Wenn man neu dazukommt wirkt vieles erstmal ziemlich modern und professionell. Nach einer Weile merkt man aber dass zwischen dem Bild nach außen und dem was intern passiert doch eine ziemliche Lücke liegt. Die Stimmung im Unternehmen hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Viele wirken angespannt und vorsichtig, als würde man sich zweimal überlegen ob man etwas offen anspricht oder lieber für sich behält. Kritik wird zwar theoretisch gewünscht, praktisch hat man aber oft das Gefühl dass sie eher als störend empfunden wird. Das führt dazu dass viele Dinge nur noch unter Kollegen besprochen werden und nicht mehr da wo sie eigentlich hingehören würden. Was mir persönlich am meisten auffällt ist dass Entscheidungen häufig sehr stark von oben kommen. Die Leute die die Arbeit am Ende umsetzen sollen werden selten wirklich einbezogen. Das sorgt für Frust, weil man manchmal Dinge umsetzt bei denen man von Anfang an weiß dass sie so wahrscheinlich nicht funktionieren oder nach kurzer Zeit wieder geändert werden. Und genau das passiert auch öfter. Projekte starten, dann ändern sich plötzlich Prioritäten oder es kommt eine neue Richtung. Da fragt man sich irgendwann schon warum man sich überhaupt so reinhängt. Gleichzeitig merkt man sehr deutlich wie stark auf Zahlen geschaut wird. Umsätze, Ziele, Reports – das steht ziemlich im Fokus. Dass hinter diesen Zahlen Menschen arbeiten die die Ergebnisse überhaupt erst möglich machen gerät manchmal etwas in den Hintergrund. Wertschätzung fühlt sich nicht besonders strukturiert an. Lob hört man selten, Kritik dagegen schon eher. Das hinterlässt bei vielen ein ungutes Gefühl. Die Kommunikation im Unternehmen ist auch so ein Punkt. Es gibt viele Meetings und Präsentationen, aber oft bleiben die wirklich wichtigen Fragen offen. Ziele werden vorgestellt, aber wie man realistisch dahin kommen soll wird nicht wirklich erklärt. Viele Informationen muss man sich selbst zusammensuchen. Wenn man nachfragt bekommt man manchmal Antworten, manchmal eher ausweichende Aussagen. Auf Dauer sorgt das für Unsicherheit. Was wirklich positiv ist sind die Kollegen. In den Teams funktioniert der Zusammenhalt meistens gut. Man hilft sich gegenseitig und versucht gemeinsam durch den Alltag zu kommen. Ohne diesen Zusammenhalt würde vieles wahrscheinlich deutlich schwieriger laufen. Gleichzeitig merkt man aber auch dass einige sehr erfahrene Leute gegangen sind oder sich zumindest nach Alternativen umschauen. Das fällt auf, auch wenn es offiziell nicht immer so thematisiert wird. Auch beim Thema Gehalt gibt es eine gewisse Diskrepanz. Es wird öfter betont dass man kein Großkonzern sei und deshalb gewisse Dinge nicht möglich wären. Gleichzeitig hört man intern von guten wirtschaftlichen Zahlen. Für viele passt das nicht so richtig zusammen. Gehaltsanpassungen gibt es zwar, aber oft nicht in dem Umfang den viele nach der Arbeitsbelastung erwarten würden. Die Arbeitsbedingungen sind gemischt. Die IT ist wirklich gut und funktioniert zuverlässig. Das Gebäude wirkt dagegen eher alt und nicht besonders modern. Es gibt durchaus interessante Aufgaben und Themen. Fachlich könnte man hier viel bewegen. Das Problem ist eher dass Projekte häufig ihre Richtung verlieren oder plötzlich wieder andere Prioritäten gesetzt werden. Dadurch entsteht manchmal das Gefühl dass Arbeit verpufft bevor sie überhaupt richtig Wirkung entfalten kann. Nach außen wird sehr viel Wert auf ein positives Image gelegt. Viele Mitarbeiter wünschen sich im Grunde gar nicht so viel. Mehr Transparenz bei Entscheidungen, echte Einbindung der Leute die hier arbeiten und vor allem einen offeneren Umgang mit Kritik würden schon viel verändern. Die Erfahrung und das Wissen im Unternehmen sind eigentlich da. Man müsste sie nur stärker nutzen und den Menschen wieder etwas mehr Vertrauen entgegenbringen.