Werner Ader im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner|Veröffentlicht am 05.06.2024

Werner Ader – Was macht man als Jurist:in beim Bundesnachrichtendienst?

Der Jurist und Bereichsleiter beim BND im New Lawyers Podcast

Werner Ader arbeitet seit über dreißig Jahren beim Bundesnachrichtendienst (BND). In dieser Folge des New Lawyers Podcasts spricht er mit Magdalena Oehl unter anderem über seine Karriere, über den BND als Arbeitgeber für Jurist:innen sowie über die Auswirkungen der Arbeit bei einer Sicherheitsbehörde auf das Privatleben.

 

Als Bereichsleiter im Bundesnachrichtendienst gehört Werner Ader zum Top-Management der geheimsten Behörde Deutschlands. Bereits vor dreieinhalb Jahrzehnten begann er nach dem Jurastudium mit Schwerpunkt im Völker- und Europarecht seine Karriere beim BND – die klassischen juristischen Berufe konnten ihn im Referendariat nicht überzeugen. Begonnen hat seine Laufbahn mit operativen Verwendungen, er war für das Anbahnen und Führen menschlicher Quellen zuständig. Konkret bedeutet das, dass er an Informationen kommen musste, die für einen Auftrag relevant sind. Wie das funktioniert – zum Beispiel durch richtige Gesprächsführung – lerne man in der Ausbildung. Spezielle persönliche Voraussetzungen muss man laut Ader nicht mitbringen: Auch ruhigere Persönlichkeiten könnten durchaus dafür geeignet sein.

Auf seine erste Stelle folgten Auslandsstationen im russischsprachigen Raum, die Sprachausbildung dafür übernahm der BND. Ein Muss seien Auslandseinsätze aber keinesfalls, das hänge von der Stelle und von den persönlichen Präferenzen ab. Auch die Leitung des Rechtsreferats und die Abteilungsleitung für den Bereich Nah-/Mittelost und Afrika hatte Ader inne, bevor er zu seinem jetzigen Job kam.

Fast wie in Agentenfilmen trat er während seiner Laufbahn nicht immer unter seinem echten Namen auf, sondern nahm auch andere Identitäten an. Schauspielern müsse man dafür übrigens nicht – ein Training ist dennoch notwendig, zum Beispiel, um zuverlässig auf seinen neuen Namen zu reagieren.

Mehr spannende Einblicke in Jura-Jobs findest du im New Lawyers Podcast

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Jurist:innen sind beim Bundesnachrichtendienst besonders gefragt

Die Aufgabe des BNDs ist es, nach Auftrag durch die Bundesregierung außen- und sicherheitspolitisch relevante Informationen zu beschaffen, auszuwerten und beratend tätig zu sein – und so letztendlich der Regierung zu ermöglichen, in jedem Fall bestmöglich zu reagieren. Im Angesicht der aktuellen Krisen brauchen wir laut Ader den BND heutzutage mehr denn je.

Auch Jurist:innen seien sehr gefragt, denn sie bringen eine wichtige Fähigkeit mit: Sie können Tatsachen von Behauptungen unterscheiden und daraus Schlussfolgerungen ableiten. Dass das Recht beim BND in den letzten Jahrzehnten eine immer wichtigere Rolle einnimmt, macht Jurist:innen ebenfalls zu begehrten Fachkräften. „Als ich angefangen habe, gab’s noch gar kein BND-Gesetz. Das heutige BND-Gesetz hat über 100 Paragraphen, Tendenz wachsend“, erzählt Ader. Wichtig sei es, offen für unterschiedliche Rechtsgebiete zu sein. Die Teams sind oft klein und die Mitarbeiter:innen müssen sich mit den unterschiedlichsten Themen auseinandersetzen.

Als ich angefangen habe, gab’s noch gar kein BND-Gesetz. Das heutige BND-Gesetz hat über 100 Paragraphen, Tendenz wachsend.
- Werner Ader

Ganz offen über seinen Job und seine Aufgaben kann Werner Ader nicht sprechen – weder in der Öffentlichkeit, noch in seinem persönlichen Umfeld. Als Nachteil sieht er das aber nicht. So könne er die Arbeit im Büro lassen und sich zuhause ganz auf seine Familie konzentrieren. Dabei sei vieles am Arbeitsalltag in der Behörde ganz normal, betont Ader. Dennoch unterscheidet sich der Alltag beim BND etwas von der bei anderen Arbeitgebern. So ist zum Beispiel Home Office (bisher) aus Sicherheitsgründen nur eingeschränkt möglich, der Zugang zum Büro etwas komplizierter und die Sicherheitsvorkehrungen, etwa in der IT, höher.

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Arbeit mit Sinn: Verantwortung und Risiken sind an der Tagesordnung

Der Reiz an der Arbeit liegt für Ader und seine Kolleg:innen in der besonderen Aufgabe. Zwar könne man woanders als Jurist:in mehr verdienen, im Gegensatz zu vielen seiner Bekannten in klassischen Jura-Jobs ist Ader nach über dreißig Jahren jedoch immer noch begeistert von seinem Beruf. Kaum verwunderlich, kann man doch als Mitarbeiter:in beim BND zum Beispiel dazu beitragen, dass ein Terroranschlag rechtzeitig aufgeklärt oder dass ein Anschlag auf eine Bundeswehrpatrouille in einem Einsatzland verhindert wird.

Gerade weil die Arbeit beim BND so sinnstiftend ist, gehen damit nicht nur viel Verantwortung, sondern auch Risiken einher. In seiner Karriere hat Werner Ader einige adrenalingeladene Momente erlebt – und als Abteilungsleiter für Nah-/Mittelost und Afrika auch Mitarbeiter:innen zu risikoreichen und teils sogar lebensbedrohlichen Einsätzen in Afghanistan oder in die Sahel-Region geschickt. Solche Einsätze würden – zusätzlich zur immer wieder optimierten Risikovorbereitung – besonders begleitet.

Ein Nine-to-Five-Job ist die Arbeit beim BND unter solchen Umständen natürlich nicht immer, die Arbeitsintensität wird auch von Krisen bestimmt. Gerade bei Belastungssituationen wie aktuell dem Angriff auf die Ukraine würden in entsprechenden Bereichen viele Wochenenden durchgearbeitet – die Regel ist dies jedoch auch nicht.

 

Du möchtest mehr über die Arbeit beim Bundesnachrichtendienst erfahren? Oder dich interessiert, wie du dich dort bewerben kannst? Dann hör doch mal rein in diese Folge des New Lawyers Podcasts!

Die Themen dieser Folge im Überblick:

 

  • Ab 1:44: Icebreaker-Frage: Was wollten Sie als Kind werden?
  • Ab 2:16: Was macht der BND?
  • Ab 2:57: Braucht man in einer Demokratie einen Nachrichtendienst?
  • Ab 3:55: Von wem bekommt der BND seine Aufträge?
  • Ab 4:38: Wie wird die Geheimhaltung ermöglicht?
  • Ab 5:55: Wie kommt man als Jurist:in zum BND?
  • Ab 6:53: Hat sich Ihre Vorstellung vom BND bewahrheitet?
  • Ab 8:00: Wie läuft der Bewerbungsprozess ab?
  • Ab 9:55: Was waren Ihre Stationen beim BND?
  • Ab 12:30: Auswirkungen der Ausbildung auf das Privatleben
  • Ab 13:20: Auslandseinsätze
  • Ab 16:28: Wie gehen Sie mit den Risiken um?
  • Ab 17:23: Wie gehen Sie mit der Verantwortung um, Deutschland zu schützen?
  • Ab 18:53: Wie sieht ein Einsatz aus?
  • Ab 20:09: Zusammenarbeit mit anderen Parteien
  • Ab 22:15: Was sind Voraussetzungen für die Arbeit beim BND?
  • Ab 24:50: Arbeiten viele Jurist:innen beim BND?
  • Ab 26:35: Sicherheitsvoraussetzungen im Arbeitsalltag
  • Ab 28:09: Wie lässt sich der Job mit dem Familienleben vereinbaren?
  • Ab 30:55: Annahme neuer Identität
  • Ab 32:04: Sind Sie ein „Spion“?
  • Ab 32:59: Was macht den BND als Arbeitgeber aus?
  • Ab 35:03: Wie modern ist der BND?
  • Ab 36:30: Wie beeinflussen aktuelle Krisen die Arbeit?
  • Ab 37:50: Gibt es auch „ruhigere“ Arbeitsplätze?
  • Ab 40:00: Braucht man Vor- bzw. Sprachkenntnisse?
  • Ab 42:33: Kann man aus klassischen juristischen Berufen zum BND wechseln?

