Mysterium Jura Bachelor!

Juristischer Abschluss ohne die Hölle der beiden Examina? Jobperspektiven und Einstiegsgehälter - Wir klären auf!


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 09.03.2018

 

Für viele Jurastudenten ist und bleibt der Bachelor of Laws ein Mysterium. Auf der einen Seite verspricht er das, was spätestens in der Vorbereitung auf das Examen mehr als verlockend klingt: Einen juristischen Abschluss ohne die Hölle der beiden Examina. Auf der anderen Seite sind die Möglichkeiten, die er bietet, vielen Studenten nicht ganz so klar. Weiterhin erscheinen auch die Konstellationen der verschiedenen Bachelor und Masterabschlüsse unterschiedlich zu sein und es wird nicht ganz deutlich, in welche Richtung ein Studiengang eigentlich führen soll. Schließlich stellt sich auch die nie irrelevant werdende Frage nach der Jobperspektive und den Einstiegsgehältern.

 

Grund genug für uns, noch einmal genauer auf den Bachelor und seine Konstellationen zu schauen!

Klar ist von Anfang an, dass die klassischen juristischen Berufe nur den Kandidaten offen stehen, die zwei bestandene Staatsexamina vorweisen können.

Das bedeutet, dass nur Volljuristen Richter, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt werden können. An dieser Tatsache gibt es auch nichts zu rütteln, denn auch Quereinsteiger müssen in Deutschland die Examina nachholen.

 

LL.B. - Abschluss aber auch Zwischenstation

Der Bachelor of Laws ist einerseits ein in Deutschland und auch im Ausland anerkannter Studienabschluss, der zu Jobs befähigt, die juristisch geprägt sind, deren Berufsbild aber nicht den vorher genannten Berufen entspricht. Wer einen Jura Bachelor hat, kann zum Beispiel in Rechtsabteilungen von Unternehmen, in Wirtschafts- und Steuerprüfungsgesellschaften aber auch in der Verwaltung arbeiten. Einige Kanzleien stellen ebenfalls Bewerber mit Bachelor- oder Masterabschluss ein, wenn sie diese für die Arbeit abseits von Gerichtsverfahren gebrauchen können.

Zudem kann ein Jura Bachelor eine absichernde Funktion als Zwischenstation darstellen. Das große Risiko des klassischen Weges über die Staatsexamen ist, dass man nach langem Studium, vielen Kosten und womöglich noch einem privaten Repetitorium zwei Mal durch die Examensprüfung fällt und mit leeren Händen da steht. Dieses Risiko kann abgemildert werden, wenn dann bereits ein Bachelor erworben wurde. Zudem hat man mit einem Bachelor jedenfalls die Möglichkeit, zwischenzeitlich zu arbeiten und das weitere Studium zum Beispiel berufsbegleitend zu bestreiten. Ob dies praktisch gut umsetzbar und sinnvoll ist, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Zudem steht es natürlich jedem Bachelorabsolventen offen, sich in einem Master weiter zu spezialisieren und so das eigene Profil für den Arbeitsmarkt zu schärfen.
 

Großkanzlei
Greenberg Traurig Germany, LLP

Greenberg Traurig Germany, LLP


Erfahre mehr über diesen Arbeitgeber und finde heraus, was ihn ausmacht.

 

Wie sind Jura Bachelor- und Masterstudiengänge aufgebaut?

Zunächst einmal ist Bachelor of Laws nicht gleich ein Bachelor of Laws.

Klingt merkwürdig, ist es aber bei genauerer Betrachtung gar nicht. Es gibt verschiedene Ausgestaltungen der Studiengänge. So bieten einige Universitäten und Fachhochschulen zum Beispiel den „reinen“ Bachelor of Law an, ohne dass er irgendwelche Spezialisierungen ausweisen würde. Dies ist häufig dann üblich, wenn die Studierenden des klassischen Jurastudiums während ihres Studiums bereits den Bachelor of Law absolvieren oder ihnen diese Möglichkeit zumindest angeboten wird. Der Bachelor of Laws ist dann faktisch eine abgespeckte Variante des Volljuristen, der in allen drei Rechtsgebieten, also Straf-, Zivil- und dem öffentlichen Recht, ausgebildet wird.

