Können Repetitorien an der Uni mit privaten Anbietern mithalten?

Das sind die Vor- und Nachteile der kostenlosen Alternative


verfasst von Julian Wagner und veröffentlicht am 30.10.2019

Jeder Jura-Student hat gegen Ende seines Studiums die Qual der Wahl: Soll die Examensvorbereitung mit oder ohne kommerziellem Repetitor durchgeführt werden? In Verbindung mit dieser bedeutsamen Entscheidung stehen gleichzeitig eine ganze Reihe an Fragen, die den ein oder anderen unschlüssigen Studenten regelrecht verzweifeln lassen: Ist ein universitär organisiertes Repetitorium wirklich gleichwertig? Welcher (private) Repetitor ist der richtige für mich? Entstehen erhebliche Nachteile, wenn man sich – im Vergleich zu vielen anderen Studierenden – ausschließlich selbstständig auf die erste juristische Prüfung vorbereitet?

 

Generell richtige Antworten wird es wohl nicht auf alle dieser Fragen geben, da sie insbesondere davon abhängig sind, welches Maß an Disziplin, fachlichen Vorkenntnissen und persönlichen Vorlieben der jeweilige Studierende mitbringt. Deshalb sollte sie jeder auch für sich individuell beantworten und nicht nur darauf hören, was mal wieder „die anderen sagen“. Bei der Entscheidungshilfe und Beantwortung der aufgeworfenen Fragen kann dieser Artikel helfen.

 

1. Private Repetitoren – was sollte man unbedingt wissen?

Ungefähr 80 bis 90 Prozent aller Jura-Studenten entscheiden sich für die Examensvorbereitung in einem privaten Repetitorium – kein Wunder, schließlich sind diese meist in allen Universitäten, in denen Juristen ausgebildet werden, vom ersten Semestertag an präsent. Dementsprechend hat sich auch das Angebot stetig erweitert: Neben den üblichen Examensvorbereitungskursen können inzwischen auch ergänzende Klausurenkurse, Einzel- und Kleingruppenbetreuung und sogar schon Vorbereitungen für die Zwischenprüfung gebucht werden.

 

Das finanzielle Risiko 

Das alles hat aber natürlich auch seinen Preis: Pro Monat kostet ein normaler Examenskurs in Verbindung mit dem zugehörigen Klausurenkurs ca. 160 € bei den bekannten Marktführern.

 

Bei einer elf- bis zwölfmonatigen Kursdauer ergeben sich da stattliche Summen, über die wohl kaum ein Student ohne zu Schlucken hinweg sehen kann.

 

Diese erforderliche finanzielle Investition ist daher sicherlich auch als größter Nachteil der kommerziellen Repetitorien anzusehen – immerhin aber kann die kostenpflichtige Teilnahme am Kurs normalerweise monatlich ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist durch schriftliche Erklärung gekündigt werden. Damit bleibt das finanzielle Risiko begrenzt – auch das sog. Probehören ist möglich, um herauszufinden, ob die schulähnliche Kursatmosphäre dem jeweiligen Studierenden zusagt. Grundsätzlich gilt es allerdings zu beachten, mit welchen persönlichen Präferenzen der jeweilige Student an die Examensvorbereitung herangeht.

 

Wer schon während des Studiums damit Probleme hatte, über längere Zeiträume alleine und ohne vorgegeben „Stundenplan“ zu lernen, sollte einen kommerziellen Repetitor zumindest einmal in Betracht ziehen.

 

Schließlich ist jeder Kursmonat und jede Unterrichtseinheit, ebenso wie der zugehörige Klausurenkurs, exakt getaktet und bietet somit sowohl einen festen Zeitplan als auch einen kontinuierlichen Wochenrhythmus – also eine Struktur, die Studenten mit etwas weniger Selbstdisziplin durchaus entgegenkommen kann.

 


Was kostet ein privates Repetitorium?

