"Hallo Wochenende!" - verlässliche Arbeitszeiten trotz Großkanzlei?!

Im Interview stellt uns Herr Jobski von Linklaters ein alternatives Karrieremodell vor, das die Arbeitsstunden festlegt...


veröffentlicht am 22.01.2018

Justus Jobski - Linklaters LLPHallo Herr Jobski, hatten Sie etwa keine Lust, 60-70 Stunden pro Woche und am Wochenende zu arbeiten?

Was für eine Frage! Natürlich war mir das von der Auslastung deutlich zu wenig! Stattdessen wollte ich Vollzeit in einer Großkanzlei arbeiten, mindestens weitere 30 - 40 Stunden pro Woche mit der Nachbereitung meiner zusätzlichen universitären Verpflichtungen verbringen (ich absolviere derzeit noch ein Zweitstudium der Betriebswirtschaftslehre) und das Wort „Wochenende“ gänzlich aus meinem Wortschatz streichen. Gott sei Dank ist diese Rechnung aufgegangen. Was hätte ich sonst mit all der Freizeit anfangen sollen ;)!?

 

YourLink steht für ein Arbeitszeitmodell von Linklaters, dass die Stunden in der Großkanzlei begrenzt und vorhersehbar macht. Begrenzt es auch die eigenen Karrierechancen?

Ganz im Gegenteil, der alternative Karriereweg „YourLink“ eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, wie zum Beispiel in meinem Fall mein Zweitstudium. In diesem Kontext hat „YourLink“ meine Karrierechancen klar erweitert und mir die Gelegenheit gegeben, knapp zwei Jahre früher als sonst mit der Anwaltstätigkeit zu beginnen und insoweit bereits wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

 

Sie absolvieren ja neben Ihrem Job noch ein BWL-Studium? Ist die doppelte intellektuelle Belastung trotzdem nicht sehr anstrengend?

Selbstverständlich ist die doppelte Belastung aus Arbeit und Zweitstudium anstrengend. Das macht nur Sinn, wenn nach eigener Bewertung „Kosten“ und „Nutzen“ gleichwohl im richtigen Verhältnis stehen, am Ende also ein Mehrwert bleibt. Dieser Mehrwert besteht für mich darin, den eigenen fachlichen Horizont über die juristischen Fragestellungen hinaus zu erweitern und mich zusätzlich mit mindestens ebenso interessanten Problemen aus dem Corporate Finance, der Konzernrechnungslegung oder der Volkswirtschaftslehre zu beschäftigen. Wenn dann noch einige dieser Themen mit der täglichen juristischen Arbeit im M&A- und Private Equity-Geschäft in Verbindung stehen, ist man für den Aufwand restlos entlohnt. Dementsprechend bin ich mit meiner Entscheidung für eine Doppelbelastung bisher auch vollauf zufrieden.

 

Aber wer grob gesagt nur halb so viel arbeitet, der verdient auch nur halb so viel, nicht wahr? Oder ist es vielmehr so, dass ihr Stundenlohn sogar ein bisschen besser ist?

Diese Rechnung ist so nicht ganz stimmig. Klar ist aber, dass man weniger als die Kollegen auf dem klassischen Karrieretrack verdient. Klar ist aber auch, dass man damit bei dem kompetitiven Gehaltsniveau auf dem juristischen Arbeitsmarkt weiterhin sehr gut bedient ist und immer noch deutlich überdurchschnittlich bezahlt wird.

 

YourLink - Arbeitszeitmodell von Linklaters LLP

 

Mehr Insights zu den Karrieremöglichkeiten bei Linklaters

 

Wie stellt sich Ihre tägliche Arbeit dar? Arbeiten Sie jeden Tag zur denselben Uhr- oder Kernzeiten? Wie flexibel sind Sie bei dieser Gestaltung und sind es tatsächlich die vereinbarten 40h? Was passiert mit den anfallenden Überstunden?

Grundsätzlich sind die Arbeitszeiten vorgegeben, in denen man das vereinbarte Stundenpensum pro Woche – z.B. 20, 30 oder 40 Arbeitsstunden – ableisten soll. Nach Rücksprache mit dem eigenen Leitpartner kann die Verteilung jedoch individuell angepasst werden, was auch bei mir geschehen ist, um mir die Teilnahme an universitären Veranstaltungen zu ermöglichen.  Auch wenn das Stundenpensum pro Woche also fixiert ist, ist es die genauere Ausgestaltung des „YourLink“-Modells nicht, was individuelle Lösungen ermöglicht.

Trotz der individuellen und teils flexiblen Verteilung der Arbeitsstunden bleibt es pro Woche grundsätzlich bei dem vereinbarten, maximalen Stundenpensum.

Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass für mich gerade im Zusammenhang mit dem Signing und Closing einer Unternehmenstransaktion (ich arbeite im Bereich M&A und Private Equity) die Verlockung groß war und ist, das Stundenpensum für einen gewissen Zeitraum unberücksichtigt zu lassen, um die Möglichkeit zu haben, einen solchen Prozess vollständig bis zum Ende zu begleiten. Der Unterschied im „YourLink“-Modell ist in diesen Situationen jedoch, dass dies nicht vorausgesetzt wird, sondern der eigenen freien Entscheidung überlassen bleibt. Zudem werden die auflaufenden Überstunden genau dokumentiert und alsbald mittels eines Freizeitausgleichs wieder abgegolten. Und das wird tatsächlich so gelebt.

 

Und arbeiten Sie an gleichwertigen Mandaten wie Ihre Kollegen?

