University of Georgia - Law School

 Veröffentlicht am 01.02.2021.

Welcome to Georgia

Maximilian Oehlschlägel und Jan Axel Jost berichten über ihr LL.M.-Studium an der University of Georgia

Maximilian Oehlschlägel: Ich absolviere mein LL.M.-Studium nach fast 6 Jahren Berufserfahrung in Großkanzleien (Clifford Chance und Taylor Wessing), um in den USA praktizieren zu können. Familiäre Gründe haben uns in die USA verschlagen und ich wollte die Chance nutzen, auch in den USA anwaltlich tätig sein zu können. Das LL.M.-Studium hat mir einen einzigartigen Einblick in das US-amerikanische Rechtssystem gegeben und meinen juristischen Horizont sehr erweitert. 
 

Jan Axel Jost: Ursprünglich komme ich aus Heidelberg in der wunderschönen Kurpfalz. Nach zwei Jahren als Rechtsanwalt in Hamburg hat es mich mittlerweile nach München verschlagen. Dort bin ich in einer internationalen Großkanzlei im Bereich Corporate und Restructuring tätig. Mein LL.M.-Studium hat mein Verständnis für die angelsächsischen Rechtsordnungen und deren Lösungsansätze gefördert.

Jan Axel Jost und Dr. Maximilian Oehlschlägel
Jan Axel Jost und Dr. Maximilian Oehlschlägel

Herr Oehlschlägel, die Auswahl an Law Schools in den USA ist sehr groß. Aus welchen Gründen haben Sie sich für die University of Georgia entschieden? 

Maximilian Oehlschlägel: Ich habe vor meiner Entscheidung die University of Georgia besucht und mich mit zwei Professoren ausgetauscht. Ein entscheidender Faktor war, dass die UGA als älteste staatliche Universität der USA über ein sehr gutes Renommee und über ein hervorragendes Netzwerk verfügt. Das LL.M.-Programm bietet viele Kursoptionen und ermöglicht eine Fokusausrichtung auf das Bar-Examen, was für mich wichtig war. Außerdem ist Athens eine sehr charmante kleine Stadt mit einem pulsierenden Studentenleben.
 

Sie haben sich nach dem Studium erst für eine Promotion und nach einigen darauffolgenden Jahren in der Berufspraxis als Anwalt für den LL.M. entschieden. Wie kam es zu diesem späten Entschluss?

Maximilian Oehlschlägel: Die Entscheidung habe ich aus persönlichen Gründen gefällt. Meine Ehefrau und unser Sohn sind US-Amerikaner und wir wollten für eine gewisse Zeit näher bei der Familie meiner Frau sein. Für mich war es wichtig einen Weg zu finden, auch in den USA als Anwalt tätig zu sein und Georgia ist einer der wenigen Staaten, die es ausländischen Anwälten ermöglichen, mit einem LL.M. das Bar-Examen zu schreiben.
 

Herr Jost, was hat Sie überzeugt, den LL.M. direkt nach dem ersten Examen in Angriff zu nehmen?

Jan Axel Jost: Ehrlich gesagt habe ich mir über den Zeitpunkt keine Gedanken gemacht. Ich wollte einfach mal eine längere Zeit ins Ausland und ich hatte auch keine Lust, gleich weiter im Referendariat lernen zu müssen. Da hat das mit dem LL.M. sehr gut gepasst. Außerdem ist es eher vorteilhaft etwas jünger zu sein, weil die meisten amerikanischen Studenten, sofern sie sofort nach ihrem Undergrad mit der Law School beginnen, noch recht jung sind. 


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Wie ist das LL.M.-Studium an der University of Georgia aufgebaut gewesen und wo sehen Sie hinsichtlich des Studiums und der Wissensvermittlung Vorteile gegenüber dem System in Deutschland?

Jan Axel Jost: Es gibt Pflicht- und Wahlkurse. Zwei der Pflichtkurse finden nur mit den internationalen LL.M.-Studenten statt. In den übrigen Kursen ist man zumeist der einzige oder einer von wenigen LL.M.-Studenten. Die übrigen Studenten sind Amerikaner, was mir sehr gut gefallen hat. Die Klassen waren zumeist sehr klein und man konnte sich wegen der an den amerikanischen Law Schools verwendeten Sokratischen Methode nur schwer verstecken. Das kann man jetzt gut oder schlecht finden. Man sollte sich auf jeden Fall einigermaßen gut auf die Vorlesungen vorbereiten.

