Steuerberater in seinem Büro

Verfasst von Laura Hörner|Veröffentlicht am 02.03.2026

Steuerberater werden als Jurist:in

Weiterbildung, Kosten, Voraussetzungen & Co.

Volljuristen können durch das Steuerberaterexamen eine wertvolle Doppelqualifikation erwerben. Voraussetzung ist eine zweijährige praktische Tätigkeit im Steuerwesen nach dem zweiten Staatsexamen. Das Prüfungsverfahren umfasst drei sechsstündige Klausuren und einen mündlichen Teil; die Durchfallquote liegt bei rund 50 %. Die Vorbereitungskosten belaufen sich auf bis zu 10.000 Euro. Beruflich ermöglicht der Titel den Zugang zu spezialisierten Feldern wie Steuerstrafrecht, M&A oder Compliance. Das Einstiegsgehalt kann bis zu 105.000 Euro betragen.

Als Jurist:in Steuerberater:in werden: Diese Voraussetzungen musst du erfüllen

Die Grundvoraussetzung für die Zulassung zur Steuerberaterprüfung ist eine abgeschlossene Ausbildung plus ausreichend steuerbezogene Praxiserfahrung. Mit einem Jurastudium hast du also schon einmal die erste Voraussetzung für die Prüfung erfüllt. Wie viel Praxiserfahrung du vorweisen musst, hängt von der Dauer deiner Ausbildung aus. Bei einer Regelstudienzeit von weniger als acht Semestern (zum Beispiel ein LL.B) werden drei Jahre Berufserfahrung benötigt. Bei mehr als acht Jahren Regelstudienzeit (zum Beispiel ein klassisches Jurastudium oder Bachelor plus Master) reichen zwei Jahre Berufserfahrung aus. Diese muss mindestens 16 Wochenstunden betragen und entweder die Beschäftigung mit deutschen Steuern oder die Einrichtung und Kontrolle der Buchhaltung beinhalten. Es ist nicht notwendig, dass du die Berufserfahrung am Stück absolviert hast!

Die formellen Bedingungen sind eine Sache – natürlich solltest du aber auch andere Voraussetzungen mitbringen, um in diesem Job arbeiten zu können. Wenn du bereits den Wunsch hast, Steuerberater:in zu werden, dann ist das wahrscheinlich schon der Fall. So solltest du einerseits gut mit Zahlen umgehen können und auch Spaß daran haben, jeden Tag mit einer Menge an Daten umzugehen. Andererseits solltest du ein gutes wirtschaftliches Verständnis haben, um deine Mandanten angemessen beraten zu können. Auch das Steuerrecht sollte dir als Jurist:in sicher nicht im Weg stehen. In deinem Studium hast du gelernt oder wirst du noch lernen, dass es bei Jura auf die kleinsten Details ankommen kann. Genauso verhält es sich bei den Steuern: Du solltest also gründlich und konzentriert arbeiten können und keine Fehler machen. Zu guter Letzt muss dein Auftritt nach außen stimmen. Eine gute Kommunikationsfähigkeit, keine Vorstrafen sowie geordnete Vermögensverhältnisse (also keine Insolvenz) gehören zu den Grundvoraussetzungen für Steuerberater:innen.

Die Steuerberaterprüfung: anspruchsvoll mit hoher Durchfallquote

Zwar ist die Prüfung zum Steuerberater vielleicht nicht ganz so schwierig und umfangreich wie das Staatsexamen, dennoch gilt sie als sehr anspruchsvoll – 2024 sind knapp 48% der Prüflinge an der schriftlichen Prüfung gescheitert*. Konkret besteht die Prüfung aus drei Klausuren, für welche du jeweils sechs Stunden Bearbeitungszeit bekommst.

Die schriftliche Prüfung erfolgt dabei heute flächendeckend als E-Examen. Für Jurist:innen, die das Staatsexamen noch klassisch handschriftlich absolviert haben, ist dies eine Umstellung, die sie in der Vorbereitung (z. B. durch digitale Klausurentrainings) gezielt berücksichtigen sollten. Schwerpunkte liegen dabei auf Verfahrensrecht, Bilanzsteuerrecht sowie Ertragsteuerrecht.

Die schriftliche Steuerberater-Prüfung ist jedoch nur die erste Hürde auf dem Weg zu deinem Traumjob: Ist diese erst einmal geschafft, musst du noch die mündliche Prüfung bestehen. Diese dauert rund 90 Minuten und umfasst sechs Prüfungsgebiete. Zudem gehört ein kurzer Vortrag zu einem betriebs- und volkswirtschaftlichen Thema dazu, das du vor dem Beginn der Prüfung erhältst.

Beaufsichtigt und bewertet werden deine Leistungen von einer sechsköpfigen Prüfungskommission, welche für die beiden Prüfungsteile Noten vergibt. Bestanden hast du, wenn du auf einer Skala von 1 bis 6, welche du schon aus der Schule kennst, mindestens eine 4,15 erreichst, wobei die mündliche und schriftliche Prüfung zu gleichen Teilen in die Bewertung einfließen.

Bestehst du die Prüfung nicht, bekommst du zunächst eine zweite Chance. Sogar ein drittes Mal kannst du die Prüfung wiederholen. Wenn es dann aber nicht klappt, ist es endgültig vorbei.

