Recht, Unrecht und Mensch - eine Zeitreise

Von früher bis heute: die Rechtswissenschaften


veröffentlicht am 26.02.2016

„Rechtswissenschaft ist die Kenntnis der menschlichen und göttlichen Dinge, die Wissenschaft vom Gerechten und Ungerechten.“ – von Gnaeus Domitius Annius Ulpianus, einem römischen Juristen im dritten Jahrhundert. Dies ist mit eine der bekanntesten Definitionen der Rechtswissenschaft, denn sie versuchte als eine der ersten den Begriff klassisch greifbar zu machen. Die Menschen wollten sich seit Anbeginn der Zeit mit ihren Rechtssystemen dem nicht fassbaren Begriff der Gerechtigkeit nähren, um so ein Zusammenleben abseits des Faustrechts zu ermöglichen. Die Wurzeln hierbei reichen bis in die griechische Antike zurück. In Deutschland beginnen die ersten Ansätze etwa im 13. Jahrhundert.

 

Die ersten Anfänge

Über die frühesten historischen Wurzeln der Entwicklung der Rechtswissenschaft in Deutschland ist leider nur wenig bekannt, da das germanische Recht mündlich überliefert und der schriftliche Prozess erst zur zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eingeführt wurde. Die Existenz einzelner wichtiger Dokumente aus dieser Zeit wie die Goldene Bulle und der Sachsenspiegel sind jedoch heute bekannt. Auch weiß man, dass sich das ursprüngliche Stammesrecht zum Landrecht weiterentwickelte und neben diesen räumlichen Besonderheiten, die Rechte auch unter den Personen- und Berufskreisen divergierten.

 

Der Ursprung des Anwalts

Weiter hat sich der Anwaltsberuf durch den damaligen römischen Einfluss in den südlichen Gebieten in zwei Arten gespalten. Hierbei gab es zum einen die Prokuratoren zur gerichtlichen Vertretung und zum anderen die Advokaten, welche die außergerichtliche Beratung übernahmen. Diese Unterscheidung ist mit dem heutigen System in Großbritannien vergleichbar, welches ebenfalls in zwei Arten der Anwälte, Barrister und Solicitor, unterscheidet.

 

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Die Zeit bis 1949

Im Zuge der Reichsgründung 1871 kam es in Deutschland zu einer weitgehenden Reichseinheit und die großen Gesetzestexte des StGB, BGB und weitere entstanden.

Mit dem Dritten Reich begann dann die dunkelste Zeit in der Geschichte der Rechtswissenschaft, welche durch ihre Willkür den Niedergang der Rechtsstaatlichkeit zur Folge hatte. In keiner Epoche fielen die Begriffe Recht und Gerechtigkeit so weit auseinander wie damals. Dies erkannte auch der Rechtsphilosoph und Reichsminister der Justiz in der Weimarer Republik Gustav Radbruch. Er entwickelte die bekannte Radbruch’sche Formel, welche besagt, dass sich ein Richter bei einem Konflikt zwischen dem positiven Recht und der Gerechtigkeit immer dann und auch nur dann, gegen das Gesetz und stattdessen für die materielle Gerechtigkeit zu entscheiden hat, wenn das fragliche Gesetz entweder als „unerträglich ungerecht“ anzusehen ist oder das Gesetz die im Begriff des Rechts grundsätzlich angelegte Gleichheit aller Menschen aus Sicht des Interpreten „bewusst verleugnet“. Diese revolutionäre und bis heute anerkannte Formel fand mehrfache Anwendung in höchstrichterlichen Rechtsprechungen.

 

Geteiltes Deutschland

In der DDR und der Bundesrepublik galten zunächst noch gemeinsame Rechtsvorschriften. Diese entwickelten sich jedoch alsbald auseinander. Während in der BRD das Landesrecht an Bedeutung gewann, entwickelte sich die Rechtsordnung in der DDR zentralistisch im Sinne des Sozialismus. Durch die Widervereinigung dehnte sich dann das Recht der BRD auf das Gebiet der ehemaligen DDR aus.

 

Die weitreichende Geschichte der Rechtswissenschaft durchlebte schon zahlreiche Wandlungen, Höhen und Tiefen. Und brachte durch ihre Geschichte auch bedeutende Errungenschaften wie die Radbruch’sche Formel hervor, die unser Rechtssystem bis heute prägen.

 

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