Bis auf die zeitliche Auslastung gibt es glücklicherweise wenige Unterschiede zu der Arbeit der sonstigen Kollegen. Spezielle „YourLink“-Mandate mit besonders geduldigen Mandanten gibt es in meinem Bereich nicht und wird es auch kaum geben, zumal im sehr dynamischen Transaktionsmarkt und insbesondere im Private Equity-Geschäft. Hier kann auf keine helfende Hand verzichtet werden, sodass man sich keine Sorgen machen muss, nicht voll eingebunden zu werden.

 

Wie ist das Standing bei den Kollegen? Färbt es negativ auf einen ab, dass man weniger arbeitet oder ist man genauso angesehen, wie ein Full-Time Associate?

Ich bin in meinem Team und von den Kollegen sehr herzlich aufgenommen worden. Der ein oder andere ist natürlich auch neugierig, wie sich das „YourLink“-Modell in der Praxis bewährt. Und wir wollen ja natürlich den Beweis erbringen, dass es funktioniert.

 

Haben Sie sich für Linklaters aufgrund dieses Modells entschieden oder hat es Ihre Entscheidung beeinflusst bei Linklaters zu bleiben?

Neben dem Renommee von Linklaters LLP war das angebotene „YourLink“-Modell definitiv ein weiterer entscheidender Faktor, mich gerade hier zu bewerben und letztlich auch für diese Kanzlei zu entscheiden. Ähnliche Angebote auf vergleichbarem fachlichen Niveau sind Mangelware. Insoweit ist „YourLink“ ein klares Alleinstellungsmerkmal.

 

War die Entscheidung für dieses Arbeitszeitmodell eine eher temporäre Entscheidung und können Sie sich vorstellen, in den unternehmerischen Track zu wechseln oder sehen Sie sich langfristig darin?

Bisher ist es mein Plan, die Tätigkeit im „YourLink“-Modell bis zur Beendigung meines Zweitstudiums fortzuführen und danach im klassischen Arbeitszeitmodell tätig zu sein. Wie gesagt: Wohin mit all der Freizeit ;)!?

 

Was zeichnet die Kanzlei und das Arbeitsklima aus?

Für mich zeichnet sich Linklaters LLP bisher ganz wesentlich durch die Verbindung erstklassiger gesellschaftsrechtlicher Mandate und die wirklich einmalige Stimmung in unserem Team aus, welches derzeit aus dem Leitpartner Dr. Sebastian Daub, zwei weiteren Kollegen und mir besteht. Hier wird trotz intensiver Arbeit und höchsten fachlichen Ansprüchen ein sehr respektvoller, kollegialer Umgangston und eine humorvolle Atmosphäre gepflegt, wie ich es mir anfangs wirklich nicht vorstellen konnte.

 

Muss man eigentlich noch besser sein, als ein normaler Großkanzleieinsteiger, um in dieses Programm aufgenommen zu werden? Wird also eine höhere Effektivität von einem erwartet?

Was die fachlichen Ansprüche an die Bewerber betrifft, bleibt die Messlatte meiner Auffassung nach unverändert hoch. Eine hohe Effektivität in der Aufgabenerledigung und eine schnelle Auffassungsgabe werden zudem in allen Arbeitszeitmodellen vorausgesetzt. Von besonderer Bedeutung ist jedoch der Personal Fit zwischen Team und Bewerber. Das erklärt sich einfach daraus, dass es zum Ausgleich der unterschiedlichen Arbeitszeitmodelle innerhalb eines Teams einer reibungslosen und offenen Kommunikation bedarf, die im Zweifel nur gewährleistet ist, wenn die Teammitglieder wirklich zusammenpassen.

Hier findest du alle aktuellen Stellenangebote bei Linklaters LLP

 

Wie würde Ihr bisheriges Fazit aussehen? Ist YourLink also am Ende der bessere Weg oder würden Sie es juristisch beantworten mit: „Es kommt darauf an...“?

„YourLink“ ist der Königsweg für Bewerber, die neben einer zeitintensiven weiteren Verpflichtung – Familie, Zweitstudium, soziales oder politisches Engagement – gleichwohl anwaltliche Verantwortung übernehmen und an vorderster Front mitkämpfen möchten. Darüber hinaus hängt die Bewertung dieses Modells von den eigenen Präferenzen hinsichtlich Arbeit, Gehalt und Freizeit ab, worüber sich jeder nur selbst Rechenschaft ablegen kann und muss.

*sponsored

 

Großkanzlei
Linklaters LLP

Linklaters LLP


Erfahre mehr über diesen Arbeitgeber und finde heraus, was ihn ausmacht.

 

Juristische Arbeitgeber, Jobs oder Events. Exklusiv für Mitglieder!

Mit der 1-Klick Bewerbung kannst du dich in sekundenschnelle bei den Arbeitgebern bewerben.

Hat dir der Artikel gefallen? Feedback geben



Talente haben sich auch diese Artikel durchgelesen:

Arbeitgeber im Gespräch

Jung, dynamisch und kein bisschen gewöhnlich!

Einblicke: 2 Associates – 2 Wege bei GÖRG

Arbeitgeber im Gespräch

Über Fach- und Ländergrenzen hinweg: Alles aus einer Hand!

Mitglied des Management Boards & Partner Dr. Gemmeke über Competence Center und Industry Groups bei...

Arbeitgeber im Gespräch

Wann "Eigengewächse" Partner werden

Counsel als sinnvolle Zwischenstation?