Mobbing am Arbeitsplatz

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 07.04.2021.

Psychoterror: Das tust du gegen Mobbing am Arbeitsplatz

Gibt es eigentlich ein Gesetz gegen Mobbing?

Du kannst nichts, aus dir wird nichts, niemand mag dich: Wer Tag für Tag solche Botschaften vermittelt bekommt, der glaubt sie irgendwann selbst – oder weiß zumindest nicht, wie er sich dagegen zur Wehr setzen soll. Laut einer Studie sind rund 60% der 1.000 Befragten schon einmal mit Mobbing am Arbeitsplatz in Berührung gekommen: 24% waren dabei selbst betroffen, der Rest hatte Mobbing gegenüber anderen beobachtet. Dabei ist es manchmal gar nicht so einfach, überhaupt zu identifizieren, wo denn jetzt Mobbing beginnt und wo einfach „nur“ ein Konflikt herrscht.

Was ist der Unterschied zwischen Mobbing und Diskriminierung?

Worte können weh tun: Das weiß jeder, der schon einmal von Mobbing betroffen war. Während der Begriff früher eher mit Schulkindern in Verbindung gebracht wurde, gibt es heute deutlich mehr Bewusstsein für das Mobbing in anderen Lebensbereichen: Zum Beispiel das Cybermobbing oder eben Mobbing am Arbeitsplatz. Was genau man unter dem Begriff versteht, ist nicht offiziell definiert, dennoch gibt es ein paar Anhaltspunkte, die darauf hinweisen, dass du oder eine Person in deinem Umfeld wirklich gemobbt wirst:

  • Die schlechte Behandlung durch Kollegen oder Vorgesetzte dauert über einen langen Zeitraum an und beschränkt sich nicht auf nur wenige oder bestimmte Situationen. Man könnte sagen, dass dahinter ein System steckt.
  • Sowohl körperliches, verbales als auch nonverbales Mobbing sind möglich: Zum Beispiel durch physische Gewalt, demütigende Worte sowie das Vorenthalten wichtiger Informationen oder das Ausschließen aus einer Gruppe.
  • Beim Mobbing gibt es klare Machtverhältnisse, wobei zum Beispiel eine stärkere gegen eine schwächere Person schießt oder mehrere Personen sich gegen eine verbünden. Dabei geht es allerdings nicht um offizielle Hierarchien. Das Opfer kann sich aufgrund seiner Stellung nur schlecht verteidigen.

 

Im Gegensatz zur Diskriminierung gibt es beim Mobbing nicht immer einen konkreten Grund für die schlechte Behandlung. Wird eine Frau zum Beispiel wegen ihres Geschlechts oder ein Muslim wegen seines Glaubens diskriminiert, sind Mobbingopfer eher „zufällig“ das Ziel von Anfeindungen. 
 

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Das geht in einem Mobber vor

Jeder Mensch ist unterschiedlich und so sind auch die Motive von Mobbern niemals exakt dieselben. Eines ist jedoch klar: Wer andere Menschen systematisch schlecht behandelt und manipuliert, der ist auch mit sich selbst nicht zufrieden. Ein wichtiger Grund dafür, dass Menschen mobben, ist Neid. Wenn jemand etwas hat, das sie nicht haben, sei es eine glückliche Beziehung oder die Gunst des Chefs, dann versuchen sie, denjenigen kleinzumachen und sich selbst zu beweisen, dass sie besser sind. Andere Mobber leiden unter einem geringen Selbstwertgefühl, das sie nur verbessern oder verschleiern können, indem sie andere erniedrigen. Durch die Kontrolle über die gemobbte Person erfahren sie ein Gefühl von Macht. 

Die juristische Sicht: Ist Mobbing illegal?

Wer gemobbt wird, leider darunter sehr stark. Dennoch gibt es in Deutschland kein konkretes Gesetz, das Mobbing verbietet. Jedoch kann bestimmtes Verhalten von Mobbern strafbar sein, zum Beispiel, wenn das Opfer körperlich verletzt wird oder wenn ein Tatbestand wie Beleidigung, Nötigung oder sexuelle Belästigung vorliegt.

Aufgrund dessen zeigte sich in der Vergangenheit immer wieder, dass Opfer vor Gericht Erfolg hatten. Die Herausforderung hierbei ist jedoch die Beweislage. Denn mögliche Augenzeugen sind oft zu eingeschüchtert, um eine Aussage zu machen und die Täter selbst legen alles daran, ihre Taten zu vertuschen.

Für das Opfer kann ein Prozess sehr belastend sein, da dieser sich aus den eben genannten Gründen oft über einen langen Zeitraum zieht und das Geschehene immer wieder gedanklich durchlebt werden muss.

 

Das kannst du gegen Mobbing tun

Wenn du von deinen Kollegen oder dem Chef gemobbt wirst, dann hast du vermutlich das Gefühl, keinen Ausweg zu finden. Das ist genau das Ziel der Täter: Eine Person kleinzumachen, um sich selbst größer zu fühlen und Macht auszuüben. Es ist also für ein Mobbingopfer ganz „normal“, dich so zu fühlen und sagt nichts über dich als Person aus. Trotzdem kann es schwierig sein, zu handeln, wenn du in einer solchen Situation steckst. Am besten gehst du folgendermaßen vor:

 

  • Beginne so früh wie möglich, ein sogenanntes Mobbingtagebuch zu führen, in dem du alles Relevante aufschreibst. Dokumentiere wo, wann und von dem du belästigt wurdest und ob es dafür Zeugen gibt. Das kann dir im Ernstfall vor Gericht helfen, da Mobbing oft nur schwer nachzuweisen ist. Auch eingeweihte Kollegen sollten ihre Beobachtungen aufschreiben.
  • Suche dir einen Ansprechpartner in der Kanzlei oder im Unternehmen, dem du vertrauen kannst. Das kann dein direkter Vorgesetzter sein, wenn dieser nicht am Mobbing beteiligt ist. Auch der Betriebsrat oder die Personalabteilung sind gute Anlaufstellen, wenn eine Klärung innerhalb des Teams keine Option ist. Da ersterer dafür verantwortlich ist, dass Arbeitnehmer angemessen behandelt werden, muss er in solch einem Fall handeln, zum Beispiel durch klärende Gespräche oder die Versetzung bzw. Kündigung des Mobbenden.
  • Wirst du durch das Mobbing psychisch oder physisch so sehr beeinflusst, dass du nicht mehr zur Arbeit gehen kannst, dann suche einen Arzt auf und lasse dich krankschreiben.
  • Kann oder möchte dein Arbeitgeber dir nicht weiterhelfen, solltest du dir rechtliche Unterstützung holen (wenn du dich nicht selbst gut im Arbeitsrecht auskennst). In besonders schweren Fällen kannst du nämlich fristlos kündigen oder nicht mehr zur Arbeit erscheinen. 
  • Kannst du das Mobbing vor Gericht beweisen, stehen dir in diesem Fall auch verschiedene Ansprüche zu, zum Beispiel auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz.  

 

Wer gemobbt wird, der sucht oft die Schuld bei sich selbst – das kann verhängnisvoll sein, weil der Betroffene sich aus diesem Grund nicht traut, gegen die Schikanen vorzugehen. Bist du also von Mobbing betroffen, solltest du auf jeden Fall wissen, dass du diese Behandlung nicht verdienst und jedes Recht hast, dagegen vorzugehen – sei es mit der Hilfe des Arbeitgebers, vor Gericht oder durch den Wechsel deines Arbeitsplatzes.


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