Flug-Entschädigungsrechner für Passagiere?

"No win no fee!" - Wie das Rechtsprodukt von Flightright den Finger in eine große Wunde legt


veröffentlicht am 16.01.2019

 

Stephanie Genz, General Counsel International, und Oskar de Felice, Legal Counsel Development und Strategy, haben uns einen interessanten Einblick in das spannende Legal Tech Rechtsprodukt mit Zukunftsvision gegeben. Flightright ist im Legal Tech Bereich ein echter Pionier und zeigt, dass Jura auch anders geht, als bisher vorgestellt. Dabei kombiniert Flightright juristische Expertise mit technischer Exzellenz. Juristen können bei Flightright Teil der Legal Revolution werden. 

 

Was verbirgt sich hinter diesem innovativen Geschäftsmodell Flightright, Herr de Felice?

 

Flightright ist aus dem Gedanken entstanden, dass kein Unterschied zwischen Recht haben und Recht bekommen bestehen sollte.

 

de Felice: Unser Antrieb ist es, die Rechte unserer Kundinnen und Kunden gegenüber den einst übermächtigen Airlines konsequent durchzusetzen. Am Beispiel der Fluggastrechte haben wir bewiesen, dass die Kombination eines spezifischen Rechtsgebiets mit exzellentem IT Know-How den Rechtsmarkt revolutioniert. Wo betroffene Passagiere früher nicht wussten, was ihnen zusteht und Rechtsbeistände wegen der geringen Streitwerte keine attraktiven Angebote machen konnten, haben wir schon über 200 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen erfolgreich eingefordert und abertausende Mandate an Kanzleien übermittelt. Auch wenn es sich hier ausschließlich um Fluggastrecht handelt, können wir mit Stolz sagen, dass wir den Rechtsmarkt in Deutschland und Europa ganz schön durcheinandergewirbelt haben.

 

Kann Rechtsberatung wie eine Hotelbuchung überhaupt funktionieren?

de Felice: Ebenso wie ich ein Hotel ganz einfach im Internet buchen kann, denke ich, dass die automatisierte Rechtsberatung in Zukunft noch viel selbstverständlicher auf den Einzelfall zugeschnitten wird. Dort wo automatisierte bzw. standardisierte Prozesse den Zugang zum Recht spürbar erleichtern, sind Angebote wie Flightright die bessere Wahl. Durch die risikofreie und einfache Beauftragung demokratisieren diese Lösungen das Recht. Insbesondere internetaffine Menschen haben an viele Angebote den Anspruch, dass eine standardisierbare Leistung schnell, einfach und zu einem kalkulierbaren Preis angeboten wird.

Auf der anderen Seite wird es auch weiterhin Rechtsbereiche und Lebenssituationen geben, in denen Kunden eine individuelle juristische Beratung wünschen und diese den technisierten Angeboten eher vorziehen.

 

Aus meiner Sicht haben Rechtssuchende eine sehr genaue Vorstellung davon, was sie gerne per Klick erledigt haben wollen und in welchen Bereichen sie eine individuelle Beratung möchten.

 

Welche juristischen Leistungen verbergen sich hinter dem Entschädigungsrechner?

de Felice: In der Anfangszeit von Flightright war unser Entschädigungsrechner ein klassisches Expertensystem. Wir haben entlang der Tatbestandsvoraussetzungen der Fluggastrechte-Verordnung alle relevanten Fragen, ähnlich eines Mandantengesprächs, einprogrammiert. Das ermöglichte uns Aussagen zum Bestehen einer Forderung zu treffen. Die klare und eindeutige Struktur der Fluggastrechte-Verordnung kam uns hierbei sehr entgegen.

Um den Rechtssuchenden jedoch bereits im Entschädigungsrechner Details zu den Besonderheiten ihres individuellen Falls zu geben, setzen wir schon länger auf Machine Learning gestützte Sachverhaltsaufklärung. Auf diese Weise können wir eine direkte Einschätzung geben, ob Flüge von außergewöhnlichen Umständen betroffen sind, welche die Rechtssuchenden in der Regel überhaupt nicht erkennen können. Durch die Anbindung unzähliger Datenbanken kann unser Algorithmus beispielsweise Wetterprobleme auf dem geplanten Weg des Flugzeuges oder sogar auf dem Vorflug identifizieren.

