Anwalt über Nacht?! – So geht's ;)

Juristische Hochstapler - Ein Guide für Betrüger und solche, die es werden wollen...


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 29.04.2019

 

Du kennst das aus Filmen wie „Catch me if you can“, in dem Leonardo DiCaprio es schafft, eine Handvoll Berufe auszuüben, ohne je einen davon gelernt zu haben. Hochstapler sind aber natürlich keine Hollywooderfindung. Sogar die Handlung von „Catch me if you can“ basiert auf einer wahren Geschichte: Der von Frank Abagnale. Dieser gab sich nicht nur als Pilot aus, sondern später auch als Arzt und – du ahnst es wahrscheinlich schon – als Rechtsanwalt! Und damit ist er nicht allein.

 

Jahr für Jahr werden „falsche“ Anwälte überführt.

 

Wenn dich das Jurastudium in die Verzweiflung treibt, oder du einfach keine Lust mehr auf Lernen hast, dann haben wir für dich eine bombensichere Anleitung, wie du ganz ohne Staatsexamen zum Anwalt wirst!

 

1. Nimm eine neue Identität an

Willst du wirklich unter deinem eigenen Namen das Gesetz brechen? Dann haben wir dich schon einmal vor dem ersten groben Fehler bewahrt. Das Benutzen eines anderen Namens macht es außerdem leichter, einfach eine neue Identität anzunehmen, wenn du dabei bist aufzufliegen – oder du einfach schnell den Beruf wechseln möchtest. Wie wäre es diesmal mit Arzt? Oder Künstler? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Victor Lustig beispielsweise gab sich 1925 als stellvertretender Generaldirektor des Postministeriums aus und verkaufte durch eine von ihm gefälschte Ausschreibung den Eiffelturm an einen Schrotthändler – für 50.000 US-Dollar!

 

2. Lerne, wie ein Anwalt zu reden

Was macht ein Anwalt schon, außer große Reden zu schwingen ;)? Wenn du charismatisch bist und gut reden kannst, dann ist das schon die halbe Miete. Was du dann im Endeffekt machst, ist eigentlich gar nicht so wichtig. Hauptsache die Leute glauben dir!

 

Tatsächlich gelten viele Hochstapler als intelligente Menschen mit ausgeprägten sozialen Fähigkeiten.

 


Klischees über Juristen

Welches Bild von Juristen haben unsere Mitmenschen?


 

3. Wähle deine Opfer mit Bedacht

Deine Opfer sollten natürlich keine großen Firmen oder fachkundige Klienten sein. Am besten suchst du dir jemanden aus, der dringend auf deine Hilfe angewiesen ist, oder absolut keine Ahnung von juristischen Tätigkeiten hat. Nimm zum Beispiel Howard Seidler: Der US-Amerikaner beriet als falscher Anwalt Immigranten und sackte so tausende von Dollars ein. Auch Frauen eignen sich anscheinend gut als Opfer. So hatte sich der falsche Anwalt Dwayne Gardner auf Afro-Amerikanerinnen „spezialisiert“, die sich in finanziellen oder persönlichen Schwierigkeiten befanden. Auch eine Krebspatientin, die durch einen Auftrag auf Geld für ihre Behandlung hoffte, stand auf seiner Liste. Die Patientin verstarb noch während ihre Familie auf das Geld wartete. 

 

4. Dreistigkeit zahlt sich aus

Du bist aufgeflogen? Passiert. Sollte dich das davon abhalten weiterzumachen? Natürlich nicht! Das scheint zumindest die Devise der meisten Hochstapler zu sein. So beispielsweise Arthur Whittington, der sich seit den 80er Jahren immer wieder als die verschiedensten Personen ausgab, und immer wieder vor Gericht landete, zuletzt, weil er als angeblicher Anwalt 300.000 US-Dollar ergaunerte. Besonderes Glück hatte, was dies anbelangt, übrigens der eingangs genannte Frank Abagnale. Er wurde zu 12 Jahren Haft verurteilt, aber nach 5 Jahren entlassen – um mit seinen „speziellen“ Kenntnissen dem FBI weiterzuhelfen. Heute berät er Unternehmen und Banken, die gegen Dokumentenfälschung vorgehen wollen. Hätte es dazu einer kriminellen Vorgeschichte bedarf? 

