Strukturiertes Bewerbungsgespräch als Juristin

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 12.07.2021.

Strukturierte Interviews: So klappt die Vorbereitung!

Worauf es beim Vorstellungsgespräch nach Fragenkatalog ankommt

Einfach mal drauflosreden? In Vorstellungsgesprächen fast nie gute Idee. Besonders in strukturierten Interviews, die einen besseren Vergleich zwischen mehreren Kandidaten ermöglichen sollen, solltest du auf das Gespräch bestens vorbereitet sein – denn die Konkurrenz schläft nicht. Wir zeigen dir, wie ein strukturiertes Interview abläuft und wie du dich darauf vorbereiten kannst!

 

Was ist ein strukturiertes Interview eigentlich?

Je nach Personaler und Bewerber kann bei klassischen Jobinterviews das Gespräch in ganz unterschiedliche Richtungen abdriften: Bei der einen Unterhaltung dreht sich alles um das große Projekt, das die Bewerberin vor ihrem Jobwechsel abgeschlossen hat, im nächsten schwärmt der Bewerber vielleicht von seinem Auslandsstudium in den USA. Das gibt einen guten Einblick in die Erfahrungen und Persönlichkeit der Bewerber – allerdings ist es fast unmöglich, diese beiden Gespräche zu vergleichen und persönliche Präferenzen außen vor zu lassen. Deshalb bedienen sich viele Arbeitgeber – vor allem im öffentlichen Dienst – den strukturierten Interviews. Dabei werden allen Bewerberinnen und Bewerbern dieselben im Voraus festgelegten Fragen gestellt und so ähnliche Grundvoraussetzungen und eine bessere Vergleichbarkeit geschaffen.

Im Vordergrund stehen bei solchen Interviews die fachliche Eignung sowie die Fähigkeiten und Erfahrungen der Bewerber. Für den Bewerber selbst kann sich das (abgesehen von schnellen Themenwechseln und einem weniger organischen Gesprächsverlauf) wie ein ganz normales Bewerbungsgespräch anfühlen. Der Ablauf ist praktisch identisch wie der eines freien Gesprächs: Zuerst ein wenig Small Talk, dann stellt die Personalerin die Kanzlei oder das Unternehmen sowie die freie Stelle vor. Anschließend geht es um dich und deine Fähigkeiten, und zuletzt hast du die Möglichkeit, Rückfragen zu stellen.

 

Die drei Formen der strukturierten Interviews

Im Fokus des strukturierten Interviews können unterschiedliche Fragestellungen stehen. Zum Beispiel zu konkreten Ereignissen aus deiner Vergangenheit: Welche schwierige Situation ist dir im Studium oder im Berufsleben begegnet? Wie hast du diese bewältigt?

Ähnlich verlaufen sogenannte situative Interviews – abgesehen davon, dass diese nicht auf tatsächliche, sondern auf fiktive Situationen eingehen, welche von den Personalern vorgeben werden: Wie würdest du dich verhalten, wenn du eine Aufgabe bekommst, die du in der vorgegebenen Zeit unmöglich bearbeiten kannst? Was tust du, wenn einer deiner Kollegen den ganzen Tag auf der faulen Haut liegt? Diese hypothetischen Fragen bieten eine besonders gute Möglichkeit, die Antworten der Bewerber zu vergleichen.

Ebenso kann das Gespräch biographisch aufgebaut sein. Hierbei stehen deine Karriereentscheidungen im Mittelpunkt: Warum hast du dich damals für diese Stelle entschieden? Was hat dich zu einem Jobwechsel bewogen? Warum hast du diesen und keinen anderen Schwerpunkt gewählt? Würdest du rückblickend andere Entscheidungen treffen? Biographische Interviews kommen vor allem bei Bewerberinnen und Bewerbern mit viel Berufserfahrung zum Einsatz.

Die Vorbereitung: Recherche ist ein Muss!

Um dich auf ein strukturiertes Interview vorzubereiten, solltest du zunächst einmal all das beachten, was du auch bei der Vorbereitung auf ein freies Interview berücksichtigen musst. Zu aller erst solltest du die freie Stelle und die Kanzlei, das Unternehmen oder die Behörde, bei der du dich bewirbst, umfassend recherchieren. Notiere dir Fragen, die du noch zu der Stelle, aber auch zum Arbeitgeber oder den Konditionen hast. Achtung: Fragen zu Gehalt, Urlaub und Co. gehören nicht in das erste Gespräch!