Hier findest du das komplette Transkript der Folge mit Dr. Werner Ader

Intro & Icebreaker

 

Magdalena Oehl: Werner Ader ist Bereichsleiter im Bundesnachrichtendienst und gehört damit zum Top -Management des BND, der geheimsten Behörde Deutschlands. Welche Stationen er dort als Jurist durchlaufen hat, welche Herausforderungen ihn dort tagtäglich erwarten und ob gerade Juristen und Juristinnen gute Voraussetzungen haben, um beim BND zu arbeiten, darüber sprechen wir in dieser Folge. Herzlich willkommen, Herr Doktor Ader.

Dr. Werner Ader: Guten Tag Frau Oehl.

Oehl: Wir starten unseren Podcast hier immer mit einer kleinen Icebreaker-Frage und die würde ich gerne auch an Sie richten. Die lautet, was wollten Sie als Kind eigentlich werden?

Ader: Ui. Ja, doch, ich wollte Förster werden. Ich habe als Kind sehr viel gelesen und da gab es eine ganze Buchserie, die sich damit beschäftigten, wie ein Geschwisterpaar in einem Försterhaus groß wird und das fand ich total spannend und habe gesagt, das will ich auch machen.


Vorstellung und Aufträge des BND

 

Oehl: Aber es kam dann doch anders, denn Sie sind beim BND gelandet. Ich glaube, mit dem Begriff BND ist zwar jeder schon mal in Berührung gekommen bzw. hat ihn schon mal gehört, aber ich glaube, die wenigsten können sich was darunter vorstellen, was der BND denn tatsächlich macht. Können Sie dazu ein bisschen mehr erzählen?

Ader: Ja, das mache ich gerne. Vielleicht stellen sich auch viele Leute etwas unter BND vor. Ich weiß aber nicht, ob Sie sich immer das Richtige vorstellen. Der Bundesnachrichtendienst ist der einzige Auslandsnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland. Das heißt, unsere Aufgabe ist es, Informationen, die für die Bundesregierung außen - und sicherheitspolitisch relevant sind, zu beschaffen, rauszuwerten und in diesem Sinne auch zu beraten.

Oehl: Und ist ein Nachrichtendienst in einer Demokratie überhaupt noch erforderlich?

Ader: Aus meiner Sicht mehr denn je. Es gibt ein Bon mot von Böckenförde, also einem Juristen erster Güte, der gesagt hat, der freiheitlich -demokratische Rechtsstaat lebt von Voraussetzungen, die er selber nicht garantieren kann. Zu diesen Voraussetzungen, die er garantieren kann, gehören natürlich alle Instrumente, mit denen die Bundesregierung versucht, nicht nur die Demokratie, unseren Staat und unsere Gesellschaft zu schützen, sondern auch sich Handlungsoptionen so zu erarbeiten, dass sie in jeder Situation optimal reagieren kann. Auch mit Strategien und mit Maßnahmen, die das berücksichtigen, was in Zukunft passieren könnte, möglicherweise sogar um das, was ein Nachrichtendienst beispielsweise prognostiziert für eine Entwicklung im Ausland oder eine Krise, gerade nicht eintreten zu lassen.

Oehl: Und wer gibt dem BND nun letztendlich seine Aufträge?

Ader: Der Bundesnachrichtendienst bekommt seine Aufträge von der Bundesregierung. Dafür gibt es ein regelrechtes Verfahren. Wir sind in Deutschland, das ist also bis ins letzte Detail hinein, durchgeregelt. Aber die eiserne Grundregel für Nachrichtendienste in Deutschland ist, sie geben sich nicht selbst ihren Auftrag, sondern haben, wenn sie so wollen, einen Auftraggeber, einen Besteller. Das ist die Bundesregierung, also alle Ressorts der Bundesregierung, die das, was an Themen und an Regionen in der Welt für sie besonders wichtig ist, in einen Katalog an Forderungen hineinschreiben, der auch regelmäßig aktualisiert wird und untereinander abgestimmt wird. Und das ist unser Pflichtenheft.

Oehl: Und der kommt natürlich unter größter Geheimhaltung zustande, vermute ich.

Ader: Ja, vielleicht ist auch weniger das interessant, was in diesem Katalog, dem Auftragsprofil der Bundesregierung im Jargon, kurz das APB, positiv aufgeführt wird. Da kann sich jedermann eigentlich schnell ausrechnen, welche Länder und welche Themen da im Moment im Vordergrund stehen. Sondern spannend ist es natürlich auch, weil da drin steht, mit welchen Themen wir uns als Nachrichtendienst nicht beschäftigen, weil wir müssen unsere Ressourcen ja auch auf die Themen, die Priorität haben, konzentrieren. Also die schwarzen Löcher, die die Bundesregierung einem Nachrichtendienst zubilligt, sind vielleicht der

Oehl: Und was tut man letztlich dafür, um das geheim zu halten? Finden die Treffen natürlich unter Ausschuss der Öffentlichkeit statt? Das ist sowieso klar. Aber wie findet dann auch die Übermüttelung dieser Dokumente zum Beispiel statt?

Ader: Dafür gibt es innerhalb der Bundesregierung und zwischen den Ressorts und dem Bundesnachrichtendienst abgesicherte Verfahren, das seit langer Zeit, früher eben in dem man mit den entsprechenden Papierdokumenten passend umgegangen ist, jetzt gibt es dafür elektronisch abgesicherte Kommunikationswege.


Wieso als Jurist zum BND?

 

Oehl: Ok, jetzt sind Sie selbst ja vom Hintergrund her Jurist. Wie kommt es denn dazu, dass man als Jurist beim BND landet?

Ader: Ich denke dafür gibt es so viele Gründe, wie es Juristen gibt. Bei mir war es so: Ich habe Jura gerne studiert, das hat mir Spaß gemacht, hat einen Schwerpunkt im Völker - und Europarecht, also etwas mit internationalen Bezügen und dann kam der Referendardienst und da war mir dann relativ schnell klar, einer von den klassischen Berufen, die man dort ausprobiert, ist nicht das, was mich wirklich anzündet und begeistert. Da gibt es für Juristen ja immer einen klassischen Ausweg, wenn man was mit internationalen Bezügen sucht, das ist der Diplomatische Dienst beim Auswärtigen Amt. Viele Kollegen, mit denen ich damals nebenher an einem Lehrstuhl für Völker- und Europarecht gearbeitet habe, haben diesen Weg gewählt und ich hatte irgendwann die Idee, probiere es doch mal beim Bundesnachrichtendienst, das klingt auch spannend und das hat dann auch geklappt.

Oehl: Und war Ihre Vorstellung, die Sie damals vom Bundesnachrichtendienst hatten, auch die, die Sie jetzt oder die sich dann bestätigt hat oder hatten Sie da auch ein gewisses Mysterium dahinter gesehen?