 

Und was spielt sich dann hinter den Kulissen der Website ab?

de Felice: Das Herzstück unserer Entwicklung ist aktuell sicherlich unser Machine Learning Algorithmus. Diesen entwickeln wir ständig weiter, sodass nicht nur das Erkennen von außergewöhnlichen Umständen verbessert wird. Auch qualifizierte Aussagen zum (Vor-)gerichtlichen Verhalten der Airlines und der Gerichte werden mit seiner Hilfe ermöglicht.

Bei all dem Fokus auf dem Technischen, sollte jedoch nicht vergessen werden, dass bei Flightright hochqualifizierte Juristinnen und Juristen arbeiten, die in hohem Maße strategisch und im steten Austausch mit unseren Partnerkanzleien die rechtlichen Strategien des Unternehmens gestalten. Hierfür müssen wir fachlich immer auf der Höhe der aktuellen Rechtsprechung im Zivil- und Prozessrecht in mehreren europäischen Ländern sein.

 

Können Mandanten Flightright auch außerhalb der Onlinemaske beauftragen?

de Felice: Flightright ist ein webbasiertes Geschäftsmodell. Klassischerweise können Passagiere uns nur über unseren Entschädigungsrechner beauftragen. Wenn ein Kunde jedoch bei uns im Büro anruft, können wir den Fall auch im Direktkontakt aufnehmen.      

 

Welche Ansprüche kann Flightright für seine Mandanten durchsetzen?

Genz: Flightright setzt Ansprüche, welche der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 – besser bekannt als die Fluggastrechte-Verordnung – entspringen, für Fluggäste gegenüber Fluggesellschaften durch. Mit refundmyexpenses.com und kofferweg.de bietet Flightright seit 2018 nun auch Hilfe bei der Durchsetzung von Ansprüchen an, die infolge von Gepäckverlust bzw. -verspätung oder angefallenen Kosten im Zusammenhang mit dem Problemflug entstanden sind. Flightright hat sich darüber hinaus zum Ziel gesetzt mit neuen Ventures den Zugang zum Recht auch in anderen Rechtsbereichen zu verbessern. Im April 2018 gründete Flightright zusammen mit jungen, ambitionierten Legal Techies Chevalier. Dieses neue Venture nimmt sich der Durchsetzung von Arbeitnehmeransprüchen an und wird erst der Anfang eines langen Legal Tech-Wegs sein.  

 

Welche Vorteile bringt Ihr sog. Entschädigungsrechner im Vergleich zur klassischen Rechtsberatung in einer Kanzlei?

Genz: Unser Geschäftsmodell hat im Vergleich zum klassischen Rechtsberatungsmodell mehrere Vorzüge. Der Fluggast gibt seine Daten in wenigen Schritten in den nutzerfreundlichen Entschädigungsrechner auf unserer Website ein. Am Ende des Vorgangs beauftragt er Flightright mit einer elektronischen Unterschrift. Ab diesem Zeitpunkt übernehmen wir die komplette Bearbeitung des Falls. Der Fluggast kann sich zurücklehnen und spart sich den zeitaufwendigen Kontakt mit der Airline.

Im Rahmen der klassischen Rechtsberatung muss sich der Fluggast zuerst auf den Weg machen, um einen auf Fluggastrechte spezialisierten Anwalt in seiner Nähe zu finden. Im Anschluss muss er einen Termin vereinbaren und erhält eine Erstberatung.

 

Bei Flightright spart er sich diese zeitaufwendigen Schritte gänzlich.

 

Durch die Vielzahl von gleichgelagerten Sachverhalten sind wir bei Flightright absolute Experten auf dem Gebiet. Diese enorme Expertise kann kaum ein einzelner Anwalt in vergleichbarer Form vorweisen. Angesichts der geringen Forderung wird dieser hinsichtlich des wirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Aufwands auch nicht den Weg bis zum BGH oder EuGH gehen wollen. Wir bei Flightright gehen diesen steinigen Weg mit und für den Fluggast. Mit unserem Modell “no win, no fee” bieten wir dabei ein für unsere Kunden risikoloses und überzeugendes Kostenmodell.     

 

Soll Ihr Entschädigungsrechner examinierte Rechtsanwälte ersetzen oder welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Geschäftsmodell?