Meines Erachtens reicht es, eine Zusammenfassung der Urteile zu lesen, da die in der Vorlesung besprochenen Urteile zu lang sind und das Wichtigste komprimiert in den Zusammenfassungen steht. Es ist auf jeden Fall das krasse Gegenteil zum deutschen Jurastudium. Die amerikanischen Professoren lehren selbst gut vorbereitet und motiviert. 


Ihre Dissertation verfassten Sie über „Die Besteuerung geldwerter Vorteilsgewährungen des Arbeitgebers“. Verfolgen Sie mit Ihrem derzeitigen Studium eine Vertiefung Ihrer Kenntnisse in diesem Bereich oder einen breiteren Blick, Herr Dr. Oehlschlägel?

Maximilian Oehlschlägel: Sowohl als auch. Ich bin zum einen als Graduate Assistant für eine Steuerprofessorin tätig und werde auch einen Kurs im US-amerikanischen Steuerrecht belegen. Zum anderen versuche ich, einen breiten Einblick in das US-amerikanische Recht zu bekommen, um dieses Wissen im Bar-Examen und möglicherweise in meiner anwaltlichen Tätigkeit anwenden zu können.     
 

Vor Ihrem LL.M.-Studium waren Sie in verschiedenen Großkanzleien tätig. Inwiefern hat das dortige internationale Flair zum Entschluss, einen LL.M. zu absolvieren, beigetragen?

Maximilian Oehlschlägel: Mir hat das Arbeiten im internationalen Umfeld immer sehr gefallen und sicherlich auch meine Entscheidungsfindung beeinflußt. Ich habe in der Vergangenheit einige Auslandsstationen absolviert und in der Praxis zu einem großen Teil auf Englisch beraten. 
 

Herr Jost, der LL.M. ist als praxisorientierter Abschluss bekannt. Inwiefern sind auch praktische Elemente Bestandteil des Studiums? 

Jan Axel Jost: Das Ziel der Law School als sog. „Professional School“ ist es, Anwälte auszubilden und nicht Richter, wie das in Deutschland der Fall ist. In der Vorlesung lernt man u.a. im Interesse des Mandanten zu argumentieren. Ein Pflichtkurs, den auch die Amerikaner absolvieren müssen, ist Legal Writing and Research. Dort lernt man zum einen das Recherchieren von Urteilen, zum anderen aber auch das Verfassen praktischer Arbeiten, wie bspw. Schriftsätze oder Stellungnahmen. In meinem Wahlfach Insolvenzrecht mussten wir mehrere Schriftsätze und Insolvenzpläne für den Bankruptcy Court entwerfen. Zusammenfassend ist das Studium an einer Law School,  so habe ich es empfunden, deutlich praxisorientierter als hierzulande. 


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Get to know - die UGA:

Herr Dr. Oehlschlägel, welche konkreten Auswirkungen hat Corona auf Ihr Studium und Ihr Leben in Athens, Georgia?

Maximilian Oehlschlägel: Das Studium wird momentan in einer hybriden Form durchgeführt, d.h. dass die Kurse hälftig online und im Hörsaal besucht werden. Sicherlich ist der persönliche Austausch durch viele Sicherheitsmaßnahmen an der Uni etwas eingeschränkt und auch die Interaktion mit den Professoren nicht in gleichem Maße möglich. In Athens haben Bars und Restaurants strikte Sicherheitsauflagen und die Maskenpflicht wird praktisch durchgehend eingehalten.
 

Sie sind nicht nur Student an der University of Georgia, sondern auch Graduate Assistant. Welche Aufgaben bringt dieser Job mit sich?

Maximilian Oehlschlägel: Ich unterstütze in dem Job eine Professorin bei Recherchetätigkeiten und bei der Neuauflage eines Steuerrechtsbuches. Die Stelle ist insgesamt mit der eines wissenschaftlichen Mitarbeiters gut vergleichbar.
 