Hier bekommst du eine Übersicht über die beliebtesten privaten Anbieter


 

Anwesenheitspflicht in "Crashkursen"

Repetitoren wird außerdem nachgesagt, dass sie aufgrund ihrer großen Erfahrung eine besonders gute Nase für die in den Examensklausuren relevanten Themen haben – ob das wirklich so stimmt, ist für Außenstehende natürlich nur schwer erfahrbar und wohl kaum seriös feststellbar. Allenfalls, wenn man Examenskandidaten selbst kennt und diese nach ihren persönlichen Erfahrungen fragt.

 

Die von den Repetitoren selbst zur Verfügung gestellten Examensberichte, die teilweise auch von Selbstlob zu Marketingzwecken geprägt sind, sollten in diesem Zusammenhang eher mit Vorsicht genossen werden.

 

Je nachdem, ob der Studierende auf vorgegebene „Stundenpläne“ oder doch eher auf zeitliche Flexibilität und Organisationsfreiheit Wert legt, kann das fest vorgegebene Kursprogramm natürlich auch als relativ unflexibel wahrgenommen werden. Abgesehen von einigen wenigen Feiertagen und kurzen Ferienzeiten ist die Anwesenheit des Kursteilnehmers (meist 3 Mal pro Woche jeweils 3 Stunden plus 5- stündigem wöchentlichen Klausurenkurs) nämlich zwingend erforderlich, um keinen Stoff zu verpassen und das Kursprogramm gänzlich wahrnehmen zu können.

 


Du suchst noch nach einem Praktikumsplatz oder einer Referendarstation?

Hier wirst du mit Sicherheit fündig!

 

Lieber eine Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Werkstudent?

Dann schau dich hier um und werde Teil einer erfolgreichen Kanzlei!


 

Platz für Verschnaufpausen oder gar Urlaub bleibt da natürlich eher weniger – allerdings handelt es sich bei Repetitorien ja gerade auch um spezielle Kompaktkurse, die das Crashkurs-ähnliche Vermitteln bzw. Wiederholen des Stoffes zum Ziel haben und daher automatisch nur geringe zeitliche Freiräume bieten. Nicht zu vergessen bleibt, dass ein zentraler und entscheidender Teil des Lernprozesses darin besteht, die einzelnen Unterrichtseinheiten in Eigenarbeit intensiv vor- und besonders nachzubereiten.

 

Denn allein durch das Zuhören und Mitdenken in einem Repetitorium wird wohl kaum ein wertvoller Lernerfolg erzielt werden können.

 

Zusätzlich zu den Angeboten der klassischen Repetitorien haben sich inzwischen übrigens noch zahlreiche Angebote von Online-Repetitorien entwickelt. Als Vorteil kann die zeitliche und örtliche Flexibilität betrachtet werden – auch ist mit deutlich geringeren Kosten zu rechnen. Für die vollwertigen Examenskurse mit Klausurenkurs zur Vorbereitung auf die erste juristische Prüfung werden meist ca. 80 Euro pro Monat fällig. Wer ohne Klausurentraining lernen möchte, kann bereits für ca. 40 Euro im Monat einsteigen. Zu den Exoten unter den privaten Anbietern zählen die sog. Fernrepetitorien, die ähnlich wie ein Fernstudium an einer Fernuniversität funktionieren. Die entstehenden Kosten für so eine natürlich auch örtlich und zeitlich flexible Vorbereitung liegen allerdings nur geringfügig unterhalb des Preisniveaus der klassischen Repetitorien.

 


Es gibt noch eine weitere Alternative - online!

Erfahre hier, wie ein Online-Repetitorium abläuft und welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt


 

2. Universitäres Repetitorium: Experiment oder echte Alternative?

Private Repetitoren sind Universitäten schon seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge – nicht zuletzt auch, weil allein schon deren Existenz suggerieren könnte, dass juristischen Fakultäten nicht in der Lage sind, ihre eigenen Studierenden in den Jahren des Studiums so auszubilden, dass diese ihre studienabschließende Prüfung problemlos absolvieren können. Ob das tatsächlich einmal so war oder heute so ist, sei dahin gestellt. Das Bedürfnis der Studierenden, den examensrelevanten Stoff noch einmal kompakt vermittelt zu bekommen, besteht jedenfalls bis heute. Ob dieses Bedürfnis lediglich aus dem Gruppenzwang heraus entsteht oder tatsächlich aufgrund der Überzeugung vom Nutzen eines privaten Repetitoriums existiert, bleibt fraglich.