Dem gegenüber stehen Studiengänge, die bereits eine bestimmte Ausrichtung haben. Die häufigste Ausprägung dieser Art ist der Bachelor of Law in Wirtschaftsrecht. Das liegt in erster Linie daran, dass gerade im Wirtschaftsrecht ein recht hoher Bedarf an praxisnahen und vor allem auch betriebswirtschaftlich geschulten Personal besteht. Diese Studiengänge sind zwar ebenfalls nicht alle gleich, kombinieren in der Regel allerdings vor allem zivilrechtliche und verwaltungsrechtliche Inhalte mit betriebswirtschaftlichen Fächern. Hinzu kommt ein höherer Praxisbezug, der häufig durch Praxissemester oder zumindest häufigere längere Praktika hergestellt wird. Im Bereich des Wirtschaftsrechts gibt es dann weitere Vertiefungen, die entweder bereits im Bachelor gewählt werden können oder aber später im Masterstudium. Typischerweise sind hier Verflechtungen mit dem Steuerrecht oder aber mit dem Wirtschaftsverwaltungsrecht gegeben.

Eine dritte Kategorie sind Bachelor of Laws Studiengänge, die sich abseits des klassischen Wirtschaftsrechts befinden und zum Beispiel in Kombination mit SprachenPsychologie oder Politikwissenschaften angeboten werden. Je nach Schwerpunkt werden hier andere Berufsfelder angesteuert oder der juristische Teil dient eher zur Vertiefung des anderen Studienfachs, als dass er in erster Linie auf einen juristischen Abschluss ausgerichtet ist.

 

Zwischenfazit zum Jura Bachelor- und Mastersystem

Nach der für einige sicherlich traurigen Feststellung, dass abseits des Staatsexamens kein Weg in Richterwürden und Co. führt, lässt sich feststellen, dass die Bachelor- und Masterstudiengänge durchaus ihren Reiz haben. Hoher Praxisbezug und eine schnelle Ausbildungszeit sind in der Wirtschaft gefragt und in einigen Berufen, die durchaus juristische Schwerpunkte haben, ist ein Studium mit zwei Examen nicht nötig. So hat der Bachelor of Laws durchaus seine Berechtigung. Vor allem hat man die Möglichkeit, bei Interesse später ein Staatsexamen noch oben drauf zu setzen. Die Anrechnung von Studieninhalten hängt dabei natürlich von der Universität und den belegten Fächern ab. Sie verbessert sich jedoch immer weiter und sollte in der Regel keine größeren Probleme darstellen.

Dass der Bachelor und auch der Master nicht direkt zur Examenszulassung führen, sollte dabei jedoch klargestellt sein.

 

Anerkennung und Jobaussichten LL.B. oder LL.M.

Eine der wichtigsten Frage für Interessenten an einem Bachelorstudiengang ist natürlich dessen Perspektive. Zunächst ist festzustellen, dass sowohl der Bachelor als auch der Master of Laws den Personalabteilungen von Unternehmen und Kanzleien mittlerweile größtenteils bekannt ist. Vor einigen Jahren war das noch nicht so und auch heute noch kann es natürlich in kleineren Unternehmen oder Kanzleien vorkommen, dass doch einmal kritisch nachgefragt wird, was der Abschluss denn überhaupt sei. Eine kurze Recherche reicht aber mittlerweile um genug Informationen zu bekommen und auch gewichtige Argumente zu finden, warum ein Bachelor bzw. Master of Laws eben alles andere als wertlos ist.

