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Suche nach sexuellen Kontakten, Durchschnitt, Querulant? - Das bedeutet dein Arbeitszeugnis wirklich!

Bewerbung & Lebenslauf

Suche nach sexuellen Kontakten, Durchschnitt, Querulant? - Das bedeutet dein Arbeitszeugnis wirklich!

Wenn positiv nicht gleich positiv ist

#Praktikum

Das Arbeitszeugnis ist seit jeher ein Streitpunkt. Die eingebrachte Arbeit, der persönliche Einsatz und die Qualifikationen werden auf wenige Seiten reduziert. Floskeln, die nicht bedeuten, was sie sagen, gibt es viele. Einige sind bereits bekannt, doch immer wieder finden sich neue Formulierungen, die anderes aussagen als der erste Blick vermuten lässt.

Grundsätzlich ist die Rechtslage so, dass jeder Arbeitnehmer in Deutschland einen Anspruch auf ein wahres, sowie wohlwollendes Arbeitszeugnis hat. Wohlwollend bedeutet in diesem Fall, dass sich das Zeugnis hauptsächlich auf die Stärken eines Arbeitnehmers konzentrieren soll und bei einmaligen, nicht gravierenden Fehlleistungen eine Nennung im Arbeitszeugnis zu entfallen hat. Diese Regelung hat dazu geführt, dass es zu einer Art „Codierung im Positiven“ bei Arbeitszeugnissen kommt. Sprich: der Grundton ist durchweg positiv und die Bewertung findet hauptsächlich durch Adverbien statt. Beispielsweise ist „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ besser als „zu unserer vollen Zufriedenheit“.

 

„Zu unserer Zufriedenheit“

Das ist so ein Beispiel: Klingt gut, meint es aber nicht gut mit dem Bewerteten. Denn zu unserer Zufriedenheit ist bestenfalls durchschnittlich, sogar eher weniger. Es gibt aber auch Floskeln, die man nicht so leicht am Fehlen einer Steigerung bzw. von Adverbien erkennen kann. So verhält es sich zum Beispiel mit

 

„in der ihm eigenen Weise“

Das bedeutet nicht etwa, dass sich der Bewertete mit seiner eigenen Weise positiv hervorgetan hätte oder vielleicht sogar eigene Lösungswege beschritten hätte, sondern vielmehr, dass es sich bei ihm um einen Querulanten handelt, der nicht bereit war, sich den Arbeitsweisen des Unternehmens anzupassen. Hinter ganz allgemein gehaltenen Sätzen können sich sogar sehr prekäre Informationen verstecken, über die ein Arbeitgeber ganz sicher nicht zu informieren hat. So verhält es sich beispielsweise bei diesem Zitat:

 

„Für die Belange der Belegschaft hat er stets Einfühlungsvermögen besessen“

Klingt ziemlich nett, meint aber, dass ein Arbeitnehmer sexuelle Kontakte im Arbeitsumfeld gesucht hat. Weniger nett. 

 

 

So gibt es noch weitere Formulierungen, deren Bedeutung eher negativ ist:

  • „Er hat seine Aufgaben ordnungsgemäß erledigt“ - Keine Initiative
  • „Ihm wurde die Gelegenheit zur Fortbildung geboten“ - Aber er hat sie nicht genutzt
  • „Verfügte über die erforderlichen Fachkenntnisse“ - Konnte diese jedoch nicht ausüben
  • „anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter“ - Eigensüchtig und nörgelt viel

                                

„Glänzte durch seine Pünktlichkeit“

Ebenfalls angewandt wird das Überbetonen von Selbstverständlichkeiten. Wer durch seine Pünktlichkeit glänzt, der kann sonst nicht besonders positiv auffallen, denkt sich hier der böse Personaler und leider hat er Recht, denn so ist diese Floskel zu verstehen. 

 

Im Falle einer Beschwerde

Das Arbeitszeugnis sollte also als ganzes gelesen werden und so kritisch hinterfragt werden. Positiv anzuerkennen ist, dass Unternehmen in der Regel gute Arbeitszeugnisse ausstellen, um so Streitigkeiten und eventuellen Prozesskosten aus dem Weg zu gehen. Sollte einem das Arbeitszeugnis dennoch übel aufstoßen und auch Versuche, den Arbeitgeber zum Nachbessern zu bewegen, scheitern, bleibt nur noch der Schritt, vor ein Arbeitsgericht zu ziehen. Hier verhält sich die Beweislage jedoch ein wenig anders als in anderen Verfahren. Die Beweislast trifft immer denjenigen, der vom durchschnittlichen abweichen möchte. Sprich: ein Arbeitnehmer, der überdurchschnittliche Leistungen attestiert bekommen möchte, muss nachweisen, dass er diese auch erbracht hat, was sich in der Praxis häufig als schwierig erweist. Der Arbeitgeber hingegen muss schlechtere als durchschnittliche Bewertungen begründen und nachweisen. Eine Klage ist daher nur in Extremfällen ratsam, da es schwierig ist, Richter zu überzeugen, eine überdurchschnittliche Bewertung zu fordern und in den Bewertungsspielraum des Unternehmens einzugreifen.

 

Enden soll dieser Beitrag mit folgender Schlussformel: „Wir wünschen XY alles Gute und vor allem Gesundheit“ Wie nett vom Arbeitgeber, oder? Wie nett, dass er dem potentiellen nächsten Arbeitgeber mitteilt, dass der Arbeitnehmer öfter krankgeschrieben war und ein kontaktfreudiger Mensch ist!

 

08. Februar 2016

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