Rechtsanwältin Denise Bauer-Weiler im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 23.06.2022.

Juristin in Management & Vorstand: Mut zur Veränderung

Rechtsanwältin & Vorstandsmitglied der UBS Europe SE Denise Bauer-Weiler im New Lawyers Podcast

Eigentlich wollte Denise Bauer-Weiler Intendantin an einem Konzerthaus werden – Jura konnte sie dann schließlich doch mehr überzeugen. Heute arbeitet sie als Head of Group Compliance, Regulatory & Governance bei der UBS Europe SE und wurde dort 2021 zum Vorstandsmitglied. Alisha Andert spricht in dieser Folge des New Lawyers Podcasts von TalentRocket mit ihr über ihren Werdegang.

 

Viele Zufälle brachten Denise Bauer-Weiler dorthin, wo sie heute ist: in den Vorstand der Bank UBS Europe SE. Ihre Faszination mit dem Bankaufsichtsrecht und der Bankenregulierung begann mit einer Tätigkeit als studentische Hilfskraft am Max-Planck-Institut, wo sie zu Gemeinschaftsgütern forschte. Einer ihrer Professoren übertrug das Prinzip (das eigentlich auf die Umwelt angewandt wird) auf die Finanzmärkte. Für diesen Fachbereich konnte sich auch Bauer-Weiler begeistern und wählte ihn schließlich für ihre Promotion.

Ein wichtiges Thema in ihrer Forschung: die Selbstregulierung. Dabei gehe es darum, Unternehmen und Banken nicht durch Gesetze zu bestimmtem Handeln zu bringen, sondern durch andere Anreize. Dafür kommen zum Beispiel Kodizes zum Einsatz, zu deren Einhaltung sich die Banken verpflichten und infolgedessen bestimmte Regularien einhalten. Bei Verstoß gegen diese Kodizes warten dann nicht etwa Geldbußen oder ein Gerichtsverfahren, sondern „Shaming“ oder sozialer Druck. Ein klassisches Beispiel ist die Nachhaltigkeit: Obwohl es in diesem Bereich teilweise keine oder ungenügende gesetzliche Vorgaben gibt, verpflichten sich dennoch viele Banken und Unternehmen gewissen Regularien.

Von der Großkanzlei zur Bank: Ein unerwarteter Wechsel

Ihre Karriere startete Bauer-Weiler in der Großkanzlei Freshfields – ihr Fachbereich galt zu diesem Zeitpunkt eher als Inselgebiet und nicht unbedingt als große Einnahmequelle für Kanzleien. Das änderte sich mit der Finanzkrise: Bankaufsichtsrecht stand auf einmal hoch im Kurs und heutzutage gibt es sogar eigene Studiengänge für das Rechtsgebiet.

Der Wechsel in das Management der UBS Europe SE erfolge dann schließlich auf den Anruf eines früheren Mandanten hin. Dieser hatte sich daran erinnert, dass Bauer-Weiler in einem Meeting erwähnt hatte, dass sie eigentlich keine Anwältin werden wollte. Dass sie eine Karriere in der Musik angestrebt hatte, konnte er natürlich nicht ahnen. Stattdessen wurde ihr die Regulatory Relations Stelle angeboten, für die sie sich nach intensiven Gesprächen und Überlegungen auch entschied – und von der Kanzlei ins Management wechselte.

Das Bank- und Finanzrecht könnte auch deine Zukunft sein?

Hier findest du aktuelle Stellenanzeigen in ganz Deutschland

→ Alle Jobs im Überblick

Jura hinter sich zu lassen, war eine schwere Entscheidung

In ihrer neuen Rolle kümmerte sich Bauer-Weiler um den Aufbau, die Aufrechterhaltung und die Professionalisierung der Kommunikation zu den Aufsichtsbehörden. Zuvor waren das die BaFin und die Bundesbank, heute ist statt der Bundesbank die EZB zuständig. Mit dem Wachstum der Bank wuchsen auch Bauer-Weilers Aufgaben. Heute gibt es ein großes Team für die Aufsichtskommunikation, sie selbst kümmert sich um Themen wie Compliance, Regulatory, Geldwäsche, Operational Risk Control und Governance. Durch ihre Vorstandsmitgliedschaft kommt sie nun noch mehr mit strategischen Themen in Berührung, muss Entscheidungen treffen, die sie als Juristin vorher eher weniger betrafen. Interessant sei es für sie gewesen, diese Entscheidungen nicht mehr allein treffen zu können, sondern sich auch auf die Expertise der Kolleginnen und Kollegen zu verlassen.

An ihrer Arbeit schätzt sie neben den fachlichen Herausforderungen auch die Kultur, die in der Bank herrscht. Mehr als 50 Nationen sind hier tätig, es gebe viel mehr verschiedene Rollen, Expert:innen und Hierarchien, die man zusammenbringen müsse, als in einer Kanzlei.

Man braucht schon Mut, um die Juristerei zu verlassen.
Denise Bauer-Weiler

Trotz allem sei es eine schwere Entscheidung gewesen, ihre Arbeit als Juristin hinter sich zu lassen – gerade, weil es so ein langer Weg war bis zum Zweiten Staatsexamen. In der Managementposition warteten ganz andere Aufgaben auf sie als sie aus dem Studium und ihrer bisherigen Laufbahn kannte. „Man braucht schon Mut, um die Juristerei zu verlassen“, stellt sie klar. Menschen, die vor ähnlich großen Entscheidungen stehen, rät sie, die Vor- und Nachteile gut abzuwägen, einen Plan B zu haben, aber auch risikobereit zu sein und den Mut zu haben, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Für Ihren Wechsel habe sie sich letztendlich aus dem Bauch heraus entschieden – und nichts bereut.

 

Du möchtest wissen, warum Intendant:innen oft Jurist:innen sind und mehr über den Arbeitsalltag in der UBS Europe SE erfahren? Dann hör doch mal rein in diese Folge des New Lawyers Podcast von TalentRocket!

Die Themen dieser Folge im Überblick

 

  • Icebreaker-Frage: Was ist deine liebste Erinnerung?
  • Was war dein eigentlicher Berufswunsch?
  • Wie bist du zum Bankaufsichtsrecht gekommen?
  • Wie hängen Gemeinschaftsgüter und Bankenregulierung zusammen?
  • Zeit bei Freshfields: Wie war die Arbeit in deinem Rechtsgebiet?
  • Was hat es mit dem Bereich der Selbstregulierung auf sich?
  • Wechsel zu UBS Europe SE
  • Wie hat sich dein Job entwickelt? Wie war dein Wechsel in das Management?
  • Wie hast du die Entscheidung zum Wechsel getroffen?
  • Was rätst du Personen, die vor einer großen Entscheidung stehen?
  • Wie bist du zum Vorstandsmitglied geworden?
  • Wie ist die Arbeitskultur in der Bank?
  • Möchtest du immer noch in den Musikbereich?