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 Veröffentlicht am 26.03.2021.

5 Gründe warum es sinnvoll sein kann, bei verschiedenen Kanzleien & Unternehmen gearbeitet zu haben

Prof. Heidi Stopper, wie kann ein Jobwechsel die eigene Entwicklung fördern?

breaking.through und TalentRocket haben verschiedene Juristinnen gebeten, ihre Top 5 Empfehlungen, Tipps, Gründe & Co zu verschiedenen Themen, die Jurist:innen in ihrem Arbeitsalltag begegnen, wenn nicht sogar fortwährend begleiten, mit uns zu teilen. Diese Woche mit Prof. Heidi Stopper.

Prof. Heidi Stopper ist Volljuristin, Top Management Coach, Unternehmensberaterin und Gründerin des Unternehmens Stopper coaching & beratung. Bevor sie das Unternehmen 2006 gegründet hat, war sie bereits nach ihrem Jurastudium für diverse große Unternehmen tätig. Seit ihrem Einstieg in das Berufsleben hat sie eine beachtliche Bandbreite an Branchenerfahrung gesammelt.

Warum das Arbeiten bei den unterschiedlichsten Arbeitgeber:innen vorteilhaft ist und was bei dem Sammeln von Berufserfahrungen beachtet werden muss, erläutert Prof. Heidi Stopper in 5 Gründe, warum es sinnvoll sein kann, bei unterschiedlichen Arbeitgeber*innen gearbeitet zu haben.

1. Grund: Dem Eisbär den Nordpol, der Giraffe die Savanne

Jedes Unternehmen, aber auch verschiedene Abteilungen haben eine eigene Kultur. Nicht jede dieser Kulturen, d.h. Umgebungen, ist für alle von uns gleichermaßen geeignet. In ein und derselben Umgebung läuft der:die eine zur Hochform auf während der:die andere verkümmert. Das klingt trivial, ist aber gar nicht so einfach. Denn die meisten von uns stolpern in den ersten Job mit viel Zufall und ohne klaren Blick, welches Umfeld wir brauchen, um wie ein Fisch im Wasser zu sein.

Dazu kommt, dass wenn wir nicht in unser Umfeld passen, uns unsere Umgebung leider signalisiert, dass mit uns was nicht stimmt, dass wir uns mehr anstrengen müssen oder uns anpassen. Eine schreckliche Abwärtsspirale kann damit starten, aber auch vermieden werden, wenn wir uns einen klaren Blick erarbeiten, wie ein Umfeld aussehen muss, damit wir unsere PS auf die Straße bekommen.  

Hier können Arbeitgeber:innen-Wechsel hilfreich sein: sie zeigen uns, welche Umfelder es gibt und lassen uns über uns selbst lernen, was wir brauchen und was wir gezielt suchen sollen. Im Idealfall bringt der Wechsel eine Arbeitsumgebung für uns, in der wir aufblühen können und unsere Stärken entfalten. Gerade am Anfang einer Karriere ist das Sich-Ausprobieren und die Suche nach unserem Element so wichtig. Ich habe mit jedem Jobwechsel mehr über mich und meine Bedürfnisse herausgefunden.

2. Grund: Wie sieht es mit eurer Lernkurve aus?

Wenn die eigene Entwicklung beginnt zu stagnieren, kann die Zeit für einen Wechsel gekommen sein. Für viele Menschen ist es wichtig, noch dazu lernen zu können und sich entwickeln zu können. Die Komplexität der heutigen Arbeitswelt erfordert auch lebenslanges Lernen. Nicht immer, wenn wir uns noch weiterentwickeln wollen und können, kann der heutige Arbeitsplatz und die Firma eine passende Gelegenheit dafür bieten. Wenn nach der internen Suche und auch dem deutlichen Signalisieren sich keine Chance auftut, kann die Zeit zum Wechsel gekommen sein.

Die Lernkurve wird bei einem Wechsel des:der Arbeitgebers:in wieder steil und die eigene Entwicklung macht Sprünge. Wichtig ist es sich klarzumachen, dass man auch Jobs annehmen kann, in die man noch reinwachsen muss. Wer immer nur Jobs annimmt, die er komplett beherrscht, bleibt auf der Stelle. Bei meinen Kund:innen sehe ich, wie in meiner eigenen Karriere: Wer sich zutraut, in größere Schuhe zu treten, der kann Karriere machen. Niemand ist als Geschäftsführer:in, Vorstand oder Vorständin geboren. Ich habe persönlich einen sehr bereichernden Schritt gemacht, als ich aus der Raumfahrt von Toulouse in die Medien nach München gewechselt habe. Das erste Jahr war anstrengend, klar, aber ich möchte keine Minute davon missen.