Genz: Unser Angebot kann und soll examinierte Rechtsanwälte keinesfalls ersetzen. Mit Flightright haben wir für Fluggäste die erste Möglichkeit geschaffen, unkompliziert Zugang zum Recht zu erhalten. Gerade bei geringen Forderungen wie den Ausgleichszahlungen aus der Fluggastrechte-Verordnung lohnt es sich für einen Anwalt kaum, diese Forderung gewinnbringend durchzusetzen. Vor der Etablierung unseres Unternehmensmodells gab es hier eine echte Rechtsschutzlücke. Wir haben angefangen diese zu schließen. Unser Ziel ist es keinesfalls, Rechtsanwälte abzuschaffen, sondern vielmehr die Lücken im System zum Vorteil der Verbraucher zu schließen. Eine Vielzahl der Fälle setzen wir gerichtlich durch. So holen wir das Beste für Rechtssuchende heraus und sind in der Lage, die Rechtsprechung aktiv positiv zu beeinflussen. Möglich wird das durch unser Netz internationaler Partnerkanzleien.

 

Recht als Produkt. Welche rechtlichen Herausforderungen stellt die Vermarktung eines solchen Rechtsprodukts an Juristen?

 

Am Beispiel von Flightright lässt sich gut erkennen, dass wir den Finger in die Wunde gelegt haben und für den Verbraucher dort ein Angebot geschaffen hat, wo es vorher kein Angebot gab.

 

Genz: Kaum ein Fluggast kannte seine Rechte aus der Fluggastrechte-Verordnung und selbst wenn diese Rechte bekannt waren, herrschte ein sogenanntes rationales Desinteresse, da der Aufwand einer Forderungsdurchsetzung gegenüber Fluggesellschaften nicht in Relation zu seinem Nutzen stand. Dieses rationale Desinteresse hat Flightright mit seinem Service absolut verringert und auch Ansporn geschaffen, in anderen rechtlichen Bereichen, in denen der Aufwand nicht im Verhältnis zum Nutzen stand, neue Legal Tech Angebote zu schaffen (z.B. im mietrechtlichen Bereich oder beim VW-Dieselskandal). Dem Verbraucher eröffnet sich ein einfacher, risikoloser Service. In Bereichen, in denen ihm zuvor der Zugang zum Recht erschwert war, bietet sich jetzt die Chance, dass er ohne großen Aufwand seine Rechte wahrnehmen kann.

Herausfordernd ist also nicht unbedingt, dem Verbraucher die Vorzüge von Legal Tech-Anwendungen zu verdeutlichen. Vielmehr müssen sich Legal Tech-Anbieter vor allem gegenüber der bisherigen Rechtslandschaft rechtfertigen. Legal Tech-Anbieter haben sich daher zusammengeschlossen und sich im Rahmen des Bundesverbandes Deutscher StartUps e.V. (BVDS) zu einer Plattform Legal Tech organisiert. Diese Plattform hat sich unter anderem das Ziel gesetzt, einen steten Dialog mit Rechtsanwälten, Politik und anderen Unternehmen zu führen, um den Zugang zum Recht gemeinsam zu verbessern, Vorurteile gegen Legal Tech abzubauen und so das regulatorische Umfeld an die Bedürfnisse der Verbraucher anzupassen.      

 

Was macht die Arbeit bei Flightright für Juristen gerade so spannend, Frau Genz?

Genz: Flightright hebt sich insofern von anderen Unternehmen ab, als dass unser Produkt das Recht selbst ist. Wir arbeiten auf Grundlage einer Vielzahl von Daten. Diese ermöglichen unseren Juristen und Juristinnen Strategien abzuleiten, um die Rechtslandschaft der Fluggastrechte mitzubestimmen. Uns ist es beispielsweise möglich, durch divergierende Urteile an verschiedenen Amtsgerichten eine Vorlagefrage zum Europäischen Gerichtshof zu erzeugen.

 

“Thinking outside the box” gilt bei uns auch für Juristen und Juristinnen.

 

Für RechtsexpertInnen gibt es bei uns eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten. Neben dem klassischen Legal Counsel, der sich mit rein internen Rechtsfragen befasst, gibt es auch Positionen, die sich mit Strategiefragen auseinandersetzen, z.B. wie eine Rechtsfrage in Frankreich und Deutschland zu behandeln ist. Ist sie gleich zu behandeln oder weichen die Rechtsordnungen voneinander ab? RechtsexpertInnen können aber auch Teil eines großen Projektes sein und bei der Entwicklung eines neuen Produktes vom Anfang bis zum Ende mit dabei sein. Design Thinking ist bei Flightright nicht nur ein Thema für das Product-Team, sondern auch für das Legal-Team. Die “Rechtsabteilung” heißt bei uns nicht umsonst Legal Development.

