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17. April 2017

Julian Bach erzählt über seinen etwas anderen Weg zum Staatsexamen

Wenn man mit dem LL.B. beginnt...

 

Julian Bach (25) hat seinen Bachelor of Laws an der Universität in Rostock im Studiengang „Good Governance (Wirtschaft, Gesellschaft, Recht)“ (LL.B.) erfolgreich abgeschlossen und studiert aktuell Rechtswissenschaften an der Universität in Mainz.

 

Was hat Dich dazu bewogen, Deinen Karriereweg mit einem Bachelor of Laws zu beginnen?

Der Hauptfaktor war für mich die Interdisziplinarität, mit Jura als Hauptsäule, umsäumt von Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften. Das hat mich sehr interessiert.

 

Wie gestaltete sich der Studiengang „Good Governance (Wirtschaft, Gesellschaft, Recht)“ (LL.B.)?

Der Schwerpunkt des Studiengangs lag ganz klar auf Jura. In den ersten zwei Semestern wurden Systematik, Staatsorganisationsrecht und Grundrechte sowie verschiedene Grundlagenfächer gelehrt. Daneben hatten wir in den ersten Semestern Kurse in Soziologie, historische Demokratie sowie praktischer und theoretischer Philosophie.

Im weiteren Verlauf des Studiums wurde im rechtswissenschaftlichen Block zunächst BGB AT, Strafrecht AT und Allgemeines Verwaltungsrecht gelehrt. Im Anschluss dessen BGB BT, Unternehmensrecht, Arbeitsrecht sowie besonderes Verwaltungsrecht und Strafrecht BT.
Im wirtschaftswissenschaftlichen Block wurde BWL und VWL gelehrt.

Im siebten und achten Semester durften wir uns spezialisieren. In Jura habe ich mich für Europarecht, Völkerrecht sowie Wirtschaftsrecht (WTO) und in Wirtschaft für Finanzwissenschaften entschieden. Zusätzlich habe ich eine große Hausarbeit in einem Seminar zu Korruption im Verbandsrecht geschrieben.

Thema und Titel durfte ich mir selbst aussuchen und da ich fußballbegeistert bin, schrieb ich die Hausarbeit über Korruption innerhalb der FIFA.

 

Wieso hast Du davon abgesehen einen Master zu machen bzw. wieso der Wechsel zum Staatsexamen?

Meine Entscheidung nach Mainz zu kommen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass ich meinen Master nicht noch machen werde. Ich bin jetzt aber so hungrig auf Jura, dass mir das Staatsexamen wichtiger ist. Außerdem bietet ein Staatsexamen mehr Möglichkeiten.

Es ist ein Schlüssel für so viele Türen, die selbst mit einem Master verschlossen bleiben. Ein Arbeitgeber wird einem Paralegal nämlich beispielsweise niemals vor Gericht schicken können und das weiß er auch. Also wird er sich eher jemanden suchen, der dies kann und darf – sich also für einen Volljuristen entscheiden.

Dennoch plane ich damit, den Master nach dem ersten Staatsexamen im Ausland zu machen, die Einstiegsgehälter sind mit dem LL.M.-Zusatz einfach höher und man signalisiert Internationalität, was gerade im Wirtschaftsrecht von Vorteil sein kann.

 

Was wurde Dir von Deinem Bachelor alles angerechnet?

Ich musste nur noch eine von zwei Klausuren in Strafrecht BT mit mindestens 4 Punkten bestehen. Ansonsten wurde mir im Grund die komplette Zwischenprüfung angerechnet, sowie die beiden notwendigen Grundlagenscheine. Ich muss also nur noch die großen Übungen für Fortgeschrittene erfolgreich absolvieren.

Übrigens, guter Gag: Meine Hausarbeit mit selbstgewählten Thema über die FIFA wurde mir sogar als Schwerpunktklausur anerkannt. (lacht)

 

Hat die Uni Mainz die Anrechnung ohne weiteres vorgenommen?

