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Juristen in Kriegsgebieten

Karrierewege & Fachbereiche

Juristen in Kriegsgebieten

Auf Mission zum Schutz der Freiheit und Wahrung der Menschenrechte

 

Einer der größten Vorteile am Jurastudium ist die schier grenzenlose Bandbreite an Jobs, die sich durch das erfolgreich abgeschlossene Examen einem Juristen eröffnen. Heute wollen wir einmal diejenigen Juristen genauer betrachten, die sich tatsächlich bis ganz an den Rand gewagt haben und abseits von Kanzleien, Wirtschaftsprüfungen oder dem Staatsdienst ihre Dienste in Krisengebieten verrichten.

 

Was sind Krisen- und was sind Kriegsgebiete?

Krisengebiete oder auch Krisenregionen genannt, leiden unter aktuellen politischen, ethnischen oder wirtschaftlichen Konflikten, die ein Ausmaß erreicht haben, dass sie nur noch schwer oder gar nicht mehr kontrollierbar sind. Solche Krisen können auch auf Umwelt- oder Naturkatastrophen basieren.

Ein Kriegsgebiet geht deutlich darüber hinaus. Hier ist das Gebiet geprägt von kriegerischen Handlungen und Truppenverschiebungen. Ursprünglich ist ein Kriegsgebiet per Definition aufgeteilt in mehrere Kriegsschauplätze, die sich durch Kriegsgeschehen mit Soldaten verschiedener Staaten auszeichnen.

Ob und inwiefern dieses „verschiedene Staaten“ auch heute in Zeiten des Terrorismus gilt, ist nicht ganz unumstritten. Ähnlich verhält es sich mit der Frage des sogenannten „Islamischen Staates“. Jedenfalls wird nach übereinstimmenden Angaben auch Syrien als Kriegsgebiet ratifiziert.

Ob dies jedoch an der Anwesenheit verschiedener Truppen oder der Anerkennung des IS zumindest im militärischen Sinne liegt, ist nicht endgültig geklärt.

 

Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung

Menschenrechte sind die Grundlage des menschlichen Miteinander und werden heute von fast allen Staaten zumindest offiziell anerkannt. Menschenrechte stehen ihrem Wesen nach jedem Menschen gleichermaßen zu, können nicht eingeschränkt oder veräußert werden.

Der Gedanke, dass zumindest auf dieser Ebene alle Menschen gleich sind entstammt ursprünglich dem Humanismus und der Idee des Naturrechts, welche im Zuge der Aufklärung entwickelt wurde.

Bei der Auflistung aller Menschenrechte tun sich öffentliche Stellen aufgrund des grenzübergreifenden Charakters dieser Rechte regelmäßig sehr schwer. Selbst den Gründungsvätern der Vereinten Nationen wollte es daher nicht gelingen, einen abschließenden Katalog anzufertigen, sondern erwähnten die Anerkennung der Menschenrechte nur an einigen Stellen in ihrer Charta.

Die konkreteste Zusammenfassung stellt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948. Diese Problematik zieht sich bis in die heutige Zeit, in der Menschenrechte häufig nur in Resolutionen verabschiedet, die entweder nicht bindend oder gar nicht erst von allen Staaten unterzeichnet werden. So jüngst in 2010 geschehen, als eine Resolution der Vereinten Nationen das Recht auf sauberes Wasser zum Menschenrecht ernannte.

Die grundlegendsten Menschenrechte sind jedoch viel abstrakterer Natur. So werden viele Menschenrechte, wie zum Beispiel das Folterverbot, aus der Menschenwürde abgeleitet. Auch wird eine Pflicht des Staates zum Schutze dieser Menschenrechte aus ihnen selbst anerkannt.

Das Recht auf sozialen Frieden, die religiöse und sexuelle Selbstbestimmung und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sind ebenfalls Kernstück der Menschenrechte. Doch auch in der Justiz wurden Menschenrechte geschaffen. So sind insbesondere der Grundsatz eines fairen Verfahrens und die Unschuldsvermutung zentrale Punkte der Menschenrechte.

