University of Michigan Law School

 Veröffentlicht am 12.04.2021.

5 Fragen zum LL.M. in Michigan

Andreas Aigner, was ist das Besondere am LL.M.-Studium in Michigan?

Nach dem ersten Examen und während der Promotion hat Andreas Aigner seinen LL.M. 2019–2020 an der University of Michigan Law School absolviert. Aktuell macht er sein Referendariat in Hamburg. Hier beantwortet er 5 Fragen, die Interessierte sich stellen sollten, berichtet vom Leben auf dem Campus und in Ann Arbor und liefert mehr als einen Grund für einen LL.M. in Michigan.

Andreas Aigner
Andreas Aigner

1. Warum Michigan Law? 

Für mich waren die entscheidenden Faktoren das akademische Curriculum, der kleine Jahrgang (nach Yale der kleinste in der T14) und die Chance, intensiveren Austausch mit den amerikanischen Studierenden zu erleben, der Ruf der Fakultät, die LL.M.s nicht als Cash-Cow zu betrachten, das Renommee der Fakultät (insbesondere auch in Deutschland) und die herausragenden Positionen, die Michigans deutsche Alumni ganz überwiegend erreichen.

Ich hatte eine sehr breite Auswahl, weil an fast allen Unis genommen wurde, denen ich eine Bewerbung geschickt habe. Ein zusätzliches Kriterium war natürlich der Scholarship, das will ich gar nicht verschweigen. Ich würde aber eine Entscheidung nicht von $ 5.000 abhängig machen.

Zum einen ist Ann Arbor erheblich billiger als beispielsweise die Bay Area in Kalifornien, New York, Chicago und Boston, zum anderen ist die Uni einfach wirklich gut. Ebenso sollte bedacht werden, dass das Studium für Werbungskosten geltend gemacht werden kann, also steuerlich gut absetzbar ist.
 

2. Welche Kurse kannst du empfehlen?

Vorab: Ich berichte hier jetzt ausschließlich über die Bereiche Corporate und Business Law, auf die ich mich konzentriert habe. An der Michigan Law School gibt es außer einer Einführung in das amerikanische Verfassungsrecht und einem Kurs in Grundlagen amerikanischer Rechtswissenschaften keine LL.M.-only Kurse. Das heißt, du studierst in jedem Fall gemeinsam mit den amerikanischen Studierenden. Die Kursauswahl ist zudem enorm breit.

Auf jeden Fall empfehle ich die Kurse Corporate Reorganization bei Martin Bienenstock und Int'l Commercial Transactions bei Tim Dickinson. Beide sind sehr erfahrene Praktiker und besonders Bienenstock ist hoch angesehen. Beide Kurse finden im Herbstsemester statt.

Der erste Kurs ist nur für einen credit und geht nur das halbe Semester, ist aber sehr spannend im Hinblick auf vorinsolvenzliche Sanierung, der zweite Kurs ist für zwei credits und deckt ein sehr breites Spektrum an diversen Commercial Themen in vielen Rechtsordnungen ab, wobei die Studenten großen Einfluss auf den Kursinhalt haben (beschränkt auf rund 15 Teilnehmende).

Ebenfalls empfehlenswert ist der Kurs Anatomy of a Deal bei Barry Adelman. Auch er ist ein angesehener Praktiker aus einer New Yorker Boutique. Kursinhalt ist das eigenständige Durchführen eines großen Public Takeovers, gewissermaßen als Hands-On Simulation mit nur 18 Teilnehmende.

Ich habe auch über viele andere Kurse Gutes gehört, an denen habe ich aber selbst nicht teilgenommen, deshalb möchte ich mich da jetzt nicht aus dem Fenster lehnen. Natürlich gibt’s auch Kurse, die wegen einem immensen Arbeitsaufwand weniger beliebt sind.

3. Was unterscheidet Michigan Law von anderen Top Law Schools?

Wir Deutschen in Michigan – in meinem Jahrgang waren wir ungewöhnlich viele: 4, vielleicht weil im Jahr zuvor keine Deutschen vertreten waren – waren alle sehr zufrieden. Für deutsche Studierende an den verschiedenen amerikanischen Law Schools gab es viele Networking-Veranstaltungen, meist von Kanzleien. In diesem Rahmen habe ich von deutschen Studierenden an den anderen amerikanischen Fakultäten wenig heftige Kritik gehört, aber es wurde schon augenfällig, dass die Unis mit den größeren Jahrgängen sehr viel unpersönlicher mit den Studierenden umgehen.

Auch habe ich teilweise Kritik gehört, dass es schwierig sei mit den amerikanischen JD-Studierenden zusammenzukommen, was in Michigan überhaupt nicht der Fall ist. Hier haben wir ein unvergleichliches Bubble-Gefühl genossen. Das haben mir auch JDs bestaetigt, die zum Teil genau deswegen Michigan gegenüber anderen Law Schools vorziehen. Wobei ich nochmals betonen sollte: In den USA ist Michigan ein riesiger „brand name“. Das ist uns in Europa vielleicht nicht ganz bewusst – ich selbst war überrascht, wie oft ich auf Reisen innerhalb der USA mit einem herzlichen „Go Blue!“ begrüßt wurde, sei es von Passanten, die mein Michigan T-Shirt sahen, oder in Gesprächen mit Juristinnen und Juristen. 

