Internationale vs. nationale Großkanzlei

Worin liegen die Unterschiede zur Arbeit als Anwalt in einer nationalen Großkanzlei?


veröffentlicht am 03.04.2019

 

Sarah Stolle (Bild links) und Bastienne Stautner (Bild rechts) haben jeweils nach Ihrer Rechtsanwaltszulassung bei einer internationalen Großkanzlei gearbeitet und sind beide im letzten Jahr zur nationalen Großkanzlei GÖRG gewechselt. Frau Stautner ist bei GÖRG Rechtsanwältin für den Bereich Gesellschaftsrecht, Frau Stolle ist Rechtsanwältin für den Bereich Arbeitsrecht. Doch was machen nun die Unterschiede von einer internationalen zu einer nationalen Großkanzlei wirklich aus? Wir haben sie zu ihren Erfahrungen befragt.

 

Frau Stautner und Frau Stolle, welche Argumente haben Sie letztendlich überzeugt, von einer internationalen Großkanzlei in eine nationale zu wechseln?

Bastienne Stautner: Von einer internationalen Großkanzlei in eine nationale zu wechseln, war keine bewusste Entscheidung für bzw. gegen eines der beiden Modelle, sondern eher ein zufälliges Ergebnis.

Sarah Stolle: Die Entscheidung für eine bestimmte Kanzlei trifft man meiner Meinung nach letzten Endes immer aus dem Bauch heraus. Man entscheidet sich gezielt für den Beruf des Rechtsanwalts - welche Kanzlei man zu seinem Arbeitgeber auserwählt, hängt nicht nur von den beiden Großkanzleimodellen, sondern auch von vielen anderen Faktoren ab, wie etwa dem Vorhandensein freier Stellen, den Arbeitsinhalten und dem passenden Team.

 


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Wie unterscheiden sich die Arbeitsabläufe in einer nationalen Großkanzlei von denen in einer internationalen?

Sarah Stolle & Bastienne Stautner: Die Arbeitsabläufe in einer nationalen Großkanzlei unterscheiden sich von denen einer internationalen Großkanzlei nicht wesentlich. Die Arbeit auf dem Schreibtisch muss innerhalb der vom Mandanten, Gericht oder Partner vorgegebenen Frist erledigt werden. In beiden Kanzleitypen arbeitet man in der Regel im Team für einen oder mehrere Partner, wobei die Teams in einer nationalen Großkanzlei oftmals kleiner als in einer internationalen Großkanzlei sind. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass man in einer nationalen Großkanzlei mit weniger Kollegen zusammenarbeitet. Vielmehr findet häufig ein Austausch mit anderen Teams am selben Standort oder auch standortübergreifend statt.

 

Sie haben nun beide Kanzleimodelle kennengelernt, auf welche Vor- und Nachteile sind Sie dabei jeweils gestoßen?

Bastienne Stautner: Ein Vorteil von internationalen Großkanzleien liegt oftmals darin, dass es dort mehr Veranstaltungen – sowohl mit als auch ohne Mandanten – gibt. Gerade Referendaren, Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern wird in internationalen Großkanzleien oftmals mehr Betreuung und Programm geboten als dies in nationalen Großkanzleien der Fall ist.

 


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Auch konzentrieren sich internationale Großkanzleien häufig mehr auf Themen wie Business Development und Marketing. Dennoch ziehen die nationalen Großkanzleien in diesen Bereichen spürbar nach und überholen sogar teilweise die internationalen Großkanzleien.

 

Ein klarer Vorteil von nationalen Großkanzleien ist, dass man hier viel eher die Möglichkeit hat, eigene Mandate zu akquirieren und sich so nach und nach einen eigenen Mandantenstamm aufzubauen.

 

Diese unternehmerische Tätigkeit wird meines Erachtens viel mehr gefördert.

 

Sarah Stolle: Für Anwälte, die gerne auf Englisch und überwiegend international arbeiten möchten, ist die Wahrscheinlichkeit in internationalen Großkanzleien größer, mit solchen Mandaten in Berührung zu kommen. Dies ist aber nicht zwingend. Es kommt auch vor, dass ein Anwalt in einer internationalen Großkanzlei nur auf Deutsch mit deutschen Mandanten arbeitet und umgekehrt in einer deutschen Großkanzlei ein Großteil der Mandate auf Englisch ist. Der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Kanzleitypen liegt darin, dass die internationale Großkanzlei auch Standorte im Ausland hat und dadurch in der Regel mehr Anwälte beschäftigt.