Ader: Also Bestandteil meiner Motivation für die Bewerbung war natürlich einfach mal neugierig herauszubekommen, was machen die denn eigentlich genau, weil das damals Ende der 80er-Jahre noch ein viel größeres Mysterium war als heute. Das ist mir dann aber erläutert worden im Bewerbungsverfahren und wenn ich zurückblicke auf jetzt über dreieinhalb Jahrzehnte im Bundesnachrichtendienst, ja meine Erwartungen sind in dem Sinne eigentlich sogar übertroffen worden, weil ich über diesen langen Zeitraum eigentlich nur - fast nur - spannende Verwendungen hatte. Und wenn ich mit Kollegen, die mit mir Jura studiert haben oder im Referendatdienst waren, heute spreche, dann sagen mir viele von denen so begeistert, wie du von deinem Job berichtest, soweit du überhaupt was erzählen kannst, so begeistert sind wir nicht mehr.

Oehl: Und Sie haben ja die Eignungstests schon kurz angesprochen oder das Auswahlgespräch. Wie kann man sich das eigentlich vorstellen, wenn man sich als Jurist beim BND bewerben möchte?

Ader: Sie können sich ganz einfach bewerben. Es ist nicht schwer, eine Bewerbung beim BND zu initiieren. Das geht inzwischen auch über unsere Homepages, die Sie finden. Ich nehme an, Sie werden das über die Show Notes noch entsprechend verlinken. Sie können auch einfach an den Bundesnachrichtendienst einen Brief schreiben und sagen, dass Sie sich für uns interessieren. Auch dann nehmen wir mit Ihnen Kontakt auf. Also es ist nicht schwer, diese Bewerbung in Gang zu setzen. Natürlich müssen wir nach dem Sicherheitsüberprüfungsgesetz bestimmte Voraussetzungen bei unseren Mitarbeitern sicherstellen. Das ist ein etwas aufwendigeres Verfahren, als wenn Sie sich bei einer Nicht-Sicherheitsbehörde oder im privaten Bereich irgendwo bewerben. Und dazu gehören auch ein Einstellungsverfahren mit Einstellungsgespräch. Das ist im Grunde genommen nicht anders als überall, wo sie ein Assessment Center durchlaufen müssen. Wir interessieren uns ein bisschen dafür, hat man ein Verständnis für internationale Zusammenhänge, aber es muss jetzt niemand, der sich etwa als Informatiker oder in anderen Bereichen bewirbt, gründlich in internationale Politik einlesen. Und als Jurist bringt man glaube ich von Haus aus einen guten allgemeinen Wissensstand mit, zu sagen, jawohl, das gucken wir uns auf jeden Fall an.

Oehl: Und die persönliche Eignung spielt ja auch im BND nochmal eine größere Rolle als vielleicht in der Anwaltskanzlei. Können Sie dazu was sagen, was man für ein Persönlichkeitsprofil auch mitbringen sollte, damit die Bewerbung vielleicht erfolgreich wird?

Ader: Ich glaube nicht, dass es ein Idealbild eines BND-Mitarbeiters gibt, was die Persönlichkeitsmerkmale betrifft. Alle, die sagen, ich bin dazu zu schüchtern, zu introvertiert oder, oh Gott, oh Gott, was muss man da machen, sollten sich davon nicht von der Bewerbung abschrecken lassen. Der BND ist so heterogen in seinen Anforderungen, auch für das, was Juristen hier machen können. Da ist für alle egal, was das für ein Typ ist, sicher was Passendes dabei.


Stationen und Tätigkeiten im BND

 

Oehl: Anhand Ihrer Station, Sie haben ja schon gesagt, Sie waren in unterschiedlicher Verwendung. Können Sie mal so Ihren Lebenslauf abreißen, was Ihre Stationen beim BND genau waren?

Ader: Ich versuche es mal. Ich war zunächst relativ lange in sogenannten operativen Verwendungen tätig, also dem Anbahnen und Führen menschlicher Quellen, dann eine ganze Reihe von Auslandsstationen und schließlich hat mich dann meine juristische Vergangenheit eingeholt. Ich wurde Leiter des Rechtsreferates und danach dann Abteilungsleiter für den Bereich Nah-Mittelost und jetzt als Bereichsleiter für wiederum was anderes.

Oehl: Können Sie ein bisschen sagen, was wir uns unter den einzelnen Stationen vorstellen können? Ich glaube, die erste war Führen von Quellen. Was ist damit genau gemeint?

Ader: Ja, genau das. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich das nicht im Detail erläutern kann, wen und wie und wo und was. Aber das ist ein bisschen das, was sich ja auch viele Unternehmen machen oder was wir alle sogar aus dem persönlichen Umfeld kennen. Da gibt es irgendjemanden, der oder die etwas weiß, was relevant ist für meinen Auftrag. Und dann muss ich mir überlegen, wie komme ich an diese Person und an die Informationen heran? Wie kann ich sie davon überzeugen, mit mir oder dem Bundesnachrichtendienst zu kooperieren? Und da ist die komplette Bandbreite dessen, was wir vielleicht auch bei einer privaten Anbahnung versuchen würden, rückt mal ins Spektrum. Es gibt natürlich, das ist jedem Juristen klar dafür, einen gesetzlichen Rahmen der Zuständigkeit und Befugnisse genau festzulegen. Das ist auch ständig in der Diskussion, ist rechtlich eine total spannende Materie. Aber im Grunde genommen geht es darum, jemanden zu finden, der was weiß und dann zu sagen, wie kann ich den dazu bringen, mir das zu sagen.

Oehl: Ist das etwas, auf das man vorbereitet wird, das man lernen kann oder würden Sie sagen, dass man dazu vielleicht auch eine bestimmte Begabung braucht?

Ader: Sie werden dazu bei uns intensiv ausgebildet. Etliche Monate. Aber im Grunde genommen gibt es nicht den Typus mit Persönlichkeitsmerkmalen, der sagt, das ist die ideale Anbahnerin, der ideale Anbahner. Nochmal, ich kann in zurückhaltender, schüchterner Art und Weise dort genauso erfolgreich agieren wie jemand, der extrem extrovertiert auf Menschen zugehen kann. Das kennen wir auch im privaten Bereich. Es gibt welche, die sind interessant vielleicht gerade, weil sie sich nicht gleich auf Anhieb öffnen. Es gibt andere, die können einfach jedes Gespräch an sich reißen, andere Menschen aufschließen. So ist das in dem Geschäft auch.

Oehl: Und hat das dann auch eine gewisse Auswirkung aufs Private? Würden Sie sagen, wenn man das einmal erlernt hat, dass man das wirklich auch durchwegs anwendet? Oder ist das, was stark im Beruflichen bleibt?

Ader: Also, bei mir ist es im Beruflichen geblieben. Sicher lernt man etwas über Gesprächsführung, über Taktiken der Gesprächsführung. Natürlich gibt es handwerkliche Dinge, die dazugehören, wie funktioniert eine Observation und Ähnliches. Aber im Grunde genommen merken Sie aus diesen Beispielen ja schon, will ich das im Privaten wirklich einsetzen? Also ich wollte es nicht und ich bin mir sicher, all die Kolleginnen und Kollegen, die ich kennengelernt habe, und das war eine Menge im Laufe meiner Berufszeit, würden das auch nicht machen.


Auslandseinsätze und verschiedene Szenarien

 

Oehl: Das kann sicher in einzelnen Fällen ganz praktisch sein, aber verständlich, was Sie sagen. Jetzt haben Sie auch gesagt, Sie waren lange im Ausland. Sie haben am Anfang erzählt, dass das Auswärtige Amt für Sie durchaus auch mal spannend war. Im Auswärtigen Amt ist es ja so, dass man im Rahmen der diplomatischen Laufbahn ins Ausland geschickt wird. Ist das beim BND auch so, dass man wirklich ins Ausland gehen muss, oder kann man sich das aussuchen?

