Interview Referatsleiterin

Annika Deitmer

Querschnittsabteilung

Das steht auf meiner Visitenkarte:

Leiterin des Aus- und Fortbildungsreferats
Stellvertretende Abteilungsleiterin der Querschnittsabteilung


Seit wann sind Sie beim BZSt und wie sind Sie zum BZSt gekommen?

Noch im Referendariat im Jahr 2006 war ich bei einer Großkanzlei tätig und dort auf der Suche nach Informationen zur Kapitalertragsteuerentlastung. Auf der Homepage des BZSt habe ich nicht nur dazu Informationen gefunden, sondern auch eine Stellenausschreibung für Referenten/Referentinnen bei den Verständigungsverfahren, Schiedsverfahren und Advance Pricing Agreements. Diese Aufgabe war wie für mich geschaffen! Internationales Arbeiten hatte ich am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen bei Prof. Schön in München und im Konsulat in New York kennen und lieben gelernt. Wissenschaftlich hatte ich mich gerade intensiv mit dem Thema Verrechnungspreise beschäftigt. Da passte also alles – perfekt!
Da das BZSt neben diesen inhaltlich interessanten Aufgaben auch noch die Verbeamtung mit Sicherheit und Familienfreundlichkeit sowie das Arbeiten in verantwortungsvoller Führungskraftrolle bot, hatte ich meinen Job gefunden. Das ist er auch heute noch, auch wenn ich nicht mehr international arbeite. Die Arbeit mit Menschen als Führungskraft mit täglich neuen Herausforderungen ist mein Ding. Daneben haben meine Vorgesetzten mir immer ermöglicht, mich mit meinen Ideen einzubringen. Zu sehen, dass man etwas bewirkt und Ideen wie z.B. bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten umgesetzt werden, erfüllt mich, auch mit Stolz.


Was ist das Besondere am BZSt?

Sie arbeiten auf der Seite, die an einer gerechten Besteuerung mitwirkt; dazu kommen anspruchsvolle Fragestellungen nationaler oder internationaler Art, in und mit Arbeitsgruppen der EU sowie OECD, zusammen mit den Ländern und dem Bundesfinanzministerium. Sie brauchen sich dabei nicht zu verstecken, denn Sie sind geschätzte/r Ansprechpartner/in der genannten Stakeholder.
Berufliche Veränderungen innerhalb des Hauses sind bei der Vielfalt der Aufgaben nicht nur möglich, sondern auch gewünscht. Das BZSt bietet herausfordernde Jobs mit und ohne viel Reisen ins In- und Ausland an, mit viel oder weniger Führungsverantwortung oder viel oder weniger fachlicher Arbeit auf den unterschiedlichsten Rechtsgebieten.
Führungskräfte im BZSt tragen von Anfang an Verantwortung für ihre Mitarbeitenden. Und wir lassen Sie selbstverständlich nicht mit Ihren Aufgaben allein. Wir bieten ein großes Angebot an Fortbildungsmöglichkeiten. Englisch verhandlungssicher zu kommunizieren ist sicherlich von Vorteil, wir bringen Ihnen das aber auch gerne bei. Genauso wie Sie bei uns je nach Bedarf an IFA- Tagungen, Stimmschulungen, Reden-Schreiben-Seminaren und vielem mehr teilnehmen dürfen.


Wie sieht die tägliche Arbeit für eine Referatsleiterin aus?

Täglich wechselnde neue und herausfordernde Fragestellungen rechtlicher, organisatorischer und strategischer Art führen dazu, dass Langeweile ein Fremdwort ist. Entscheidungen sind innerhalb kürzester Zeit zu treffen, Überzeugungsarbeit intern (Vorgesetzte, Gleichstellungsbeauftragte, Personalrat, Vertrauensperson Schwerbehinderter Menschen) und extern (BMF, Länder, EU, Ausland) zu leisten und dabei immer Mitarbeitende zu fördern und zu führen. Je nach Referat reist man dabei mehr oder weniger in der Welt oder Deutschland herum und hat nebenbei auch noch rechtliche Fragestellungen zu lösen.


Wie fördern Sie junge Berufsanfänger/innen beim BZSt?

Berufsanfänger/innen haben vielfältige Möglichkeiten, sich sowohl fachlich als auch persönlich fortzubilden. Unabhängig von externen und internen Fortbildungen sind bei uns vor allem Gespräche mit Referatsleitern/innen und Abteilungsleitern/Abteilungsleiterinnen über die persönliche Entwicklung wichtig, um so neue Kollegen und Kolleginnen mit den Aufgaben vertraut zu machen und sie an den Erfahrungen teilhaben zu lassen.
Das BZSt bietet daneben einmal jährlich einen Führungskräfteworkshop. Neben den fachlichen Vorträgen und externen Impulsen dient dieser Workshop vor allem der Vernetzung unter den Führungskräften.


Welche Qualifikationen bzw. Vorkenntnisse sollte ein/e Berufsanfänger/in im BZSt mitbringen?

Volljurist/in mit Neugierde für vielfältige juristische Herausforderungen von Internationalem Steuerrecht, Versicherungsteuer bis hin zu Personal- oder Liegenschaftsmanagement.
Freude an der Arbeit im Team, Führung von Menschen, Kreativität und ein gewisses Organisationstalent.
 

Was ist das Spannendste, Unvergesslichste, Witzigste, Aufregendste, was Ihnen bisher in ihrem Berufsalltag passiert ist?

Nach meiner Arbeit als Referentin bei den Verständigungsverfahren und beeindruckenden Dienstreisen mit harten Verhandlungen in Japan, Südkorea und innerhalb Europas, in denen ich viel über die jeweils anderen Kulturen lernen durfte, und einer Teilnahme an der IFA-Konferenz in Vancouver, wurde ich Anfang 2012 Leiterin des Leitungsstabs des Präsidenten des BZSt. Eine meiner Aufgaben war es, Reden zu schreiben. Bei einem Seminar lernte ich dann in anderthalb Tagen, was meine Lehrer in dreizehn Jahren Schulzeit versäumt hatten: Ich konnte professionelle, rührende Kurzgeschichten schreiben. Nie hätte ich gedacht, dass diese Fähigkeit in mir steckt.


Was ist das Beste an der Arbeit beim BZSt?

Von Anfang an in verantwortungsvoller Position als Verhandlungs-/Ansprechpartner/in von Großkanzleien, Bundesfinanzministerium, Ländervertretern, EU- und OECD-Partnern zu rechtlich, strategisch und organisatorisch herausfordernden Fragestellungen.


Welche Einschränkungen bringt der Beruf mit sich?

Für die Sicherheit des Beamtentums nimmt man in Kauf, dass die Bezahlung niedriger ausfällt als in den Großkanzleien.


Was ist Ihr Ausgleich zum Büroalltag?

Tatsächlich wohne ich relativ weit weg vom Dienstsitz Bonn. Das mit dem Stadtleben nicht vergleichbare Landleben mit meiner Familie, meinem Hund, meinen Freunden, dem Sport und das Malen erdet mich.



Welche drei Begriffe assoziieren Sie mit dem Wort Jura?

Gerechtigkeit, Allroundtalent, Denkstruktur


Welchen Tipp würden Sie gerne jedem Nachwuchsjuristen / jeder Nachwuchsjuristin mitgeben:

So früh wie möglich Praktika in Behörden, Kanzleien oder Unternehmen machen! Dann weiß man, was man will und was nicht. Wichtig ist vor allem zu wissen, ob man eher der Einzelkämpfer/in ist oder gerne mit vielen, verschiedenen Menschen zusammenarbeitet.