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Lifestyle & Fun Facts Jura

"Typisch Jurist!" - Eine Welt voller Klischees.

Welches Bild haben unsere Mitmenschen von uns?

 #Interview  #Studium  #Fun
 

Es gibt viele Klischees zum Jurist bzw. zum Jurastudenten. Sei es die Art des Kleidens, das Auftreten mitsamt den großen Reden und dem ständigen Recht haben, die damit verbundene (vermeintliche) Allwissenheit sowie der Hang zur Schöpfung neuer Wörter.

Doch was stimmt an diesen Klischees und Stereotypen? Zeigen sich Juristen und Jurastudenten tatsächlich eher unangenehm, von oben herab, rechthaberisch, arrogant, eben einfach anders als der Nicht-Jurist? Ich (selbst Juraabsolvent ;)) bin diesen Fragen nachgegangen und habe mich dazu bei verschiedenen Nicht-Juristen über deren Bild zum Juristen/ zur Juristin informiert:

 

Steffi G. (31), Diplom-Sozialarbeiterin/-pädagogin:

Ich bin mir nicht sicher, ob meine Eindrücke tatsächlich auf die Allgemeinheit zutreffen, aber die wenigen Juristen, die ich näher kennen lernen durfte, sind eher extravagante und eigensinnige Persönlichkeiten, mit einem hohen Selbstanspruch, Zielstrebigkeit und einem pedantischen Regel- und Moraldenken, das durchaus etwas steif, stur und lehrbuchmäßig daherkommen kann. Dennoch beeindruckt die Gewissenhaftigkeit dieser Juristen, ebenso wie deren Großzügigkeit.

Daneben wirken sie charmant, exzentrisch, gewinnend, frivol, neugierig, kreativ, wissbegierig und intelligent. Ihre Ansichten und Werte vertreten sie diplomatisch bestimmt. Sie lieben sozusagen die Ordnung und sind doch außerordentlich. Sie erinnern mich immer etwas an Dr. Jekyll and Mr. Hyde aus “Strange Case”.

 

Pyman A. (24), Bachelor Ingenieur:

Die typischen Jurastudenten sind für mich Kinder von Anwälten. Sie haben einen Haufen Kohle und zeigen das auch gerne. (grinst) Deshalb erkennt man sie auch direkt an den Ralph Lauren Hemden und der Ralph Lauren Hornbrille. (lacht) Viele denken außerdem, sie seien Michael Ross aus der Serie ‚Suits‘.“

 

Christopher L. (32), Master of Science (Elektrotechnik) und Promovend:

Juristen oder Jurastudenten. Typisches Klischee ist, dass sie immer sehr gepflegt auftreten und Anzüge tragen. Sie reden immer sehr geschwollen und meist um den heißen Brei herum. Verstehen tut man sie meist nie, weil sie eine ganz andere Sprache sprechen. Auch die Vergütungen, welche Juristen für eine einfache Beratung verlangen, sind in den Augen vieler nicht gerecht. Fragt man zwei Juristen nach ihrer Meinung bekommt man drei verschiedene Antworten und ist wieder am Anfang. (grinst)

Jurastudenten lernen fast alles auswendig und müssen eigentlich nur schauen wann sie wo was anwenden können. Wie man sieht, fallen einem eigentlich nur negative Dinge bezüglich Juristen ein... jedoch relativiert sich das, wenn man Juristen im engsten Freundeskreis hat. Dann widerlegen sich die meisten Vorurteile ganz schnell. Ich persönlich finde Juristen clever, intelligent, hilfsbereit und freundlich aber auch sehr gerissen - insbesondere dann, wenn Sie einem helfen ohne dafür bezahlt zu werden. Sie schöpfen jegliche Gesetzeslage und den Paragraphendschungel aus, um ihre Mandantschaft zufrieden zu stellen :).

 

Steffen R. (26), angehender Master of Science (in Informatik), aktuell Bachelor of Science:

Juristen sind oft sehr gut im Auswendiglernen sowie auch gerne ein wenig pedantisch unterwegs – beides aber hervorragende Eigenschaften für Jura.

Jurastudenten haben den Ruf – wie auch BWL Studenten – aus „besseren Elternhäusern” zu stammen und entsprechend verwöhnt zu sein.

Juristen verklagen gerne andere Menschen, und gehen damit vielen Nicht-Juristen auch gerne auf die Nerven, insbesondere weil die sich dann auch einen Juristen nehmen dürfen. Je nachdem, ob ein Jurist also für oder gegen einen steht, liebt oder hasst man sie entsprechend. Meistens sind es aber einfach liebe und nette Menschlein. (grinst)

 

 

Hans S. (31), IT-Consultant:

Juristen werden gehasst. Juristen werden gefürchtet. Juristen werden verehrt.

Ich? Ich bemitleide und bewundere euch auch ein wenig.

So – nachdem die ersten nun bereits ihre Klageschrift formulieren, verrate ich euch auch, wieso diese Aussage: Ich vergleiche gerne die Außenwahrnehmung von uns ITlern mit der von euch Juristen im Verhältnis zu unserer Berufsrealität. Und wenn ich sehe, dass wir angeblich im Serverkeller oder abgedunkelten Büro sitzen, nur Energy Drink trinken und nicht mit Menschen können, und mir dann meine Dienstreisenabrechnung anschaue… dann denke ich an euch.

