Verfasst von Julian Wagner. 

TOP 5: Klausurenvorbereitung

Wie du die Klausurenphase locker meistern wirst!

 

Ja, es ist (leider) schon wieder so weit: Die das Semester abschließende Klausurenphase steht vor der Tür. Damit sich der Stress in der vorhergehenden Vorbereitungszeit dieses Mal in Grenzen hält und die vorhandene Zeit optimal genutzt werden kann, gibt es hier die besten Tipps für eine gelungene Klausurenvorbereitung – denn am Ende zählt doch vor allem eines: Mit einem guten Gefühl und einem reinem Gewissen in die Klausur gehen zu können.


1. Aus Fehlern lernen

Wichtiger Teil einer jeden Klausurenvorbereitung ist die Prüfungssimulation – also die selbstständige, schriftliche Bearbeitung von relevanten Fallkonstellationen unter Zeitdruck, beispielsweise auch im Rahmen von universitären Probeklausuren. Beachtet werden sollte dabei jedoch – unabhängig davon, wie gut die eigene Klausurenbearbeitung letztlich gelingt – dass jede Klausur intensiv nachgearbeitet wird. Denn es gilt klar das Motto „man darf jeden Fehler machen, nur nicht zweimal.“ Daher empfiehlt es sich auch, die eigene Klausurenbearbeitung mit einer Musterlösung detailorientiert zu vergleichen, die eigenen Fehler nachzuvollziehen und neue Erkenntnisse schriftlich festzuhalten. Das bedarf eventuell einiger Überwindung und kann sicherlich auch mal nervig und anstrengend sein – für einen vollständigen Lernprozess ist es jedoch zwingend notwendig und letztlich definitiv lohnenswert. Schließlich bleibt dieses Vorgehen absolut erforderlich, um neu Gelerntes langfristig behalten zu können und zukünftig alte Fehler konsequent zu vermeiden.



2. Wie tickt der Prof?

Einfach mal zur Fachschaft gehen: Hier gibt es häufig die Möglichkeit, Klausuren aus den letzten Semestern einzusehen und sich einen Eindruck von der Prüfungsweise des jeweiligen Professors zu verschaffen. Dabei sollte logischerweise darauf geachtet werden, dass man in erster Linie Klausuren sichtet, die auch wirklich vom Lehrstuhl desjenigen Professors stammen, der auch in diesem Semester die Klausur stellt. Besonders interessant kann es dann auch sein, die Sachverhalte und Fragen aus den letzten Semestern miteinander zu vergleichen und nach Parallelen Ausschau zu halten. Daraus lässt sich manchmal ableiten, auf welche Aspekte in Abschlussklausuren besonders großen Wert gelegt wird.

By the way: Wendet man das sogenannte (nicht unumstrittene) Paretoprinzip auf die Klausurenvorbereitung an, so ist davon auszugehen, dass sich mit den wichtigsten 20 % des gesamten Lernstoffs bis zu 80 % der Klausur bewältigen lassen. Welche Lerninhalte die entscheidenden 20 % ausmachen, gilt es natürlich herauszufinden ;).

Im Übrigen werden Sachverhalte gelegentlich auch wiederverwendet und in leicht modifizierter Form als Klausur gestellt. Auch deshalb ist der Blick auf die Altklausuren sinnvoll.

Aber Achtung: Kleine Veränderungen im Wortlaut des Sachverhaltes können große Folgen haben.

Deshalb sollte man, wenn in einer Klausur ein (scheinbar) bekannter Sachverhalt auftaucht, nicht gleich wild auswendig gelerntes Wissen niederschreiben, sondern misstrauisch den Wortlaut des Sachverhaltes inspizieren – eine exakt gleiche Klausur wird nämlich normalerweise nicht gestellt.
 

Übrigens: Häufig findet man auch eine Menge an Altklausuren in entsprechenden Facebook-Gruppen oder auf Webseiten wie studydrive.net und StuDocu.com. Einfach mal durchstöbern.


3. Die Konzentration aufrechterhalten

Wer kennt es nicht: Der hundertste Lernplan wurde präzise, bis ins letzte Detail erstellt, wird dann aber aufgrund von Zeitnot immer wieder angepasst und letzten Endes verworfen, weil das Handy ständig vibriert hat, das E-Mail-Postfach plötzlich gecheckt werden musste oder Youtube mal wieder besonders attraktive Video-Vorschläge gemacht hat. Plötzlich fing man an, sein Zimmer zu saugen und musste dann dringend mal wieder mit seiner Tante telefonieren – und die Zeit verfliegt.

All das kann schließlich dazu führen, dass das eigentliche Lernziel verfehlt wird. Um der bei Studenten weit verbreiteten Prokrastination entschieden entgegenzuwirken, sollte mal ein kurzer Blick auf die sogenannte Pomodoro-Technik geworfen werden. Mit Hilfe dieser versucht man, die eigene Konzentrationsspanne zunächst für kurze Zeiträume aufrecht zu erhalten und seine Arbeit in kleinen, aber konzentrierten Lernphasen zu bewältigen. Am besten nimmt man sich einen Timer zur Hand und weicht innerhalb des festgelegten Zeitraums (normalerweise 25 Minuten) bewusst nicht vom aktiven Lernen ab. Das Surfen im Internet, der Blick aufs Handy (das sollte man ohnehin ausschalten oder gar nicht erst mit in die Bib mitnehmen) und Netflix sind natürlich tabu. Als kleine Belohnung erhält man nach jeder absolvierten Lerneinheit fünf Minuten Freizeit, um das zu tun, was man gerade möchte. Nach weiteren drei Lerneinheiten kann man sich dann eine 15-minütige Pause gönnen, die man am besten nutzt, um sich zu bewegen, an die frische Luft zu gehen oder ein kurzes Schwätzchen mit Leidgenossen zu halten. Die Anzahl der eigenen Lerneinheiten sollte stets notiert werden, damit sich am Abend auch nachvollziehen lässt, was man geleistet hat und man so motivierter in den nächsten Lerntag startet und (hoffentlich) nach vielen Wochen des Lernens sein persönliches Ziel erreicht.


