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Bildrechte Modelbusiness - Instagram, Snapchat & Co.

Model und selbstständige Rechtsanwältin - Interview mit Yvonne Nkrumah


veröffentlicht am 25.12.2017

 

Hallo Frau Nkrumah, begegnet man nicht vielen Vorurteilen, wenn man von einer anderen Seite - als Rechtsanwältin - zurück ins Modelbusiness kommt?

Hallo, DAS MODEL generell gibt es nicht. Ich habe so viele unterschiedliche Models kennengelernt. Viele haben in den verschiedensten Studienfächern absolviert. Da gab es MedizinnerInnen, IT-lerInnen, LehrerInnen. Für jede Branche hätte man Vorurteile finden können, während des Jobs waren wir alle einfach nur Models.

Viele Models haben zweite Standbeine, z.B. als Visagisten, Fotografen oder in anderen Branchen. Man begegnet als Juristin also nur den üblichen Vorurteilen, das ist nicht anders als auf irgendwelchen Partys, auf denen man nach seinem Beruf gefragt wird. In meinem Fall ist es außerdem eher so, dass ich den meisten Vorurteilen als Frau mit teilweise afrikanischer Abstammung begegne, aber das tut an dieser Stelle nichts zur Sache.

 

 

Als Model während des Studiums zu arbeiten hat einen sehr schlechten Ruf und man begegnet vielen Vorurteilen. Was kann man dagegen tun?

Man kann nur versuchen, die Leute aufzuklären. Die meisten wissen gar nicht, dass den Beruf Model eigentlich viel mehr ausmacht, als nur anwesend zu sein, ich bezeichne es ausdrücklich als Beruf. Als Mannequin hat man bei der Zusammenarbeit mit Designern oft sogar Einfluss auf Design-Prozesse und Entscheidungen. Man wird häufig nach seiner Meinung gefragt und sollte sich einbringen können.

Wenn man in Showrooms arbeitet, sollte man gleichzeitig auch ein Verkaufstalent sein, um erfolgreich und häufig gebucht zu sein. Nicht zuletzt aufgrund der medialen Berichterstattung ist der Beruf des Models zum Traum vieler junger Frauen geworden. Die Medien vermitteln aber ein falsches Bild über den echten Alltag, dass man ein willenloses Wesen zu sein hat. Man darf schon noch ruhigen Gewissens Jobs ablehnen, mit denen man sich nicht wohlfühlt, ohne dass man dadurch gleich seine gesamte Karriere gefährdet. Man lernt diszipliniert zu sein, was die Leute auch merken und was Vorurteile ausräumt.  

 

Warum haben Sie als Model gearbeitet und nicht bspw. in einer Kanzlei ausgeholfen oder an einem Lehrstuhl gearbeitet?

Ich wollte nicht immer Model werden, die Entscheidung war vielmehr "aus der Not heraus geboren". Zu Beginn meines Studiums hatte man bis spätestens zum 4. Semester erfolgreich die Zwischenprüfung zu bestehen, um weiterhin Bafög gewährt zu bekommen. Leider hatte ich eine einzelne Teilprüfung im Strafrecht nicht rechtzeitig bestanden, da ich zu dieser Zeit noch bis spät nachts in der Gastronomie arbeitete.

Zu meinem Unglück kamen zur Streichung des Bafög auch noch die Studiengebühren auf mich zu, welche es bis dato nicht gab. Da ich auch anderweitig keine finanzielle Unterstützung erfuhr, stand ich vor der Entscheidung, das Studium entweder abzubrechen oder einen Job zu finden, bei dem ich mit möglichst wenig Zeitaufwand möglichst viel Geld verdienen konnte. Mit der Arbeit an einem Lehrstuhl allein hätte ich meinen Unterhalt nicht finanzieren können. Das Modeln lief vom ersten Tag an gut, daher gab es diesbezüglich kein Zurück mehr.

 

Wussten ihre Kommilitonen damals von Ihrem Nebenjob und wie wurde es aufgenommen?

Da ich nicht sehr tief in der Studentenschaft verwurzelt war, wusste es zu Beginn niemand, Ich sprach auch nur selten darüber. Als die Kommilitonen davon erfuhren, verhielten sie sich so, wie auch diejenigen Menschen, die heute davon erfahren. Sie waren entweder neugierig, anerkennend oder neidisch, dazwischen gibt es nicht viel. Es gibt komischerweise nur wenige Leute, die es kalt lässt oder die Angelegenheit neutral behandeln, wenn sie davon erfahren. Das liegt wahrscheinlich an den vielen Vorurteilen und Mythen, die diesen Beruf umgeben.