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"Ich habe keinen Anspruch an mich perfekt zu sein."
→ Das Porträt von Prof. Heidi Stopper
 

"Es braucht Flexibilität und echten Willen."
→ Das Porträt von Martina Seidl, General Counsel und Vice President für Fujitsu
 

→ Alle Porträts in der Übersicht
 

3. Grund: auf dem politischen Parkett souveräner werden

Es gab bereits einen Nobelpreis dafür: Der Homo ökonomikus ist ein Mythos! Auch in der Arbeitswelt regiert die Beziehungsebene, oft viel stärker als die Sachebene.  Das ist für alle, die sich auf der Sachebene wohler fühlen eine ungute Nachricht. Es hilft nur nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Es hilft nur, zu lernen, sich souveräner auch auf der Beziehungs- und Machtebene zu bewegen. Das kann jede:r lernen, ohne sich dabei verbiegen zu müssen.

Wir lernen bei Wechseln noch besser, wie komplexe Systeme funktionieren, da wir wieder mit offenen Augen betrachten, was um uns geschieht. Jede Organisation, jede:r Arbeitgeber:in hat eine eigene Kultur und Machtstruktur. Das Arbeiten in unterschiedlichen Organisationen und Kulturen lässt uns besser verstehen, wie Organisationen ticken und wir uns darin erfolgreich mit unserem Thema behaupten. Fachliches Können ist nur die halbe Miete. Zum Erfolgreich sein braucht es auch einen guten Blick für Beziehungsstrukturen und ungeschriebene Regeln. Machtstrukturen zu durchschauen und sie für die Erfüllung der eigenen Aufgaben zu nutzen, ist in der kleinsten Firma schon erforderlich und bei jedem Wechsel lernen wir dazu. 
 

4. Grund: Finde deine passende Führungskraft für dich!

Eine fördernde und fordernde Führungskraft zu haben, ist der beste Garant für ein zufriedenes Berufsleben und auch für die eigene Entwicklung und Karriere. Nicht umsonst sagt man: "people join companies but leave bosses".

Nicht nur für unser Lebensglück, sondern auch für unsere berufliche Entwicklung kann ein:e Chef:in die Hölle oder das Glück auf Erden bedeuten. Ich habe in meiner 25 jährigen Karriere Dream-Teams gesehen, total toxische Kombinationen und sämtliche Nuancen dazwischen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die richtige Unternehmens- oder Kanzleileitung einen so großen Unterschied ausmacht, dass man sich nie mit einer mittelmäßigen zufrieden geben sollte und mit einer schlechten für uns schon gar nicht, oft wird einem ja geraten auszuharren und auszuhalten mit dem Verweis, dass es draußen nirgends besser ist.

Das ist Quatsch! Natürlich ist es nirgends perfekt, aber es gibt da draußen für jeden von uns eine:n tolle:n Chef:in. Wenn das Gefühl aufkommt, dass man klein gehalten wird, dann rate ich zur Suche nach einem neuen Job. Davon zu unterscheiden ist das Davonlaufen vor Problemen, die auch im bestehenden Job gelöst werden können. Wer sich nach Wechseln wiederholt in der gleichen Situation oder Problematik wiederfindet, sollte mit Unterstützung da mal tiefer hinschauen. Aber: Für alle von uns gilt: wir haben nur die besten Chefinnen und Chefs verdient.

Wichtig ist es sich klarzumachen, dass man auch Jobs annehmen kann, in die man noch reinwachsen muss.
Prof. Heidi Stopper

5. Grund: Faire Bezahlung & Gehaltserhöhung

Unser Gehalt muss in der Regel unseren Lebensunterhalt absichern, aber ist auch Zeichen unserer Einstufung und Wertschätzung. Gehalt ist nur eine kurzfristige Motivation, das wissen wir aus vielen Studien. Wir stehen morgens normalerweise nicht auf und denken: "heute verdiene ich so und so viel Euro". Aber wir wissen auch alle: Der Vergleich ist der Tod der Zufriedenheit. Wir können noch so happy mit unserem Job und dem Gehalt sein.

Wenn wir dann erfahren, dass ein vergleichbare:r Kollege:in viel mehr verdient, beginnt etwas an uns zu nagen. Wir fühlen uns unfair behandelt. Vor allem diejenigen, die mit kleinen Startgehältern begonnen haben und/oder sich in ihrer Firma schnell entwickelt und mehr Verantwortung bekommen haben, stecken oft im Frust, zu sehen, dass Kolleg:innen deutlich mehr verdienen.

Es ist daher wichtig, für die eigene faire und marktgerechte Bezahlung einzutreten. Viele Arbeitgeber:innen machen hier nicht den besten Job.  Analysen zeigen, dass es meist leichter ist, größere Gehaltssprünge zu machen, wenn man das Unternehmen oder die Kanzlei wechselt.  Dabei lohnt sich auch mal ein Blick in unterschiedliche Branchen und Betriebe.