Vision: Kanzlei der Zukunft!

"Viele Dinge, die uns täglich beschäftigen, hat vorher noch nie jemand gemacht." - Interview mit Markus Hartung von Chevalier


veröffentlicht am 08.04.2019

 

Markus Hartung, geschäftsführender Gesellschafter der Kanzlei Chevalier und früherer German Managing Partner von Linklaters, erklärt, was sich hinter der "Kanzlei der Zukunft" verbirgt, wie sich die tägliche Arbeit von Anwälten bei Chevalier gestaltet - und warum er selbst diese Vision verfolgt. 

 

Was unterscheidet Chevalier von der typischen Kanzlei?

Bei uns gibt es nicht "die eine Geheimzutat" - wir versuchen einfach an allen Ecken und Enden anzusetzen und die Dinge besser zu machen, als Mandanten sie bisher gewohnt sind. Das beginnt mit absoluter Kundenorientierung und endet mit dem smarten Einsatz von Technologie. 

 
Ein Aspekt, den wir zum Beispiel anders machen als klassische Kanzleien, ist die Arbeits- und Funktionsteilung: Anwälte kümmern sich ausschließlich um Jura, Softwareentwickler kümmern sich um die Entwicklung der Technologie, und unser Business Development-Team kümmert sich um die Akquise. Außerdem haben wir ein Team, das ausschließlich mit Mandanten kommuniziert. Klingt alles aufwendig, ist es teilweise auch, aber die ersten Ergebnisse sagen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 

Herr Hartung, wie kam’s dazu, dass Sie geschäftsführender Gesellschafter bei der Rechtsanwaltsgesellschaft Chevalier geworden sind? Was haben Sie davor gemacht?

In meiner gut 30jährigen Anwaltskarriere habe ich verschiedene Sozietätstypen kennengelernt - von der kleinen Bürogemeinschaft bis zum Global Player. Dann habe ich mich lange wissenschaftlich mit der Zukunft und Digitalisierung von Kanzleien und dem Rechtsmarkt befasst, und jetzt kam Chevalier - für mich die Gelegenheit, praktisch umzusetzen, was ich seit Jahren erforscht und gelehrt habe.

 

Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe am meisten?

Etwas aufzubauen, in einem multidisziplinären Team zu arbeiten, unternehmerisch tätig sein und das mit dem Beruf des Rechtsanwalts zu verbinden - eine super interessante Herausforderung.

 

Chevalier wirbt auf ihrer Homepage mit dem Slogan „Das Leben ist zu kurz für kleine Visionen“. Welche Vision verfolgt Ihre Rechtsanwaltsgesellschaft?

Wir finden es unglaublich spannend, nicht nur eine weitere Arbeitsrechtskanzlei zu sein, sondern das gesamte Prinzip der Rechtsdurchsetzung für Arbeitnehmer ganz neu zu denken.

 

Viele Dinge, die uns täglich beschäftigen, hat vorher noch nie jemand gemacht

 

Diese Pioniersarbeit treibt uns an. Kurz und knapp ist unsere Vision, bundesweit die führende Kanzlei im Arbeitsrecht für Arbeitnehmer zu bauen.

 

Sie sagen Chevalier sei in der Lage arbeitsrechtliche Fälle mithilfe von Technologie skalierbar durchzusetzen. Was verstehen Sie unter Skalierbarkeit?

Skalierbarkeit bedeutet für uns ganz einfach, dass wir bei gleichbleibender höchster Qualität die Quantität von Fällen "hochschrauben" können. Unsere Software und die Servicestrukturen ermöglichen uns das. Aber es gibt natürlich auch bei uns eine Grenze der Skalierbarkeit:

 

Ohne Menschen geht es nicht.

 



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Rechtsanwalt (m/w/x) Arbeitsrecht- Berlin



 

Ist Skalierbarkeit und Arbeitsrecht nicht ein Widerspruch in sich, Herr Hartung? Denn Arbeitsrecht ist doch gerade sehr individuell!

Sie haben recht, unsere Software ist nicht darauf ausgelegt, Fälle vollautomatisch durchzusetzen. Bei uns ist es immer das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine. Unsere Effizienz kommt daher, dass wir einzelne Prozessschritte und die Kommunikation automatisieren - nicht den gesamten Prozess.

 


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Für wen bietet Chevalier innovative Rechtsberatung an?

Wir glauben stark daran, dass Fokus sehr wichtig ist, um etwas besonders gut zu machen. Daher konzentrieren wir uns ausschließlich auf Arbeitnehmer in Deutschland.

Bei den einzelnen Mandaten versuchen wir aber wirklich jedem zu helfen, der zu uns kommt. Egal ob rechtsschutzversichert oder nicht, Berufseinsteiger oder Abteilungsleiter, Aufhebungsvertrag oder Kündigung - unser Anspruch ist, dass wir für jede/n eine gute Lösung finden. Dabei haben wir auf der Gegenseite schon Großkonzerne wie Audi und Amazon gehabt, aber genauso auch kleine Betriebe mit 15 Mitarbeitern. Auch die Kanzleien auf der Gegenseite sind divers: Die meisten Großkanzleien sollten uns mittlerweile kennen, aber oft ist es auch der örtliche Fachanwalt oder Generalist.

 

Herr Hartung, wird Chevalier ihr Beratungsangebot noch weiter ausbauen?