4. Wie ist die Wohnsituation und das Leben außerhalb der Universität?

Ich habe im Phid House gewohnt, das der Phi Delta Phi Legal Honor Society, einer gemeinnützigen Juristenvereinigung, gehört, und praktisch neben der Law School liegt. Ein erheblicher Teil der LL.M.s (und JDs) wohnt im Lawyers Club, mitten im grünen Innenhof der Law School. Ich würde in jedem Fall dazu raten, nahe am Campus zu wohnen, weil sich sehr viel fußläufig um die Law School abspielt. Ann Arbor ist auch eine absolute Fahrradstadt (für amerikanische Verhältnisse), so dass sich auch einige Apartmentkomplexe und Wohnanlagen (mit Schwimmbad) ebenfalls gut eignen, vor allem, wenn man nicht allein nach Ann Arbor kommt.

Das Zusammenleben mit den anderen LL.M. Studierenden war hervorragend, die Leute sind wirklich handverlesen, durch die Bank teamfähig und sozialkompetent. Ich habe mit vielen noch heute Kontakt und werde zum Beispiel, wenn Corona nachlässt, einen Japaner besuchen, den ich aus dem LL.M. kenne und im Sommer 2022 nach Mexiko auf eine Hochzeit gehen, ebenfalls von einer Kommilitonin.

Zum Klubleben könnte man wohl auch alle Aktivitäten des Phid-Houses zählen – House Dinner, Parties, Kayaking, BBQ auf der Porch, etc. – aber natürlich auch gemeinsames Lernen für die Klausuren. Außerdem habe ich im Law School Team Eishockey gespielt und dabei besonders das Derby gegen das Team der Business School genossen, an der man als LLM übrigens auch Kurse belegen kann. Zusätzlich war ich Mitglied der Business Law Society, und stellvertretender Jahrgangssprecher der LLMs. Einige meiner LLM-Kommilitoninnen und Kommilitonen waren auch aktive Mitglieder in diversen anderen Studierendenorganisationen, z.B. in der International Law Society. Durch solche Mitgliedschaften ist es dann natürlich auch nochmals leichter, die JDs besser kennenzulernen.

Die Law School wie auch die Uni bieten sehr viele Events für Studierende an: fast tägliche Lunchvorträge zu allen erdenklichen juristischen, ethisch-moralischen, sozialen oder politischen Themen, Wine and Cheese Gatherings mit den Professorinnen und Professoren und administrativen Angestellten, eine alljährliche Versteigerung, für die sich Professorinnen und Professoren und Studierende „Preise“ ausdenken (zum Beispiel ein Abendessen mit einem Prof, der nebenbei Hobbykoch ist, ein Wochenende in einer Cabin „Up North“ oder Babysitter-Stunden, wovon der Erlös quasi als Stipendien für Sommerjobs im public sector genutzt wird (leider, aber verständlich, nur für JDs). Natuerlich organisieren die Studenten selbst auch Vieles, wie beispielsweise Fussball-Turniere, „adventure trips“ mit Wandern, Kayaken, Skifahren, uvm. Wir haben eine LL.M.-Weihnachtsfeier mit Dinner und Wichteln organisiert, was ein wirklich toller Abend war.

In den USA ist Michigan ein riesiger ,brand name‘.
Andreas Aigner

5. Ann Arbor ist mitten im relativ unbekannten Mittleren Westen. Was sollten wir über die Stadt wissen?

Ich selbst fand Ann Arbor ganz herausragend. Natürlich ist Ann Arbor verhältnismäßig klein (etwas über 100.000 Menschen, von denen ein Großteil zur Uni-Bevölkerung zählt (Studierende, Lehrkräfte, administrative Angestellte). Wohl wegen dieser sehr gebildeten und anspruchsvollen Bevölkerung hat Ann Arbor unglaublich viel zu bieten, sodass ganz sicher keine Langeweile aufkommt. Sowohl die Anzahl an Bars, Clubs und Restaurant ist beeindruckend, wie auch die Anzahl an Museen, Theatern und Kulturveranstaltungen herausragend ist. Ich habe es nicht geschafft, alles zu sehen, was möglich gewesen wäre und mich interessiert hat.

Trotzdem sollte man nicht die Gelegenheit missen, ein paar Ausflüge zu machen. Per Bus oder Bahn (Amtrack – auch ein Erlebnis) ist man in ca. 4 Stunden in Chicago. Falls ihr die Fahrt per (spottbillligem) Mietauto macht, sind unterwegs unbedingt der Lake Michigan und die Dünen zu besichtigen. Näher dran ist natürlich Detroit (per Bus oder Auto in einer Stunde erreichbar), und faszinierend besonders als Paradebeispiel einer Stadt, die nach einer Hochblüte im frühen 20. Jahrhundert politische und wirtschaftliche Turbulenzen erlitten hat, und nun in intensiver Wiederaufbauphase ist. Da tut sich viel in letzter Zeit, mit Bars, Restaurants, Flusspromenade, renovierten historischen Wohnvierteln, und natürlich dem Detroit Art Institute. Zur Anreise nach Michigan Law oder auch für die Semesterferien bietet sich der Flughafen Detroit an: nur 40 km entfernt, per Bus für $ 9 in ca. einer halben Stunde erreichbar.

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