Ader: Bei uns können Sie ins Ausland gehen, Sie müssen, aber nicht. Ich glaube, das ist die Kurzformel. Sicher gibt es auch viele Berufszweige bei uns, der BND ist eine Behörde mit weit über 6 .000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wo sich die Frage einer Auslandsverwendung nie stellt, weil die Kolleginnen und Kollegen das auch für sich persönlich gar nicht wollen. Und dann gibt es viele, die sagen, am liebsten würde ich eine Auslandsverwendung an die andere reihen. In der Regel versuchen wir einen Inlandseinsatz dazwischen zu schalten, weil das erfahrungsgemäß ganz gut tut, um sich wieder an deutsche Normalität zu gewöhnen.

Oehl: Bei Ihnen war der Auslandseinsatz aber auf jeden Fall ein großes Thema. Sie waren eine lange Zeit Ihrer Laufbahn im Ausland, richtig?

Ader: Ja, großes Thema würde ich nicht sagen. Bei mir waren es zwei Auslandsverwendungen, die waren im russischsprachigen Raum. Ich bin im BND in Russisch ausgebildet worden intensiv. Vorteil dieses Arbeitgebers, der mich zum Sprachenlernen im Grunde genommen freigestellt hat sodass ich an Auslandsstellen, die wir dort unterhalten, tätig war. Das war eine total interessante, spannende Zeit. Und danach bin ich halt wieder hier in die Behörde, damals noch nach Pullach zurückgekommen und habe dort weiter gearbeitet.

Oehl: Und wie kam es zur Entscheidung für genau diese Region, also für den russischsprachigen Raum? Gab es da eine persönliche Affinität oder hat sich das einfach angeboten, weil dort vom Auftragsprofil her viel zu tun war?

Ader: Wir haben ja mit diesen Diensten intensiv zusammengearbeitet, weil es damals eine ganze Reihe von gemeinsamen Themen gab. Und die gibt es sicher je nach Region bis heute und ja nach Land. Deshalb, wir sind sozusagen die ND, nachrichtendienstlich-diplomatischen Vertreter, die für solche Kooperationsvorhaben zuständig sind. Und da ist der Raum der ehemaligen Sowjetunion einfach strategisch für die Bundesrepublik immer von herausragendem Interesse gewesen. Und da mitzumachen hat einfach total Spaß gemacht.

Oehl: Und man wird aber auf diesen Auslandseinsatz auch dementsprechend vorbereitet. Man nimmt ja auch gelegentlich oder meistens, das müssen Sie mir sagen, eine andere Identität an, richtig?

Ader: Also in diesem Fall nicht. Das ist ein Auslandseinsatz, wie ich es gerade beschrieben habe, bei dem man im Grunde genommen offiziell akkreditiert wird, bei den gastgebenden Nachrichtendiensten, die wissen, wer ich bin und dass ich vom BND bin und deshalb kooperieren die ja auch mit mir. Also das ist eigentlich eine Phase, wenn Sie so wollen, erstaunlicher Transparenz im nachrichtendienstlichen Geschäft.

Oehl: Aber nicht immer, oder?

Ader: Nicht immer. Aber über die Fälle, darum bitte ich um Verständnis, werden wir hier nicht sprechen.

Oehl: Ja, das verstehen wir natürlich, obwohl die natürlich besonders spannend wären. Jetzt ist es ja so, dass das Bundesinnenministerium auch häufig an diesem Auftragsprofil mitarbeitet, da es ja auch für die Gefährdungslage in Deutschland verantwortlich ist. Der BND schafft wiederum Grundlagen für die Entscheidungen der Bundesregierung, manchmal auch unter hohem Risiko. Kommt dieses Gefühl des Risikos auch bei Ihnen direkt an, also persönlich an? Und wie gehen Sie damit um?

Ader: Ich war in meiner vorletzten Verwendung der Abteilungsleiter für die Region Nah-Mittelost und Afrika. Dort gibt es natürlich Einsätze, die für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr risikoreich waren. Denken Sie an Einsatzszenarien wie in Afghanistan, in Krisenländern der Sahelregion, an anderen Stellen. Wir bereiten Mitarbeiter auf diese Risiken vor. Wir machen das auch, wie ich finde, gründlich. Und wir arbeiten ständig daran, diese Risikovorbereitung weiter zu optimieren. Aber ja, es gibt Einsätze, die haben Risiko, die haben auch buchstäblich Risiko für Leib und Leben. Das sind aber besondere Szenarien, die wir dann auch besonders begleiten.


Verantwortung und Zusammenarbeit

 

Oehl: Die Aufgabe des BNDs ist ja auch, Deutschland und letztlich seine Interessen zu schützen. Das klingt erst mal nach sehr viel Verantwortung. Wie gehen Sie oder auch Mitarbeitende generell mit dieser großen Verantwortung um? Oder ist es vielleicht auch ein ganz großes Plus als Arbeitgeber BND? Weil, wie man gerade sagt, purpose-driven Jobs sind das, was jeder eigentlich möchte. Da gibt es ja eigentlich fast nichts drüber als den BND, oder?

Ader: Aus meiner Sicht ja, 110 Prozent. Ich habe in der Zeit im Rechtsreferat viele junge Mitarbeiter gehabt, die dort ihre Erstverwendung absolviert haben. Viele von denen kamen aus Großkanzleien, waren Superjuristen, die natürlich dort eine ganz andere Verdienstmöglichkeit und Perspektiven hatten als die Tätigkeit im öffentlichen Dienst. Aber viele von denen haben mir gesagt, ich kann mich dort zu Tode arbeiten und das sechs Tage die Woche und habe dann zum Schluss das Problem, nicht mehr die Zeit zu haben, das Geld auszugeben, dass ich dort verdiene. Da mache ich doch lieber etwas, wo ich einen Sinn dahinter sehe und nicht nur ein neues Steueroptimierungsmodell oder Ähnliches zu entwickeln. Ja, das ist eine besondere Aufgabe. Und die Verantwortung, die damit zusammenhängt, ist sicher beträchtlich. Aber es ist ja nicht so, dass man jeden Morgen aufwacht und denkt, oh Gott, oh Gott, welche Verantwortung muss ich heute tragen? Sondern ich freue mich auf das, was ich ganz konkret jeden Tag machen kann.

Oehl: Und das scheint ja sehr abwechslungsreich zu sein.

Ader: In den meisten Fällen, so habe ich es erlebt, ja.

Oehl: Um noch ein bisschen konkreteres Bild zu bekommen, können Sie von einem besonders spannenden Fall aus der Vergangenheit berichten, in dem Sie involviert waren. Ich glaube, es ist klar, dass es nichts ganz Konkretes sein könnte, aber vielleicht ein Umreißen eines Einsatzes, dass man sich darunter noch mehr vorstellen kann.

Ader: Sicher gibt es besonders spannende Fälle. Das sind jetzt nicht, bitte nicht missverstehen, Situationen, die Spaß machen. Wenn es sehr spannend wird, auch weil damit ein hoher Gefährdungsgrad verbunden ist, dann reden wir nicht über die Dimension Spaß, sondern das ist die Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit der Aufgabe, die dann im Vordergrund steht. Und da gibt es sicher auch Momente, die sehr adrenalinschwanger sind. Umgekehrt gibt es auch Sachen, die machen wirklich Spaß. Ich habe vielfach erlebt, auch in der Kooperation mit ausländischen Nachrichtendiensten, Situationen, wo man sich angeguckt hat und gesagt, noch vor wenigen Jahren hätten wir uns in die Augen geguckt, wenn wir das überhaupt physisch hätten können und gesagt, du bist der Gegner oder gar der Feind. Und heute kooperieren wir, um eine terroristische Bewegung aufzuklären, Anschläge zu verhindern. Oder eine gemeinsame strategische Bedrohung in den Griff zu kriegen. Das sind Dinge, unabhängig davon, dass sie inhaltlich wichtig sind, die machen dann auch einfach Spaß.