 

Das häufigere internationale Arbeiten in internationalen Großkanzleien zieht wiederum die Folge nach sich, dass es immer mal wieder vorkommen kann, dass man um 23:00 Uhr noch einen Call mit Australiern hat, weil der Arbeitstag dort gerade beginnt oder am späten Abend noch einen Call mit US-Amerikanern, weil für sie der Arbeitstag noch nicht zu Ende ist. Die Arbeitszeiten richten sich in beiden Kanzleimodellen immer nach den Mandanten (und gegebenenfalls nach dem jeweiligen Partner). Ein weiterer Vorteil einer nationalen Großkanzlei ist, dass die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass man auch im ersten Berufsjahr schon alleine vor Gericht auftreten und mit den Mandanten selbständig kommunizieren darf, also ohne die Anwesenheit des zuständigen Partners. Dies ist aber auch wiederum mandats- und partnerabhängig.

 


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Gibt es in einer nationalen Kanzlei typische Arbeitsmethoden, mit denen Sie vor Ihrem Wechsel noch nicht in Berührung gekommen sind?

Bastienne Stautner: In meinem Fall ist die Arbeit deutlich selbstständiger und eigenverantwortlicher ausgestaltet als in der internationalen Großkanzlei. Das ist vielleicht anfangs etwas ungewohnt und stellt einen hier und da vor eine Herausforderung. Im Ergebnis ist es aber für die persönliche Entwicklung von Vorteil.

 

Die Lernkurve ist hierbei natürlich deutlich höher.

 

Sarah Stolle: Neben meinen selbständigen Auftritten vor Gericht durfte ich schon zu Beginn meines ersten Berufsjahres eigenständig eine International Investigation durchführen. Dafür habe ich mehrere Interviews für die verschiedenen deutschen und englischen Interviewpartner vorbereitet, sie alleine geführt und die Informationen in einem Bericht ausgewertet. Dieses taktische Arbeiten macht mir sehr viel Spaß.

 

Kann man sagen, dass in einer nationalen Kanzlei schon aufgrund der Größe spürbar weniger Konkurrenzdruck herrscht?

Sarah Stolle & Bastienne Stautner: Wir halten den Konkurrenzdruck in einer internationalen Großkanzlei nicht zwingend für größer als in einer nationalen. Ob zwischen den einzelnen Anwälten Konkurrenzdruck herrscht, ist in unseren Augen keine Frage der Größe der Kanzlei, sondern der unterschiedlichen Persönlichkeiten in einem Team. Wir durften beide bisher glücklicherweise in Teams arbeiten, in denen man nicht in einem Konkurrenzverhältnis zueinander stand. Vielmehr hat jeder sein Bestes gegeben und man hat sich gegenseitig unterstützt.

 

Weisen nationale Großkanzleien tendenziell einen höheren Spezialisierungsgrad auf?

Sarah Stolle & Bastienne Stautner: Nationale wie internationale Großkanzleien können ihre Schwerpunkte selbst bestimmen. Viele Großkanzleien haben den Anspruch als „Full-Service-Kanzleien“ möglichst alle Bereiche des Wirtschaftsrechts abzudecken. Aus diesem Grund kann der Spezialisierungsgrad grundsätzlich nicht an der Unterscheidung nationale / internationale Großkanzlei festgemacht werden.

 

Empfinden Sie die Arbeitsatmosphäre bei GÖRG als nationale Kanzlei persönlicher und familiärer?

Sarah Stolle & Bastienne Stautner: München ist einer der kleineren Standorte von GÖRG, weshalb hier deutlich weniger Anwälte beschäftigt sind als in vielen Büros internationaler Großkanzleien. Dadurch kennt man alle Kollegen am Standort persönlich und tauscht sich häufiger mit Anwälten aus anderen Fachgebieten, auch außerhalb der Mandatsarbeit, aus, als das wohl in einer größeren internationalen Kanzlei der Fall ist. Auch die Kollegen der anderen Standorte lernt man hier auf internen Veranstaltungen oder durch die Zusammenarbeit an einzelnen Mandaten besser kennen als dies möglicherweise in internationalen Großkanzleien aufgrund der großen Anzahl an Anwälten der Fall wäre.

 


Ein Partner berichtet

Die Arbeitsatmosphäre bei GÖRG


 

Ist die Betreuungssituation für Berufseinsteiger in einer nationalen Kanzlei wie GÖRG grundsätzlich besser?

Sarah Stolle & Bastienne Stautner: Ja, auf die Betreuung von Berufseinsteigern wird hier sehr viel Wert gelegt. So gibt es beispielsweise zahlreiche interne und externe Seminare und Fortbildungsprogramme. Man hat sowohl die Möglichkeit an fachspezifischen Fortbildungen teilzunehmen als auch an Kursen zu Schlüsselqualifikationen, wie beispielsweise zu Kommunikations- und Verhandlungstechniken oder zu unternehmerischem und kaufmännischem Denken. Außerdem sind, wie bereits erwähnt, die Teams in der Regel kleiner, so dass üblicherweise weniger Associates einem Partner zuarbeiten. Dies führt teilweise sogar zu einer 1:1-Betreuung und hat damit einen äußerst positiven Effekt auf die fachliche Entwicklung.