 

Hatten Sie damals schon rechtliche Probleme gehabt, die Sie noch heute begleiten?

Damals war das Thema "Internet" noch nicht so bedeutsam wie heute, und vor allem Social Media kam gerade erst auf. Rechtliche Probleme gab es daher eher in der Beziehung Model zu Agentur, es ging dann um AGB oder Verträge. Heute ist das anders, die Bindung zwischen Agentur und Model ist nicht mehr so stark, da man wegen des Internets auch anderweitig an Jobs gelangt. Nun liegen die rechtlichen Probleme eher in der Beziehung zwischen Model und Kunden.

Letztere nutzen die Unwissenheit von Models und natürlich auch das große Angebot am Markt aus. Sie buchen Models zu unfairen Preisen und nutzen die Bilder dann entgegen der Absprache über den vereinbarten Nutzungszeitraum oder die vereinbarte Verwendungsart hinaus. Das hat viel damit zu tun, dass dies nicht besonders sanktioniert ist und viele Kunden damit vorsätzlich ein sehr kalkulierbares Risiko eingehen, da sie lediglich die eigentlichen Lizenzkosten als Schadenersatz bezahlen müssen, zuzüglich geringer Rechtsverfolgungskosten.    

 

Gerade Bildrechte sind ein Thema, was durch Facebook, Snapchat und Co. aktuell ist. Was mache ich denn, wenn ein unvorteilhafter Schnappschuss im Internet gelandet ist?

Sehr schnell reagieren! Man sollte sich sofort an den jeweiligen Betreiber der Website wenden, um das Foto löschen zu lassen. Noch schneller geht es natürlich, wenn man denjenigen darum bitten kann, welcher das Bild veröffentlicht hat, falls es sich um eine Social Media Plattform handelt. Leider stimmt aber der Satz "Das Internet vergisst nichts". Sobald ein Bild einmal öffentlich im Netz ist, kann es ohne Weiteres kopiert und zu einem späteren Zeitpunkt wieder geteilt werden.

Daher kann ich nur den Rat geben: Lasst euch nicht ohne euer Einverständnis fotografieren und überprüft jedes Bild vor der Veröffentlichung.

Am besten ist es, unvorteilhafte Bilder vor den eigenen Augen vom jeweiligen Gerät löschen zu lassen, auch aus dem Papierkorb. Zwar hat man im Nachhinein unter bestimmten Umständen einen Anspruch auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld, jedoch sollte man es hierauf erst gar nicht ankommen lassen.    

 

Halten Sie die gesetzlichen Rahmenbedingung für ausreichend stark?

Nein. Es gibt, wie gesagt, kaum Sanktionen, und das Strafrecht wird im Bereich der Persönlichkeits- und Urheberrechte in der Praxis nach meinem Empfinden äußerst restriktiv angewandt. Ich vermisse zumindest bei Verletzungen im gewerblichen Bereich die abschreckende Wirkung. Es ist jedesmal müßig, mich mit Gegnern darüber streiten zu müssen, dass meine Mandanten - und das betrifft sowohl Models, als auch Fotografen - für ein bestimmtes Bild tatsächlich die geforderte Gebühr erhalten hätten.

Dann sind Argumente des Gegners, die darauf abzielen, dass es auf dem Markt auch "billiger" ginge, einfach ärgerlich, da sie sich dieser Verhandlungsmöglichkeit schließlich selbst dadurch beraubt haben, indem sie das Bild unberechtigt verwendet haben. Aus der Branche habe ich häufig die Aussage gehört: "Wir lizenzieren immer nur für ein Jahr und verwenden das Bild dann so lange, bis es jemandem auffällt." Leider fällt es in der Praxis aber meistens nur durch Zufall und selten auf.   

 

Gibt es neben den Bildrechten noch andere Rechtsgebiete, die man beim Thema Model beachten muss?

Da gibt es einiges, um nur ein paar aufzuzählen: Das Thema Scheinselbständigkeit gewinnt an Bedeutung. Die Zuordnung entweder zum Künstler, Gewerbe oder anderem Freiberuf ist noch immer strittig und birgt Beratungsbedarf, insbesondere in steuerrechtlicher Hinsicht. Verträge und AGB sind wichtige Themen, insbesondere wie mit Exklusivität, Wettbewerbsverboten, Absagen und so genannten "Optionen", das sind kundenseitige Reservierungen, umgegangen wird.

