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Ein Interview, das im Gedächtnis bleibt

Studium, Examen & Zusatzqualifikationen

Ein Interview, das im Gedächtnis bleibt

#Interview

Lernen will gelernt sein! Davon können gerade Jura-Studenten ein Liedchen singen. Wir haben einen gefragt, der weiß wies geht: Simon Reinhard, seines Zeichens Anwalt und Gedächtnissportler. Wir wollen wissen, wie er zu dieser Leidenschaft kam und inwieweit er die Techniken im Alltag umsetzen kann.

 

Bitte stellen Sie sich doch einmal kurz vor (Wer Sie sind und was sie beruflich machen)!

​Simon Reinhard, geboren 09.01.1979 in München, Studium der Rechtswissenschaften an der LMU, zwei vollbefriedigende bayerische Examina, tätig als Anwalt seit 2009.  

 

Wie und wann kamen Sie auf die Idee, ihr Gedächtnis zu trainieren? 

Zufällig und glücklicherweise. Ich habe im Jahr 2005, kurz vor meinem Ersten Examen, die Seite www.memoryxl.de des gemeinnützigen Vereins MemoryXL entdeckt. Dort werden die Techniken vorgestellt. Der Verein veranstaltet auch Turniere. Spannend war eine Übungssoftware für Zahlenmerken, Namenmerken etc... Es gab jeweils zehn Level, was mich als alten Videospieler natürlich gleich gereizt hat. Man will ja das höchste Level schaffen. Das ging auch sehr einfach los, z.B. mit zehn Ziffern in 5 Minuten, hat sich aber schnell gesteigert. Irgendwann „zwang“ mich mein Ehrgeiz dann, mir einmal diese vermeintlich seltsamen Techniken anzusehen und ich habe gemerkt, dass es funktioniert. Dann kamen schnell die ersten Turniere und Erfolge, gegenwärtig bin ich amtierender Deutscher Meister.   

 

Inwieweit hat ihr Beruf sie beeinflusst, sich mit einem solchen Training zu befassen? 

Befasst hatte ich mich ja bereits davor damit, sowohl in den Turnieren als auch im Studium, wo mir das Ganze auch sehr geholfen hat, speziell wenn man Dinge im Detail wissen musste. Der Vorteil ist, dass man so leicht längere Listen von Stichpunkten der Reihe nach im Kopf behalten kann. Ich habe das dann mit „normalem“ Lernen und natürlich mit Verstehen kombiniert, das hat sehr gut funktioniert. Und im Beruf nutze ich das auch: Wenn ich Vorträge halte, lege ich mir so meine Rede zurecht und brauche keine Notizen mehr, ich kann frei sprechen. Oder ich merke mir ganz leicht eine Reihe wichtiger Stichpunkte für ein Mandantengespräch oder Argumente und die jeweiligen Gegenargumente für Verhandlungen. Es ist einfach ein besseres Gefühl, das sicher im Kopf zu haben als auf einem Blatt Papier vor sich. Man fühlt sich unabhängiger und kann freier sprechen. 

 

Wie lange dauert es, eine Technik zu erlernen? 