4. Ein bisschen Kommunikation muss sein     

Der Diskurs ist fester Bestandteil der Juristerei (woher kommen wohl sonst die vielen Meinungsstreitereien?) und sollte es deshalb auch während der Klausurenvorbereitung sein. Manchmal ist es daher auch lohnenswert, sich während der Vorbereitungsphase auf die anstehenden Klausuren mit Kommilitonen auszutauschen und die Diskussion über mögliche Inhalte der anstehenden Prüfung nicht zu scheuen. Im Austausch mit Kommilitonen kann man durchaus interessante Informationen erhalten – deshalb sollte man auch das Lernen in einer Gruppe zumindest einmal ausprobiert haben. Wenn die Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedern nicht all zu groß sind, haben Lerngruppen durchaus großes Potential, den individuellen Lernerfolg zu steigern. Außerdem können ein paar soziale Kontakte in einer Phase des Semester nicht schaden, in der viele Studenten regelrecht vereinsamen.

Allerdings sollte man sich auch keinesfalls von anderen Studenten verrückt machen lassen und jede Spekulation eines Kommilitonen gleich auf die Goldwaage legen. Immer wieder neigen Menschen dazu, ihr soziales Studienumfeld vor Klausuren in Aufregung zu versetzen. Deshalb sollte man sich die Personen, mit denen man sich austauscht, gut aussuchen und sich keinesfalls von unbelegten Aussagen anderer irritieren lassen.

Tipp: Wer noch nicht die richtige „Lern-Buddies“ gefunden hat oder niemanden kennt, sollte das Heft einfach mal selbst in die Hand nehmen, indem er einfach selbst eine Lerngruppe gründet und in einer zugehörigen Facebook-Gruppe einen netten Post veröffentlicht – es findet sich eigentlich fast immer jemand, der interessiert ist.


5.  Eine weise Entscheidung treffen

Bedeutender Teil einer jeden Klausurenvorbereitung ist die Verwendung von geeigneter Sekundärliteratur. Der vorhergehende Auswahlprozess sollte daher gewissenhaft und in Ruhe durchgeführt werden – damit er dann auch mit gutem Gewissen abgeschlossen werden kann. Sonst kann es zu Unstimmigkeiten während der Klausurenvorbereitung kommen, wenn man plötzlich den Eindruck erhält, dass die ausgewählten Lehrbücher doch nicht optimal geeignet sind, man daraufhin nach neuen Ausschau hält und letztlich jede Menge Zeit verliert, ohne wirklich voranzukommen.

Zunächst einmal ist die Auswahl des richtigen begleitenden Lernmittels eine höchst individuelle Angelegenheit und sollte sich stets nach den persönlichen Präferenzen richten – deshalb: Mehrere Bücher in der Bib ausleihen und ausprobieren lohnt sich. Am besten aber nicht zu spät im Semester, da sonst einige Bücher in den aktuelleren Ausgaben nicht mehr verfügbar sein werden und damit erst einmal vergriffen bleiben.

Außerdem sollte logischerweise auch darauf geachtet werden, dass sich das Lehrmaterial – sofern notwendig, auch direkt auf dasjenige Bundesland bezieht, in dem man selbst studiert. Außerdem ist von zu ausführlichen, mehreren hundert-seiten-langen Lehrbüchern abzuraten. Die Exzerpierung solcher umfassenden Werke ist enorm zeitaufwendig und der konkrete Nutzen für die Klausur steht in keinem Verhältnis zum Aufwand. Neben den Materialien aus Vorlesung und Konversatorium sind häufig kompakte Skripte und die zugehörigen Fallsammlungen eine sinnvolle Kombination aus theoretischem Wissen und konkreter Anwendung sowie Transfer. Auch hier gilt: Das Durchlesen von Falllösungen bringt wenig – auch kürzere Fälle sollten stattdessen unter Zeitdruck handschriftlich im Gutachtenstil gelöst sowie anschließend mit einer ausformulierten Lösung verglichen werden.
 

Was war jetzt noch mal wichtig?

Fehler, die man einmal begangen hat, sollte man kein zweites Mal machen. Deshalb ist das intensive Nacharbeiten bereits absolvierter (Probe-)Klausuren von großer Bedeutung. Um herauszufinden, wie der Professor tickt, kann ein Blick in die jeweiligen Altklausuren sinnvoll sein. Am besten im Internet recherchieren oder bei der zuständigen Fachschaft nachfragen. Um den eigenen Lernplan einzuhalten, muss man konzentriert arbeiten können. Mit der Pomodoro-Technik kann man seine Effizienz steigern und über viele kleine Schritte zum erwünschten Lernziel gelangen – Prokrastination ade!

Den Austausch und die Diskussion mit Kommilitonen zu suchen, ist prinzipiell empfehlenswert, um interessante Informationen zum Klausuren-Stoff zu erhalten. Man sollte sich von anderen aber auch keinesfalls verrückt machen lassen. Wenn man sich mit gutem Gewissen für seine Sekundärliteratur entschieden hat, sollte man an dieser Entscheidung auch festhalten und während der Klausurenvorbereitung keinen Schritt mehr zurück machen.
 

Viel Erfolg bei den anstehenden Prüfungen!

 


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