Oehl: Das kann ich mir vorstellen. Sie haben gerade schon jetzt davon gesprochen, dass man mit manchen oder mit einem gegnerischen - oder nicht gegnerischen, aber einem anderen - Nachrichtendienst dann zusammenarbeitet. Nichtsdestotrotz hat man in der Tätigkeit, gerade in der Beschaffung, wahrscheinlich auch ein Gegenüber, das vielleicht nicht den eigenen Werten entspricht oder nach den eigenen Werten gehandelt hat. Kommt man häufig in die Situation, dass man auch mit Menschen zu tun hat, mit denen man eigentlich nichts zu tun haben möchte?

Ader: Ja, das passiert sicher. Auf der anderen Seite, solange man unabhängig von persönlichen Sympathien Interessen miteinander in Einklang bringen kann, kann man auch mit Leuten zusammenarbeiten, die man persönlich nicht mag. Ich glaube, da ist es beim BND auch nicht anders als in anderen Firmen, Organisationen, Kanzleien oder was auch immer. Aber als Anwalt werden Sie nicht immer einen Mandanten haben, den Sie persönlich bewundern oder besonders gern haben.

Oehl: Das kann ich mir auch sehr gut vorstellen. Allerdings bewegt sich es da ja meistens wahrscheinlich in einem, ja, ich sag mal, rechtskonformen Raum. Hat man in dem Bereich auch mit Menschen zu tun, die Gesetze gebrochen haben und man trotzdem mit ihnen einen Weg finden muss, um eben an gewisse Informationen ranzukommen?

Ader: Jetzt muss ich natürlich mal klarstellen, auch der BND agiert im rechtskonformen Raum und wenn er das nicht tut, dann gibt es schon Kontrollorgane, die uns darauf hinweisen. Natürlich haben wir auf internationaler Ebene mit Gegenüber zu tun, möglicherweise Quellen, die wir versuchen anzuwerben oder auch anderen ausländischen Nachrichtendiensten, die nach unserem Rechtsverständnis eindeutig Rechtsbrecher, vielleicht auch Verbrecher sind. Das ist ein Abwägungsprozess, dafür gibt es bestimmte rechtliche Leitplanken, die letzten Endes sich aus dem BND-Gesetz ergeben. Und dann kann man eine solche Kooperation eingehen, wenn sie einen entsprechenden Ertrag verspricht. Auch im BND gilt: der Zweck heilig nicht die Mittel, nein. Aber wenn man innerhalb dieses rechtlichen Rahmens Interessenkonkurrenz hat, dann findet eine Kooperation statt.


Chancen für Juristen beim BND

 

Oehl: Ich würde gern noch mal ein bisschen tiefer gehen beim BND als Arbeitgeber. Wir haben schon darüber gesprochen, dass Persönlichkeitsmerkmale nicht vorrangig sind, um geeignet zu sein, da man auch ausgebildet wird dafür. Gibt's aber, wenn Juristen jetzt darüber nachdenken, sich beim BND zu bewerben, trotzdem irgendwas, wo sie sagen, das sollte man wissen, das ist Voraussetzung oder das sollte man mitbringen in irgendeiner Form?

Ader: Nicht von der Persönlichkeit her. Ich denke, für Juristen ist es wichtig, sich nicht auf eine bestimmte Rechtsmaterie zu kaprizieren, zu sagen, das möchte ich machen und nur das. Wir haben als große Behörde im Grunde genommen alle Rechtsgebiete irgendwie zu behandeln. Sicher ist das eigentliche Fachrecht der Nachrichtendienst, also für uns das BND-Gesetz und all die anderen rechtlichen Regelungen, die es für unsere Tätigkeit inzwischen gibt, eine innerlich total spannende Materie, weil das im Grunde genommen gelebtes, konkretisiertes Verfassungsrecht ist. Da haben sie unmittelbar zu tun mit Kernbereichen des Datenschutzrechts, der Befugnisausübung in einem Bereich, der nicht wie die Polizei auf unmittelbare Zwangsmechanismen zugreifen kann, sondern sich unter Auslandsbedingungen in einem schwierigen Umfeld mit einer schwierigen Aufgabe beschäftigen muss. Aber auch die anderen Dinge, die Sie als Jurist im BND möglicherweise dann zu bewältigen haben, sei es das Beschaffungswesen, das Vergaberecht findet ja unter nachrichtendienstlichen Rahmenbedingungen statt. Es ist eben nicht so trivial, für einen Nachrichtendienst bestimmte Ausrüstung zu kaufen, auszuwählen, das vergaberechtlich zu bewältigen. Das ist durchaus anspruchsvoll und kann spannend sein. Oder im Bereich des öffentlichen Dienstrechts. Es gibt, das wird Juristen interessieren, oder Sie kennen das, eine Sonderzuständigkeit in §50 Verwaltungsgerichtsordnung, dass alle Fälle des BND, die im öffentlichen Recht spielen, direkt in erster und damit letzter Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht landen. Das heißt, auch als junge Juristin, Jurist plädieren und schreiben Sie Schriftritze unmittelbar an eines der Bundesgerichte. Deswegen ist der BND auch ein sehr beliebter Klagegegner bei anderen Behörden, weil wir gerade in öffentlichen Dienstrechtsangelegenheiten mit unseren Fällen immer sofort höchstrichterliche Rechtsprechungen auslösen, sodass wir sehr viel in der fachjuristischen Publikation auftauchen und alle sich darüber freuen und sagen, jetzt haben wir gleich Klarheit.

Oehl: Das hört sich also an, als sind Juristen durchaus geeignet, sich beim BND zu bewerben. Tun das denn viele bzw. arbeiten viele Juristinnen und Juristen beim BND?

Ader: Wir brauchen händeringend Juristen. Das hängt auch damit zusammen, dass unsere Tätigkeit sehr viel stärker verrechtlicht ist als früher. Als ich angefangen habe, gab es noch gar kein BND-Gesetz. Das heutige BND-Gesetz hat über 100 Paragrafen, Tendenz wachsend. Also Juristen sind hoch willkommen, aber nicht nur in den eigentlichen juristischen Disziplinen. Das ist eine alte Erfahrungsregel. Juristen sind vielleicht stärker als andere Berufsgruppen darauf getrimmt, Tatsachen von Behauptungen zu unterscheiden und dann aus dem, was Tatsache ist, Schlussforderungen abzuleiten. Das ist eine Grundfähigkeit und Tugend, die Sie in allen möglichen nachrichtendienstlichen Disziplinen sehr gut gebrauchen können.

Oehl: Der BND ist ja gerade auch mit einer großen Kampagne nach draußen gegangen, um Mitarbeiter zu gewinnen, die, wie ich finde, sehr aufsehenerregend war und vor allem auch sehr, sehr gut gemacht. Es gab zum Beispiel den Slogan Terroristen gesucht und dann wurde natürlich aufgeklärt, dass man selbst kein Terrorist sein muss, um dort zu arbeiten, sondern ganz im Gegenteil, dazu beitragen kann, die aufzuspüren. Gab es da einen gewissen Anlass auch zu sagen, wir gehen jetzt stärker nach draußen, weil wir einfach auch den Fachkräftemangel sehen, der viele trifft und wahrscheinlich auch den BND nicht verschont?

Ader: Ja, genau so ist das. Sie haben es im Grunde genommen selber gerade beschrieben. Wir haben massiven Personaleinstellungsbedarf quer durch alle Fächer, Laufbahn- und Besoldungsgruppen, aber darunter natürlich auch für Juristen aus den gerade dargestellten Gründen. Und dazu gehört auch, dass wir am Arbeitsmarkt auf uns selber aufmerksam machen, Interesse wecken, um gerade jungen interessierten, aufgeschlossenen Juristinnen und Juristen zu sagen, probiert es doch mal bei uns.