Krankheit, Arbeitsunfähigkeit und folglich persönliche Unmöglichkeit sind relevant. Geheimhaltung und Industrie-Spionage sind ebenfalls ein heikles Thema. Die Frage von notwendigen Versicherungen kommt immer wieder auf, insbesondere da man als Model oft mit sehr teuren Kleidern und Equipment arbeitet. Neu ist das Thema des unlauteren Wettbewerbes unter Models, Stichwort "Instagram-Werbung".  


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Vertreten Sie neben Models auch Fotografen und Agenturen oder muss man sich für eine Seite entscheiden?

Ich bin der Ansicht, dass ich all diese Parteien vertreten kann und sollte, da sie alle im Streitfall häufig eines gemeinsam haben, nämlich Kunden, die sich nicht an Absprachen halten. Die Models, Fotografen und Agenturen sollten ein starkes Gegenstück zur Kundenlandschaft bilden, damit es für letztere schwieriger wird, den Markt durch Ausbeutung und Übervorteilung kaputt zu machen.

Ich habe unter meinen Mandanten sowohl Agenturen, als auch Models und Fotografen und ich arbeite in allen Fällen mit denselben Argumentationsweisen. Im

macht man sich beispielsweise deshalb unglaubwürdig, wenn man beide Seiten vertritt, weil man jedes mal gegenteilige Auffassungen vertritt. Da ich aber generell die Seite der Auftragnehmer gegenüber der Seite der Auftraggeber vertrete, ist dies das Äquivalent zu Arbeitnehmern gegenüber Arbeitgebern.  

 

In manchen Branchen braucht man Stallgeruch und in anderen sind frische Gedanken entscheidend. Wie war es bei Ihnen?

Nach den Staatsexamina haben alle Juristen zunächst den gleichen Spezialisierungsgrad. Während der juristischen Ausbildung lernt man, sich auf juristische Weise mit unterschiedlichen Lebensbereichen auseinanderzusetzen. Hier hilft es dann, welche Erfahrungen man bereits während des Studiums gesammelt hat, sei es durch einen Nebenjob in einer vollkommen anderen Branche, oder aber durch Mitarbeit in einer spezialisierten Kanzlei, aber auch durch Hobbies.

Ich kenne Juristen, die sich schon immer mit Programmierung beschäftigt haben, später also IT-Recht machen. Ich habe von einer Anwältin für Pferderecht gehört, wahrscheinlich waren Pferde schon immer ihr großes Hobby, deswegen hilft ihr dieser Stallgeruch, im wahrsten Sinne des Wortes, weiter. Für eine Agentur habe ich AGB überprüft, welche diese zuvor in einer anderen Kanzlei hat erstellen lassen, man merkte, dass der Verfasser zuvor niemals mit der Modelbranche in Berührung gekommen war, da die Klauseln derart lebensfern waren.  

 

Gab es ein wegweisendes Ereignis, warum Sie sich für eine juristische Laufbahn entschieden haben oder war es von Anfang an ihr Hauptziel?

Als kleines Mädchen war meine Lieblings-Serie die Bill Cosby Show. Claire Huxtable, die Protagonistin der Show war Anwältin und mein großes Idol. Ich wollte später sein wie sie, außerdem besaß ich bereits zu diesem Zeitpunkt ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Mir war damals natürlich nicht klar, dass dieses in diesem Beruf nicht weiterhilft. Da hatte ich jedenfalls beschlossen, auf das Gymnasium zu gehen, um später Jura zu studieren. Zwischenzeitlich, während der Pubertät verlor ich dieses Ziel ein wenig aus den Augen, wollte dann Journalistin oder A & R Managerin werden.

Nach dem Abitur besann ich mich dann urplötzlich wieder zurück und nicht zuletzt mein Sicherheitsbedürfnis ließ mich dann Jura studieren. Ich wollte etwas "Handfestes".     

 

Würden Sie sagen, dass Sie Ihre Mandate eher reagierend bearbeiten, also auf Urheberrechtsverletzungen hin, oder proaktiv tätig werden, also vertragliche Rahmenbedingungen schaffen?

Aktuell bearbeite ich die Mandate hauptsächlich reagierend, da in der Branche, vor allem bei den Models, die inzwischen ihre "Verträge" oft selbst machen, noch immer nicht richtig angekommen ist, dass man sich durch relativ einfache Vereinbarungen vor späterem Ärger schützen kann. Es gehört allerdings zu meinen erklärten Zielen, diese Zustände zu beseitigen. Hierfür müsste ich natürlich erst mal einen größeren Bekanntheitsgrad erreichen.