Erst Jurastudium, dann Doktorand, danach Rechtsanwalt und nun wieder Studium. Herr Oehlschlaegel, war das für Sie zu Beginn des LL.M. ein komisches Gefühl wieder die Unibank zu drücken und wie gehen die Kommilitonen an der University of Georgia damit um, dass in ihrer Mitte ein Jurist mit Doktortitel und mehreren Jahren Berufserfahrung sitzt?

Maximilian Oehlschlägel: Ein wenig komisch war das Gefühl schon. Jedoch muss ich sagen, dass ich unglaublich nette und hilfsbereite Kommilitonen kennenlernen durfte, die meinen Studentenalltag sehr bereichert haben. Mein hohes Alter war dabei bis dato kein Problem. Sicherlich hat sich durch die Berufserfahrung mein Blickwinkel in Bezug auf die Rechtsanwendung ein wenig verändert.

Der persönliche Austausch mit den Professoren ist an der UGA viel persönlicher und intensiver als an deutschen Universitäten und ich habe viele bereichernde Unterhaltungen in diesem Semester führen dürfen.


Die University of Georgia ist unter anderem für ihr Alumni-Netzwerk bekannt. Was zeichnet dieses Netzwerk aus?

Jan Axel Jost: Zum Alumni-Netzwerk in Deutschland kann ich wenig sagen, da ich nie an einer Veranstaltung teilgenommen habe. Ich weiß aber, dass es in Frankfurt jährlich ein Treffen anlässlich des Georgia vs. Auburn Spiels („Deep South's Oldest Rivalry“) gibt. Während meiner Wahlstation in London habe ich an mehreren Alumni-Veranstaltungen des dortigen Chapters teilgenommen. Mit zwei der Absolventen, die ich dort kennengelernt habe, bin ich noch heute befreundet. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Ehemaligen eine besondere Verbindung zur UGA haben, wir stolz auf unsere Universität sind und man mit anderen Ehemaligen immer leicht ins Gespräch kommt. Das ist anders als an deutschen staatlichen Unis, einen solchen Spirit gibt es dort so nicht.

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Ehemaligen eine besondere Verbindung zur UGA haben.
Jan Axel Jost

Wie haben Sie das Leben und die internationale Gemeinschaft auf dem Campus erlebt?

Jan Axel Jost: Dazu kann ich nur wenig sagen. Ich habe mit meinem Freund John, einem Amerikaner, in der Nähe des Campus in einem typischen Apartmentkomplex für Studenten gewohnt. Unser Freundeskreis bestand mit Ausnahme eines anderen deutschen LL.M.-Studenten nur aus Amerikanern, sodass ich Ihnen viel über das amerikanische College-Leben erzählen könnte, nicht aber über die internationale Community auf dem Campus.
 

Athens gilt als kleine progressive Gemeinschaft mit Kleinstadt-Charme. Was zeichnet für Sie die Stadt aus?

Jan Axel Jost: Das ist ganz einfach: Downtown Athens und Georgia Football! Athens ist landesweit bekannt für seine Barszene. Zum damaligen Zeitpunkt gab es ca. 70 Bars in Downtown. Downtown selbst ist in einen alternativen und einen Greek-Teil unterteilt. Greek steht für das Verbindungsleben an den amerikanischen Unis, weil deren Namen sich aus griechischen Buchstaben zusammensetzen. Je nach Gusto findet somit eigentlich jeder seinen Teil von Downtown, um viel Spaß zu haben. Im Herbstsemester finden die Heimspiele des Footballteams statt – ein absolutes Highlight. Vor dem Spiel hat man auf dem Campus beim „Tailgate“ seinen Spaß und danach wird die Universitätsmannschaft im Sanford Stadium mit seinen ca. 93.000 Zuschauern angefeuert. Als LL.M.-Student hat man übrigens sehr gute Chancen auf ein mehr als erschwingliches Student Season Ticket!

→ Erfahre hier mehr über das Leben auf dem Campus und in Athens 


Wie ist es nach dem LL.M. für Sie weitergegangen und welche Vorteile bringt der Abschluss neben dem akademischen Titel mit sich?