Job-bedingter Sicherheitstatus & Berufsbezeichnungen

 

Oehl: Noch mal zu diesem Sicherheitsthema. Sicherheit ist ja omnipräsent. Angefangen bei den Eignungstests und dann natürlich auch im täglichen Job. Können Sie Beispiele nennen, worauf Sie besonders achten müssen? Ganz plastisch, können Sie morgens einfach in Ihr Büro spazieren, mit dem Schlüssel die Tür aufsperren und sich dann an Ihren Laptop setzen oder sind da auch gewisse Dinge erforderlich? Und was macht das auch mit einem, wenn man wirklich täglich mit diesem oder in jedem Moment mit dem Thema Sicherheit zu tun hat?

Ader: Also wahrscheinlich müssten Sie meine Frau fragen, ob das irgendetwas mit mir gemacht hat. Ich behaupte jetzt mal nein. Natürlich ist der Zugang zu einem Büro beim Bundesnachrichtendienst ein bisschen komplizierter. Es gibt wie in jeder Sicherheitsbehörde oder in Sicherheitsbereichen von Unternehmen technische Vorrichtungen, um sicherzustellen, hier dürfen nur diejenigen rein, die tatsächlich dazu berechtigt sind. Ja, wir haben besonders geschützte elektronische Kommunikationssysteme im Haus. Wir haben ein komplett abgeschottetes Netz, an dem wir sitzen, soweit wir hier am Schreibtisch arbeiten. Also das sind in Anführungsstrichen ganz normale Schutzmechanismen. Ich kenne eigentlich auch in der Rückschau niemanden, der jetzt durch die Tätigkeit beim BND, egal in welchem Feld, sich in seinem persönlichen Verhalten geändert hätte oder besonders oft über die Schulter schaut, ob ihm jemand nachläuft oder beim Autofahren mehr den Blick im Rückspiegel hat. Das wäre auch nicht zu empfehlen. Vieles ist bei uns ganz normal, aber spannend.

Oehl: Sie haben gerade schon Ihre Frau erwähnt. Ich glaube, das ist auch eine Frage, die viele extrem spannend findet. Wie lässt sich denn dieser Job, vor allem wenn man in einem beispielsweise Auslandseinsatz ist, mit dem Familienleben vereinbaren? Und ich meine damit nicht, dass man dann aus dem Ausland arbeiten muss, sondern inwieweit darf man die Familie darüber informieren, was man genau tut und wie geht man auch damit um? Wenn man vielleicht Kinder hat, die das gerne wissen würden, was man macht.

Ader: Ja klar, das ist die Klassikerfrage in der Grundschule. Kinder sollen noch mal einen kleinen Aufsatz schreiben oder beschreiben, was machen denn Mama und Papa im Büro. Oder ein Bild malen, wie der Arbeitsplatz aussieht. Was meine Kinder nicht wussten, die haben dann, weil sie wussten, dass ich in Pullach in diese große Liegenschaft hinter dem hohen Zaun morgens reinfahre und abends wieder rauskomme, dann irgendwann ein Bild gemalt mit einer Mauer mit Stacheldraht und Schlagbäumen, dass sich die Lehrerin vielleicht gefragt hat, ob der Papa im Knast sitzt.

Oehl: Konnten Sie das aufklären?

Ader: Das konnten wir aufklären. Nein, auch da ist ganz viel Normalität. Natürlich wusste meine Frau, meine Freundin ja zunächst, wo ich arbeite. Ich glaube, das ist eine Frage des Vertrauens, in eine Beziehung so etwas offen zu legen. Und das können wir auch. Es gibt auch viele Mitarbeiter, die das ganz offen in ihr Umfeld kommunizieren können. Ich arbeite beim Bundesnachrichtendienst. Bei mir ist das inzwischen, weil ich so alt und so lange dabei bin und ja auch öffentlich aufgetreten bin, zum Beispiel im Rechtsreferat ohnehin klar. Das heißt, da stellt sich das Problem nicht. Umgekehrt finde ich, hat es auch große persönliche Erleichterungen und Vorteile. Ich kann eben nicht über meine Tätigkeit im Büro erzählen oder nur in sehr abstrakter Form. Das heißt, ich kann das Büro wirklich im Büro lassen und schleppe das nicht im Kopf mit nach Hause. Das ist großartig.

Oehl: Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass natürlich versucht wird, Ihnen das eine oder andere Detail zu entlocken, weil das natürlich besonders spannend wäre.

Ader: Ja, das probieren Sie ja auch gerade und das finde ich auch gut.

Oehl: Bin bisher gescheitert, aber ich bleibe dran. Kurz noch mal zu diesem Thema, man darf natürlich da nicht ins Detail gehen, also auch wenn Sie mit Ihrer Frau, der damaligen Freundin, gesprochen haben, konnten Sie sagen, Sie arbeiten beim BND, aber Sie konnten jetzt nicht von einem aufregenden Detail in der Informationsbeschaffung erzählen, richtig? Also man muss an einer gewissen Oberfläche bleiben?

Ader: Ja, wobei ich das nicht als "an der Oberfläche bleiben" empfinden würde, sondern in dem Moment, wo ich klarstellen kann, ich arbeite für den deutschen Auslandsnachrichtendienst, ist es selbsterklärend, dass ich keinerlei weitere Details zu Hause ausbreiten kann. Das erspart auch viel Argumentation. Ja, man kann sich auf das konzentrieren, was in einer Beziehung, einer Familie, im Privatleben wirklich wichtig ist.

Oehl: Und auch mit dem Annehmen einer neuen Identität, waren Sie zum Beispiel selbst schon mal mit anderem Namen unterwegs, also nicht mit Ihrem tatsächlichen Geburtsnamen?

Ader: Ganz oft.

Oehl: Wie kann man sich das vorstellen? Also man bekommt dann wirklich einen neuen Ausweis ausgehändigt, auf dem anderer Name steht und trainiert das dann auch, dass man sozusagen diese neue Identität annimmt oder man bleibt eigentlich immer der gleiche, nur einfach mit einem anderen Namen?

Ader: Von der Persönlichkeit sollte man immer der bleiben, der man ist. Alles andere lässt sich auch schauspielerisch nicht durchhalten. Wir sind nicht Staatsschauspieler, sondern ich bleibe der, der ich bin. Das ist auch gut so. Auf einen anderen Namen, eine andere berufliche Identität kann man ausweichen. Aber ist in der Tat so, wie Sie es gerade beschrieben haben, das muss man ein bisschen trainieren, denn eigentlich muss man auf diesen Namen ja auch auf Zuruf von hinten reagieren und sich dann umdrehen. Das ist tatsächlich ein bisschen eine Frage, wie man sich eingewöhnt in eine solche fiktive Identität. Das kann man aber üben.

Oehl: Das heißt, wir werden gar nicht erfahren, ob Sie wirklich Dr. Ader sind oder nicht?

Ader: Ja, jetzt schwöre ich mal alle heiligen Spioneide, ich heiße tatsächlich so. Aber es ist gut, es ist eine nachrichtendienstliche Grundtugend, wenn Sie sagen, eine gewisse Skepsis bleibt. Skepsis ist die Wurzel für Neugier und Neugier ist die Wurzel für nachrichtendienstlichen Erfolg.

Oehl: Verstanden. Sie hatten gerade auch eben das Wort Spion in den Mund genommen. Das ist wirklich die umgangssprachliche Berufsbezeichnung, richtig?

Ader: Ich habe damit kein Problem, mich als hauptberuflichen Spion zu bezeichnen. Aber es gibt durchaus viele Kolleginnen und Kollegen, die sagen, na ja, Spion ist ein bisschen negativ konnotiert. Ich kann es mir im Augenzwinkern benutzen. Viele auch im internationalen Bereich bevorzugen Begriffe, wie wir sind in der Nachrichtendienstler, wir sind in der Aufklärung, wir sind in der Auslandsaufklärung tätig. Ja, das sind ja auch die begrifflich präziseren Begriffe, aber ich habe auch keine Schwierigkeiten damit, als Spion durch die Welt zu laufen.


