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Mehr Durchblick: Versicherungsschutz für Arbeitnehmer

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Mehr Durchblick: Versicherungsschutz für Arbeitnehmer

Welche Versicherungen empfehlen sich für wen? - Fallbeispiele...

 

Als Arbeitnehmer gehören verschiedene soziale Versicherungen automatisch zum Standard. Darüber hinaus ist es möglich verschiedene Zusatzversicherungen für jede erdenkliche Lebenssituation abzuschließen. Wann welche Versicherung für wen Sinn macht, erklären wir hier anhand verschiedener Fallbeispiele. 

 

Wollen sich Arbeitnehmer über Versicherungen informieren, gilt es erst einmal herauszuarbeiten, welche verschiedene Arten es überhaupt gibt:

  • Pflichtversicherungen: An diesen Varianten führt für Arbeitnehmer kein Weg vorbei. Die Beiträge dafür werden im Rahmen der Sozialabgaben direkt bei der Zahlung des Monatslohns verrechnet.
  • Sinnvolle Zusatzversicherungen je nach Lebenssituation: Hierunter fällt beispielsweise eine Hausratversicherung, eine Zahnzusatzversicherung oder eine KFZ-Haftpflichtversicherung.


 

Als Pflichtversicherungen werden Absicherungen bezeichnet, welche die Grundversorgung garantieren. Wer einen Job ausübt, muss in diese Versicherungen einzahlen, um im Schadensfall abgesichert zu sein. In Deutschland gibt es vier davon, die als Sozialabgaben regelmäßig abgeführt werden:

  • Krankenversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Rentenversicherung
  • Arbeitslosenversicherung


Welcher Versicherungsschutz ratsam ist, hängt nicht nur von der einzelnen Person, sondern auch von der jeweiligen Lebensphase ab. Wird beruflich viel gereist, kann eine Auslandskrankenversicherung sinnvoll sein. Berufstätige sollten über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachdenken, falls Krankheit oder ein Unfall an weiterer Ausübung des Berufes hindern da die gesetzliche Krankenkasse nur über einen begrenzten Zeitraum zahlt. Alternativ zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung springt aber auch eine zusätzliche Krankgengeldversicherung bei längerem krankheitsbedingtem Ausfall ein.


Krankenversicherung:

1883 war ein entscheidendes Jahr für Arbeitnehmer. Wer vor diesem Jahr als Arbeitnehmer erkrankte, musste von seinen Ersparnissen leben. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde die allgemeine Krankenversicherung eingeführt, um auf medizinische Notfälle reagieren zu können. Dank des Solidaritätsprinzip zahlten alle Arbeitnehmer in die Versicherung ein. Arbeiter können sich seither auf Lohnfortzahlung, ärztliche Behandlung und eine Versorgung mit Medikamenten verlassen, wenn sie krank werden.

Heute ist das Leistungsspektrum von Krankenkassen noch wesentlich ausführlicher. Schwangere erhalten Mutterschaftsgeld, Verletzte können fast kostenfrei zur Reha gehen und Vorsorgeuntersuchungen sind bei den meisten Krankenversicherungen komplett kostenlos. Der monatliche Beitrag für die medizinische Absicherung wird zu gleichen Teilen vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlt. Die Wahl der gesetzlichen Krankenkasse steht jedem Arbeitnehmer frei.

Praxisbeispiel Krankenversicherung: Bei einer Fahrt ins Grüne am Wochenende verursacht Herr Schmidt einen Unfall. Sein Auto überschlägt sich und landet in einem Straßengraben. 

 

Die Feuerwehr rückt an, um Herrn Schmidt aus seinem Auto zu befreien. Mit dem Krankenwagen geht es schnell ins Krankenhaus, eine Operation ist notwendig und wird umgehend durchgeführt. Nach einem zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt beginnt für Herr Schmidt die zweimonatige Reha-Maßnahme in einer stationären Einrichtung. 

Die gesetzliche Krankenpflichtversicherung übernimmt in diesem Fall die Fahrt mit dem Krankenwagen, den kompletten Krankenhausaufenthalt und auch Kosten für die anschließende Rehamaßnahme.

Durch eine Krankenhauszusatzversicherung könnte Herr Schmidt weitere Leistungen wie ein Einzelzimmer oder eine Chefarztbehandlung abrechnen. Zudem ist zu bedenken, dass der Arbeitgeber nur bis zur sechsten Krankheitswoche verpflichtet ist, das volle Gehalt weiterzubezahlen. Anschließend springt die Krankenkasse für die Lohnfortzahlung ein, übernimmt jedoch nur rund 70 Prozent davon. Wer auf die volle Höhe seines Gehalts angewiesen ist, sollte deshalb eine Krankentagegeldversicherung abschließen. Diese übernimmt die jeweilige Differenz zum vollen üblichen monatlichen Betrag.

 

Pflegeversicherung:

Die gesetzliche Pflegeversicherung greift immer dann, wenn etwa eine Pflegebedürftigkeit im Rentenalter eintritt. Sie sichert in diesem Fall solidarische Hilfe zu. Allerdings handelt es sich bei der gesetzlichen Pflegeversicherung um eine Teilabsicherung. Das bedeutet, dass nicht alle Fälle der Bedürftigkeit abgedeckt werden. Wenn Arbeitnehmer hier einen umfassenden Schutz anstreben, sollten sie sich über den Abschluss einer optionalen privaten Versicherung informieren, die Sonderfälle und Extrakosten bei der Pflege abdeckt.