Im Grunde, ja. Ich habe dem zuständigen Bearbeiter zunächst meine Noten und das Modulhandbuch aus Rostock zugeschickt und bin dann mit meinen Unterlagen persönlich hin.

Vor Ort wurde binnen 1,5 Stunden jedes Fach mithilfe des Modulhandbuchs der Uni Rostock einzeln besprochen. So ging ich mit einer guten Anrechnung aus dem Gespräch raus, die mir auch schriftlich bestätigt wurde.

Ich habe mich aber bewusst für die Uni Mainz entschieden, da ich mich zuvor ausführlich darüber informiert habe, welche Universitäten voraussichtlich was anrechnen werden.

 

Wie unterscheiden sich Studium auf Bachelor und auf Staatsexamen?

Brutal. Es ist so: Im Bachelor wird man an die Hand genommen und durch die Semester geführt. Man ist sehr unselbstständig. Die allgemeine Kritik am Bachelor ist also wahr, es ist sehr verschult. Im Staatsexamen wird viel mehr Selbstständigkeit und eigener Wille abverlangt.

 

Wo siehst Du die Vor- und Nachteile eines Bachelorstudiums?

Ein klarer Nachteil ist das Fehlen der fachlichen Tiefe eines rechtswissenschaftlichen Studiums auf Bachelor. In der Lehre wird bewusst auf Nebengebiete verzichtet, vor allem im Strafrecht.

Nicht immer von Vorteil ist aber auch die Interdisziplinarität, da selbst für talentierte Juristen, durch beispielsweise schlechten Leistungen in wirtschaftlichen Fächern, der eigentlich juristische Abschluss unmöglich wird.

Ein wichtiger Vorteil eines Bachelorstudiums ist für junge Menschen aber gerade, dass sie durch das Studium „geführt“ werden. Junge Abiturienten, die gerade aus der Schule kommen, vor allem mit G8, hatten zu Beginn eines Studiums oftmals noch nicht die Möglichkeit, ihre Persönlichkeit ausreichend zu entwickeln, um selbstständig zu funktionieren. Dies kann gerade bei einem Jurastudium zum Problem werden.

 

 

Wo siehst Du die Vor- und Nachteile eines Studiums auf Staatsexamen?

Aufgrund meines etwas anderen Karriereweges sehe ich es als Vorteil, dass die Professoren ihre Inhalte wissenschaftlich vermitteln wollen: Im Vergleich zum Bachelor geben sie viel mehr Querverweise und Anregungen zum Selbststudium – und verlangen eben dies auch von ihren Studenten.

Ich finde die Vorlesungen deshalb interessant und gut, vor allem auch, da ich mich bewusst dafür entschieden habe, Jurist in Mainz zu werden.

Durch die nahezu komplette Anrechnung der Zwischenprüfung stehe ich auch nicht wirklich unter Zugzwang, da ich so viele Versuche für die großen Übungen habe, wie ich nur möchte.

Ich möchte es mir gar nicht anmaßen, dass Rücksicht auf mich genommen wird, aber ein Nachteil ist, dass ich Inhalte, von denen ich bisher noch nie etwas gehört habe, ich mir nun selbstständig aneignen muss, zum Beispiel Familien- und Erbrecht.

 

Du arbeitest zusätzlich zum Studium in einer Personalberatung für Top-Manager im Outplacement/inversen Headhunting. Wie kam es dazu und gibt es eine Verknüpfung zu Deinem Karriereweg?

Die Stelle wurde im Stellenwerk Mainz, einem Anzeigenportal für Studenten, ausgeschrieben. Gesucht wurde ein Student im Bereich „Wirtschaftswissenschaft“. Ich mache mir oft Gedanken darüber, wie meine Zukunft ausschauen soll und so habe ich einen Plan A, B, C, etc.

