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Online-Seminare: Neuland für Juristen

Studium, Examen & Zusatzqualifikationen

Online-Seminare: Neuland für Juristen

Die Vor- und Nachteile der Fortbildungen im Internet

 

Sich fortzubilden gehört heute zum guten Ton in der Arbeitswelt und für Juristen ist es sogar Pflicht. Auch vor uns hat die Digitalisierung keinen Halt gemacht und es ist daher wenig überraschend, dass das Internet nur so überquillt mit Fortbildungsmöglichkeiten die einem das Blaue vom Himmel versprechen und zukünftige Traumjobs in Aussicht stellen. Doch wie verhält es sich mit diesem Angebot? Hält es was es verspricht und was kommt am Ende dabei wirklich rum?

Online-Seminare sind im Trend und das ist auch gut so. Die Vorteile liegen auf der Hand. Es werden Kosten gespart, weil auf Seiten der Teilnehmer Kosten für Fahrten und Übernachtungen entfallen und der Veranstalter keine teuren Konferenzräume anmieten und auch kein Catering bezahlen muss. Die potentiellen Nachteile wiederum wurden nach und nach auch durch den technischen Fortschritt minimiert. So ist ein Online Seminar heutzutage mitnichten ein reiner Frontalunterricht, bei dem der Teilnehmer stumpf vor seinem Laptop sitzt und dem Referenten zuhört. Durch Headsets und entsprechende Software sind Online – Seminare heute interaktiv gestaltet. Teilnehmer können so Fragen direkt an den Referenten stellen, aber auch untereinander mit anderen Teilnehmern kann diskutiert werden.

Wie steht es rechtlich gesehen um Online-Fortbildungen?

Fortbildungen sind für Rechtsanwälte Pflicht. Daher stellt sich sofort die Frage ob und wie sich ein Anwalt seine online absolvierten Weiterbildungen anrechnen lassen kann. Die Fachanwaltsordnung (FAO) wurde dahingehend angepasst, dass auch nicht-präsenz Fortbildungen zugelassen werden können. So lautet es in § 15 Absatz 2 FAO in der aktuellen Fassung

„Bei Fortbildungsveranstaltungen, die nicht in Präsenzform durchgeführt werden, müssen die Möglichkeiten der Interaktion des Referenten mit den Teilnehmern sowie der Teilnehmer untereinander während der Dauer der Fortbildungsveranstaltung sichergestellt sein und der Nachweis der durchgängigen Teilnahme erbracht werden.“

Dies gewährleisten die Anbieter von Online-Fortbildungen heute in der Regel alle, da sie ansonsten nicht wettbewerbsfähig sind. Insbesondere die durchgängige Teilnahme wird mittels verschiedener Software-Lösungen durch regelmäßige Aktivitätskontrolle überprüft und somit gewährleistet. Die endgültige Anerkennung einer Fortbildung kann jedoch nur durch die zuständige Rechtsanwaltskammer ergehen, bei der das erworbene Zertifikat eingereicht werden muss. In der Praxis gestaltet sich dies aber im Regelfall unproblematisch.

 

 

Was für Fortbildungen gibt es Online?

Das größte Angebot gibt es bei den bereits angesprochenen Pflichtfortbildungen für  Fachanwälte. Hier werden die klassischen Rechtsgebiete für Fachanwälte abgedeckt und aktuelle sowie beständige fachspezifische Diskussionen von erfahrenen und zertifizierten Referenten geleitet. Anbieter für diese speziell auf Fachanwälte ausgelegten Fortbildungen sind zum Beispiel Arber|Online Seminare, Haufe-Akademie oder die Deutsche Anwaltakademie.

Darüber hinaus gibt es ein schier unendliches Angebot an Online – Seminaren für Softskills wie Rhetorik, Präsentationstechniken,Konfliktmanagement, der Kunden- bzw. Mandanten-Akquise mit dem perfekten Pitch oder aber auch zum Thema Marketing in digitalen Medien wie zum Beispiel in Social Media. Solche werden einerseits von den großen Anbietern und Fernuniversitäten wie der Haufe-Akademie, der ILS oder der Fernuniversität Hagen angeboten. Andererseits gibt es eine Vielzahl kleinerer auf genau solche Seminare spezialisierte Unternehmen die sich im Markt etabliert haben. Um einen möglichst hohen Lerneffekt zu erzielen sollte aber weniger auf den Anbieter an sich geachtet werden, dafür umso mehr auf den Referenten. Denn wie in einer Präsenzveranstaltung kommt es in erster Linie auf diese eine Person und die eigene Verbindung zu dieser Person an. Daher bietet es sich unbedingt an die Möglichkeit eines Probehörens wahrzunehmen. In der Regel wird dies von den Anbietern für Online-Seminare auch kostenlos oder zu deutlich geringeren Preisen aktiv angeboten. Sollte dies einmal nicht der Fall sein, reicht in der Regel eine E-Mail an den Anbieter und es wird Probematerial zur Verfügung gestellt.

Ein kleines Fazit: Was spricht für – was gegen Online-Seminare? 

 

Pro Contra
  • günstig 
  • Übungs- und Feedback-Möglichkeiten sind begrenzt 
  • zeitsparend und flexibel
  • Kein "Gemeinschaftsgefühl" der Teilnehmer 
  • Qualität kann in der Regel im Voraus geprüft werden

 

 

 

Ob Online-Fortbildung die Präsenzveranstaltung ganz verdrängen können und werdenm wir die Zukunft zeigen. Eine ernstzunehmende Option sind sie spätestens seitdem sie auch rechtlich anerkannt sind allemal. Inwiefern ein Online-Seminar in Frage kommt, muss jeder für sich entscheiden und die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Das zumeist kostenlose Probehören kann dabei auf jeden Fall behilflich sein und sollte unbedingt benutzt werden. 
 

 

12. Juni 2017


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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