegskonditionen bieten.

 

Details zu offenen Stellen in Kanzleiboutiquen

 

Überblick Gehalt Kanzleien 2018

Name der Kanzlei

Einstiegsgehalt brutto pro Jahr Art

Kirkland & Ellis International LLP

€ 131.000,- Großkanzlei

Cleary Gottlieb

€ 125.000,- Großkanzlei

Gibson Dunn

€ 125.000,- Großkanzlei

Sidley Austin

€ 125.000,- Großkanzlei

Skadden

€ 125.000,- Großkanzlei

Weil Gotshal & Manges

€ 115.000,- bis € 125.000,- Großkanzlei

P+P Pöllath + Partners

€ 105.000,- bis € 125.000,- Mittelständische Kanzlei

Clifford Chance

€ 120.000,- Großkanzlei

Herbert Smith Freehills

€ 120.000,- Großkanzlei

Linklaters

€ 120.000,- Großkanzlei

White & Case

€ 120.000,- Großkanzlei

Gleiss Lutz

€ 110.000,- bis € 120.000,- Großkanzlei

Greenberg Traurig

€ 110.000,- bis € 120.000,- Großkanzlei

WACH + MECKES

€ 110.000,- bis € 120.000,- Boutiquekanzlei

Baker & McKenzie 

bis zu € 120.000,- Großkanzlei

GLADE MICHEL WIRTZ

€ 110.000,- Boutiquekanzlei

Simmons & Simmons

€ 110.000,- Großkanzlei

Morrison & Foerster

€ 110.000,- Großkanzlei

Orrick Herrington & Sutcliffe

€ 110.000,- zzgl. Bonus Großkanzlei

WilmerHale

€ 110.000,- Großkanzlei

ARQIS 

€ 100.000,- bis € 110.000,- Boutiquekanzlei

Gütt Olk Feldhaus 

€ 100.000,- bis € 110.000,- Boutiquekanzlei

pswp

€ 100.000,- bis € 110.000,- Boutiquekanzlei

Flick Gocke Schaumburg

€ 80.000,- bis € 110.000,- Großkanzlei

Bird & Bird

bis zu € 105.000,- Großkanzlei

Norton Rose Fulbright

€ 95.000,- bis € 105.000,- Großkanzlei

DLA Piper

€ 95.000,- bis € 105.000,- Großkanzlei

Heuking Kühn Lüer Wojtek

€ 85.000,- bis € 105.000,- zzgl. Bonus Großkanzlei

Greenfort

€ 102.000,- Boutiquekanzlei

Broich

€ 131.000,- Boutiquekanzlei

LOSCHELDER

€ 95.000,- bis € 100.000,-
 
Mittelständische Kanzlei

 

Eines ist sicher: Wer als hoch qualifizierter Volljurist den Arbeitsmarkt betritt und gleichzeitig bereit ist, ein überdurchschnittliches Arbeitspensum zu bewältigen, hat bei diversen Arbeitgebern aus finanzieller Sicht hervorragende Startbedingungen. Zwischen den gewaltigen Geldsummen, Ansprüchen, Arbeitszeiten und Erwartungen sollte jedoch das Einkommen nicht der ausschlaggebende Faktor der Wahl einer Stelle sein. Schließlich spielt auch die Freude an der Arbeit und eine einigermaßen ausgeglichene Work-Life-Balance eine Rolle, damit ein zufriedenstellendes Arbeitsverhältnis langfristig bestehen kann.

Denn wem hilft schließlich ein Berg aus Geld, wenn keine Zeit bleibt, sich auch mal etwas zu gönnen?

 


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Über den Autor

Julian Wagner - Autor TalentRocket

Julian Wagner

studiert im 7. Semester Jura in Würzburg und ist seit Dezember 2017 als Autor für TalentRocket tätig. Nebenbei schreibt er auch für seinen Blog „Studi-Tipps: Jura“

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