Candidate Experience für Juristen

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 02.08.2021.

Die Candidate Experience: So überzeugen Arbeitgeber

Was der Bewerbungsprozess über Arbeitgeber aussagt

„Wir melden uns“ ist der allseits bekannte Satz, den Bewerberinnen und Bewerber zu hören bekommen, wenn sich vermutlich nie wieder jemand meldet. Keine Rückmeldung, unvorbereitete Recruiter und unprofessionelle Fragen im Vorstellungsgespräch sind nur einige der No-Gos, mit denen sich Interessenten bei der Jobsuche herumschlagen müssen. Das muss gar nicht sein, denn schließlich kann die sogenannte „Candidate Experience“ auch sehr positiv sein – sogar, wenn du den Job am Ende nicht bekommst! Wie du einen guten Arbeitgeber bereits anhand deiner Erfahrungen im Bewerbungsprozess erkennst, erfährst du hier.

Warum ist die Candidate Experience so wichtig?

Gerade in einer Branche wie der juristischen, in welcher qualifizierte Fachkräfte hart umkämpft sind, müssen nicht nur die Bewerberinnen und Bewerber überzeugen, sondern auch die Arbeitgeber. Das beginnt beim Gehalt und bei den Zusatzleistungen – hört dort aber noch lange nicht auf. Als Bewerber möchtest du sicherlich auch das Gefühl haben, zu der Kanzlei, dem Unternehmen oder der Behörde zu passen. Und dieses Gefühl wird sich bestimmt nicht einstellen, wenn der zuständige Personaler bereits den Termin zu deinem ersten Bewerbungsgespräch vergessen hat und sich zu Beginn erst einmal deinen Lebenslauf durchlesen muss.

Solche Vorkommnisse können sich juristische Arbeitgeber heutzutage kaum mehr leisten. Denn einerseits vergraulen sie so vielleicht eine passende Kandidatin, andererseits handeln sie sich einen schlechten Ruf ein und sorgen so dafür, dass sich in Zukunft weniger Talente bewerben. Um dem entgegenzuwirken, versuchen viele Arbeitgeber aktiv, ihren Bewerbern eine positive Candidate Experience zu bieten. Und auch wenn diese keine Garantie für einen wertschätzenden Umgang auch innerhalb der Kanzlei oder des Unternehmens ist, ist sie immerhin ein guter Indikator dafür.

Das gehört zu einer positiven Candidate Experience

Eine positive Bewerbungserfahrung ist mehr als nur das vage Gefühl, dich willkommen zu fühlen. Stattdessen kannst du auf konkrete Hinweise dafür achten, dass deinem Wunscharbeitgeber die Erfahrung seiner Interessentinnen und Interessenten wichtig ist:

1. Der Online-Auftritt überzeugt dich

Bereits in den ersten Minuten des Bewerbungsverfahrens kann die Kanzlei oder das Unternehmen dafür sorgen, dass du eine positive Erfahrung machst. Durch seinen durchdachten und speziell auf Bewerber zugeschnittenen Online-Auftritt kann dir deinen Wunscharbeitgeber die Möglichkeit geben, dich gut über ihn zu informieren und dir so sicher zu sein, dass ihr gut zueinander passt. Ein freundlicher Internetauftritt, der viele Einblicke in den Kanzleialltag gewährt, gehören zu einer guten Candidate Experience dazu und können dazu führen, dass du dich schon mit dem Arbeitgeber identifizierst, bevor ihr überhaupt Kontakt hattet! Auch die Stellenausschreibung an sich sowie die Ansprache an neue Talente zum Beispiel über Imagevideos oder ein Karriereportal auf der Webseite sprechen Bände.

2. Kurze Wartezeiten

Fast nichts ist unangenehmer als die Wartezeit, nachdem du eine Bewerbung abgeschickt hast. Wenn Arbeitgeber mit einer guten Candidate Experience überzeugen, verkürzt diese sich deutlich. Du erhältst eine Eingangsbestätigung und kannst innerhalb weniger Tage mit einer Einladung zum Bewerbungsgespräch oder mit einer Absage rechnen – ein wahrer Luxus, wenn man bedenkt, dass sich manche Personaler auf Bewerbungen überhaupt nicht melden.