*Quelle: Bundessteuerberaterkammer

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Mit der richtigen Vorbereitung zur Steuerberaterprüfung

Die Prüfung zum Steuerberater geschieht selbstverständlich nicht nebenbei - eine intensive Vorbereitung ist Pflicht. Neben deiner praktischen Erfahrung kannst du das benötigte Wissen am besten mithilfe einer Weiterbildung beziehungsweise im Rahmen eines Lehrgangs erlangen. Dies ist nicht vorgeschrieben, du kannst dir den Stoff theoretisch also auch selbst aneignen. So wie auch schon die Repetitorien im Jurastudium sind entsprechende Lehrgänge allerdings sehr zu empfehlen. Dabei gibt es ein breites Angebot, das sich auch neben deinem Job wahrnehmen lässt. Du kannst zum Beispiel am Wochenende oder am Abend einen Kurs besuchen, auch Fernlehrgänge werden angeboten.

Abhängig davon, wie viel Zeit du pro Woche investieren kannst, unterscheidet sich die Dauer der Weiterbildungen stark. Absolvierst du einen Lehrgang in Vollzeit, kannst du mit rund zwei bis vier Monaten rechnen, Fernlehrgänge können bis zu 12 oder gar 24 Monate dauern. Auch Intensivkurse werden angeboten, diese eignen sich aber nur für dich, wenn du schon sehr viel Vorwissen mitbringst.

Die Weiterbildungsangebote umfassen ein breites Themengebiet, um dich optimal auf die Prüfung vorzubereiten. Nicht jeder Kurs ist gleich, aber in der Regel wirst du alles über das steuerliche Verfahrensrecht und das Steuerstrafrecht lernen, Umsatz-, Körperschaft-, Gewerbe- und Einkommenssteuer stehen auf dem Plan, du bekommst Einblick in das internationale Steuerrecht, aber auch in die Themen Bilanzwesen und Jahresabschluss.
 

Infobox: Qualifizierungswege für Jurist:innen (Stand 2026)

Für die gezielte Vorbereitung auf das Steuerberaterexamen 2026 stehen spezialisierte Programme zur Verfügung:

  • Akademische Masterstudiengänge (z. B. Taxation LL.M.): Berufsbegleitende Studiengänge an Universitäten wie Münster oder Freiburg verknüpfen steuerrechtliche Theorie mit der praktischen Examensvorbereitung.
  • Vorbereitungslehrgänge (z. B. Lehrgangswerk Haas): Diese bieten intensive Vollzeit- oder Samstagslehrgänge an, die speziell auf die Systematik der drei sechsstündigen Steuerberater-Klausuren ausgerichtet sind.
  • Klausurentraining (z. B. KNOLL Steuerrechtsschule): Fern- oder Präsenzkurse, die auf das Training der Klausurtechnik und das Zeitmanagement unter Realbedingungen spezialisiert sind.
  • Digitale Lernformate (z. B. examio): Flexible Online-Repetitorien, die insbesondere für Jurist:innen in Vollzeitbeschäftigung eine ortsunabhängige Vorbereitung ermöglichen.

Hinweis: Die Vorbereitungskosten betragen im Schnitt bis zu 10.000 Euro.

Die Prüfung zum Steuerberater geschieht selbstverständlich nicht nebenbei - eine intensive Vorbereitung ist Pflicht.

Kosten & Verdienst: Lohnt sich die Weiterbildung für Juristen?

Da es sehr viele unterschiedliche Kursangebote für angehende Steuerberater:innen gibt, variieren die Kosten auch dementsprechend. So kannst du Fernlehrgänge bereits ab 800 Euro finden, möchtest du einen Vollzeitkurs besuchen, kannst du mit bis zu 5.000 € rechnen. Dazu kommen Prüfungsgebühren von rund 1.000 € sowie Zulassungsgebühren von etwa 200 €. Miteinbeziehen in deine Kalkulation solltest du auch Fachliteratur, die dich bis zu 500 € kosten kann. Ein möglicher unbezahlter Arbeitsausfall in Verbindung mit deiner Vorbereitung ist schließlich ebenfalls mit Kosten verbunden.

Für Volljurist:innen, die den Steuerberatertitel erwerben, hat sich das Gehaltsgefüge deutlich nach oben verschoben. In spezialisierten Kanzleien und Steuerberatungsgesellschaften liegen die Einstiegsgehälter für Doppelqualifizierte im Jahr 2026 eher im Bereich von 85.000 bis 105.000 Euro. Erfahrene Juristen mit Senior-Status können durch den Titel oft einen Gehaltssprung von 15–20 % realisieren.
 

Die Prüfung zum Steuerberater ist nicht zu unterschätzen und zukünftige Steuerberater:innen sollten entsprechend in eine gute Vorbereitung investieren. Wer gut mit Zahlen umgehen kann, gerne gründlich arbeitet und ein gutes betriebswissenschaftliches Verständnis mitbringt, auf den wartet in diesem Berufsfeld auch aus finanzieller Sicht eine interessante Karriere. Ob du als Steuerberater:in mehr oder weniger verdienst als Jurist:in, lässt sich pauschal nicht beantworten. Mit beiden Berufen hast du aber gute Zukunftsaussichten. Letztendlich solltest du dich für den Job entscheiden, für den du am meisten Leidenschaft mitbringst.

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Laura Hörner
Kulturwirtschaft Uni Passau

Als freie Autorin schreibt Laura Hörner bei TalentRocket über Themen rund um die juristische Karriere. Besonders interessiert sie sich dabei für die vielfältigen Karrierewege, die Jurist:innen offenstehen.