Der Chef als Facebook-Freund

Eher easy oder gehen Gefahren von der Social-Media-Vernetzung aus?


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 10.12.2018

 

Social Media hat viele Vorteile, gar keine Frage. Vernetzung, Informationsbeschaffung und nicht zuletzt die Möglichkeit einen Draht zu Freunden zu behalten, der lediglich per Handy wahrscheinlich einschlafen würde. Vor allem aber dürfte sich die Zahl der vergessenen Geburtstage seit Entstehung der Facebook-Funktion deutlich verringert haben. Doch mittlerweile ist es auch kein Geheimnis mehr, dass das Verhalten auf Facebook und Co. Auswirkungen haben kann und es sich nicht um einen rechtsfreien Raum handelt. Besonders prekär wird es natürlich dann, wenn Entscheidungsträger, wie der eigene Chef, auch bei Facebook sind und sogar mit dir befreundet sein wollen. Ein Für und Wider zur Frage:

 

„Solltest du deinen Chef als Freund bei Facebook annehmen?“

 

Die Grundsatzentscheidung

Neu ist immer besser. Diesen Spruch vertritt Barney Stinson vehement in einer Folge der Erfolgsserie „How I met your Mother“. Doch bereits in der Serie wird ihm spätestens dann, als seine Freunde ihm den jüngsten und billigsten Whisky der Bar bestellen, klar, dass dem nicht immer so ist. Selbiges gilt für das Verhältnis zum Chef in Zeiten von Social Media. Denn während früher eine Arbeitsbeziehung an der Türschwelle der Firma, des Unternehmens oder eben der Kanzlei endete und diese nur im äußersten Fall per Anruf überschritten werden konnte, führt heute ein jeder seine Kontakte in seiner Hosentasche mit sich. Das gilt immer häufiger auch auf Social Media für den Kontakt mit dem Chef oder anderen Vorgesetzten. Doch zurecht fragen sich viele Arbeitnehmer, ob das gut und richtig ist und wie damit umzugehen ist. Um allem Folgenden nun vorweg zu greifen: Es bedarf einer Grundsatzentscheidung.

 

Es muss eine klare Antwort auf die Frage gefunden werden, ob Facebook eine rein private Plattform sein und bleiben soll.

 

Ist dem so und möchtest du auch weiterhin dort all das posten, was du im privaten posten würdest, solltest du dir sehr genau überlegen, ob das wirklich auch für deine Vorgesetzten gedacht ist. Es geht dabei übrigens nicht nur um Bikini-Fotos aus dem Urlaub oder das Klischee des „Besoffen-in-der-Ecke-liegens“. Sondern auch das Bild vom Anbaden im Januar am Samstag kann Fragen aufwerfen, wenn der Arbeitnehmer am Montag krank ist. Rechtlich wahrscheinlich eher ein irrelevanter Zusammenhang, in der Praxis aber zumindest eine unangenehme Situation. Noch unangenehmer wird es, wenn die Fotos live von der Party Samstagnacht einhergehen mit einer Grippe am Montag.

 

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Politische, religiöse oder sonstige Meinungen

Neben Fotos und Videos gibt es noch eine weitere Gefahrenquelle und das sind eigene, vor allem aber auch geteilte und verlinkte Artikel oder Posts mit Meinungen. Natürlich spielt deine politische, religiöse oder sexuelle Gesinnung eigentlich keine Rolle für den Job, dennoch solltest du dich fragen, inwieweit du deinen Chef daran teilhaben möchtest. Es müssen ja auch nicht gleich drastische Konsequenzen drohen, doch alle diese Eindrücke gehen natürlich auch auf deinen Chef ein und werden sich, vielleicht sogar nur unterbewusst, auch auf seine Entscheidungen auswirken. Zum Beispiel kann ein völlig harmloses, am Freitagnachmittag gepostetes „Endlich ist gleich Wochenende“, während der Entscheidungsphase für eine Neubesetzung eines Postens das Zünglein an der Waage sein.

 

Für eine dem Chef völlig widersprüchliche politische Gesinnung oder ähnliches gilt das natürlich erst Recht.

 

Auch wenn das nicht schön ist, entspricht es natürlich der Realität.

 

Wer also seinen Facebook Account für seine privaten Zwecke nutzen und sich nicht einschränken möchte, der sollte im Normalfall davon absehen seinen Chef als Freund hinzuzufügen. Wer hingegen seinen Facebook Account sowieso als Plattform zur positiven Selbstdarstellung nutzt und auch kein Problem damit hat, professionelle Kontakte hinzuzufügen, der kann natürlich auch den Chef als Freund annehmen. Möglicherweise kann hier sogar eine unterbewusste Beeinflussung stattfinden. Ein Fakt der bei der Betrachtung des Themas „Chefs und Social Media“ oft völlig außen vor gelassen wird.

 

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Die Freundschaftsanfrage vom Chef ist da: Was kannst du tun?