3. Jeder weiß, wer du bist

Du hast dich beworben, dich vorbereitet und stehst nun am Empfang. Die Mitarbeiter an der Rezeption wissen sofort, wer du bist und dass du erwartet wirst – dasselbe gilt natürlich auch für den Verantwortlichen, der dich pünktlich zu Gespräch empfängt. Bei eurer Unterhaltung hast du das Gefühl, dass dein Gegenüber deinen Lebenslauf besser kennt als du selbst und dein Gesprächspartner zeigt sich beeindruckt von deinen Erfahrungen. Wenn du Glück hast, darfst du auch gleich dein zukünftiges Team kennenlernen. Auch hier kennt natürlich jeder deinen Namen und ist an dir interessiert.

Wenn du so empfangen wirst, dann weißt du, dass dein Wunscharbeitgeber großes Interesse an dir hat – man hat sich eingehend mit dir beschäftigt, das Team wurde über dich informiert und dir wird das Gefühl gegeben, dass du als potenzielle neue Kollegin oder neuer Kollege im Mittelpunkt stehst: Besser kann es nicht laufen!

"Warum haben Sie sich bei uns beworben?"

4. Du weißt genau, was zu tun ist

Während eines guten Bewerbungsprozesses wird die Kandidatin oder der Kandidat nie alleingelassen, sondern hat einen Ansprechpartner an der Seite. Wenn du Fragen hast, weißt du immer, an wen du dich wenden musst, und du bekommst hilfreiche Antworten, auf die du dich verlassen kannst. Noch besser: Der Prozess ist so transparent und die Kommunikation läuft so gut, dass gar nicht erst Fragen aufkommen. Gute Personaler melden sich von selbst und bringen dich rechtzeitig auf den neuesten Stand, ohne dass du selbst zum Hörer greifen musst.

Gute Personaler melden sich von selbst und bringen dich rechtzeitig auf den neuesten Stand, ohne dass du selbst zum Hörer greifen musst.

5. Ein freundlicher Umgangston

Noch immer wähnen sich auch manche juristische Arbeitgeber in einer Position, in der sie die einzigen sind, die Forderungen stellen können – und das spiegelt sich auch in der Kommunikationsweise wider. Für eine positive Candidate Experience ist das nicht gerade zuträglich. Achte bei deiner Bewerbung darauf, wie mit dir gesprochen wird. Spielt sich die Kommunikation auf Augenhöhe ab? Wird dir mit Respekt begegnet, auch wenn sich zum Beispiel dein Zug verspätet oder du nicht die erhoffte Antwort geben kannst?

6. Eine respektvolle Absage

Auch wenn sich der Arbeitgeber für einen anderen Kandidaten entschieden hat, kann er dem abgelehnten Bewerber dennoch eine positive Rückmeldung geben – zum Beispiel, indem er sich in einem persönlichen (anstatt eines vorformulierten) Text bedankt und eine Begründung gibt, weshalb es nicht gepasst hat. Auch für Rückfragen sollte der Arbeitgeber offen sein und nicht abblocken. Wenn du etwa anrufst, um nachzufragen, weshalb du den Job nicht bekommen kannst, solltest du den ein oder anderen Tipp bekommen, wie du es beim nächsten Mal besser machen kannst. Wer weiß, vielleicht hat der Arbeitgeber in Zukunft eine passende Stelle für dich und behält sich so im Hinterkopf!

Wenn du dich für einen neuen Arbeitgeber entscheidest, solltest du auf jeden Fall deine Candidate Experience in deine Abwägungen mit einbeziehen. Bemüht sich ein Arbeitgeber um dich, dann stehen die Chancen gut, dass das auch nach deiner Einstellung so bleibt – auch wenn es natürlich immer schwarze Schafe geben kann. Die Candidate Experience endet nicht mit deiner Einstellung, sondern zieht sich in den Onboardingprozess. Auch während deiner Probezeit solltest du also darauf achten, wie der Arbeitgeber dich behandelt und ob du dir eine langfristige Zusammenarbeit unter diesen Bedingungen vorstellen kannst.