 

Der Prof als Repetitor

Einige Universitäten haben jedenfalls inzwischen auf diese Bedürfnisse der Studierenden reagiert und eigene Repetitorien auf die Beine gestellt. Angeboten werden von Professoren gehaltene Examenskurse, um den gesamten relevanten Stoff in zwei Semestern zu wiederholen sowie von wissenschaftlichen Mitarbeitern geleitete ergänzende Vorbereitungskurse in der vorlesungsfreien Zeit. Zusätzlich werden Kleingruppen zur intensiveren Betreuung und das wöchentliche Klausurenschreiben unter Examensbedingungen offeriert.

Deutlich wird natürlich auch hier: In einer nicht ausschließlich selbst organisierten Examensvorbereitung bleibt nicht viel an zeitlicher Flexibilität übrig.

 

Angemerkt sei außerdem, dass sich die universitären Veranstaltungen von denen privater Repetitorien in der Art und Weise der Wissensvermittlung und des Vortragsstils stark unterscheiden können – sicherlich auch ein Grund dafür, dass die meisten Studierenden ein privates Repetitorium dem universitären Pendant vorziehen.

 

Viele Examenskandidaten haben nämlich noch den teilweise recht theoretischen und abstrakten Vortragsstil mancher Professoren aus den Vorlesungen im Gedächtnis.

 


Mehr hilfreiche Tipps zur Examensvorbereitung findest du in diesen Artikeln:


 

Sind universitäre Repetitorien besser? Kommt darauf an!

Wer damit während des Studiums schon ein Problem hatte, wird verständlicherweise wenig Interesse an einem Examenskurs des jeweiligen Professors haben und das, obwohl im universitären Repetitorium sicherlich die Chance besteht, dass sich viele wissenschaftliche Mitarbeiter und Professoren sehr engagieren - letztlich auch, weil viele juristische Fakultäten endlich ihre eigene Repetitorien etablieren möchten. Gerade deshalb sollte die Angst, bei einem universitären Repetitorium etwas an Stoff oder Tipps zu verpassen, unbegründet sein – der für das 1. Staatsexamen relevante Pflichtstoff ist im Übrigen kein Geheimnis und Professoren, die teilweise auch selbst als Prüfer tätig sind, wissen normalerweise auch sehr genau, auf was es im Examen ankommt.

 

Ob sie ihre Veranstaltungen jedoch tatsächlich so verständnisorientiert gestalten, wie so mancher privater Repetitor, lässt sich aber wohl nur im Einzelfall beurteilen.

 

Sich außerdem auch nur deshalb von einem universitären Repetitorium abschrecken zu lassen, weil die Angebote bisher von anderen Studierenden nur spärlich wahrgenommen werden, wäre sicherlich auch der falsche Ansatz für den eigenen Entscheidungsfindungsprozess. Schließlich sollte nicht der Gruppenzwang bzw. eine uneigenständige Orientierung am Verhalten der Kommilitonen im Mittelpunkt des Entscheidungsprozesses stehen, sondern die eigene Meinung ebenso wie der eigene Eindruck.

Auch wenn die Angebote der universitär organisierten Repetitorien von Fakultät zu Fakultät variieren, lässt sich feststellen, dass jeder, der sowohl Interesse an einer intensiven persönlichen Betreuung als auch an der Arbeit in Kleingruppen hat und gleichzeitig jede Menge Geld sparen möchte (was bei dieser Entscheidung allerdings nicht unbedingt im Vordergrund stehen sollte) einen Blick auf das universitäre Repetitorium werfen sollte. Am besten, man vereinbart einen Termin bei der zuständigen Beratungsstelle an seiner juristischen Fakultät und besucht Veranstaltungen probeweise, um sich einen Eindruck von den Lehrkräften und den dortigen Abläufen zu machen.

