"Meine praktische Studienzeit in Prag"

Die Arbeit als Jurastudent in einer tschechischen Kanzlei...


verfasst von Sebastian M. Klingenberg und veröffentlicht am 02.06.2017

 

Max K. (27) berichtet über seine praktische Studienzeit in Prag. Er befindet sich aktuell im siebten Semester seines Jurastudiums an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Die Rechtswissenschaft als solche ist schon sein zweiter großer Schritt im Lebenslauf, denn zuvor hat er an der FH sein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt erfolgreich abgeschlossen.
 

Wo hast du bisher deine praktische Studienzeit absolviert und wie lang jeweils?

Ich war bisher

  • für vier Wochen bei der Kreisverwaltung Alzey,
  • für fünf Wochen bei einer Kanzlei für ‚Bürgerliches Recht‘ in Wiesbaden,
  • für drei Wochen am Landgericht Mainz sowie
  • über das ELSA-Auslandspraktikum-Programm STEP für vier Wochen in Prag in einer Kanzlei für ‚Bürgerliches Recht‘
     

Wo hat es dir am meisten Spaß gemacht und wieso?

Meine Zeit in Prag hat mir am meisten Spaß gemacht, denn ein solcher Auslandsaufenthalt während des Jurastudiums ist etwas Besonderes. Im Vergleich zu einem Praktikum im Inland, lernt man dort nicht nur inhaltlich etwas, sondern macht auch weitere tolle Erfahrungen. Vor allem lernt man eine andere Kulturen und Menschen kennen.

 

Was hat dich dazu gebracht während des Jurastudiums ins Ausland zu gehen?

Ich wollte unbedingt die Arbeitsweise von Juristen in einem anderen Land kennen lernen. Natürlich hat mich auch die Chance gereizt weitere Auslandserfahrungen zu sammeln.

 

Wieso hast du dich für Prag entschieden?

Mich hat ein Praktikum in einem europäischen Land interessiert, Osteuropa kannte ich bis dahin auch noch am wenigsten. Mit Prag hatte ich die Aussicht, eine schöne Stadt mit einer spannenden Geschichte zu erleben.

 

Du sagtest, du hast deine praktische Studienzeit in Prag über das ELSA-Auslandspraktikum-Programm STEP realisiert. Wie gestaltete sich die Organisation bei ELSA?

Das Praktikum wurde komplett von ELSA organisiert. Die hauptsächlich europaweit verfügbaren Praktikumsplätze werden auf deren Website angeboten. Die Bewerbung für das Wunschland erfolgt ebenso über deren Website, wird aber auch von der lokalen ELSA-Gruppe unterstützt.

Die Bewerbung wird dann an die Arbeitgeber weitergeleitet und die suchen sich ihre Kandidaten selbst aus. Der Organisationsaufwand für den Praktikanten selbst ist also sehr gering, zum Beispiel wurde mir eine Unterkunft von Prager ELSA-Gruppe gestellt.

Ansonsten lässt sich alles auch einfach auf der ELSA-Germany Seite zu dem Auslandspraktikum-Programm STEP bzw. bei den lokalen ELSA-Gruppen nachlesen.

 

Was waren deine Tätigkeiten in der Prager Kanzlei?

Zu meinen Haupttätigkeiten gehörten verschiedene Recherchen zu juristischen Fragen im deutschen Recht. Die Ergebnisse musste ich zum Teil ins Englische übersetzen, wenn die an dem Projekt beteiligten Anwälte kein Deutsch sprechen konnten.

Außerdem habe ich Schriftsätze im deutsch-tschechischen Rechtsverkehr entworfen und Korrespondenzen mit deutschen Mandanten übernommen.

 

Was waren im Vergleich dazu deine Tätigkeiten in der Wiesbadener Kanzlei?

Meine Tätigkeiten in Wiesbaden waren ähnlich derer in Prag. Ich habe dort etwa auch Schriftsätze verfasst und Mandantengespräche vorbereitet. In Wiesbaden war ich jedoch häufiger vor Gericht, denn das war in Prag allein wegen der Sprache weniger sinnvoll.

Ich war deshalb auch nur ein einziges Mal in Prag vor Gericht, um mir den Gerichtsablauf anzuschauen.

 

 

Was hat dir im Vergleich Prag-Wiesbaden an Prag besser oder auch schlechter gefallen?

Positiv an Prag war die tolle Atmosphäre, die auch geprägt vom gegenseitigen Interesse war. Die Prager Kollegen hatten viele Fragen, denn für sie war es auch sehr interessant jemanden aus dem Ausland bei sich zu haben.

Ich wurde auch direkt in die Arbeiten eingebunden. Mir wurde das Gefühl verliehen, gebraucht zu werden, da man „Experte“ für das deutsche Recht war – das ist in einer deutschen Kanzlei selbstverständlich anders.

Allein die Kommunikation war natürlich nicht immer so flüssig wie in Deutschland, aber wir sind gut mit der Verständigung zurechtgekommen.

 

Was ist deine schönste Erinnerung an Prag, sei es bei der Arbeit oder aber auch privat?

Zu meinen schönsten Erinnerungen gehören die gemeinsamen Unternehmungen und Ausflüge mit den anderen Prager Jurastudenten.

 

Hat dich dein Auslandsaufenthalt in irgendeiner Form verändert und wenn ja, wie?

Meine Zeit in Prag hat mich insoweit verändert, dass ich meinen Horizont erweitern konnte – wie das bei jedem fruchtbaren Auslandsaufenthalt so ist.

 

Konntest du dir dein Jura Auslandspraktikum als ordnungsgemäß absolvierte praktische Studienzeit i.S. deiner Studienordnung anrechnen lassen?

Ja, eine Anrechnung ist möglich.

 

Möchtest du aufgrund Deiner positiven Erfahrungen nochmal ins Ausland?

Unbedingt, das steht für mich fest. Ob wieder für ein Praktikum oder doch eher im Referendariat habe ich allerdings noch nicht entschieden.

 

Welchen Rat würdest du jemanden geben, der sich für ein Jura Auslandspraktikum interessiert?

Für ein Praktikum im Ausland ist ELSA eine sehr gute Anlaufstelle, die auch für mich gut funktioniert hat und praktisch war. Ansonsten ist es immer sinnvoll auch die universitären Anlaufstellen zu besuchen bzw. zu kontaktieren.

Im Übrigen sollte man sich von nichts abschrecken lassen, etwa von der Angst, dass man sowieso keine Stelle bekommt. Wer Interesse hat, sollte sein Glück auf jeden Fall versuchen.

 


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Über den Autor

Sebastian M. Klingenberg

Sebastian M. Klingenberg

Promotionsstudent an der JGU Mainz (Jugend-/Strafrecht & Kriminologie) und Rechtsreferendar am LG Wiesbaden. Nebenbei schreibt er freiberuflich diverse Artikel, die auch auf seinem Blog zu finden sind.

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