Jobkonditionen beim BND

 

Oehl: Das hört sich gut an. Kurz noch mal zum BND als Arbeitgeber. Wir haben verstanden, Juristen sind aufgerufen, sich zu bewerben. Was macht denn für Sie den BND auch noch mal auf einer übergeordneten Ebene als Arbeitgeber aus? Was ist das Besondere daran? Wir haben schon über den Purpose letztlich gesprochen, der beim BND zu 100 Prozent oder sogar 110 Prozent, wie Sie gesagt haben, gegeben ist. Aber wie sind generell die Arbeitsbedingungen? Hat man überschaubare Arbeitszeiten? Muss man eine gewisse Flexibilität haben? Wie sind auch Gehälter und ähnliches? Also würden Sie sagen, Sie sind da konkurrenzfähig mit den Kanzleien?

Ader: Das ist ein heikler Punkt. Ich glaube, da muss man nicht um den heißen Brei herumreden. Wir zahlen zu den Konditionen des öffentlichen Dienstes. Woanders kann man mehr verdienen. Es gibt bestimmte Zulagen im IT-Bereich. Alles Dinge, die aber auch andere Behörden leisten können, je nach Konstellation. Die Attraktivität der Tätigkeiten beim Bundesnachrichtendienst kommt nach meinem Eindruck - so war es bei mir, und so kenne ich es von ganz vielen Kolleginnen und Kollegen - aus der besonderen Aufgabe. Und wenn man dann mal, sei es nur kleine Stücke, sieht, wo man dazu beigetragen hat, einen Terroranschlag rechtzeitig aufzuklären, einen Anschlag auf eine Bundeswehrpatrouille in einem Einsatzland zu verhindern, ein Mosaiksteinchen zuzuliefern, um zu verstehen, welche Strategie verfolgt denn ein ausländischer Akteur, der der Bundesrepublik nicht wohlgesonnen ist und dadurch Gegenmaßnahmen zu ermöglichen, dann verschafft das schon sehr viel Befriedigung. Jetzt ist es sicher nicht so, dass jeder hier abends rausgeht und sagt, heute habe ich mal wieder einen solchen Erfolg erreicht. Das ist ja sehr viel Teamarbeit. Insofern ist es sicher hilfreich, wenn man gerne im Team arbeitet. Und das macht auch für viele so die alltägliche Zufriedenheit aus, dass das Team gut ist und wenn das gut geführt wird, deswegen kommen Leute tagtäglich hier gut rein. Was sie vom Grundsatz her motiviert, ist die Aufgabe. Aber das Umfeld wird sehr stark von der Teamsituation bestimmt. Und wir haben alle kennengelernt hier im Bundesnachrichtendienst. Es gibt hier nahezu keine Aufgabe, die man als Solitär bewältigen kann.

Oehl: Wir haben ja immer den Ruf, vielleicht nicht die modernsten Arbeitsbedingungen zu liefern. Wie steht denn der BND? Da hat man durchaus auch die Möglichkeit, mal von zu Hause zu arbeiten und Ähnliches.

Ader: Also wir haben natürlich hier so ein tolles, schickes, neues Gebäude, dass der Wunsch, jeden Morgen reinzukommen, unbezwingbar groß ist.

Oehl: In Pullach bei München?

Ader: In Pullach nicht ganz so, wo ich lange gearbeitet habe. Das hat einen eigenen Charme, der durchaus auch was hat. Wir haben, was wir sehr gerne selber ändern würden, nur eingeschränkte Möglichkeiten, Homeoffice zu betreiben. Das gibt bestimmt Konstellationen. Wir sind dabei, entsprechende IT zu entwickeln, um das auszubauen. Aber am Ende des Tages bleibt natürlich übrig, wir sind eine Sicherheitsbehörde, die in diesen Zeiten mehr denn je auch gegnerischen Ausspähungsversuchen ausgesetzt ist. Das heißt, wir müssen uns optimal schützen. Und optimal schützen kann ich mich natürlich zunächst mal, indem ich mich in eine Infrastruktur hineinbegebe, die als solche besonders gehärtet ist. Und das ist die Zentrale des BND oder seiner Außenstellen. Von daher so viel Homeoffice, wie Sie das möglicherweise in einer Anwaltskanzlei in Anspruch nehmen können, werden wir niemandem anbieten können.

Oehl: Ich glaube trotzdem der Unterschied ist ja hier, dass das einen Zweck verfolgt, warum das eben nur eingeschränkt möglich ist und das dann auch auf denjenigen, der dort arbeitet, ganz anders wirkt, als wenn das jetzt einfach vom Chef vielleicht nicht gewünscht ist und es eigentlich keinen richtigen Grund dafür gibt. Sie haben es gerade schon angesprochen. Wie beeinflussen denn eigentlich aktuelle Krisen, die wir haben, die Arbeit des BND? Ist er jetzt wichtiger denn je?

Oehl: Uneingeschränkt ja. Natürlich sind Krisen Bestandteil unseres Kerngeschäfts. Ich glaube dafür braucht man nicht viel Fantasie oder Vorstellungsvermögen, dass nach dem russischen Angriff auf die Ukraine oder jetzt seit den Ereignissen am siebten Oktober in Israel, bei uns extreme Belastungssituationen waren, wo hier viele Kolleginnen und Kollegen dann auch viele Wochenenden durchgearbeitet haben. Das hatte enormen zusätzlichen Arbeitsaufwand jeweils bei den für diese Region, für diese Konflikte, zuständige Experten ausgelöst, die natürlich auch ungeheuer gefragt waren. Das sind eigentlich die Momente - und das kann sich über Wochen hinziehen - die dann durchaus sehr sehr anstrengend werden, wo man spürt, wie wichtig das, was wir machen, tatsächlich für die Entscheidungsträger in der Bundesregierung ist.

Oehl: Klar und das fordert manchmal natürlich dann auch außergewöhnlichen Einsatz, dass man keine 9 to 5 Arbeitszeiten in so einer Phase hat, glaube ich, es wahrscheinlich allen klar. 

Ader: Ja.

Oehl: Gibt es trotzdem noch was, was Sie sagen, das ist jetzt speziell für Juristen ein besonderes Plus? Sie haben es, glaube ich, schon ein paar Mal angesprochen, warum die Tätigkeit besonders für Juristen attraktiv ist. Aber wenn man jetzt zum Beispiel sagt, ich finde BND als Arbeitgeber spannend, aber Auslandseinsätze und ähnliches sind nicht so mein Ding. Gibt es auch, ich sag mal, etwas ruhigere Aufgaben beim BND, die aber vielleicht auch sehr spannend sein könnten?

Ader: Das gibt es sicher. Unterm Strich sind wir eine Behörde. Da gibt es Tätigkeitsumfelder, die ein bisschen einfach durch das äußere Regelwerk so definiert sind, dass man nicht befürchten muss, an irgendeiner besonders exponierten Stelle zu stehen. Ich würde aber ungern für unser Haus werben, damit zu sagen, es gibt auch windgeschützte Ecken. Bei näherem Hinsehen, die sind sicher rar, weil das ist ja, wenn Sie so wollen, ein Gesamtkunstwerk. Wenn ich zum Beispiel den Bundesnachrichtendienst technisch zukunftssicher aufstellen will, denken Sie an Cyberbedrohung, dann muss ich ihn mit einer entsprechenden Technik ausstatten. Diese Technik muss in einem vergaberechtlich einwandfreien Verfahren besorgt werden. Dafür braucht es schon Leute, die bereit sind, sich in diese Dinge reinzufuchsen, das aber auch nachrichtendienstlich zu betrachten, zu bewerten, zu sagen, warum können wir bestimmte Dinge zum Beispiel nicht europaweit ausschreiben, warum gelten für uns sicherheitliche Auflagen, wie lässt sich das begründen? Und das setzt sich fort in viele verschiedene Ecken. Wir haben Tätigkeiten, die sind in der Tat im wesentlichen hausintern, gerade im Bereich der Verwaltung. Und wir sind eine große Verwaltung, und ich glaube keine Verwaltungsbehörde in Deutschland hat in den letzten 20 Jahren Prozesse drastisch verschlanken können. Wir haben einfach eine immer stärkere Verrechtlichung aller möglichen Abläufe. Und das ist klassisches Tätigkeitsfeld der Juristen. Und das aber mit dem Bewusstsein, um die nachrichtendienstliche Aufgabe machen zu können und zu sagen, wie kann ich trotzdem hier den Besonderheiten unseres Dienstes mit all seiner Notwendigkeit, auf Krisen reagieren zu können, wie kann ich dem zum Erfolg verhelfen, das greift in allen Bereichen. Das macht es auch für Juristen spannend. Sie brauchen vielleicht ein bisschen mehr Fantasie als Jurist bei uns als in anderen Bereichen.