 

 

All diese Rechte werden freilich in Kriegs- aber auch in Krisengebieten täglich verletzt. Hinzu kommen noch Verletzungen von Kriegsrecht, die ihrerseits natürlich auch Menschenrechtsverletzungen mit sich ziehen. So werden aktuell in Syrien immer wieder Stimmen laut, die von Angriffen mit verbotenen Fassbomben berichten.

Die Nutzung dieser Bomben wäre also eine doppelte Rechtsverletzung, sowohl gegen Kriegsrecht als auch gegen die Menschenrechte.

Doch nicht nur in klassischen Kriegsgebieten wie aktuell Syrien oder im Irak werden Menschenrechte verletzt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat in ihrem Menschenrechtsreport 2015/2016 in über 113 Ländern Menschenrechtsverletzungen festgestellt. Unter diesen Ländern waren auch westliche Nationen wie die USA und einige Europäische Staaten aufgelistet.

 

Wie kann man sich für die Menschenrechte einsetzen?

Da auch heute noch Menschenrechte von vielen Staaten mit Füßen getreten werden, gibt es unzählige Institutionen, die sich ihrer Verteidigung weltweit verschrieben haben. Die bekanntesten staatenübergreifenden Institutionen sind hierbei sicherlich die Vereinten Nationen, die UN, die Europäische Union, Amnesty International sowie unzählige kleinere und private Gruppierungen.

Für den Wiederaufbau und die Entwicklungsförderung wird eine Vielzahl an Helfern benötigt. Auch Juristen sind hier gefragt, um bei der Entwicklung von rechtsstaatlichen Strukturen zu helfen. Insbesondere für Wahlen, die in vielen Ländern unter prekären Umständen stattfinden, werden immer wieder Juristen benötigt.

Doch trotz dieses hohen Bedarfs sind Jobs bei NGO's und insbesondere bei den großen Institutionen sehr gefragt und schwer zu bekommen. Wer zum Beispiel für die UN als Entwicklungshelfer in Krisen- und Kriegsgebiete reisen möchte, der muss neben guten Noten auch einiges an Berufs- und Lebenserfahrung aufweisen können.

So gab der Chef der Personalabteilung der UN, Michael Emery, auf Anfrage an, dass er Bewerbern nur empfehlen kann, Erfahrungen in Forschung, ehrenamtlicher Tätigkeit oder in anderen Nichtregierungsorganisationen zu sammeln, bevor eine Bewerbung überhaupt angestrebt wird.

 

Beliebt bei Institutionen: Der „success-orientated CV“

Ebenfalls von Michael Emery stammt ein Hinweis extra für deutsche Bewerber. Anders als bei herkömmlichen Lebensläufen rät er dazu, die eigenen Stärken und Kernkompetenzen mehr herauszustellen, als die bisherigen Karriereabschnitte. Wo jemand war ist eher zweitrangig, viel wichtiger ist es, was er dort gelernt hat und was davon für die ausgeschriebene Stelle von Bedeutung sein kann.

Hier geht es zum Download des Muster-Lebenslaufs für Juristen 

Darüber hinaus sind interkulturelle und Sprachkompetenz mindestens genauso wichtig wie die fachliche Kompetenz. Zwar werden auch hier gute Noten vorausgesetzt, doch im Vergleich zu anderen juristischen Berufen spielen andere Fähigkeiten eine deutlich wichtigere Rolle. Dass Flexibilität und Belastbarkeit Grundvoraussetzungen für eine Aufgabe in einem Krisengebiet sind, sollte sowieso klar sein.

Der Weg zu einer international agierenden Institution ist also nicht ganz so einfach, wie man es denken könnte. Dennoch werden qualifizierte Helfer dringend gesucht und leider gibt es immer wieder neue Krisenherde, in denen die Verteidigung der Menschenrechte von Helfern aufgenommen werden muss.


Tags: #Karriere  #Ausland  #Fachbereich


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12. Juli 2017


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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