Wenn nun aber die Anfrage deines Chefs von ihm aus kam, stehst du vor einer schwierigen Entscheidung. Ignorieren sollte übrigens keine der möglichen Reaktionen sein. Das ist nicht nur unpassend und feige, sondern auch respektlos.
Wenn du deinen Facebook Account bisher also nur privat genutzt hast und auch Inhalte teilst und postest, die nicht für deinen Chef bestimmt sind, musst du dich entscheiden, ob du seine Anfrage ablehnst, dein Verhalten änderst oder aber dein Profil und dessen Einstellungen so gut es geht anpasst.

Am Einfachsten machst du es dir natürlich, indem du deinen Chef annimmst, vorher dein Profil „säuberst“ und ab sofort auf Facebook „seriös“ bleibst. Das Problem ist, dass nach wie vor „unseriöses“ auf deiner Seite auftauchen kann und vor allem, dass du dich im privaten für deinen Arbeitgeber oder Chef verbiegen musst. Die zweite Möglichkeit ist es, deinem Chef freundlich aber bestimmt mitzuteilen, dass dies lediglich dein privater Account ist und du diesen auch so nutzen möchtest. Ein guter Chef wird das akzeptieren, offensichtlich hängt die Reaktion auf diese Absage aber natürlich extrem vom Wesen deines Chefs oder Vorgesetzten ab. Wer hier nichts riskieren möchte, der wählt vielleicht die dritte Möglichkeit und nimmt seinen Chef zwar an, passt jedoch seine Einstellungen so an, dass er nur ausgewählte Inhalte von dir zu sehen bekommt. Das erfordert jedoch einiges an Arbeit und Knowhow. Zudem bleibt natürlich ein gewisses Restrisiko bestehen.

 

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Der Königsweg über die Alternativen

Eine weitere Möglichkeit, dem Chef zwar eine Form der virtuellen Vernetzung zu bieten, ihn jedoch nicht mit in die eigene Privatsphäre mitzunehmen, ist das Ausweichen auf andere, professionellere Plattformen. Wer seine Absage an die Freundschaftsanfrage bei Facebook nämlich mit einer eigenen Anfrage bei Xing, LinkedIn oder anderen Plattformen kombiniert, der zeigt gleich, dass einem der Chef natürlich nicht unlieb oder egal ist. Zudem erleichtert man es dem Chef, so sein Gesicht zu wahren, denn trotz allen Annäherungen durch die Digitalisierung, muss oder eher sollte der Chef noch lange kein Freund sein.

 

Anwälte, Kanzleien und Social Media

Kanzleien und Anwälte tun sich übrigens nach wie vor schwer mit der Verwendung von Social Media, sowohl privat als auch beruflich. Die Studie einer Berliner Marketing Firma zeigte erst jüngst, dass selbst Großkanzleien, vor allem aber mittelständische und kleine private Kanzleien kaum positiv auf Social Media auffallen. Vor einiger Zeit noch war es Rechtsanwälten untersagt aktiv Werbung für die eigene Kanzlei oder sich selbst zu machen. Das hat sich mittlerweile allerdings geändert und so nutzen immer mehr Anwälte Social Media Kanäle besonders für unterschiedliche Marketingaspekte zur Kundengewinnung und für das Recruiting bieten die Plattformen einige Vorteile. Anwälte und Kanzleien beschränken sich hier jedoch eher auf die professionellen Netzwerke wie XING oder LinkedIn. Das spiegelt sich vor allem auch in der privaten Nutzung von Social Media durch Anwälte und andere Juristen wieder. Gerade kleinere Anwälte scheuen sich oft davor auf Social Media Präsenz zu zeigen. Zu groß ist die Angst, negativ aufzufallen, sich falsch darzustellen oder sogar unprofessionell zu wirken. Während andere Branchen Social Media längst für sich nutzen, scheint die Juristerei hier noch rückständig zu sein. Doch es gibt auch Gegenbeispiele wie zum Beispiel den Anwalt Christian Solmecke, der für seine Kanzlei WBS einen Youtube Kanal sowie weitere Social Media Profile pflegt und dort sowohl aktuelle, wie auch allgemeine Themen aus dem juristischen Umfeld bespricht. Betrachtet man die Entwicklungen in anderen Branchen und die immer weiter zunehmende Wichtigkeit von Online Präsenz, erscheint es nur wahrscheinlich, dass solche Ausnahmen in Zukunft zur Regel werden.

 

Wer also vor der Frage steht, wie er mit seinem Chef online umgehen soll, der hat in der Tat mehrere Möglichkeiten. Jedenfalls aber sollte die Reaktion gut überlegt und auch langfristig durchdacht sein. Mit einer freundlichen Bemerkung, dass der Facebook Account lediglich privat genutzt wird und einer Einladung bei Xing und Co., sollte aber eigentlich jedes Übel abgewendet und der Chef zufrieden gestellt sein.

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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