Matlocks sollt ihr sein, die quasi im Alleingang Fälle lösen, oder aber raffgierige Scharlatane, die auf den ausgesuchtesten Galen eingeladen werden und mit der Unterwelt per Du stehen. Und was macht ihr? Zehn Semester in den Bibliotheken ein Urteil und eine Fachliteratur nach der anderen wälzen, Rhetorikseminare, büffeln, büffeln, büffeln. Und wozu das Ganze? Um am Ende in einer der großen Steuerkanzleien im Kellerbüro zu hocken, Energy Drinks intravenös zu verzehren und Server zu repa… ääääh, Gerichtsakten zu wälzen und zu sortieren.

Ja, ich bemitleide euch. Aber soll ich euch etwas verraten? Ich bewundere euch auch ein wenig. Euch ist die Realität bewusst und trotzdem setzt ihr euch, wenn ihr das hier gelesen habt, wieder auf den Hintern, schlagt das BGB auf und büffelt Kommentare dazu. Weil ihr an etwas glaubt, weil ihr Teil eines Systems sein wollt, das für Ordnung in unserer chaotischen Welt sorgt, weil ihr wisst, dass ihr die Gesellschaft vor Kriminellen beschützen und Unschuldigen helfen könnt, frei zu kommen.

Weil ihr etwas Wichtiges tut. Weil ihr zählt. Und weil ihr, gerade in Zeiten wie den aktuellen, wo das System Rechtsstaat immer wieder lautstark verteufelt und nach der Lynchjustiz gerufen wird, standhaft bleibt und ein bisschen was für eine gerechtere Welt tut – egal, ob Recht und Gerechtigkeit nun immer das Gleiche sind.

Danke dafür – und jetzt ab an die Bücher!

 

Alexandra S. (29), Abitur und anschließende Ausbildung zur Hörgeräteakustikerin:

Juristen sind Streber, denn man braucht einen guten Abschluss um Jura studieren zu können. Es sind privilegierte(re) Menschen, da die meisten jemanden in der Familie haben, der ebenfalls Jura und/oder anderes studiert hat oder „big im Business“ ist.

Juristen sind detailversessen und penibel. Sie wollen eher Geld machen und weniger für die Gerechtigkeit „kämpfen“.
Dennoch bin ich neidisch, denn auch wenn viele Vorstellungen vom typischen Juristen eher negativ belegt sind und sowieso jeder mit Vorurteilen ausgesetzt ist, so hat ein Anwalt wenigstens das Geld um darüber hinweg zu kommen ;).

 

Markus Z. (39), Realschulabschluss und anschließende Ausbildung zum Bürokaufmann

Meine Meinung zu Juristen betrifft eher die Praxis im Allgemeinen: Richter sind mit Straftätern viel zu milde. Das ist für die eigentlichen Opfer eine Demütigung, ein Schlag ins Gesicht. Sie müssen ihr ganzes Leben mit dem Erlebnis der Straftat klar kommen. Die milde Rechtsprechung hat außerdem folgende Message: „Mach es ruhig noch einmal, passiert ja nichts Schlimmes.“

Wofür haben wir Höchststrafen, wenn diese noch nicht mal zur Hälfte der Maximaldauer ausgesprochen werden? Sind unsere Gesetze überhaupt noch aktuell? Müssten sie in vielen Fällen nicht angepasst bzw. vor allem deren Lücken geschlossen werden? Ich wäre als Jurist sehr frustriert von der täglichen Praxis und verstehe nicht, wieso keine Änderung eintritt. Jeder Jurist hat doch die Möglichkeit etwas Einfluss auszuüben und die Missstände auszumerzen.

 

Das Bild des Juristen bzw. des Jurastudenten ist bei Manchen in der Tat eher durchwachsen. Bestehend aus verschiedenen Vorurteilen, Klischees und Stereotypen, ist dieser erste Eindruck außerdem gepaart mit Enttäuschungen in der juristischen Praxis. Juristen werden allerdings auch für Ihre Strebsamkeit, das anstrengende und oft trockene Jurastudium und ihre Ausdauer bewundert. Außerdem sind einige der eher „negativen Eigenschaften“ im Grunde eigentlich ja positiv, etwa Wissbegierde und Detailversessenheit etc.. Lernt man einen Juristen dann persönlich kennen, ändert sich dieses Bild oft schnell zu einem Positiven. Oft sind es einfach ganz normale, umgängliche Menschen. Darüber hinaus ist jedem im Wesentlichen die Notwendigkeit der juristischen Tätigkeit bewusst, wenngleich Uneinigkeit hinsichtlich der Umsetzung besteht.

Zuletzt sei noch gesagt, so wie wohl jeder Student mit den Kischees seines Studienfaches kämpfen muss, wie bspw."Maschinenbauer tragen immer Karohemden" oder "Sozialpädagogen haben Rastas und tanzen ihren Namen" ;), sollte man Stereotypen-Denken immer humorvoll betrachten und nicht persönlich nehmen.
 

Auch interessant:

5 Irrtümer über das Jurastudium - Es lebe das Klischee!

Das Jurastudium – Erwartungen vs. Realität​

Nische Medizinstrafrecht!

 

14. Dezember 2016


Sebastian M. Klingenberg

Autor:

Sebastian M. Klingenberg

hat an der JGU in Mainz Jura studiert, wo er derzeit auch promoviert (Jugend-/Strafrecht & Kriminologie). Nebenbei schreibt er freiberuflich diverse Artikel, die auch auf seinem Blog zu finden sind.

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