Jan Axel Jost: Danach ging es zum Referendariat nach Hessen. Im Referendariat hat mir der Titel nicht wirklich viel gebracht. Positiv war an der LL.M.-Auszeit für mich, dass ich nach der fast zweijährigen Pause keine Probleme hatte, mich zum Lernen zu motivieren. In den zwei Auslandsstationen meines Referendariats in Los Angeles und London haben mir die erlernten Sprachkenntnisse jedoch erheblich weitergeholfen und ich hatte dort kaum Eingewöhnungsschwierigkeiten. Bei meinem ersten Job in einer sehr renommierten deutschen Großkanzlei im Bereich Corporate haben mir die erlernten Sprachkenntnisse dahingehend geholfen, dass Legal English keine Fremdsprache mehr für mich war.

Ob einem die während des LL.M.-Studiums vermittelten Rechtskenntnisse in der Praxis jemals grundlegend helfen werden, würde ich ehrlich gesagt bezweifeln. Für jeden, der nicht während der Schulzeit oder dem Studium ein Jahr auf Austausch oder im Ausland auf dem Internat war, kann ich ein Studium fern ab der Heimat schon aus persönlichen Gründen nur empfehlen. Außerdem wird man in dieser Zeit, wenn man nicht viel falsch macht, auch sehr viel Spaß haben. 
 

Welche Erfahrung oder welches Ereignis Ihres LL.M.-Studiums an der University of Georgia ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Jan Axel Jost: Mein erstes Frat Beach Wochenende! Das wohl wichtigste Footballspiel der University of Georgia ist das gegen den Erzrivalen aus Gainesville, die University of Florida, in Jacksonville, Florida. Viele Studenten der UGA fahren an dem Tag vor dem Spiel nach Saint Simons, einer wunderschönen Insel im Atlantik im Bundesstaat Georgia, wo dann an die 10.000 Georgia Fans zumeist verkleidet am Strand die World's Largest Outdoor Cocktail Party feiern.  

Das LL.M.-Jahr war insgesamt ein absolutes Highlight mit sehr vielen schönen Erinnerungen, wovon ich viele auch nur wegen meines Mitbewohners John machen konnte. Ohne ihn hätte ich die Südstaaten und das Leben dort wohl nie so gut kennengelernt.
 

Ihr Fazit?

Maximilian Oehlschlägel: Die UGA bietet ein hervorragendes LL.M.-Programm, das akademisch auf höchstem Niveau Einblicke in das US-amerikanische Rechtssystem bietet und jeden ausländischen Studenten herzlich willkommen heißt. Gleichzeitig erweitert das Jahr in Athens den kulturellen Horizont ungemein. Wer Interesse an einem interessanten und anspruchsvollen LL.M.-Studium in den USA hat und ggf. das Bar-Examen absolvieren möchte, für den ist die University of Georgia eine exzellente Wahl.  

Jan Axel Jost: Für die University of Georgia spricht u.a., dass sie für eine amerikanische Law School einigermaßen bezahlbar und trotzdem recht renommiert ist (#31 im maßgeblichen US News Ranking). Es ist außerdem alles sehr persönlich und die Kurse sind von der Studentenzahl sehr überschaubar. Die Professoren kennen ihre Studenten persönlich und nehmen sich für sie Zeit. Die Lebenshaltungskosten sind auch, zumindest für die USA, überschaubar. Außerdem stimmt m.E. der Mix aus akademischem Renommee und sozialem Leben. Die Universität hat, wie das bei den Campusuniversitäten in den USA üblich ist, hervorragende Sportanlagen (Schwimmbäder, Krafträume, Basketballplätze, Fußballplätze, Golfplatz und vieles mehr). Der historische Nordcampus, auf dem sich auch die Law School befindet, ist wunderschön und man kann in seinen Lernpausen aufgrund des guten Südstaatenwetters viel Zeit im Freien genießen. Die UGA ist übrigens die älteste staatliche Universität der USA, auch wenn das nicht ganz unumstritten ist.      
     


Vielen Dank, Herr Dr. Oehlschlägel und Herr Jost!
 

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