Anschließend solltest du versuchen, dich in die Position der Personalerin oder des Personalers zu versetzen. Überlege dir genau, welche Persönlichkeit und Charaktereigenschaften die Stelle verlangt (dabei kann dir der Text in der Ausschreibung helfen) und was der Arbeitgeber von einem perfekten Kandidaten erwartet. Natürlich musst du nicht alle Kriterien erfüllen, das Bewusstsein darüber kann dir aber helfen, dich im richtigen Licht zu präsentieren und herauszuarbeiten, welche deiner Stärken für die Stelle relevant und welche eher zweitrangig sind.

 

Um Erfolg zu haben, musst du dich selbst kennen

In einem Vorstellungsgespräch wird von dir erwartet, dass du reflektiert bist, deine Entscheidungen bewusst triffst und deine Stärken und Schwächen kennst. Am besten zeigst du das durch konkrete Beispiele. Um dich darauf vorzubereiten, solltest du eine Liste mit wichtigen Momenten erstellen, die du bisher in deiner Ausbildung oder Berufslaufbahn bewältigt hast: Was waren wichtige Abschnitte für dein persönliches und berufliches Wachstum? In welchen Situationen konntest du glänzen? Wann bist du an deine Grenzen gekommen?

Überlege dir anschließend, wie du diese Momente am besten „verkaufen“ kannst: Was hast du daraus gelernt? Welche deiner Eigenschaften haben dazu beigetragen, dass du die Situationen gut gemeistert hast? Wie spiegelt diese Situation deine Eignung für die Stelle wider? Auch wenn du nicht direkt nach diesen Situationen gefragt wirst, kannst du diese als Beispiele bei der Beantwortung anderer Fragen einstreuen und so dazu beitragen, dass die Personaler ein besseres Bild von dir und deinen Fähigkeiten bekommen.

Du bist auf der Suche nach der nächsten Herausforderung?

Häufige Fragen in strukturierten Interviews

Zuletzt kannst du dich auf konkrete Fragen vorbereiten, die in strukturierten Interviews oft gestellt werden. Überlege dir genau, wie du darauf antworten möchtest und übe deine Formulierungen, indem du mit dir selbst oder mit Freunden oder Familienmitgliedern sprichst. Bedenke, dass du dich niemals zu hundert Prozent vorbereiten kannst – es wird immer Fragen geben, die du nicht vorausgesehen hast und vielleicht wird sogar keine einzige der Fragen gestellt, für die du geprobt hast. Das ist aber gar nicht schlimm: Denn umso mehr du übst, desto souveräner wirst du jedoch auch, wenn du improvisieren musst. Und im Endeffekt zielen viele Fragestellungen ohnehin auf dasselbe ab. Beliebte Fragen bei strukturierten (und auch bei freien) Interviews sind zum Beispiel:

  • Warum haben Sie sich auf diese Stelle beworben? / Warum möchten Sie diese Stelle?
  • Erzählen Sie uns etwas über sich.
  • Warum haben Sie Ihre alte Stelle aufgegeben? / Warum haben Sie noch keinen neuen Job?
  • Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Stelle?
  • Welche Ihrer negativen Eigenschaften würden ehemalige Kollegen auf Nachfrage nennen?
  • Geben Sie mir ein Beispiel von einer Situation, in der Sie mit Kritik umgehen mussten.
  • Was sollten wir über Sie wissen, bevor wir Sie einstellen?
  • Was motiviert Sie am meisten?
  • Wie reagieren Sie auf Veränderungen?
  • Nennen Sie einen Fehler, den Sie in der Vergangenheit gemacht haben, und erzählen Sie, was Sie daraus gelernt haben.

Zusätzlich können sogenannte Stressfragen auf dich warten, also solche, die sehr unerwartet kommen und dich verunsichern sollen – als Klassiker gelten zum Beispiel „Wie viele Murmeln passen in die Allianz-Arena?“ oder „Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie?“. Es geht dabei nicht darum, dass du eine korrekte Antwort gibst, stattdessen interessiert die Personaler, wie du auf eine solche Frage reagierst. Bleibe also gelassen und zeige dich schlagfertig: Hier darfst du ruhig mit Humor glänzen.

Um dich bestmöglich auf ein strukturiertes Interview vorzubereiten, solltest du immer im Blick behalten, worum es geht: Dich als besten Kandidaten für die Stelle zu präsentieren. Dabei musst du dich nicht als rundum perfekten Menschen verkaufen, sondern kannst auch Fehler und Schwächen eingestehen – vorausgesetzt du zeigst, dass du daraus Lehren gezogen hast oder aktiv daran arbeitest. Verschwende nicht viel Zeit mit dem Gedanken an die anderen Kandidaten, die sich denselben Fragen stellen müssen, sondern konzentriere dich auf dich selbst und dein Profil. So überzeugst du die Personalerinnen und Personaler ganz sicher von deiner Eignung!