Beamtenwitze und ihre Wahrheit

Was ist dran an den Klischees? - ein Beitrag von Markus Raeder


veröffentlicht am 11.01.2016

 

Beamtinnen und Beamte sind mit vielen Vorurteilen konfrontiert: faul, langsam, entscheidungsmüde. Gleichzeitig ist der Staat gerade für junge Juristinnen und Juristen einer der beliebtesten Arbeitgeber. Richter und Staatsanwälte können sich eines hohen Ansehens sicher sein. Wie sieht es aber mit Steuerjuristen aus oder Beschäftigten der Inneren Verwaltung? Sie werden im Laufe ihres Berufslebens mit vielen Witzen konfrontiert werden. Was ist an ihnen dran?

Wie viele Beamtenwitze gibt es eigentlich? – keine, denn (fast) alle berichten Wahrheiten.

 

Beamte sind unbestechlich, sie dürfen nicht einmal Vernunft annehmen!

Das stimmt! Beamte stehen in einem besonderen Treueverhältnis zu ihrem Dienstherrn. Das gewährt ihnen zum einen Sicherheit. Sie brauchen nicht befürchten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Auch schafft ihnen das Unabhängigkeit vor äußeren, unsachlichen Einflüssen. Dazu gehört eben auch die Unbestechlichkeit. Gleichzeitig verpflichten sie sich zur Treue. D. h. sie dürfen keinen extremistischen Gesinnungen anhängen, können zu Nebentätigkeiten verpflichtet oder notfalls auch versetzt werden.

 

Warum dürfen Beamte nicht streiken? Ja warum eigentlich nicht, würde doch eh keiner merken.

Das stimmt, zumindest dass Staatsdiener nicht streiken dürfen! Zum einen muss die Verwaltung funktionieren. Zum anderen gibt es für Beamte kein Bedürfnis zu streiken. Anders als bei Angestellten sind die Arbeitsbedingungen für sie nicht verhandelbar. Es gibt keine Tarifautonomie. Der Staat gibt die Bedingungen gesetzlich vor. Trotzdem gibt es aber auch Gewerkschaften, die die Interessen der Beamtenschaft vertreten.

 

Öffentlicher Sektor
Bayerische Steuerverwaltung

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Beamtensport: Auf und nieder, auf und nieder – und nun das andere Augenlid.

Das stimmt! Sport spielt im öffentlichen Dienst eine wichtige Rolle. Manchmal müssen selbst Juristinnen und Juristen einen Sporttest vor der Einstellung überstehen (z. B. Polizei oder BKA). In anderen Behörden werden sie zumindest mit dem Gesundheitsmanagement in Berührung kommen. Das kann von Infotagen, über eine Lauf- oder Beachvolleyballgruppe bis zu behördeneigenen Fitnessräumen gehen.

 

Beamtenkaffee: erst die Milch, dann den Kaffee in die Tasse - so muss man nicht umrühren!

Das stimmt, kann jeder ausprobieren! Die Freude an Kaffeerunden ist nicht nur Beamtinnen und Beamten vorbehalten. Selbst Großkanzleien legen (mittlerweile) Wert auf Kommunikation und Genuss.

 

Was ist ein 08/15-Beamter? Null Ahnung, 8 Stunden am Tag im Büro, wird nach A15 bezahlt.

„Null Ahnung“ stimmt nicht! Auf allen Ebenen beschäftigt der Staat nur die besten Bewerber. Gerade bei Juristinnen und Juristen ist eine strenge Auswahl üblich.

„Acht Stunden am Tag“ stimmt, aber nur in der Summe! Zumindest in Bayern und in vielen anderen Ländern müssen Beamte 40 Stunden/Woche arbeiten. Wie sie ihre Arbeit auf die einzelnen Tage verteilen bleibt wegen flexibler Gleitzeitregelungen den meisten selbst überlassen. Richter unterliegen wegen ihrer Unabhängigkeit keinen Vorgaben zur Arbeitszeit. Realistisch werden sie aber gerade in den ersten Jahren weit mehr als 40 Stunden/Woche arbeiten. Anders lässt sich das Pensum nicht erledigen, bis sich nach mehreren Jahren Berufserfahrung Routine einstellt.

„A 15-Bezahlung“ stimmt! Juristinnen und Juristen steigen beim Staat mit A 13 ein (ca. 3.000 €/netto). Jeder schafft die Beförderung nach A 14. A 15 sollte auch drin sein bei entsprechendem Engagement und Flexibilität. Wer befördert wird, richtet sich nach der Beurteilung und nach der Leistung der oder des Einzelnen. Bei Richtern übrigens sind Beförderungen nicht selbstverständlich. Mehr als die Hälfte steigt bei R 1 ein und behält dieses Amt bis zur Pensionierung. Trotzdem steigt über die sog. Altersstufen regelmäßig das Gehalt.

 

Es gibt viele Vorurteile über Beamtinnen und Beamte (und mindestens genauso viele über Juristen). Aber keine Sorge: Tatsächlich ist das Ansehen der verbeamteten Juristinnen und Juristen sehr gut: eine aktuelle Forsa-Umfrage über die prestigeträchtigsten Positionen des öffentlichen Dienstes beweist: 79 % der Bevölkerung haben ein sehr hohes oder hohes Ansehen von Richtern, dagegen nur 57 % ein solches von Anwälten. Ebenso aussagekräftig ist die Veränderung des Ansehens seit 2007. Der Steuerbeamte beispielsweise ist mit einem Zugewinn von sechs Prozentpunkten auf der Gewinnerseite. Steuerberater hingegen stehen bei den Prestige-Verlierern.

 

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