Beispiel Pflegeversicherung: Herr Müller lebt seit mehr als 40 Jahren mit seiner Frau zusammen. Frau Müller fällt auf, dass ihr Mann seit Eintritt in den Ruhestand viele Kleinigkeiten vergisst. Es fing mit dem Hochzeitstag an und endete zuletzt mit einem angelassenen Gasherd. Die Ärzte bestätigen die Vermutung: Herr Müller leidet an Demenz. Frau Müller wird sich in Zukunft zu Hause um ihren Mann kümmern, zusätzlich unterstützt sie ein Pflegedienst.

In dem Beispiel greift die Pflegeversicherung ein. Nach der Diagnose hat Frau Müller die Möglichkeit, eine Pflegestufe zu beantragen. Nachdem ein Sachverständiger die Lage genau einschätzt und Herrn Müller in eine angebrachte Pflegestufe einordnet, greift die Pflegeversicherung. Das gezahlte Geld kann entweder privat genutzt oder für einen Pflegedienst eingesetzt werden. Bei einer weiteren Verschlechterung der Erkrankung von Herrn Müller wird die Pflegestufe neu definiert.

Gute Pflege kostet Geld. Meistens ist dies mehr, als von der gesetzlichen Pflegeversicherung vorgesehen ist. Eine zusätzliche private Pflegeversicherung kann deshalb bei einem höheren finanziellen Pflegeaufwand sinnvoll sein und mögliche Kosten abdecken. Da der Staat um die prekäre Lage und die steigenden Ausgaben im Pflegebereich weiß, werden private Zusatzversicherungen inzwischen auch gefördert und bezuschusst.

 

Renten- und Arbeitslosenversicherung:

Der Beitrag für die Renten- und Arbeitslosenversicherung wird automatisch an die „Deutsche Rentenversicherung“ beziehungsweise „Bundesagentur für Arbeit“ abgeführt. Während bei der Rentenversicherung jeder Einzahler mit dem Eintritt ins Rentenalter eine Auszahlung erhält, gibt es Sonderfälle, bei denen eine frühere Auszahlung möglich wird.

Beispiel Rentenversicherung: Jahrelang arbeitete Herr Maier als Angestellter in einer Bankfiliale. Nach einem Unfall geht es ihm körperlich schlecht, sein rechter Arm funktioniert nicht mehr wie er es gewohnt ist und er hat mit Konzentrationsschwächen zu kämpfen. Ein Gutachter stellt eine Schwerbehinderung von 60 Prozent fest.

In dem Beispiel hat Herr Maier die Möglichkeit, früher eine Rentenzahlung zu erhalten. Schwerbehinderte mit einem Behinderungsgrad von 50 Prozent oder mehr können eine Altersrente einfordern, wenn sie zusätzlich zur Behinderung mindestens 35 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Aus diesem Grund ist es wichtig, auch bei kleineren Jobs in die Rentenversicherung einzuzahlen, falls dies eine optionale Möglichkeit darstellt.

Um die monatlichen Einbußen durch eine geringe staatliche Rente zu minimieren ist es heute sinnvoll, zusätzlich privat fürs Alter vorzusorgen. Dafür steht eine Vielzahl an unterschiedlichen Modellen zur Verfügung, die zum Teil ebenfalls staatlich gefördert werden.

Mit einer Lebensversicherung ist es zudem möglich auch die Familie mit abzusichern. Sollte jemand etwa durch einen Unfall nicht mehr arbeitsfähig sein, springt sie in einer vereinbarten Höhe ein – auch schon lange vor dem eigentlichen Rentenalter. Im Todesfall können so Angehörige weiter Zahlungen erhalten, wenn dies bei der Versicherung vorgesehen wurde.  

 

Mit der Arbeitslosenversicherung fängt das Sozialsystem Arbeitnehmer auf, die aus ihrem Job gekündigt werden oder aus anderen Gründen ausscheiden. Sollte keine sofortige Anschluss-Anstellung vorliegen, springt die Arbeitslosenversicherung ein und zahlt mindestens 70 Prozent des bisherigen Lohns.

 

Voraussetzungen für die Zahlung aus der Arbeitslosenversicherung

  • Meldung der Erwerbslosigkeit
  • Mindestalter 18 Jahre – Maximalalter 64/65 Jahre (Frauen/Männer)
  • Mindestens zwölf Monate durchgängige Einzahlung in die Arbeitslosenversicherung
  • Aktive Bewerbung um neue Arbeitsstellen

Beispiel Arbeitslosenversicherung: Herr Schulze wird von seinem Arbeitgeber nach fünf Jahren Betriebszugehörigkeit gekündigt. Da er sofort weiterarbeiten möchte, bewirbt er sich direkt um neue Jobs. Im Schnitt verdiente Herr Schulze 2.800 Euro brutto pro Monat. Direkt nach der Kündigung informiert er die zuständigen Behörden über die anstehende Erwerbslosigkeit.

In diesem Beispiel hat Herr Schulze alles richtiggemacht und somit vollen Anspruch auf eine Zahlung aus der Arbeitslosenversicherung. Aufgrund seines Durchschnittsgehalts wird Herrn Schulze eine Zahlung von 1.960 Euro brutto zustehen. Die Zahlung erhöht sich auf 2.240 Euro, wenn er zusätzlich noch Unterhaltszahlungen leistet.

 

Fazit zu den Versicherungen für Arbeitnehmer:
Obwohl die meisten Versicherungen für Arbeitnehmer einen umfassenden Schutz bieten lohnt sich ein Blick auf private Zusatzversicherungen. Dies gilt besonders bei Kranken- und Rentenversicherung, die durch private Investitionen im Leistungsumfang sinnvoll aufgestockt werden können. Auch für weitere Bereiche, zum Beispiel bei Familiengründung (private Haftpflichtversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung), Wohneigentumserwerb (Hausratversicherung) oder Fahrzeughaltung (KFZ-Versicherung), bieten die jeweiligen Versicherungsangebote einen sinnvollen Schutz.  

 

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09. Oktober 2017

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