Einer dieser Pläne ist es, im Personalwesen zu arbeiten. Daher war diese Stelle definitiv ein Glücksgriff. Sie eignet sich ideal um Erfahrungen diesbezüglich zu sammeln, aber auch um ein Netzwerk aufzubauen. Ich lerne, aus welchen Firmen diese Welt gemacht ist und wie die konkreten Prozesse auf dieser Ebene aussehen.

 

Wie gestaltet sich Dein dortiger Arbeitsablauf?

Ich erstelle Bewerbungsunterlagen auf Deutsch und Englisch für Top-Manager, wofür ich auch viel Kundenkontakt habe. Dies bietet mir die Gelegenheit entsprechende Parkettsicherheit zu erlernen, die mir später als Jurist definitiv helfen wird.

Außerdem unterstütze ich den Assistenten der Geschäftsführung dabei, dass alle Aussendungen und Termine fristgerecht vorbereitet sind und keine Fehler in den Unterlagen entstehen.

Hin und wieder kann ich auch für das Research-Team tätig werden, dann lese ich Messen aus und finde die Ansprechpartner, die für unsere Kunden interessant sind.

 

Wie viel Zeit investierst Du in Deinen Nebenjob und wie verbindest Du diese beiden Tätigkeiten zeitlich? Bleibt Dir auch genügend Zeit für Freizeit bzw. zum Ausgleich zur Arbeit?

Während des Semesters arbeite ich rund 15 Stunden die Woche, ca. 50 Stunden im Monat. Dazu kommen ca. 100 Stunden im Monat für die Uni. Damit bleibt mir also genug Zeit für Freizeit.

 

Wie gleichst Du Dein Arbeitspensum aus?

Ich muss rennen, generell muss mein Körper funktionieren damit mein Geist funktioniert. Außerdem kochen mein Mitbewohner und ich viel zusammen und nutzen die Zeit für Diskussionen über Politik, Medien, Sport…

Sehr wichtig sind mir auch meine Freunde, die sich überall in Deutschland befinden, und natürlich meine Freundin, die in Bochum wohnt – sie ist der wichtigste Ausgleich, auch weil sie mein Korrektiv ist, wenn ich mal wieder zu viel arbeite und zu wenig schlafe.

 

Möchtest Du den Lesern abschließend ein paar weise Worte mitgeben?

Absolut. Ein Bachelor of Laws ist grundsätzlich eine sinnvolle Idee. Wer sich dann noch dazu entschließt Jura im Staatsexamen zu studieren, dabei aber scheitert, fällt eben nicht auf das Abitur zurück. Man verspürt also nicht den Druck, den die Jura-Kommilitonen zumeist verspüren.

Der Karriereweg sollte freiwillig beschritten werden und nicht aufgrund externen Drucks. Ein Bachelorstudium eignet sich hervorragend, um herauszufinden, ob man überhaupt zum Studium geeignet ist.

Außerdem kann man dadurch in einem gewissen Rahmen diesen externen Druck zumindest relativieren, da man den weiteren Weg sehr individuell gestalten kann: Master in Jura, Wirtschaft etc. oder sogar das juristische Staatsexamen.

Man sollte sich aber auch im Klaren sein, dass einem der Schritt vom Bachelor zum Staatsexamen ganz viel Disziplin und wenig Schlaf abverlangt.

In allen Fällen ist wichtig: Man darf auch mal Scheitern – aber man muss auch wieder aufstehen, und das geht immer. Diese Erfahrung zu machen ist unumgänglich für den Erfolg im Staatsexamen.
 


Tags: #Universität  #Studium  #Karriere


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Autor

Sebastian M. Klingenberg

Sebastian M. Klingenberg

hat an der JGU in Mainz Jura studiert, wo er derzeit auch promoviert (Jugend-/Strafrecht & Kriminologie). Nebenbei schreibt er freiberuflich diverse Artikel, die auch auf seinem Blog zu finden sind.

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