 

So, jetzt aber mal Spaß beiseite.

Ist dir aufgefallen, was alle unsere Hochstapler gemeinsam hatten?

 

Genau, sie wurden alle überführt und sie alle müssen jahrelange Strafen absitzen.

 

So lukrativ eine Karriere als falscher Jurist auch sein kann, so unehrenhaft und gefährlich ist sie auch. Am Ende schaden die Betrüger nicht nur sich selbst und den Menschen, die sie bestehlen, sondern auch dem Rechtssystem an sich. Als Jurist kannst du dir sicherlich vorstellen, was auf lange Frist passiert, wenn das Vertrauen in das Recht in der Bevölkerung schwindet. 

 


Betrug hast du nicht nötig? - Du studierst Jura oder bist bereits Volljurist?


Kuriose Rechtsfälle


 

Das kann doch jeder…

Man könnte sich nun fragen: Ist diese Art von Betrug moralisch vertretbar? Tatsächlich werden Hochstapler von der Bevölkerung nicht grundsätzlich verurteilt.

 

Manch einer argumentiert, dass sie durch ihre Taten Lücken im System aufdecken oder sichtbar machen, wie leicht sich die Fachwelt durch simple Tricks bloßstellen lässt.

 

Ein prominentes Beispiel hierfür ist Gert Postel, ein Postbote, der es unter dem Namen Dr. med. Dr. phil. Clemens Bartholdy bis zu einer Stelle als stellvertretender Amtsarzt in Flensburg brachte – obwohl er zuvor bei ähnlichen Versuchen schon mehrfach überführt worden war. Postel wurde damit zu einer Symbolfigur in der Antipsychiatriebewegung, die sich durch die Tatsache, dass Postel fähig war, ohne jegliche Ausbildung für eine längere Zeit in der Psychiatrie zu arbeiten, bestätigt fühlte. Die Bewegung führte dies darauf zurück, dass sich die Psychiatrie nicht auf Fachwissen stütze. Auch von dem damaligen Vorsitzenden Richter am Bundesgerichtshof wurde Postels berufliche „Leistung“ anerkannt. Armin Nack behauptet, dass Postel bei der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens, mit dem noch zwei weitere Psychiater beauftragt waren, von den dreien die beste Arbeit geleistet hätte. Vom damaligen Krankenhausleiter wurde seine Leistung ebenfalls als überdurchschnittlich anerkannt. Postel brachte seine illegale Karriere Kultstatus.

Die rechtliche Lage ist jedoch klar. Hochstaplerei ist an sich keine Straftat. Überführt werden die meisten Hochstapler jedoch anderer Verbrechen. Die häufigsten sind wohl Urkundenfälschung (§267 StGB), Betrug (§263 StGB), Amtsanmaßung (§132 StGB) oder Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen (§132a StGB). Besonders juristische Hochstapler handeln, im Gegensatz zu beispielsweise Postel, dessen Taten für die Beteiligten keine allzu großen Schäden anrichteten, im Grunde meist aus Profitgier und können ihre Klienten sowohl finanziell als auch rechtlich in große Schwierigkeiten bringen. Gesellschaftlicher Ruhm wird diesen Menschen also sicherlich nicht zuteil. Eher im Gegenteil.

 

Wir hoffen, dass wir dich mit diesem Artikel von jeglichen dummen Gedanken abgebracht haben! Hochstapler kommen in Hollywoodfilmen gut an, das war es dann aber auch schon. Und sind wir doch mal ehrlich: Wer die Eigenschaften zum wirklich erfolgreichen Hochstapler mitbringt, der wird es auch in der freien Wirtschaft und am Juramarkt mit einem Jurastudium weit bringen. Ganz ohne moralische Gewissensbisse!

 


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Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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