Wir fokussieren uns aktuell hauptsächlich auf "Beendigungen von Arbeitsverhältnissen" - das heißt Kündigungen, Aufhebungsverträge und alles was dazu noch anfällt, wie z.B. Urlaubsabgeltung, Arbeitszeugnisse, etc.

Im Rahmen der nächsten Monate werden wir uns innerhalb des Arbeitsrechts noch breiter aufstellen. Bezüglich weiterer Rechtsgebiete gibt es aktuell keine konkreten Pläne. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt? Wer hätte in 1994 gedacht, dass der Buchhändler Amazon in 2019 der weltgrößte Cloudstorage-Anbieter ist?

 

Sind Sie der Meinung, dass moderne Technologie examinierte Rechtsanwälte ersetzen kann oder ist das gar nicht Ihr Ziel?

Das, was Anwälte im Kern machen sollten, lässt sich in den nächsten 10-15 Jahren nicht durch Software ersetzen, aber Software kann sie unterstützen. Wenn Anwälte allerdings Dinge tun, die keine anwaltliche Arbeit sind, dann wird Software das ersetzen - der Anwalt, der seine Zukunft in der ewiggleichen standardisierten Arbeit sieht, hat keine.

 

More for less. Ist es Ihrer Meinung nach nur ein Trend, dass Mandanten nach mehr und schnelleren Leistungen für wenig Geld verlangen oder wird das die Zukunft der Rechtsberatung bestimmen?

Das bestimmt die Zukunft.

 

Mehr Leistungen, bessere Leistungen, möglichst geringe Preise.

 

Natürlich gibt es da Grenzen, aber im Moment haben wir die noch nicht erreicht.

 

Viele Akteure in diesem Bereich kommen aus der Generation Digital Natives. Wie formt diese Generation wiederum zukünftige Anwaltskanzleien?

Fokus auf Teams, klare Strukturen, gegenseitiger Respekt, Diversity, Familie, Flexibilität, interessante Arbeit, und alles auf der Basis funktionierender Technologie. Meilenweit entfernt von dem, was man heute in Kanzleien findet.

 

Glauben Sie, dass sich deshalb das Berufsbild des Anwalts grundlegend verändern wird?

Ich würde es so sagen: Anwälte haben die Chance, sich wieder auf das zu besinnen, worin sie richtig gut sind. Technology is a brutal teacher - Legal Tech zwingt uns, unsere Rolle neu zu definieren.

 

Das Berufsbild wird sich sehr ausdifferenzieren, und das, was wir heute als Berufsbild vor Augen haben, wird es nur noch in wenigen Ausnahmen geben.

 

Würden Sie sagen, dass der klassische Rechtsanwalt immer mehr zum Produktmanager wird?

Der Begriff Produktmanager ist vielleicht irreführend, weil er von verschiedenen Leuten unterschiedlich verstanden wird. Was aber feststeht ist, dass Anwälte sich mehr denn je fragen müssen, welche Ressourcen sie in welcher Kombination (also anwaltliche, nichtanwaltliche, technische und sonstige) einsetzen müssen, damit der Mandant den größten Nutzen aus der anwaltlichen Tätigkeit erhält. Anders gewendet: Gute anwaltliche Tätigkeit ist keine Blackbox mehr, die man dann nach intransparenten Kriterien abrechnen kann.

 

Herr Hartung, sehen Sie sich selbst eher als Anwalt oder mehr als Unternehmer?

Als Anwalt mit einem starken Unternehmer-Gen. Unternehmerischer Anwalt oder anwaltlicher Unternehmer? Jedenfalls immer noch ganz schön Anwalt - da kann ich von den Startuppern um mich herum ganz schön was lernen. Das ist, glaube ich, was mich am meisten reizt: Was Neues zu machen, neue Dinge zu lernen.

 

Im Bereich moderner Technologien sollte man auf jeden Fall Freude am Experimentieren mitbringen. Würden Sie diese Aussage so bestätigen?

Unbedingt.

Diese Experimentierfreudigkeit steckt bei uns in der DNA, da wir mit dem Anspruch gestartet sind, den Weg für eine neue Generation der Anwaltskanzleien zu bahnen. Wenn man etwas neues macht, dann ist das per se zunächst immer ein Experiment.

Wichtiger als die Experimentierfreudigkeit ist aus unserer Sicht allerdings die Offenheit dafür, Dinge neu zu denken und anders zu machen, als man es gewohnt ist - danach suchen wir auch bei unseren Mitarbeiter. Den Satz "aber das habe ich schon immer so gemacht", wird man bei uns nicht hören.

 

Welchen Tipp möchten Sie Nachwuchsjuristen in dieser Branche mit auf den Weg geben?

 

Machen Sie das, was Sie wirklich lieben. Das wird dann gut, keine Sorge!

 

Ihr Fazit

Fast jeder würde zustimmen, dass die Art und Weise, wie Rechtsdurchsetzung funktioniert, in 10 Jahren nicht mehr so aussieht wie heute. Egal ob als Berufsanfänger oder erfahrener Anwalt - jede/r sollte sich jetzt die Frage stellen:

 

Möchte ich aktiv diese Zukunft mitgestalten, oder darauf warten, dass es andere tun? Bei Chevalier bieten wir ersteres. 

 

Vielen Dank, Markus Hartung!

 

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