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Mein Tag in der Jura-Bib

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Mein Tag in der Jura-Bib

Eine kleine Satire aus dem Leben eines Juristen...

 

Eigentlich fängt mein „Tag in der Bib“ schon am Vortag an. Exemplarisch nehmen wir mal einen Sonntag. Dass ich das ganze Wochenende nichts geschafft habe, muss hier leider erwähnt werden, denn darauf beruht der Anfang allen Übels.

 

Es ist 22 Uhr abends und ich habe soeben drei Folgen Suits geguckt – ich muss mich ja schließlich auf meine Zukunft in einer Großkanzlei vorbereiten. Außerdem war ich müde, gestern Nacht war Juristenfete bei uns auf dem Campus.

So liege ich nun in meinem Bett, getrieben von der Motivation durch die letzte Folge Suits, in der Harvey Specter einen seiner legendären juristischen Schachzüge vollbrachte und dem schlechten Gewissen, weil ich das Wochenende durchgefeiert habe anstatt in die Bibliothek zu gehen.

Ich stelle meinen Wecker ein und beschäftige mich mit der Frage, auf wann ich ihn stellen soll. Harvey Specter steht bestimmt vor sechs auf... Ich denke mir, ich bin realistisch und stelle ihn auf sieben Uhr. So schaffe ich es genau zur Öffnung des Juridicums! Voller Eifer versinke ich in das Land der Träume...
 

Plötzlich ist es Montag sieben Uhr: 

Ich habe gefühlt zwei Stunden geschlafen und frage mich, welcher Idiot meinen Wecker auf sieben gestellt hat. Egal, einmal noch den fünfminütigen Schlummermodus aktivieren und dann geht’s los!

Fünf Minuten später ist es halb acht. Wie das passiert ist, kann ich mir beim besten Willen nicht erklären. Ich renne ins Bad oder genauer gesagt gegen die Tür des Bades. Es ist verschlossen. Mein Mitbewohner war mal wieder früher wach.

Um kurz vor acht betrete ich dann endlich das Bad, dusche schnell und ziehe mich an. Bügeln habe ich gestern nicht geschafft, es kam ja Suits bei Netflix... Also schnell einen Pullover übers Hemd geworfen, man will ja nicht negativ auffallen. Ich packe in Windeseile meine Sachen, springe auf mein Fahrrad und fahre zur Uni.
 


Beim Erreichen der Bibliothek ist es kurz nach halb neun. Die besten Plätze sind seit einer halben Stunde weg, von einigen Büchern ganz zu schweigen. Empfangen werde ich von meinen Freunden mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.

„Na, verschlafen?“

Ich hatte natürlich gestern in meiner Euphorie allen angeboten, Plätze für sie freizuhalten, ich wäre ja eh als Erster da.

Mittlerweile habe ich dennoch einen Platz gefunden. Relativ beengt und am Rand. Außerdem hasst mein Nachbar mich jetzt, weil er seine sorgsam aufgereihten Bücher von meinem Platz entfernen musste. Er war wohl schon um acht hier.

 

Nachdem ich meine Bücher zusammengesucht und bereits mindestens fünf Seiten gelesen habe, ist es kurz nach neun und ich bekomme das erste Mal Besuch in meiner Ecke.

„Lust auf einen Kaffee? Ich bin schon seit acht hier.“

Gute Idee denke ich mir, schließlich bin ich immer noch müde. Außerdem ist es in meiner Ecke mindestens 30 Grad heiß und der blöde Pullover bringt mich noch um.

Nach der Kaffeepause ist es halb zehn. Ich verabrede mich per Whatsapp zum Mensen um halb eins und vertiefe mich daraufhin wieder in mein Buch. Die kommenden zwei Stunden sind geprägt von akribischer Arbeit gepaart mit einem kurzen Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage nach einem besonders schwierigen Absatz bezüglich der Akzessorietät von Forderung und Hypothek.

Ich habe keine Ahnung was genau das bedeutet, weiß aber nun darüber Bescheid, was am Wochenende alles so passiert ist, während ich den Campus befeiert habe. Kurz nach zwölf erhalte ich die langersehnte Nachricht auf meinem Handy.

„Wollen wir schonmal raus vorm Mensen?“

Natürlich möchte ich raus, schließlich bin ich schon seit Stunden am Lernen.

Aus halb eins Mensen wird viertel vor eins. Einer aus der Gruppe kommt nämlich erst jetzt in die Uni und hat seinen Bus verpasst. Plötzlich fühle ich mich wieder ein wenig wie Harvey Specter, wäre es für mich schließlich unvorstellbar erst jetzt in die Uni zu kommen.

Nach dem Mensen ist vor der Kaffeepause und so ist es kurz vor zwei als ich wieder an meinem Platz sitze und mich dem Sachenrecht widme. Ganz schön harter Stoff so kurz nach dem Essen.

Vielleicht sollte ich erstmal etwas kürzer treten und meine Karteikarten für Verwaltungsrecht wiederholen. Ich gehe also zu meinem Spind, um meine Karteikarten zu holen. Ich habe sie in der Eile heute morgen vergessen. Dann eben doch Sachenrecht.
 

Mittlerweile ist es vier Uhr nachmittags, die Sonne fällt genau in mein Gesicht und ich sehe, wie es sich die Ersten auf dem Campus gemütlich machen. Eine Stunde noch voll durchziehen, sage ich mir und vertiefe mich wieder in mein Buch.

Wenige Minuten später kommt ein Kommilitone und fragt nach einer Kaffepause. Genau das brauche ich jetzt und wir ziehen los. Ich merke mir die Zeit und dränge auf eine kurze Pause, schließlich will ich noch meine volle Stunde Lernen voll machen, bevor ich die Segel streiche.

Wir schaffen es tatsächlich, nur einen Kaffee zu trinken und ich sitze bereits um zwanzig nach vier wieder an meinem Platz. Zehn Minuten Pause dürfte persönlicher Rekord sein. Völlig euphorisiert, starte ich in meine letzten fünfzig Minuten Lernen des Tages.

Dreißig Minuten später stehe ich vor meinem Spind und packe meine Sachen. Nicht ganz das Optimum rausgeholt, aber das war schon okay denke ich mir und rechne. Halb 9 in der Uni gewesen und um kurz vor fünf erst gegangen... Das sind ja mehr als acht Stunden!
 

Nun vollends zufrieden mache ich mich auf meinen Rückweg. Ein "grandioser" Lerntag, obwohl ich sogar verschlafen habe, Harvey Specter wäre sicher stolz auf mich!


Tags: #Studium  #Universität  #Staatsexamen


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24. März 2017


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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