Vorkenntnisse für die Bewerbung beim BND

Oehl: Sie haben auch gerade Themen angesprochen wie Cybersecurity. Sind das denn Themenbereiche, bei denen man schon Vorkenntnisse mitbringen sollte, wenn man sich bewirbt, oder ist der BND da auch in der Lage, einen in dieser Hinsicht auszubilden, wenn ein besonderes Interesse besteht?

Ader: Soweit sich die Frage jetzt an potenzielle Bewerber unter den Juristen richtet: natürlich ist es von großem Vorteil, wenn jemand in dem Bereich, da gibt es ja entsprechende Zusatzqualifikationen, die auch gezielt von Juristen erworben werden können, solche Kenntnis und Fähigkeiten mitbringt. Das macht eine Bewerbung sicher interessant. Ansonsten ist es wie überall, man kann sich in viele Dinge einarbeiten, dafür gibt es Unterstützung. Unsere Teams sind auch relativ klein, sodass man sehr schnell einen relativ weit gefächerten Zuständigkeitsbereich hat. Also man kann sich immer wieder - und muss sich - mit ständig neuen Dingen und nicht immer demselben Routinevorgang erneut beschäftigen. Das, glaube ich, macht es schon interessant. Wer ein bisschen vielseitig interessiert ist und sagt, ich bin nicht allein fokussiert auf das öffentliche Dienstrecht oder eine bestimmte Tätigkeit technisch-rechtlicher Art, der ist hier hoch willkommen.

Oehl: Sie hatten auch gesagt, Sie wurden von BND dann in der russischen Sprache ausgebildet. Hat es denn auch Vorteile, wenn man zum Beispiel weiß, dass man vielleicht noch im Studium ist, aber sich mal beim BND bewerben möchte, wenn man im Studium schon neue Sprachen erlernt? Oder ist das zu weit vorgegriffen?

Ader: Sprachkenntnisse sind immer von Vorteil. Ich kenne eigentlich kaum noch Bewerbungen, wo nicht ein erstaunlich gutes englisches Sprachprofil dargestellt wird. Weitere Fremdsprachen außer Englisch sind sehr willkommen. Ehrlicherweise muss man dazusagen, wenn man diese Sprachkenntnisse durch Auslandsaufenthalte in Ländern wie beispielsweise Russland oder im Nahen Osten erwirbt, muss man sich schon ein bisschen überlegen, wo man das macht. Denn im Zuge der Sicherheitsüberprüfung wird unsere hauseigene Abteilung Eigensicherung natürlich sagen, ok, könnten sich hierbei Ansatzpunkte ergeben haben für gegnerische, nachrichtendienstliche Ansätze. Aber eine grundsätzliche Fertigkeit, gerade auch in Sprachen, die in der NATO oder im Rahmen der westlichen Staatengemeinschaft verbreitet sind, Spanisch, Italienisch, Französisch, Japanisch, herzlich willkommen, da finden wir garantiert was Passendes.

Oehl: Ja, die Auswahl ist groß an Sprachen, natürlich kann man sich dann vielleicht schon auf gewisse Länder etwas mehr fokussieren, die wahrscheinlich in das Auftragsprofil noch mal besser reinpassen. Meine letzte Frage wäre auch noch mal zum Thema Bewerbung. Es gibt ja durchaus Juristen, die erstmal den ganz klassischen Weg in die Großkanzlei gegangen sind oder auch in den Staatsdienst. Gibt es auch die Möglichkeit sich dann noch zu bewerben oder ist der Zug für den BND dann eigentlich schon abgefahren?

Ader: Nein, die Möglichkeit gibt es praktisch jeder Zeit. Jede Bewerbung wird einzeln individuell geprüft. Aber wie gesagt, ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen, die den Weg zunächst mal beruflich an anderer Stelle begonnen haben und dann zum Schluss bei uns gelandet sind. Es gibt auch welche, die haben es bei uns probiert, sind reingekommen, haben gesagt, hm, ist noch nicht ganz das, was ich mir vorstelle. Ich gehe zurück in eine Staatsanwaltschaft, vielleicht, weil das in meinem familiären Umfeld näher ist, und dann nach drei, vier Jahren bei uns wieder geklopft haben, gesagt, kann ich nicht doch zurückkommen? Eigentlich ist es bei euch viel spannender. Die nehmen wir dann auch gerne wieder.

Oehl: Also es ist nie zu spät.

Ader: Das ist so, ja.

Oehl: Und Initiativbewerbungen sind gern gesehen. Es gibt, glaube ich, sowieso nicht die Möglichkeit, sich auf eine konkrete Stelle zu bewerben, vielleicht vereinzelt, aber grundsätzlich ist eine Initiativbewerbung, die ja manchmal oder zumindest von Bewerberseite häufig unter dem Gesichtpunkt gesehen wird "naja gut, muss ich mich da überhaupt bewerben, wenn da gar keine Stelle ausgeschrieben ist?" kein Fehler. Denn das ist beim BND ausdrücklich nicht so, richtig?

Ader: Das ist inzwischen ausdrücklich nicht mehr so. In der Tat, wir lassen wieder Initiativbewerbungen zu. Wir haben einfach einen so großen Einstellungsbedarf, dass wir gerade an Interessenten, die sagen, ich komme selbst auf die Idee, das beim BND zu versuchen, eigentlich ein besonders großes Interesse haben, denn da zeigt ja jemand, ich habe mich mal gedanklich mit der Frage auseinandergesetzt, was macht denn der BND und warum könnte das für mich was sein? Das ist doch schon eine hervorragende Gesprächsbasis.


Outro

 

Oehl: Das hört sich gut an. Herr Dr. Ader, vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit genommen haben. Ich glaube, wir konnten - auch, wenn Sie nicht alles verraten haben - doch sehr gute Einblicke bekommen, wie die Arbeit beim BND so aussieht und ich glaube, Sie haben vielen Lust gemacht, den BND mal als Arbeitgeber genauer unter die Lupe zu nehmen und vielleicht direkt eine Bewerbung rauszuschicken. Vielen, vielen Dank nochmal an Sie.

Ader: Frau Oehl, ich habe Ihnen zu danken. Vielen Dank für das Gespräch und schicken Sie mal eine Bewerbung los.

Oehl: Vielleicht werde ich auch selber zur Tat schreiten. Wir schauen mal. Vielen Dank auf jeden Fall.

Ader: Tschüss nach München.

Oehl: Tschüss, vielen Dank.


*Foto: Dr. Werner Ader, Bereichsleiter im BND. Quelle: BND

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Laura Hörner
Kulturwirtschaft Uni Passau

Als freie Autorin schreibt Laura Hörner bei TalentRocket über Themen rund um die juristische Karriere. Besonders interessiert sie sich dabei für die vielfältigen Karrierewege, die Jurist:innen offenstehen.