 

Welche Themen stehen neben den klassischen unternehmensbezogenen Themen bei Flightright im Fokus?

Genz: Neben klassischen unternehmensbezogenen Themen, seien sie gesellschaftsrechtliche oder rechtliche Fragen rund um E-Commerce im Allgemeinen, stehen bei Flightright vorrangig Fragestellungen rund um die Fluggastrechte-Verordnung im Mittelpunkt. Um in diesem Bereich immer mehr Rechtssicherheit zu erlangen und am Ende die absolute Mehrheit der Fälle auch bereits außergerichtlich klären zu können, ist die ständige Weiterentwicklung der Rechtsprechung von äußerster Relevanz. Doch nicht nur diese Fragen beschäftigen uns, sondern auch wie sich beispielsweise Klauseln in den AGB von Fluggesellschaften im Verhältnis zu EU-Richtlinien und der Fluggastrechte-Verordnung darstellen. Daneben sehen wir aber auch die Novellierung des regulatorischen Umfelds für Legal Tech-Anbieter im Allgemeinen als juristischen Fokuspunkt.    

 

Frau Genz, welche Qualifikationen sollte ein Jurist mitbringen, damit er für die Entwicklung und Etablierung eines Rechtsprodukts genau der Richtige ist?

Genz: In unserem Team sind sowohl Juristen und Juristinnen, die bereits das erste Staatsexamen (mindestens 8 Punkte) absolviert haben, als auch Studierende der Rechtswissenschaften der höheren Semester willkommen. Wer bereits Erfahrung mit Projektarbeit und/oder Legal Tech gemacht hat, kann in unserem Team auch direkt eigene Projekte übernehmen.

 

Mit welchen Soft Skills sollte ein Kandidat ausgestattet sein, damit seine Bewerbung nicht auf dem Stapel der Absagen landet?

Genz: Kandidatinnen und Kandidaten sollten bereit und motiviert sein, mit uns die Rechtslandschaft umzukrempeln. Auch sollten sie gegenüber neuen Herausforderungen offen und Legal Tech für sie zumindest kein ganz neuer Begriff sein. Wir sind ein internationales Unternehmen. Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke sind uns wichtig. Auch die Fähigkeit zum Denken außerhalb von altbewährten Strukturen ist ein erfolgskritischer Faktor für unsere Arbeit.  

 

Welcher Juristentyp kommt für eine Festanstellung bei Flightright in Frage?

Genz: Wir sind auf keinen bestimmten Juristentypen fixiert. Entscheidend ist, dass KandidatInnen bereit sind, sich neuen Herausforderungen zu stellen und akzeptieren können, auch einmal Fehler zu machen, daraus zu lernen und offen für neue Wege des Denkens zu sein. Eine schnelle Auffassungsgabe und problembewusstes, zielorientiertes Denken halten wir neben guten Examina für essenziell.     

 

Warum sollte man sich als Nachwuchsjurist gerade bei Flightright bewerben? Was haben Sie als Arbeitgeber zu bieten, was eine klassische Kanzlei nicht bieten kann?

Genz: Flightright zeigt, dass Jura für die Generation der Digital Natives eine Plattform gefunden hat. Wir verbinden Legal und Tech und modernisieren den juristischen Markt. Bei Flightright kommt man mit dem Vorurteil, dass Jura trocken sei, nicht weit. Bei uns herrscht genau das Gegenteil.

 

Jura bedeutet hier nicht Hemd und Krawatte. Jura ist bei uns Ideen in den Raum werfen, sie aufgreifen, vielleicht auch wieder verwerfen, umsetzen und damit Erfolg haben, oder auch einmal scheitern.

 

Im Mittelpunkt steht bei uns immer der Kunde. Mit unserem Produkt erleichtern wir Verbraucherinnen und Verbrauchern den Zugang zum Recht und ebnen diesen Weg tagtäglich mehr mit unseren juristischen Ideen, aber auch denen aus anderen Abteilungen.

 

Wo sich klassische Kanzleien von Mandat zu Mandat hangeln, verfolgen wir eine echte Vision: Recht für alle.  

 

Wer bei Flightright nur an Fluggastrechte denkt, sieht nur einen kleinen Teil des großen Ganzen. Juristinnen und Juristen erwartet viel mehr: Ein großartiges Team, spannende Rechtsfragen, Strategieplanungen und Produktneuentwicklungen, bei denen wir immer ganz nah dran sind.     

 

Du willst mehr erfahren?
Hier geht`s zur Website von Flightright

 

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