Es handelt sich um einen echten „skill“ mit leichtem Einstieg und viel Luft nach oben. Wie so oft sind die Basistechniken einfach zu verstehen und das erste Mal anzuwenden, die echte Effektivität kommt dann nach einiger Zeit, man muss „dranbleiben“. Unter erfahrener Anleitung geht es aber schneller. Hat man sich diese Fähigkeit erworben, verfügt über etwas, das man sein Leben lang in den verschiedensten Situationen anwenden kann. Immer dann, wenn man das Gefühl hat, dass man kurz davor ist, Dinge zu vergessen und man sie sich sonst stets innerlich vorsagen oder noch ganz kurz davor wieder schnell lernen würde, hat man dann eine Alternative: Man merkt sich das Ganze auf andere Art, hat es dann sicher im Gedächtnis und geht entspannt in die kommende Aufgabe. Sehr eindringlich habe ich das vor Kurzem erlebt, als ich mich nach einer Hotelbuchung beschweren wollte. Es handelte sich nicht um eine kleine Sache: Es war ein „Golf Resort“, das kurz vor meiner Ankunft (und nach der Buchung) den einzigen Golfplatz dauerhaft geschlossen hatte, ohne irgendjemanden zu informieren. Die eigentliche Anlage ohne Golfplatz hatte gerade noch Hinterhofgröße. Da stand ich nun mit meinem „Fairway View“-Zimmer, das nun einen schönen Zaunblick hatte ... Ich merkte schnell, dass ich unbedingt eine ganze Reihe von Argumenten anbringen wollte, auch der Wichtigkeit nach geordnet, wollte aber nicht lange suchen oder etwas vergessen, während ich dasaß, das hätte keinen souveränen Eindruck gemacht. Ich erwartete einen toughen Hotelmanager auf der Gegenseite. Da dachte ich mir, merk es Dir doch einfach mit den Techniken. Habe also ca. 10 Minuten investiert und alles ordentlich der Reihe nach gemerkt mit Stichpunkten und alles saß. Während des Gesprächs war ich absolut ruhig, weil ich wusste, ich kann mich auf die Information verlassen, die verschwindet nicht. Ich konnte mich auf mein Auftreten konzentrieren und darauf, den Gesprächsverlauf im Griff zu haben. Am Ende habe ich alles bekommen, was ich wollte („That is all doable, Mr Reinhard“). Das war ein schönes Gefühl, dass man über eine erworbene Fähigkeit verfügt, die man so gewinnbringend einsetzen kann.  

 

Welche Tricks hätten sie gern schon in ihrer Studienzeit gekannt?

Sicher hätte ich von all dem gerne schon früher erfahren, schon im ersten Semester, eigentlich schon in der Schulzeit. Mit der richtigen Erfahrung wäre speziell Schulstoff wie Geschichte, Biologie oder Vokabellernen absolut entschärft worden und auch wesentlich nachhaltiger erinnerbar gewesen. Und im Studium sowieso: Auch wenn Jura sehr viel auf Verständnis basiert, so erinnert man sich oft eben doch nicht an jedes Detail, auch wenn man alles perfekt verstanden hat. Das ist ja die Crux. Und dann ist ein solches Hilfsmittel sehr, sehr willkommen. Ich habe das speziell in der Strafrechtsvorbereitung für mein Zweites Examen gemerkt: Da waren schon sehr viele Informationen, Schwerpunkte und Urteile dabei, die man punktuell lernen musste. Dabei haben mir die Techniken extrem geholfen. Am Ende hatte ich in den beiden Strafrechtsklausuren einen Schnitt von 13 Punkten, das war schon sehr erfreulich. 

 

Haben Sie einen Lern-Tipp speziell für unsere angehenden Juristen? 

Kommt zu mir :). Nein, im Ernst: Unabhängig von Techniken zum besseren Merken hilft es immer,  sich für den Stoff zu interessieren. Der richtige Wiederholrhythmus spart Zeit und Pausen sollte man nach weniger als einer Stunde machen. Und was das tägliche Lernpensum angeht: Ehrlichkeit hilft. Es kommt auf den erworbenen Lernstoff an und nicht auf die abgesessene Zeit. Manchmal ist weniger mehr. 

 

Gibt es ein „Universal-Rezept“, um sich möglichst viel Inhalt in kurzer Zeit merken zu können?

Naja, es gibt keinen Nürnberger Trichter, der einem jegliches eigene Mitmachen erspart, sozusagen den USB-Stick fürs Gehirn. Lernen ist immer kontextual und aktiv. Gerade beim Einsatz von Techniken sollte man den Stoff stets auch „normal“ lernen und verstehen und dann durch die Techniken nachhaltiger machen. Sagen wir so: Es gibt sicher bessere Möglichkeiten, als sich jeden Tag einfach hinzusetzen, ein paar Buchseiten zu lesen und am nächsten Tag frustriert festzustellen, dass man von alldem höchstens noch die plakativsten Schlagwörter im Kopf hat. Es geht auch anders. 

 

Vielen herzlichen Dank für das spannende Interview!

 

11. September 2015

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