 

"Mein Tag in der Jura-Bib" - Aus dem Leben eines Jurastudenten

 

3. Die selbstständige Vorbereitung

Natürlich bleibt jedem Examenskandidaten auch die Möglichkeit, sich unabhängig von Kurszeiten und erheblichem Kostenaufwand absolut autonom vorzubereiten. Zwar behält man bei dieser Art der Examensvorbereitung die Hoheit über die eigene Zeit- und Arbeitseinteilung, jedoch geht damit auch eine Menge an zusätzlichem Aufwand und besonderer Verantwortung einher. Maßgeblich erhöht sich beispielsweise der individuelle Organisationsaufwand: Der Lernplan muss selbst zusammengestellt werden, alle Unterlagen, Lehrbücher und Skripte müssen selbstständig zusammengetragen werden und auch die tägliche Lernroutine - ohne vorgegebene Termine - gilt es selbst zu managen.

Das erfordert regelmäßig ein besonders hohes Maß an Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen. Da die 12- bis 18-monatige Vorbereitungsphase auf die erste juristische Prüfung keine Zeit für Experimente sein sollte, kann diese Art der Examensvorbereitung nur denjenigen Studierenden nahegelegt werden, die sich auf diese Weise bereits während ihres Studiums (erfolgreich) organisiert haben und gewiss keine Zweifel daran hegen, dass sie dies auch in dieser entscheidende Zeit ihres Studiums können.

 

Die Frage, ob ein privater Repetitor für eine „perfekte“ Examensvorbereitung wirklich notwendig ist, lässt sich gewiss nicht pauschal beantworten. Für jede Vorbereitungsart lassen sich diverse Vor- und Nachteile finden – je nachdem, welche persönlichen Vorstellungen und Fähigkeiten man mitbringt. Daher muss jeder für sich individuell die richtige Entscheidung treffen – auf jeden Fall sollte man aber darauf achten, den eigenen Entscheidungsprozess „clean“ zu halten, sich also nicht von Gruppenzwängen leiten zu lassen. Des Weiteren ist es bedeutsam, sich ausführlich zu informieren, Beratungsangebote zu nutzen und verschiedene Veranstaltungen probeweise zu besuchen. Natürlich gehört auch der Austausch mit Kommilitonen und älteren Studierenden bzw. Absolventen zu einem ausgewogenen Entscheidungsprozess mit dazu – die eigene Wahrnehmung und Meinung sollten aber letztlich an erster Stelle stehen. Abgesehen davon darf auch nicht übersehen werden, dass jeder – unabhängig von seiner konkreten Entscheidung - während der Vorbereitungszeit hart und oft auch alleine arbeiten muss, um seine Ziele zu erreichen und das Studium der Rechtswissenschaften eines Tages erfolgreich abzuschließen zu können. Denn ohne hohen Arbeitsaufwand, Eigeninitiative und Durchhaltevermögen hilft auch der beste (private) Repetitor nichts.

 


Das könnte dich auch interessieren:

 

Über den Autor

Julian Wagner

studiert im 7. Semester Jura in Würzburg und ist seit Dezember 2017 als Autor für TalentRocket tätig. Nebenbei schreibt er auch für seinen Blog „Studi-Tipps: Jura“

Juristische Arbeitgeber, Jobs oder Events. Exklusiv für Mitglieder!

Mit der 1-Klick Bewerbung kannst du dich in Sekundenschnelle bei den Arbeitgebern bewerben.

Hat dir der Artikel gefallen? Feedback geben


Talente haben sich auch diese Artikel durchgelesen:

Studium & Co.

Was kostet ein Jurastudium?

Das sind die größten Kostenfaktoren

Studium & Co.

Global Flows: Ein Phänomen mit Wachstumspotential?

Welche Länder bei Jurastudenten am beliebtesten sind

Studium & Co.

Demokratie in Gefahr?

Der 6. EBS Law Congress diskutiert über die Bedeutung der Staatsform für Politik und Wirtschaft