 

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Frau Stautner, warum würden Sie, wenn Sie noch einmal die Wahl hätten, für Ihren Berufseinstieg die Kanzlei GÖRG wählen?

Bastienne Stautner: Wenn ich noch einmal die Wahl hätte, würde ich für den Berufseinstieg GÖRG wählen, da hier selbstständiges Arbeiten gefördert wird und direkter Mandantenkontakt die Regel ist. Dadurch sind die persönlichen Entwicklungschancen deutlich besser und die Lernkurve gerade am Anfang enorm.

 

Worauf sollten Berufseinsteiger bei der Wahl Ihres Arbeitgebers besonders achten? Haben Sie einige Tipps, Frau Stolle?

Sarah Stolle: Ich finde es sehr wichtig, die potenziellen künftigen Kollegen, mit denen man direkt zusammenarbeitet, und den oder die Partner möglichst gut kennenzulernen. Zum einen wird man mit ihnen sehr viel Zeit verbringen und sollte deswegen genau darauf achten, dass die „Chemie“ stimmt. Zum anderen können nur die Kollegen einem wertvolle Informationen über den Schwerpunkt des Rechtsgebiets sowie die Arbeitsweise in dem Team geben, etwa im Hinblick auf eigenen Mandantenkontakt, die Häufigkeit von Gerichtsterminen oder die direkte Zusammenarbeit mit dem Partner. Außerdem kann man für einen persönlich wichtige Informationen, wie z.B. die übliche Arbeitszeit oder die Regelungen zu den Stunden-Vorgaben, in Erfahrung bringen. Sehr aufschlussreich ist es beispielsweise mit dem Team ohne den Partner essen zu gehen. In einigen Kanzleien gibt es sogar die Möglichkeit (auf Nachfrage) an einem Tag zur Probe zu arbeiten, um das authentische Klima zu erleben.

 


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Was ist der wichtigste Rat, den Sie Nachwuchsjuristen mit auf den Weg geben möchten?

Bastienne Stautner: Ich kann Nachwuchsjuristen nur raten, sich frühzeitig im Studium oder im Referendariat beide Kanzleimodelle einmal anzusehen und dies auch möglichst bei mehreren nationalen und internationalen Großkanzleien.

Sarah Stolle: Ich empfehle, sich genau über die verschiedenen Kanzleien am Markt zu informieren und zwar sowohl auf ihrer eigenen Homepage als auch auf sonstigen Internetseiten als auch bei Freunden, die vielleicht einen Bekannten haben, der schon einmal als Praktikant oder Referendar für eine der Kanzleien gearbeitet hat. Auch auf den Juristenmessen kann man Vertreter der Kanzleien an den Ständen kennenlernen und Einzelbewerbungsgespräche vereinbaren.

 

Meine Erfahrung zeigt: Je mehr Bewerbungsgespräche man führt, desto eher findet man für sich heraus, was man wirklich möchte.

 

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Was würden Sie als Fazit zu den beiden Arten von Großkanzleien ziehen?

Bastienne Stautner: Abschließend würde ich sagen, dass beide Kanzleimodelle ihre Vor- und Nachteile haben und man diese auch nicht pauschalisieren kann. Am Ende zählen immer die Menschen, mit denen man zusammenarbeitet. Wer vor der Wahl steht, für welches Kanzleimodell er sich für den Berufseinstieg entscheidet, sollte sich keine allzu großen Sorgen machen, dass er vielleicht zunächst für sich persönlich nicht die richtige Entscheidung trifft.

 

Gerade in den ersten Berufsjahren ist es ohne große weitere Nachteile möglich, von einem Modell in das andere zu wechseln.

 

Sarah Stolle: Jede Kanzlei, jedes Team und jeder Chef ist anders. Auch die Schwerpunkte in dem jeweiligen Rechtsgebiet weichen häufig voneinander ab. Die Grenzen zwischen einer nationalen und einer internationalen Großkanzlei sind mithin fließend. Um den passenden Arbeitgeber für sich zu finden, sollte man sich möglichst viel informieren und viel ausprobieren – nur so kann der Bauch eine fundierte Entscheidung treffen!

Wir wünschen bei der Wahl des passenden Arbeitgebers viel Erfolg!

 

Vielen Dank für Ihren Erfahrungsbericht, Frau Stautner und Frau Stolle!

 

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