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Jura im TV – Was haben Salesch, Hold und Co. mit der Realität zu tun?

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Jura im TV – Was haben Salesch, Hold und Co. mit der Realität zu tun?

 

Schreiende Richter und Richterinnen, Zeugen die vor Gericht alles entscheidende Geheimnisse enthüllen und spannende Wendungen. Das sind nur einige der Spezialeffekte, mit denen die Gerichtsshows aufwarten. Doch wie viel Realität steckt hinter diesen Fernsehproduktionen oder ist am Ende doch alles übertrieben und erfunden?

 

Sind Rechts- und Staatsanwalt immer Feinde?

Wenn man eine der gängigen Gerichtsshows guckt, bekommt man schnell den Eindruck, dass unsere Gerichtssäle einem Tollhaus gleichen. Es wird geschrien, Staatsanwälte und Anwälte streiten sich ununterbrochen und der Richter oder die Richterin machen manchmal auch noch mit. Wenn dann doch einmal ein Richter für Ordnung sorgen will, tut er dies mindestens in noch einmal doppelter Lautstärke und mit einer Empörung als wäre er gerade persönlich beleidigt worden. Es fehlt eigentlich nur noch ein Hammer mit dem auf den Richterpult geschlagen wird.

Die Realität ist meist eine andere. Richter, Staatsanwälte und Anwälte kennen sich zumeist und unabhängig davon wie sehr sie einander mögen oder schätzen, so ist doch ein respektvoller Umgang die Regel. Allein schon weil man sich eben häufiger vor Gericht trifft oder treffen könnte. So richtig laut wird es insbesondere unter den drei Parteien sowieso selten und wenn doch mal, dann übernimmt der Richter und bringt die anderen Teilnehmer wieder auf Linie. Normalerweise geht eine Verhandlung also viel ruhiger und gesitteter vonstatten.

 

Angeklagter zum Verhör!

Unterschiede gibt es aber nicht nur in der Stimmung und der Atmosphäre im Gerichtssaal. Während in Gerichtsshows auch die Angeklagten auf den Zeugenstuhl müssen und dort quasi einem Verhör unterzogen werden, ist die Realität wieder deutlich weniger spektakulär. Zum Einen bleibt ein Angeklagter in deutschen Gerichtssälen an seinem Platz neben seinem Anwalt sitzen. Zum Anderen werden regelmäßige Beobachter von Strafprozessen berichten, dass die große Vielzahl von Angeklagten nicht verhört wird oder sich direkt in Lügen verstrickt. Die meisten Angeklagten sagen erst einmal gar nichts, lassen ihren Anwalt sprechen und sitzen den Prozess stillschweigend aus.

 

Der Richter – ein Meister der Verhörtechnik?

Doch nicht nur die Angeklagten verhalten sich in der Realität meistens anders. In den TV Shows sieht man häufig wie Richter und Richterinnen Beweismaterial präsentieren und damit versuchen den tatsächlichen Tathergang zu ermitteln. In Wahrheit nahezu unvorstellbar und die absolute Ausnahme. Sogenannte Asservate verursachen nämlich extrem viel Aufwand, es müsste beispielsweise immer ein Polizist vor Ort sein, der darauf aufpasst. Ebenfalls in der Realität unvorstellbar ist die Art und Weise wie häufig die Zeugen befragt werden. Hier werden Fragen gestellt wie „Glauben Sie der oder die könnte dies oder jenes getan haben?“ oder „Was halten Sie von dieser Aussage?“. Niemals aber würde ein Richter eine solche Frage stellen. Einschätzungen von Zeugen sind für die Richter nicht relevant. Entweder ziehen Sie selbst ihre Schlüsse oder aber sie beauftragen Gutachter.

 

Die graue Realität

Insgesamt sind die TV Gerichtsshows eher an amerikanische Gerichtsverhandlungen angelehnt und dazu natürlich noch sehr auf spektakuläre Wendungen und Diskussionen fokussiert.

Im Gegensatz zu den TV Shows ist die Realität eher grau und öde. Zeugen kommen häufig unentschuldigt oder entschuldigt gar nicht, Gerichtsverhandlungen werden vertagt oder ausgesetzt, Angeklagte gestehen von vorneherein, Staatsanwälte und Anwälte versuchen gemeinsam gute Lösungen zu finden und im Familien- oder allgemein im Zivilrecht wird meistens auf einen Vergleich gedrängt.

Was in den Gerichtsshows gang und gäbe ist, kommt wiederum in der Realität nur in den seltensten Fällen vor. Geschmierte Zeugen, Intrigen und großangelegte Prozessbetrügereien gibt es nicht wirklich so häufig, wie es einem durch die Shows vermittelt wird und noch seltener werden Sie erst im Gerichtssaal aufgeklärt.

 

Also alles nur Lug und Trug?

Ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Die Verlesung der Anklage, der grundsätzliche Ablauf, der Aufbau des Gerichts und die Plädoyers ähneln der Realität doch sehr. Auch die häufig zitierten Normen und Gesetzestexte sind echt. Während die Strafrechtsshows doch sehr realitätsfremd sind, zeigte beispielsweise „Das Familiengericht“ zumindest verhältnismäßig realistisch auf, wie kompliziert häufig die Verhältnisse und Beziehungen sind, mit denen sich ein Familienrichter auseinander setzen muss.

 

Insgesamt bleibt aber festzustellen, dass sich die Gerichtsshows doch sehr weit von der Realität entfernt haben und ein Großteil dessen, was dort als alltäglich präsentiert wird, wenn überhaupt eine Ausnahme in deutschen Gerichtssälen bleibt.

 

24. März 2016

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