Weltcupsiegerin Anna Schaffelhuber im Interview!

Ist Leistungssport und ein Jurastudium zusammen möglich? - Ja!


veröffentlicht am 29.03.2017

 

Anna Schaffelhuber ist mehrfache Paralympics- und Weltcup-Siegerin im Wintersport. In der Disziplin Ski Alpin tritt sie in der Kategorie Sitzend in ihrem Monoskibob an. Trotz der vielen sportlichen Erfolge, begann Sie ein Jurastudium an der LMU in München. Mittlerweile hat sie sich umorientiert und studiert erfolgreich Lehramt. Wie sie der Doppelbelastung aus Studium und Leistungssport standhält, fanden wir sehr beeindruckend. Doch was brachte sie dazu, Jura den Rücken zu kehren und wie ist jetzt ihre Sicht auf Jura? Wir haben in einem exklusiven Interview einmal nachgefragt.

 

Warum hast du dich damals dazu entschlossen, Jura zu studieren?

Mich hat die ganze Thematik schon immer interessiert: Warum gelten bestimmte Regeln und wie lauten die genau? Ich mochte es immer gern ein „Problem“ zu haben, wissen wo man hin will und nun irgendeinen „Weg“ dorthin zu finden.

 

Aus welchen Gründen hast du dich dann entschieden das Studium an der LMU in München zu beginnen?

Der wichtigste Grund war ganz einfach das Skifahren, das Training und die Nähe zu den Bergen. In München bin ich nun sehr zentral. Zudem hat die LMU auch einen sehr guten Ruf.
 

Deine sportlichen Leistungen sind sehr beeindruckend, wie hast du das Jurastudium und den Sport unter einen Hut gebracht?

Ich habe immer im Sommer das doppelte Pensum gemacht und somit soweit vorgearbeitet, dass der Winter etwas freier war und ich weniger machen musste. In diesen Sommern war das natürlich dann schon sehr sehr viel und stressig, aber im Winter wusste ich immer, warum ich das so gemacht habe. ;-)
 

Welche Eigenschaften aus dem Sport haben dir im Jurastudium geholfen?

Ich denke auf jeden Fall das Durchhaltevermögen und der Ehrgeiz. Ich kann mich sehr gut in eine gestellte Aufgabe verbeißen und das durchziehen. Auch glaube ich, dass mich viele Klausuren und Stress im Studium nicht allzu sehr „stressen“, weil ich durch den Sport damit umzugehen weiß.

 

Bist du durch das Studium im Sport kürzer getreten?

Normalerweise nicht, während der Spiele in Sotchi, die im Wintersemester 2014 stattfanden, war es einfach nicht möglich, zeitlich alles unter einen Hut zu bringen. Dementsprechend musste das Studium kurzzeitig in den Hintergrund rücken.

 

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Wann hast du gemerkt, dass du deine Zukunft doch nicht im Bereich Jura siehst? Und warum hast du dich am Ende dann für das Lehramtstudium entschieden?

Ich hatte ehrlich gesagt von Anfang an gemerkt, dass mich Jura zwar sehr interessiert und ich auch recht gut darin war, die Tätigkeit an sich, d.h. die viele theoretische Arbeit am Schreibtisch, mich aber nicht zu 100% glücklich gemacht haben.

Nach Sotchi habe ich dann sehr viel Schulprojekte gemacht und dabei erst wieder gemerkt, dass es mir sehr viel mehr Spaß macht, Schülern zu zeigen, dass Jura kein Buch mit sieben Siegeln ist, und ihnen konkrete Regelungen und den Umgang damit im normalen Leben beizubringen. Das ist für mich einfach eine praktischere und erfüllendere Tätigkeit.

 

Wie lange hast du Jura studiert?

Ich habe Jura tatsächlich doch recht lange studiert- knapp 3 Jahre. Am Ende war es aber nicht umsonst, schließlich habe ich mir davon viele Teile für’s Lehramtsstudium anrechnen lassen können. (Eines meiner Fächer ist nämlich Recht.)

 

Welche Erwartungen hattest du zuvor an das Jurastudium und inwieweit wurden diese erfüllt/nicht erfüllt?

Ich wollte von Anfang an konkrete Fälle lösen und hatte sehr viel Theorie erwartet. Ersteres hat sich bestätigt, letzteres nur bedingt. Jedoch fand ich, dass man das „Leben darum herum“ zu kompliziert gestaltet hat.

Im ganzen Studium wurden viele Situationen oft zu kompliziert betrachtet, anstatt einfach und praktisch an die Sache heranzugehen. Das hat mich oft sehr abgeschreckt.

 

Welche positiven Erkenntnisse hast du aus dem Jurastudium trotzdem mitgenommen und hast du das Gefühl, dass es dich persönlich weitergebracht hat?

Ich tue mich jetzt sehr leicht, amtliche Schriften zu lesen und verstehe die Herangehensweise an Probleme. Auch weiß ich mich in einer Masse von Informationen sehr gut und schnell zurechtzufinden bzw. kenne die Systematik, wo ich nachschauen muss.

 

Dein Leistungssport beansprucht sicherlich viel Zeit und auch ein Studium ist nicht zu unterschätzen, bleibt da noch Platz für weitere Hobbies?

Ehrlich gesagt nicht sehr viel. Ich schaue trotzdem, dass ich mir hin und wieder ein paar Stunden Pause zum Durchatmen verschaffe. Wenn ich mal eine Stunde Zeit zum Lesen habe oder meine Familie sehe bin ich schon froh.

 

Was machst du am liebsten in deiner sport- und lernfreien Zeit?

Lesen, Freunde und Familie treffen, in der Natur sein.
 

Vielen Dank für die interessanten Einblicke, Anna Schaffelhuber!
 



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