Die Digitalisierung kommt...

und mit ihr neue Berufsmöglichkeiten - Manager in Kanzleien


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 12.02.2018

 

Digitalisierung ist aktuell das große Thema in Wirtschaft und Politik. Auch an der sonst so konservativen Branche der Rechtsberatung geht dies nicht vorbei. Doch ausnahmsweise ist heute nicht die Rede von LegalTech – Unternehmen, Apps oder dem Anwaltsroboter Watson, sondern es geht um Menschen, die die Digitalisierung in Kanzleien etablieren sollen. Dies sind keine jungen Associates oder besonders innovative Partner: es sind neue Berufsgruppen, die es bisher so gar nicht gab!

 

Projekt- und Innovationsmanager erobern die Großkanzleien

Es ist noch nicht lange her, da war die strategische Ausrichtung einer Kanzlei, die Betreuung des Mandantenstamms aber auch die Akquise neuer Mandate hauptsächlich Sache der Partner einer Kanzlei. Wenn es überhaupt eine eindeutige Aufgabenzuweisung gab, waren es die kommunkativeren und vor allem gut vernetzten Partner, die so etwas ähnliches wie „Marketing“ betrieben haben. In erster Linie aber setzten vor allem die großen Kanzleien auf ihr Prestige und die damit einhergehende erstklassige juristische Arbeit.

Das ist heute anders. Die Digitalisierung stellt auch große Kanzleien zumindest langfristig gesehen vor große Veränderungen und die Konkurrenz wird durch das Internet und die Globalisierung ebenfalls nicht weniger. Daher setzen immer mehr Kanzleien nun auf Experten auf diesem Gebiet und das sind in der Regel keine Juristen. Die Experten, die es nun braucht, besitzen Abschlüsse und Erfahrung im Marketing, vor allem im Online-Marketing, Management- und Entwicklungsfähigkeiten und eine Neigung, gänzlich Neues zu wagen.
 

Die Aufgaben laufen auch zuwider manch alter Prinzipien

Eine Erkenntnis mit bitterem Beigeschmack bleibt daher für Juristen nicht aus. Auch in der behüteten Juristenbranche kann optimiert werden und bestimmte Aufgaben können anders sowie schneller erledigt werden als bisher. Das bedeutet gleichermaßen, dass die Manager, ähnlich wie Unternehmensberater, nicht nur auf freudige Gesichter stoßen. So ist es zum Beispiel Aufgabe der Manager - im Gegensatz zu den anderen Mitarbeitern einer Kanzlei - in aller erster Linie aus Mandantensicht zu denken. Gleichbleibende Qualität bei geringeren Kosten ist das Ziel. Geringere Kosten bedeutet dabei im Ergebnis aber vor allem weniger abrechenbare Stunden.

Ein Ansatz, der vielen alten Hasen der Branche sauer aufstoßen muss, waren die sogenannten „billable hours“, in der Vergangenheit eine Ware erster Güte unter Anwälten. Zudem führen die Manager gerne neue Softwares oder andere LegalTech Instrumente ein, die gerade den älteren Juristen zu schaffen machen. Es wird also immer deutlicher: Auch unsere konservative Juristenwelt bricht in ein neue Zeitalter auf.

 

Großkanzlei
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Ist die Digitalisierung mit ihren Entwicklungen wirklich hauptsächlich eine Gefahr?

Die Antwort kann hier nur „Nein!“ heißen. Zum Einen bedeuten weniger abrechenbare Stunden nicht automatisch, dass auch weniger Anwälte gebraucht werden. Zum Anderen können gerade die neuen Geschäftsfelder eine große Chance sein, die nur dann ergriffen werden kann, wenn sie auch erkannt wird. Daher sind juristische Manager in einer Art Doppelfunktion wahrzunehmen. Einerseits sind sie der klassische externe Optimierer, der weder betriebsblind ist, noch die Juristenbrille aufhat sowie bestimmte Abläufe in Kanzleien verbessern kann. Und ja, in dieser Funktion können durchaus auch Jobs wegrationalisiert werden und kurzfristig könnte man sich von dieser Entwicklung bedroht fühlen.

Andererseits sind diese Manager vor allem für die langfristige Entwicklung der Kanzleien zuständig und das bedeutet nach wie vor: Wachstum.

Vorallem die New Economy bringt eine Vielzahl neuer Rechtsfragen mit sich und der Beratungsbedarf von Startups bis hin zu multinationalen Internetgrößen wächst täglich.

Für diese Mandate müssen Kanzleien und ihre Mitarbeiter aber auch entsprechend vorbereitet sein und daher leisten die Manager einen großen Dienst für alle Seiten. Denn nur wer die Chancen auch erkennt und sich auf sie einlässt, kann am Ende auch zu den Gewinnern gehören.

 

Die Großen der Branche gehen voran...

Zu diesen Gewinnern wollen zum Beispiel auch Linklaters, Dentons oder Baker & McKenzie gehören, die bereits ganze Abteilungen für das Projektmanagement und die Entwicklung der Kanzleien eingeführt haben und diese stetig ausbauen.


In der gesamten Branche werden Manager und Entwickler für die Rechtsberatung dringend gesucht und wirklich fähige Leute können sich die Jobs quasi aussuchen. Dabei stehen in erster Linie Wirtschaftswissenschaftler im Fokus. Doch gerade Juristen können bei entsprechenden Zusatzqualifikationen durch ihre Branchenkenntnis punkten und sich diese Jobs sichern. Hier besteht gerade wegen der Digitalisierung eine gesicherte Perspektive.

 

...und nehmen die Manager gleich mit nach ganz oben

Ein weiterer höchst interessanter Aspekt der neu aufkeimenden Jobmöglichkeit als Manager einer Kanzlei ist dessen Stellenwert. Wird er zwar noch von manch älterem Partner argwöhnisch beäugt, ist der Manager von der großen Breite der Chefetagen nicht nur akzeptiert, sondern auch dringend gewollt und rückt daher meist direkt auf sehr hoher Ebene ins Glied der Kanzlei ein.

Während sich so mancher Associate also die Karriereleiter empor quälen muss und nicht selten an schlechten Aussichten, jemals Partner zu werden, verzweifelt, steigen die Kollegen auf Managementseite häufig bereits über den Anwälten ein, bzw. haben bereits von Anfang an vollen Zugang zu den Chefetagen. Daher ist die Zukunft als Manager einer Kanzlei nicht nur Entwicklern und Querdenkern vorbehalten, sondern auch denjenigen, die ihr Hauptaugenmerk auf Erfolg und Karriere legen. Hier bieten sich bei entsprechender Fort- und Weiterbildung ganz ungeahnte Möglichkeiten.

 

Ein völlig neu entstandenes Berufsbild bietet also Chancen, in Kanzleien Verantwortung zu übernehmen und den Übergang in ein vielleicht völlig neues Zeitalter zu gestalten. Wer bereit dafür ist und interessiert, mehr als nur die klassische Arbeit eines Juristen zu verrichten, neue Wege zu gehen und sich nicht zu schade dafür ist, auch einmal bei den Juristen der alten Schule anzuecken, dem bietet sich hier eine gänzlich neue und interessante Berufsmöglichkeit!

 

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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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