Nichtsdestotrotz ist der gängigste Weg in juristische Berufe noch immer der über die beiden Staatsexamen. Das beweisen sowohl die Studierendenzahlen, als auch ein Blick in die Profile von Angestellten im juristischen Bereich. Genauso richtig ist aber auch die Erkenntnis, dass der Anteil von nicht examinierten Juristen konstant ansteigt. Bewerberprofile, bei denen sich ein roter Faden durch den Lebenslauf zieht und die ihr Bachelorstudium mit sinnvollen Praktika ergänzt haben oder andere Erfahrungen und Qualifikationen aufweisen können, haben auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen. Nur im direkten Vergleich zum Volljuristen haben sie es schwerer. Ist zum Beispiel in einer Großkanzlei eine Stelle zu besetzen, für die eine Zulassung als Anwalt grundsätzlich gar nicht nötig wäre, hat in der Regel immer noch der Volljurist die Nase vorn. In Unternehmen oder in der Verwaltung hingegen muss das nicht immer der Fall sein.

Hier geht es zu den Praktikumsstellen

Insgesamt lässt sich also problemlos sagen, dass sowohl der Jura Bachelor als auch der Master of Laws mittlerweile Anerkennung genießen und den Personalern in aller Regel nicht nur ein Begriff, sondern auch eine echte Alternative geworden ist.

 

Wie stellen sich die Einstiegsgehälter dar?

Diese Frage pauschal zu beantworten erscheint unmöglich. Fakt ist, dass die öffentlich publizierten und verhältnismäßig starren Einstiegsgehälter von Großkanzleien und Großunternehmen in aller Regel nur für Volljuristen gelten. Soll heißen:

die spitzen Einstiegsgehälter sind Bachelor- und Master Absolventen in aller Regel vorenthalten.

Was das Einstiegsgehalt angeht, variieren die Angaben stark. So gibt die Plattform gehaltsvergleich.com beispielsweise eine Spanne von rund 2.500 bis 5.600 Euro brutto Monatsgehalt an. Durchschnittlich lassen sich Einstiegsgehälter von rund 40.000 Euro Brutto im Jahr finden.

Die Höhe des Verdienstes hängt dabei neben den Qualifikationen eines Bewerbers vor allem von der Größe des Unternehmens und der Branche ab. Beim Staat ist die übliche Besoldungsgruppe bei Einstellung A9, was rund 2.600 Euro brutto im Monat bedeutet. Ein Aufstieg bis in die Besoldungsgruppe A13 (rund 4000 € brutto) ist möglich.

 

Fest steht, der Weg über den Bachelor und den Master of Laws ist nach wie vor der Alternativweg in juristisch geprägte Berufe. Das muss allerdings nichts schlechtes bedeuten. Wem Praxisbezug und die Verknüpfung mit anderen Berufsbildern gefallen, zudem auf einen schnellen Arbeitseinstieg aus ist und bereit ist, auch neben dem Studium an dem eigenen Profil zu feilen, der sollte auch mit diesem Karriereweg erfolgreich sein und sein Glück finden können.

 

Leser interessierte auch:

 

Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

Juristische Arbeitgeber, Jobs oder Events. Exklusiv für Mitglieder!

Mit der 1-Klick Bewerbung kannst du dich in sekundenschnelle bei den Arbeitgebern bewerben.

Jetzt registrieren


Talente haben sich auch diese Artikel durchgelesen:

Fachbereiche & Karrierewege

Was haben Amal Clooney, Emma Watson und Stephen Hawking gemeinsam?

Mehr als man denkt...

Fachbereiche & Karrierewege

"Wer sich Fachanwalt nennen möchte, muss lebenslänglich lernen!"

Wann sollte mit der Ausbildung zum Fachanwalt begonnen werden?

Fachbereiche & Karrierewege

"Der richtige Weg ist oft nicht der des geringsten Widerstandes!"

Über ein “drittes Examen”, die hemmende Wirkung durch das Fehlen von Vorbildern und “Mama-Land”

Über 21.500 Talente nutzen bereits TalentRocket. Beobachte Jobs, entdecke spannende Arbeitgeber und bewirb dich mit deinem persönlichen Profil.

Kostenlos Registrieren