In hoffentlich naher Zukunft wird meine Homepage online gehen, auf dieser werde ich dann regelmäßig Tipps und Tricks veröffentlichen und Anleitungen zur Vermeidung von späteren Rechtsstreits geben. Seitdem sich in der Modelbranche herumgesprochen hat, dass ich mich auf diesem Gebiet spezialisiert habe, kommen aber immer häufiger Models mit dem Anliegen auf mich zu, ich möge doch bitte den kürzlich erhaltenen Vertrag überprüfen, bevor sie diesen unterschreiben. Das freut mich natürlich sehr.   

 

Gehört Glück dazu, sich in einer rechtlichen Nische ein Geschäftsfeld zu schaffen oder sind gerade dort noch viele Plätze frei?

Jeder weiß, dass der juristische Markt mittlerweile als "überlaufen" gilt. Als ich mich selbständig gemacht habe, entschied ich daher, all das zu nutzen, was ich habe. Da ich weder eine elterliche Kanzlei, noch Prädikatsexamina besaß, blieb mir immerhin meine umfangreiche Erfahrung in einer Branche, in die kaum andere Juristen Einblick erhalten. Der entscheidende Wettbewerbsvorteil liegt allerdings nicht nur in meinem Wissen um die tatsächlichen Gegebenheiten der Branche, sondern selbstverständlich auch in über Jahre hinweg entstandenen Netzwerken.

Models sind scheu, wenn es darum geht, ihre Rechte mit Hilfe eines Anwaltes durchzusetzen. Da hilft es natürlich, wenn sie in mir eine Anwältin haben, mit der sie "auf Augenhöhe" sprechen können. Ich kann nicht beurteilen, wie es in anderen Nischen aussieht, allzu viele dürfte es angesichts der großen Anwaltsschwemme auch nicht geben. Aufgrund unserer generalistischen Ausbildung kann jeder Jurist sich in jedes Rechtsgebiet einarbeiten.    

 

Oft hört man, dass man sich stets rechts und links des Weges umschauen soll. Halten Sie konsequente und frühzeitige Spezialisierung für den besseren Weg?

Ich vertrete die Ansicht, dass es auch bei einer frühzeitigen Spezialisierung nicht schadet, sich weiterhin umzuschauen. Ich schließe nicht aus, dass ich in ein paar Jahren noch ein weiteres Rechtsgebiet für mich entdecke, welches ich als spezialisierungswürdig empfinde. Auch heute bearbeite ich viele Fälle aus völlig anderen Rechtsgebieten, wie zum Beispiel Verkehrsunfälle und Mandate aus dem Arbeitsrecht. Ich liebäugle schon lange auch mit dem IT-Recht, da ich in meiner Zeit als Legal Counsel einer Werbeagentur häufig damit in Berührung kam.

Folglich kann ich sagen, dass ich frühzeitige Spezialisierung als sinnvoll erachte, dass diese aber meiner Meinung nach nicht so konsequent fortgeführt werden muss oder sollte. Problematisch wird es erst dann, wenn ein Anwalt wirklich alles machen will. Das halte ich ich für nicht glaubwürdig. Niemand kann gut in irgendwas sein, wenn er auf allen Rechtsgebieten unterwegs ist.  

 

Meinen Sie, dass wir mit diesem Interview ein paar Vorurteile ausräumen konnten oder was fehlt dazu noch?

Die Vorurteile gegenüber Models oder Anwälten generell können durch dieses Interview wohl nicht ausgeräumt werden, solche auszuräumen wäre eine Lebensaufgabe, zu der ich nicht bereit bin. Dass ich Model UND Rechtsanwältin bin, mag bei den einen anecken, bei den anderen wiederum dazu führen, mir in Sachen Modelrecht eher zu vertrauen. Irgendwann habe ich einfach damit aufgehört, mir Gedanken darüber zu machen, wie ich was am besten anstellen soll, damit die Leute sich nicht aufgrund ihrer Vorurteile von mir abwenden,

da ich schon früh feststellen musste, dass Vorurteile sowohl Positives als auch Negatives nach sich ziehen.

 

Man muss Vorurteile eben nur für sich zu nutzen wissen, frei nach dem Motto "Love me or hate me, both are in my favor". Ich kann den Lesern daher nur mitgeben: Seid ihr selbst und verbiegt euch nicht für eure Ziele, das bringt eh nichts.  
 

Viele Dank!

 

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